Baclofen

Allgemeines

Baclofen kann überall dort eingesetzt werden, wo eine Verkrampfung der Muskulatur aufgehoben werden soll. Der Wirkstoff ist bei Krämpfen wirksam, die durch Signale aus dem Gehirn oder aus dem Rückenmark entstehen.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

  • Muskelkrämpfe lösen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Baclofen im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Baclofen nicht verwendet werden?

Baclofen darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, schwersten Nierenfunktionsstörungen, Epilepsien oder anderen Anfallsleiden.

Nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung durch eien Arzt und unter seiner Kontrolle darf Baclofen eingesetzt werden bei
  • eingeschränkter Nierenfunktion (hier ist die Dosis zu verringern)
  • schweren Leberfunktionsstörungen
  • Schäden an den gehirnversorgenden Blutgefäßen
  • Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren
  • Störungen der Atemfunktion
  • Blasenentleerungsstörungen
  • Verwirrtheitszuständen, Parkinson-Krankheit und schweren seelischen Erkrankungen
  • akuter Vergiftung mit Alkohol oder Schlafmitteln
  • Nervenschäden im Gehirn, die bestimmte Bewegungsnerven betreffen (so genannte Bulbärparalyse) und bestimmten Rückenmarkserkrankungen mit Schulter-Arm-Lähmung (Syringomyelie).
Hinweis:
Das Spritzen von Baclofen direkt in die Rückenmarksflüssigkeit (intrathekal) soll nicht bei verlangsamter Zirkulation der Gehirn- oder Rückenmarksflüssigkeit oder eingeschränkten oder verminderten Reflexen erfolgen.

Zur Behandlung von Krämpfen bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, bei Parkinson-Krankheit oder bei durch Verletzungen hervorgerufene Erkrankungen des Gehirns ist Baclofen nicht geeignet.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Während der Schwangerschaft, besonders in den ersten drei Monaten, sollte Baclofen nur nach sorgfältiger Abwägung eingenommen werden. Der Wirkstoff kann durch den Mutterkuchen (Plazenta) zum Ungeborenen gelangen. Bisher wurden aber keine Schädigungen bei Ungeborenen beobachtet.

Zwar geht Baclofen in die Muttermilch über, doch sind unter normalen Umständen keine Komplikationen zu erwarten. Die Dosis sollte aber während der Stillzeit möglichst gering gehalten werden.

Welchen Einfluss auf Schwangerschaft und Stillzeit der Wirkstoff bei Gabe in die Rückenmarksflüssigkeit (intrathekal) hat, weiß man nicht. Daher sollte diese Form der Anwendung unterbleiben.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Baclofen ist auch zur Behndlung von Kindern geeignet. Sie erhalten je nach Alter und Körpergewicht eine angemessene Dosierung.

Die Gabe von Baclofen in die Rückenmarksflüssigkeit ist bei Kindern allerdings nicht untersucht und sollte daher bei Patienten unter 18 Jahren unterbleiben.

Welche Nebenwirkungen kann Baclofen haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Baclofen. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige :
Schläfrigkeit, Abstumpfung (vor allem zu Beginn der Behandlung), Übelkeit.

Häufige Nebenwirkungen:
Depressionen, Aufgedrehtheit (Euphorie), Wahnvorstellung, Albträume, Verwirrtheit (insbesondere bei älteren Patienten), Müdigkeit, Benommenheit, Willensschwächung, Zittern, Gangunsicherheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Ermüdung, Atemstörungen, Augenzittern, Störungen des Scharfsehens, Sehstörungen, Herzklopfen, Herzleistungsverminderung, niedriger Blutdruck, Würgen, Erbrechen, Mundtrockenheit, Durchfall, Verstopfung, Magen-Darm-Störungen, Brechreiz, Blasenentleerungsstörungen (häufiges Wasserlassen, Bettnässen, Harnzwang), Hautausschlag, Schwitzen, Muskelschwäche, Muskelschmerzen.

Seltene Nebenwirkungen:
Aufregung, nervliche Missempfindungen, Geschmacksstörungen,
Bauchschmerzen, Harnverhaltung, Leberfunktionsstörungen, Sprechstörungen, Erektionsstörungen.

Sehr seltene und vereinzelte Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen, akute Gehirnfunktionsstörungen (mit
EEG-Veränderungen, Desorientiertheit, Zittern, Aufregung und Muskelkrämpfen), Mund-Gesichts-Zuckungen, Körpertemperaturerniedrigung, Leber-Enzym-Werterhöhung (SGOT, SGPT).

