Eine Wespe.
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Achtung, Wespen(stich)! So kommen Sie gut durch die Wespensaison

Ein Wespenstich ist schmerzhaft, unangenehm und für Allergiker sogar eine Gefahr. Lesen Sie, wie Sie einen Wespenstich behandeln, wann er gefährlich ist – und wie es im besten Fall gar nicht dazu kommt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Tipps zum Schutz vor Wespenstichen

Hilfe, eine Wespe! Was, wenn sie jetzt sticht? Bekomme ich vielleicht einen allergischen Schock? Solche Gedanken haben nicht nur viele Allergiker, wenn eine Wespe in der Nähe ist. Egal, ob Sie einem Wespenstich vorbeugen wollen oder gerade gestochen worden sind – das oberste Gebot lautet: Ruhe bewahren.

3 Tipps zum Schutz vor Wespenstichen

Tipp 1: Angst und Panik sind keine guten Ratgeber

Hauen, schlagen, (schreiend) wegrennen? Lieber nicht! Noch immer hält sich das Gerücht, Wespen seien grundsätzlich aggressive Zeitgenossen. Richtig ist: Wespen verhalten sich nur dann aggressiv, wenn sie sich bedroht fühlen. Eine Wespe, die gerade auf Nahrungssuche ist, hat normalerweise nicht im Sinn, demnächst zuzustechen.

Wer jedoch panisch herumfuchtelt und nach der Wespe schlägt, signalisiert ihr Gefahr. Ebenso wenig hilfreich wie hektische Bewegungen ist Pusten. Das Kohlendioxid in der Ausatemluft reizt die Wespe. Pusten Sie die Wespe an, wird sie also erst recht aggressiv.

Ruhig zu bleiben fällt vor allem denen schwer, die Angst vor einem allergischen Schock haben. Insgesamt reagieren etwa 2 von 100 gestochenen Personen mit einer mehr oder minder ausgeprägten allergischen Reaktion, die im schlimmsten Fall zum Schock führt. Wer aber noch nie eine allergische Reaktion hatte, sollte sich erst einmal keine Gedanken machen. Auch nicht, wenn ein enger Verwandter allergisch reagiert, erklärt die Dermatologin und Allergologin Prof. Dr. Franziska Ruëff: "Insektengiftallergie ist weder erblich noch ansteckend."

Prof. Dr. Ruëff ist leitende Ober­ärztin an der dermatolog. Klinik I des städt. Klinikums München und leitet die allergolog. Ambulanz der Klinik für Dermatologie und Aller­gologie der Uniklinik München.

Übrigens: Nicht nur auf hektische Bewegungen und direkte Angriffe, auch auf Angstschweiß sollen Wespen reagieren. Ein Grund mehr, möglichst gelassen zu bleiben.

Tipp 2: Wespen nicht unnötig anlocken – auch nicht mit einer Falle

Frisches Obst, Marmeladenbrot, Wurst … wo leckeres Essen zu sehen und zu riechen ist, ist die nächste Wespe meist nicht weit.

So beugen Sie vor:

  • Decken Sie das Essen ab. Bewahren Sie Aufschnitt und Käse unter einer Glocke auf. So verhindern Sie, dass die Wespen durch den Duft angelockt werden.
  • Decken Sie auch Getränke ab. Wenn Sie aus einer Dose trinken, nutzen Sie einen Strohhalm, damit nicht versehentlich eine Wespe in den Mund gelangt.
  • Lassen Sie Marmeladengläser nicht offenstehen, sondern schließen Sie sie direkt wieder.
  • Eis- oder Marmeladenreste am Kindermund ziehen Wespen magisch an. Daher sollten Sie den Mund regelmäßig säubern. Auf süße Säfte sollten Kinder nicht nur im Freien ohnehin lieber verzichten.
  • Waschen Sie Mund und Hände, nachdem Sie gegessen haben.
  • Räumen Sie direkt ab, wenn Sie die Mahlzeit beendet haben.

Keine gute Idee ist, die Wespen mit einer alternativen Futterquelle oder -falle ablenken zu wollen. Wer etwa am Ende des Esstisches einen Teller Marmelade oder gärende Säfte anbietet, wird nur noch mehr Wespen auf den Plan rufen.

Abhilfe hingegen soll eine mit Nelken gespickte Zitrone schaffen. Sie soll die Wespen vertreiben. Ob das tatsächlich hilft, ist nicht erforscht – aber einen Versuch ist es wert.

