Chloralhydrat

Allgemeines

Chloralhydrat wird eingesetzt bei Schlafstörungen, die nicht durch Verhaltensänderungen beseitigt werden können und nicht durch andere Grunderkrankungen oder Beschwerden verursacht sind.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Durchschlafen fördern
  • Einschlafen fördern
  • Unruhezustände dämpfen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Chloralhydrat im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Chloralhydrat nicht verwendet werden?

Bei Unverträglichkeit gegen den Wirkstoff oder bei vorliegender Allergie gegen andere Beruhigungsmittel (vom Aldehyd-Typ) darf Chloralhydrat nicht eingesetzt werden.

Bei schweren Leber- und Nierenschäden, schwerer Herz- und Kreislaufschwäche und während der Behandlung mit Antikoagulantien wie Cumarin darf Chloralhydrat nicht eingesetzt werden. Ebenso schließen eine bestehende Magenschleimhaut-Entzündung (Gastritis), Atemstörungen und ein Schlafapnoe-Syndrom die Behandlung mit Chloralhydrat aus.

Patienten mit niedrigem Kaliumspiegel, langsamen Herzschlag, angeborenem langem QT-Syndrom (auffällige Veränderung im EKG) und anderen Herzstörungen (vor allem Herzrhythmusstörungen) dürfen den Wirkstoff nur mit besonderer Vorsicht einnehmen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Chloralhydrat sollte in Schwangerschaft und Stillzeit nicht angewendet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Anwendung von Chloralhydrat ist bei Kindern unter sechs Jahren nicht erlaubt.

Welche Nebenwirkungen kann Chloralhydrat haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Chloralhydrat. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Schläfrigkeit, Benommenheit, Kopfschmerzen, "paradoxe" Reaktionen (gesteigerte Aktivität), milde Atemdepression, Desorientierung, Verwirrtheitszustände, Ängstlichkeit, Schwindel, Schlafstörungen, Müdigkeit am Morgen (Hangover) nach Anwendung bei Schlafstörungen. Diese Reaktionen werden als paradox bezeichnet, weil der Wirkstoff als Schlafmittel eigentlich gegenteilige Wirkungen haben sollte.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Allergische Reaktionen, Hautrötungen.

Seltene Nebenwirkungen:
Schleimhautreizungen (bei rektaler Anwendung), Verlangsamung des Herzschlags, Anstieg von Leberwerten (hepatische Aminotransferase), Auftreten von Ketonkörpern im Blut, Abfall eines Gerinnungsfaktors im Blut (Hypoprothrombinämie), Herzrhythmusstörungen (kann das QT-Intervall im EKG verlängern).

Sehr seltene oder vereinzelte Nebenwirkungen:
Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, Blähungen, Druckgefühl, Übelkeit, Durchfall.

Besonderheiten:
Bei der Behandlung Neugeborener kann ein Anstieg des Bilirubins nicht ausgeschlossen werden.

Bei länger dauerndem Gebrauch ist eine Gewöhnung und in Einzelfällen auch eine Abhängigkeit nicht auszuschließen. Sie tritt jedoch in geringerem Maß als bei anderen Schlafmitteln auf.

Welche Wechselwirkungen zeigt Chloralhydrat?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die schlaffördernde, beruhigende Wirkung von Chloralhydrat wird durch andere zentraldämpfende Wirkstoffe (z. B. andere Schlafmittel) und Alkohol verstärkt.

Bei der gleichzeitigen Anwendung mit oralen Antikoagulantien wie Cumarin kann deren blutverdünnende Wirkung verstärkt oder abgeschwächt werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Wirkstoffen, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verlängern (beispielsweise Antiarrhythmika der Klasse IA oder III, Antibiotika, Mittel gegen Malaria, H1-Antihistaminika, Neuroleptika) kann zu Herzrhythmusstörungen führen.

Wirkstoffe, die zu einem niedrigen Kaliumspiegel im Blut führen (zum Beispiel bestimmte Entwässerungsmittel), sind zu vermeiden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Furosemid und Chloralhydrat kann es zu Gefäßerweiterung, Unwohlsein, Hautrötung (Flush), Blutdruckabfall und Schwitzen kommen.

Chloralhydrat kann möglicherweise die Testergebnisse für Glukose im Urin und die Porter-Silber-Farbreaktion beeinflussen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Wirkstoff sollte kein Alkohol getrunken werden.
  • Die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen wird durch den Wirkstoff beeinträchtigt. Dies gilt im verstärkten Maße nach unzureichendem Schlaf oder im Zusammenwirken mit Alkohol.
  • Das Reaktionsvermögen kann durch die Behandlung mit dem Wirkstoff beeinträchtigt werden. Dies gilt im verstärkten Maße nach unzureichendem Schlaf oder im Zusammenwirken mit Alkohol.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Chloralhydrat?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Chloralhydrat enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
magensaft­resistente Kapseln

So wirkt Chloralhydrat

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Chloralhydrat. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Schlafmittel, zu welcher der Wirkstoff Chloralhydrat gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Chloralhydrat

Chloralhydrat wird eingesetzt bei Schlafstörungen, die nicht durch Verhaltensänderungen beseitigt werden können und nicht durch andere Grunderkrankungen oder Beschwerden verursacht sind.

Es dient außerdem der Beruhigung bei Erregungszuständen mit körperlicher und/oder psychischer Ursache (z. B. Hirnorganisches Psychosyndrom HOPS).

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Chloralhydrat sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Chloralhydrat

Die Wirkung des Schlafmittels Chloralhydrat beruht auf einer Abschirmung des Gehirns vor Reizen. Der Hauptwirkort des Wirkstoffs ist die Hirnrinde. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht ausreichend geklärt. Er beruht möglicherweise auf einer verminderten Produktion spezieller Botenstoffe (der Hormone Acetylcholin oder GABA) und einer Verminderung ihrer Aktivität.

Das Zentrum der Schlafsteuerung im Gebiet des Zwischen- und Mittelhirns scheint unbeeinflusst zu bleiben. Die Schlafrhythmik mit den Tiefschlafphasen und den traumreichen REM-Phasen wird daher nicht verändert.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.