Besonderheiten:
Das Auftreten von Nebenwirkungen ist stark dosisabhängig.

Nach mehrmonatiger Behandlung kann ein plötzliches Therapie-Ende Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Aufregung, Wahnvorstellungen, Krampfanfälle, epileptische Anfälle und einen Anstieg der Körpertemperatur zur Folge haben.

Welche Wechselwirkungen zeigt Baclofen?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Wirkung von blutdrucksenkenden Mitteln wird bei gleichzeitiger Einnahme verstärkt. Andere beruhigende oder muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxanzien) werden ebenfalls in ihrer Wirkung verstärkt. Auch bei Wirkstoffen, die die Gehirnfunktion dämpfen (wie Psychopharmaka, Schlafmittel, opioide Schmerzmittel, tri- und tetrazyklische Antidepressiva) kann es zu gegenseitiger Wirkungsverstärkung kommen. Levodopa und Carbidopa (beides Medikamente gegen Parkinson-Krankheit) erhöhen die Gefahr von Wahnvorstellungen.

Keinesfalls darf zusammen mit Baclofen Alkohol konsumiert werden, da die Wechselwirkungen mit Alkohol unvorhersehbar sind.

Da Baclofen die Leber-Enzym-Werte im Blut verändert, können entsprechende Tests verfälscht werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei Patienten mit Lebererkrankungen müssen die Leberwerte während der Behandlung regelmäßig ärztlich überprüft werden.
  • Diabetiker müssen während der Behandlung regelmäßig ihren Blutzuckerwert überprüfen.
  • Während der Behandlung darf kein Alkohol getrunken werden, da dies unvorhersehbare Wirkungen haben kann.
  • Die Behandlung muss mit langsam verminderter Dosierung beeendet werden.
  • Das Medikament beeinträchtigt das Reaktionsvermögen so weit, dass Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind.
  • Das Medikament kann Tests auf Leberenzymwerte im Blut verfälschen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Baclofen?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Baclofen enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Tabletten

So wirkt Baclofen

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Baclofen. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Muskelrelaxanzien, zu welcher der Wirkstoff Baclofen gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Baclofen

Baclofen kann überall dort eingesetzt werden, wo eine Verkrampfung der Muskulatur aufgehoben werden soll. Der Wirkstoff ist bei Krämpfen wirksam, die durch Signale aus dem Gehirn oder aus dem Rückenmark entstehen.

Solche Verkrampfungen mit erhöhtem Muskelwiderstand können beispielsweise bei multipler Sklerose, Rückenmarksverletzungen, Kinderlähmung oder anderen Lähmungserscheinungen auftreten.

Baclofen kann oral eingenommen werden, zum Beispiel in Form von Tabletten. In schweren Fällen wird es in die Rückenmarksflüssigkeit (intrathekal) gespritzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Baclofen sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Baclofen

Baclofen gehört zur Gruppe der Muskelrelaxanzien. Wie alle Wirkstoffe dieser Gruppe löst auch Baclofen Muskelkrämpfe.

Für eine krankhaften Verkrampfung der Muskulatur können fehlerhafte Kontrollmechanismen im Gehirn oder Rückenmark die Ursache sein. Beispielsweise werden bestimmte Nerven andauernd aktiviert. Diese Nerven geben ihre Signale weiter zu anderen Nerven, bis das Signal bei einer Muskelzelle ankommt. Dieser Muskel spannt sich daraufhin an. Lassen die von den Nervenzellen kommenden Signale nicht nach, entsteht durch die dauerhafte Anspannung des Muskels ein Krampf.

Baclofen entfaltet seine Wirkung in Gehirn und Rückenmark. Der Wirkstoff
ähnelt chemisch dem wichtigsten Botenstoff (Überträgerstoff, Neurotransmitter) im zentralen Nervensystem, der Gamma-Aminobuttersäure (GABA). Er hemmt die Reizweiterleitung zwischen den Nerven im Rückenmark, so dass keine Signale bis zu den Muskeln weitergeleitet werden. Diese Hemmung findet zwischen verschiedenen Nervenzellen, aber nicht am Übertragungsort zwischen Nerv und Muskel statt.

Da Baclofen ganz allgemein die Gehirnaktivität dämpft, kommt es als unerwünschte Nebenwirkung zu Müdigkeit (Sedierung), Schläfrigkeit, Benommenheit und Verringerung der willkürlich steuerbaren Muskelkraft.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.