Tipp 3: Vorsicht walten lassen

Neben dem gedeckten Tisch gibt es einige weitere Orte und Situationen, an denen Wespen häufig zu finden sind:

  • Wiesen, Obstbäume & Co.: Laufen Sie nicht barfuß über eine Wiese. Wer versehentlich auf eine Wespe tritt, hat keine Chance: Eine Wespe sieht mehr als 200 Bilder pro Sekunde und reagiert blitzschnell mit ihrem Stachel, wenn sie sich bedroht fühlt. Seien Sie auch entsprechend umsichtig, wenn Sie Obst oder Blumen pflücken.
  • Müll: Mülleimer sind ein Eldorado für Wespen. Seien Sie aufmerksam, wenn Sie etwas in den Müll werfen. Eine Wespe am Deckel der Mülltonne wird leicht übersehen.
  • Wohnungen: Wespen verirren sich schnell in die eigenen vier Wände. Halten Sie die Fenster daher tagsüber geschlossen oder versehen Sie sie mit Fliegengittern.

Die Wespe hat zugestochen: Was nun?

Wer sich entsprechend vorsichtig verhält, minimiert das Wespenstich-Risiko schon deutlich. Aber was tun, wenn die Wespe dennoch zugestochen hat?

Sofern Sie kein Allergiker sind und sich der Stich nicht im Mund-Rachen-Raum befindet, reichen folgende Maßnahmen:

  • Kühlen: Abschwellend wirken zum Beispiel eine kalte Flasche, Eiswürfel, ein kühler Umschlag oder eine Eispackung.
  • Salben und Gele: In der Apotheke erhalten Sie freiverkäufliche Produkte gegen Insektenstiche, die den Juckreiz lindern und kühlen. Am besten statten Sie Ihre Hausapotheke damit aus.
  • Hausmittel: Als gute Hausmittel gelten Zwiebelhälften, Honig oder Zitronenscheiben, die auf die Einstichstelle gelegt werden. Sie sollen die Giftstoffe aus dem Körper ziehen.
  • Von der Quelle entfernen: Falls sich ein Nest in der Nähe befindet, könnten weitere Wespen alarmiert werden. Gehen Sie daher auf Abstand!

Wann zum Arzt?

Den Notarzt (112) sollten Sie vor allem in zwei Fällen rufen:

  1. Die Wespe hat im Mund-Rachenraum zugestochen.
  2. Die gestochene Person zeigt Anzeichen eines allergischen Schocks oder hatte in der Vergangenheit schon einmal einen allergischen Schock.

Gerät eine Wespe in den Mundraum und sticht zu, kann das sehr gefährlich sein. "Da können auch einmal ansonsten normale Schwellungen lebensbedrohlich werden, weil die Luftwege keinen so großen Durchmesser haben und natürlich rasch zugeschwollen sind." erklärt Franziska Ruëff. Solange die Person bei Bewusstsein ist, können Eiswürfel, Eis oder kalte Getränke die Einstichstelle kühlen. Der Notarzt sollte aber in jedem Fall kommen.

Der Extremfall einer allergischen Reaktion ist der allergische (auch: anaphylaktische) Schock. Er sollte unbedingt vom Notarzt behandelt werden. "Auch Personen, die bereits einmal einen allergischen Schock hatten und nicht sicher durch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) geschützt sind, sollten in jedem Fall nach einem Stich den Notarzt rufen", rät Ruëff.

Daran erkennen Sie einen allergischen Schock

Ein allergischer Schock ist für Betroffene äußerst bedrohlich und beängstigend. "Das Vollbild des allergischen Schocks ist durch einen Kreislaufkollaps gekennzeichnet, üblicherweise verbunden mit Bewusstlosigkeit", erklärt Ruëff. "Es gibt aber auch Vorstufen, die mit Juckreiz an Handflächen und Fußsohlen, Kopfhaut oder Genitalbereich einhergehen, einem aufsteigenden Wärmegefühl und Druck in den Ohren, generalisierter Rötung und Nesselfieber. Weitere mögliche Symptome sind Schwellungen fernab der Stichstelle, Schwächegefühl, Atemnot und Pulsrasen." Einige Allergiker würden auch einen Asthmaanfall entwickeln. Dies sei aber eher selten, so Ruëff.

Gut zu wissen: Das Risiko, tatsächlich an einem allergischen Schock zu versterben, ist sehr gering. "Für ganz Europa werden durchschnittlich etwa 200 Fälle pro Jahr gemeldet", erklärt Ruëff. "Es gibt zwar wahrscheinlich eine gewisse Dunkelziffer, denn wenn ältere Personen im Freien versterben, denkt halt jeder an einen Herzinfarkt oder Schlaganfall und nicht an den Insektenstich, der sich vielleicht kurz vorher ereignet hat. Dennoch: das Risiko einer tödlichen Reaktion ist sehr gering."

Trotzdem sollte man eine solche Reaktion natürlich nicht auf die leichte Schulter nehmen und immer den Notarzt alarmieren.