Deferoxamin

Allgemeines

Deferoxamin dient zur Behandlung der chronischen Überladung des Körpers mit Eisen, wie sie durch verschiedene Krankheiten hervorgerufen werden kann. So beispielsweise durch die Stoffwechselstörung Porphyrie (Porphyria cutanea tarda). Aber auch in Folge von Bluttransfusionen kann es zu Eisenüberladung kommen, wenn der Empfänger die Krankheit Thalassämie hat oder an anderen Arten von Blutarmut (sideroblastischer Anämie, autoimmunhämolytischer Anämie) leidet.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Eisen in Komplexen binden
  • Eisen in Form von Komplexen aus dem Körper entfernen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Deferoxamin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Deferoxamin nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Deferoxamin nicht eingesetzt werden, es sei denn, es wurde eine erfolgreiche Desensibilisierung durchgeführt.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Deferoxamin angewendet werden bei
  • Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, weil die Ausscheidung der fertigen Komplexe über den Urin geschieht
  • Kindern und Jugendlichen, weil es zu Wachstumsstörungen kommen kann
  • Patienten mit Herzmuskelschwäche, weil sie sorgfältig überwacht werden müssen, besonders wenn sie zusätzlich Vitamin C erhalten
  • Patienten mit aluminiumbedingter Gehirnerkrankung, weil bei ihnen Krämpfe auftreten können.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt nur wenige Erfahrungen über die Anwendung von Deferoxamin bei Schwangeren. Tierexperimente an Kaninchen haben schädliche Auswirkungen auf die Nachkommenschaft gezeigt. Das mögliche Risiko für den Menschen ist nicht bekannt. Desferoxamin darf daher während der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden.

Es ist nicht bekannt, ob der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt. Ein Risiko für den Säugling ist nicht auszuschließen. Der Arzt wird darüber entscheiden, ob Deferoxamin eingesetzt und das Stillen beendet wird oder die Behandlung unterbleiben muss. Dabei wird er den Vorteil des Stillens für das Kind und den Vorteil der Therapie für die Mutter gegeneinander abwägen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Auch Kinder können mit dem Wirkstoff behandelt werden. Da es bei ihnen dadurch aber zu Wachstumsstörungen kommen kann, muss der Zustand der Kinder besonders sorgfältig ärztlich überwacht werden.

Welche Nebenwirkungen kann Deferoxamin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Deferoxamin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen,
An der Injektionsstelle:
Schmerzen, Schwellung, Verhärtung, Rötung, Juckreiz, Schorf.

Häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Übelkeit, Nesselsucht, Fieber.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Hochtonschwerhörigkeit, Ohrensausen, Asthma, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Wachstumsverzögerungen, Knochenveränderungen (bei hohen Dosen und besonders bei Kindern innerhalb der ersten 3 Lebensjahre).
An der Injektionsstelle:
Bläschen, Schwellungen, Brennen.

Seltene Nebenwirkungen:
Pilzinfektion der Schleimhäute, Sehverlust, Flimmersehen, Netzhauterkrankung, Sehnerventzündung, Grauer Star, Nachlassen der Sehschärfe, verschwommene Sicht, Nachtblindheit, Gesichtsfeldeinschränkung, Farbsehstörung, Hornhauttrübung, niedriger Blutdruck, Herzrasen, Kreislaufzusammenbruch.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Magen-Darm-Entzündung, Infektionen mit Yersinien (seltenen Bakterien), Bluterkrankungen (Mangel an Blutplättchen und weißen Blutkörperchen), allergische Reaktionen mit oder ohne Schock, Gesichtsschwellung, Nervenstörungen (einschließlich Schwindel, Beschleunigung oder Verstärkung einer aluminium- und dialysebedingten Gehirnerkrankung), Störungen der nervlichen Empfindung und Reizweiterleitung, nervliche Missempfindungen, Atemnot mit Blaufärbung der Haut und Wasseraustritt in der Lunge,Durchfall, allgemeiner Hautausschlag.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Krämpfe, akutes Nierenversagen, Nierenfunktionsstörung, Anstieg des Kreatinin-Wertes im Blut.

