Ein älterer Mann fast sich mit beiden Händen an die Brust.

Herzschmerzen

Wenn von Herzschmerzen die Rede ist, denken viele zunächst an Liebeskummer. Tatsächlich lassen sich Herzschmerzen mitunter auf starke emotionale Belastung zurückführen. Zudem sind Herzschmerzen ein typisches Symptom verschiedener Herzerkrankungen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Herzschmerzen

Was sind Herzschmerzen?
Von Herzschmerzen spricht man, wenn die Stelle in der Brust, an der das Herz liegt, wehtut. Das Herz befindet sich ungefähr mittig hinter dem Brustbein. Genauer gesagt: Es liegt zu etwa zwei Dritteln links vom Brustbein und zu einem Drittel rechts.

Schmerzen in der Brust müssen nicht unbedingt vom Herzen ausgehen, sondern können auch von der Lunge, vom Rippenfell oder von der Speiseröhre herrühren oder ein Zeichen für Muskelverspannungen sein.

Handelt es sich bei den Beschwerden tatsächlich um Herzschmerzen, sind verschiedene Ursachen denkbar – harmlose, aber auch lebensbedrohliche. Bei Schmerzen im Brustkorb denken viele zunächst an einen Herzinfarkt. Da ein Herzinfarkt tatsächlich als Ursache infrage kommt und lebensgefährlich ist, sollte man die Schmerzen unbedingt ärztlich abklären lassen.

Den Notarzt (Rufnummer 112) rufen sollte man, wenn

  • die Herzschmerzen sehr stark sind, mehrere Minuten andauern und/oder in andere Körperteile ausstrahlen und/oder
  • der Betroffene zusätzlich schwitzt und/oder ein Engegefühl in der Brust, Atemnot, Angst und/oder Übelkeit verspürt.

Bei jüngeren Menschen unter 40 Jahren sind Herzschmerzen jedoch in der Regel nicht Folge einer Herzerkrankung. In den meisten fällen haben Herzschmerzen keine erkennbare körperliche Ursache. Dann sprechen Ärzte von funktionellen Herzschmerzen. Diese können etwa im Zusammenhang mit Stress oder psychischer Belastung auftreten und mehrere Stunden oder sogar Tage andauern.

Herzschmerzen: Ursachen

Ist eine Einengung an den Herzkranzgefäßen (koronare Herzkrankheit) Ursache der Schmerzen, treten diese typischerweise bei körperlicher oder psychischer Anstrengung (Stress) auf. Häufig gehen Herzschmerzen aber nicht vom Herzen aus, sondern vom Rücken oder anderen Organen, die im Brustkorb liegen. Sind Rückenprobleme die Ursache, werden sie in der Regel bei bestimmten Bewegungen stärker oder lassen nach, wenn der Betroffene eine andere Haltung einnimmt.

Nicht immer lassen sich Herzschmerzen auf eine körperliche Ursache zurückführen. Ärzte sprechen dann von funktionellen Herzschmerzen oder Herzneurose. Diese tritt vor allem bei Menschen unter 40 Jahren auf, die große Angst davor haben, an einem Herzinfarkt zu sterben.

Tatsächlich empfinden und beschreiben sie die Beschwerden häufig als so stark, dass der Arzt zunächst einen Infarkt oder eine Durchblutungsstörung des Herzens (Angina Pectoris) als mögliche Ursache in Betracht zieht. Bei der Untersuchung stellt sich dann jedoch heraus, dass das Herz der Betroffenen gesund ist und die Schmerzen wahrscheinlich psychisch bedingt sind. Oft lösen wiederholte Stressituationen eine Herzneurose aus.

Sonderfall Broken-Heart-Syndrom
Am Broken-Heart-Syndrom erkranken meist Frauen jenseits der Wechseljahre nach einem sehr belastenden Ereignis wie einem Trauerfall oder einer Trennung. Es ruft dieselben Beschwerden hervor wie ein Herzinfart. Anders als ein Infarkt wird das Broken-Heart-Syndrom jedoch nicht durch verstopfte Gefäße verursacht. Die heftigen Schmerzen rühren vielmehr daher, dass sich die kleinen Blutgefäße, die zum Herzmuskel führen, verkrampfen – vermutlich durch den Einfluss von Stresshormonen.