Welche Wechselwirkungen zeigt Deferoxamin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gleichzeitige Behandlung mit Deferoxamin und dem Psychopharmakon Prochlorperazin kann zu vorübergehenden Bewusstseinsstörungen führen.

Bei schwerer chronischer Eisenüberladung kann es unter kombinierter Therapie mit Deferoxamin und höheren Dosen von Vitamin C (mehr als 500 Milligramm täglich) zu einer Beeinträchtigung der Herzfunktion kommen. Sie bessert sich allerdings nach Absetzen von Vitamin C.

Eine gleichzeitige Gabe des radioaktiven Diagnosemedikaments Gallium 67 und Deferoxamin muss unterbleiben. Der Wirkstoff bindet Gallium 67 in Komplexen und stört so die Bildgebung bei der Szintigraphie. Die Behandlung mit dem Wirkstoff sollte daher 48 Stunden vor Durchführung der Szintigraphie beendet werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Der ausgeschiedene Eisenkomplex kann den Urin rötlich-braun verfärben, was aber nicht krankhaft, sondern ein Zeichen der Wirkung ist.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Deferoxamin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Deferoxamin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

So wirkt Deferoxamin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Deferoxamin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Deferoxamin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Deferoxamin

Deferoxamin dient zur Behandlung der chronischen Überladung des Körpers mit Eisen, wie sie durch verschiedene Krankheiten hervorgerufen werden kann. So beispielsweise durch die Stoffwechselstörung Porphyrie (Porphyria cutanea tarda). Aber auch in Folge von Bluttransfusionen kann es zu Eisenüberladung kommen, wenn der Empfänger die Krankheit Thalassämie hat oder an anderen Arten von Blutarmut (sideroblastischer Anämie, autoimmunhämolytischer Anämie) leidet.

Manche Menschen speichern auch erblich krankhaft zu viel Eisen. Normalerweise kann dies durch einen Aderlass reguliert werden. Deferoxamin aber wird eingesetzt, wenn sich bei Patienten durch Begleiterkrankungen wie schwere Blutarmut, Herzerkrankungen oder Eiweißmangel im Blut ein Aderlass verbietet.

Letztlich wird Deferoxamin als Gegenmittel bei Eisenvergiftungen und zur Feststellung einer Eisenüberladung benutzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Deferoxamin sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Deferoxamin

    Deferoxamin ist ein sehr langgestrecktes, kettenförmiges Molekül. Es bildet vorwiegend mit dreiwertigen Eisen- und Aluminiumionen stabile Verbindungen (Komplexe). Zweiwertige Ionen wie Eisen 2+, Kupfer, Zink und Calcium werden hingegen viel weniger gebunden. Ein Gramm Deferoxamin kann 85 Milligramm dreiwertiges Eisen oder 41 Milligramm dreiwertiges Aluminium binden.

    Aufgrund seiner komplexbildenden Eigenschaften vermag Deferoxamin freies Eisen entweder aus dem Blut oder den Zellen aufzunehmen. Der Komplex aus Bluteisen wird dann mit dem Urin ausgeschieden. Das in den Leberzellen im Komplex eingefangene Eisen verlässt den Körper hingegen mit dem Stuhl.

    Aufgrund seiner Moleküleigenschaften, jedoch auch aufgrund der eingesetzten Deferoxamin-Dosierung kommt es nicht zu einem Eisen-Entzug aus dem roten Blutfarbstoff. So werden nur überflüssige Konzentrationen des Schwermetalls entfernt. Deferoxamin kann auch im Gewebe gebundenes Aluminium erfassen, doch wird diese Möglichkeit noch nicht zur Therapie genutzt.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.