Das Broken-Heart-Syndrom hat wie die Herzneurose psychische Auslöser. Im Gegensatz zur Herzneurose kann das Broken-Heart-Syndrom jedoch lebensbedrohlich Folgen haben. Die Betroffenen müssen schnellstmöglich ins Krankenhaus.

Herzbedingte Herzschmerzen

Verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen können Herzschmerzen verursachen. Als typisches Symptom treten Herzschmerzen etwa bei folgenden Erkrankungen auf:

Die genannten Herzkrankheiten äußern sich normalerweise nicht allein durch Herzschmerzen, sondern auch durch andere Beschwerden. Welche, ist von Erkrankung zu Erkrankung unterschiedlich. Für den Arzt können die Begleitsymptome ein wichtiger Hinweis auf die mögliche Ursache der Schmerzen sein. Daher ist es wichtig, ihm die Beschwerden möglichst präzise zu schildern.

Video: 5 Tipps für ein gesundes Herz-Kreislauf-System

Ursachen, die nichts mit dem Herzen zu tun haben

Schmerzen im Brustkorb gehen nicht immer vom Herzen aus. Herzschmerzen sind leicht zu verwechseln mit anderen Brustschmerzen. Als mögliche Ursachen kommen dann auch folgende Erkrankungen und Beschwerden infrage:

Herzschmerzen: Diagnose

Um die Ursache der Herzschmerzen klären zu können, benötigt der Arzt ein möglichst genaues Bild der Beschwerden. Er kann daher fragen:

  • Wo genau tut es weh?
  • Seit wann bestehen die Schmerzen?
  • Strahlen die Schmerzen in andere Körperregionen (z.B. den Arm oder den Unterkiefer) aus?
  • Bei welcher Tätigkeit sind die Herzschmerzen aufgetreten?
  • Liegen weitere Beschwerden vor?
  • Bestehen Vorerkrankungen? (wie eine KHK, ein zurückliegender Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung)
  • Nehmen Sie Medikamente ein? Wenn ja – welche?
  • Haben Sie ein Nitrospray benutzt?

Deuten die Symptome auf eine lebensbedrohliche Erkrankung hin, wird der Arzt sehr schnell eine Reihe von Untersuchungen in die Wege leiten, zum Beispiel Laboruntersuchungen und eine Echokardiographie.

Auch eine Blutuntersuchung kann dem Arzt Hinweise auf die Ursache der Herzschmerzen liefern. Beispielsweise stirbt bei einem Herzinfarkt Herzmuskelgewebe ab. Das abgestorbene Gewebe setzt bestimmte Eiweiße (sog. Enzyme) frei, die in die Blutbahn gelangen. Diese sogenannten Herzenzyme lassen sich bereits etwa wenige Stunden nach einem Herzinfarkt im Blut nachweisen.

Herzschmerzen: Behandlung

Was gegen Herzschmerzen hilft, hängt von den Ursachen der Beschwerden ab.

Wenn etwa der Herzbeutel entzündet ist, verschreibt der Arzt meist bestimmte Medikamente – zum Beispiel Antibiotika sowie nicht-steroidale Antiphlogistika und, falls diese nicht ausreichend wirken, Glukokortikoide.

Bei einer Herzneurose kann eine Psychotherapie helfen.

Im Falle eines Herzinfarkts oder einer Angina pectoris ist meist eine Kombination verschiedener Therapie- und Überwachungsmaßnahmen nötig.

Wichtig: Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte man sofort den Notarzt (112) rufen. Bis zu dessen Ankunft können Angehörige folgende Maßnahmen ergreifen:

  • Beruhigen Sie den Betroffenen.
  • Versuchen Sie, ihn mit leicht erhobenem Oberkörper auf den Rücken zu legen. Die Position sollte für ihn möglichst bequem sein.
  • Öffnen Sie das Fenster und lassen Sie frische Luft herein.
  • Wenn er beengende Kleidung trägt, lockern Sie diese.
  • Wenn der Betroffene wegen seiner Angina pectoris bereits in Behandlung ist, müsste er von seinem Arzt Wirkstoffe/Glyceroltrinitrat ("Nitro") als Spray oder Zerbeißkapseln verschrieben bekommen haben. Geben Sie ihm diese. Wenn sich die Herzschmerzen dann bessern, spricht dies für einen Herzinfarkt.
  • Wenn der Betroffene nicht mehr atmet und das Herz nicht mehr schlägt, nehmen Sie eine Wiederbelebung (Herzmassage) vor.