Das Bild zeigt eine Forscherin, die durch ein Mikroskop schaut.
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Clostridium perfringens

Er tritt hierzulande nur selten auf – Gasbrand, eine schwere Wundinfektion, die durch bestimmte Bakterien aus der Gattung Clostridium entsteht. Die Namen der Übeltäter: Clostridium perfringens, Clostridium novyi, Clostridium septicum und Clostridium histolyticum. Darüber hinaus können einige dieser Bakterienarten zu weiteren Erkrankungen führen, so zum Beispiel zu einer Lebensmittelvergiftung.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Die Bakterienarten Clostridium perfringens, Clostridium novyi, Clostridium septicum und Clostridium hystoliticum kommen überall in der Umwelt vor, insbesondere im Erdboden, aber auch im Staub oder im Wasser. Über Verunreinigungen können sie zudem in Nahrungsmittel gelangen. Die Bakterien dieser vier Clostridium-Arten produzieren zahlreiche Giftstoffe (Toxine), die zu Gewebeschäden im menschlichen Körper führen können. Sie sind außerdem, mit Ausnahme von Clostridium perfringens, rundum mit Geißeln besetzt, die der Fortbewegung dienen. Das Bakterium Clostridium perfringens ist zudem im Darm von Mensch und Tier zu finden.

Bakterien der Gattung Clostridium (Familie der Clostridiaceae) sind anaerob, das heißt, sie wachsen nur dort, wo kein Sauerstoff vorhanden ist. Es gibt etwa 100 verschiedene Clostridien-Arten. Sind die Lebensumstände ungünstig, können die stäbchenförmigen Bakterien widerstandsfähige Dauerformen (Sporen) bilden. Auf diese Weise können sie sich vor ungünstigen Umweltbedingungen schützen und ihr Überleben sichern. Durch die Sporen können die Bakterien auch in einer sauerstoffreichen Umgebung überleben.

Bei Unfällen, die sich draußen ereignen, zum Beispiel im Garten, können in der Erde befindliche Clostridien in Wunden gelangen und zum Teil schwer verlaufenden Infektionen auslösen, den Gasbrand und die anaerobe Zellulitis (Clostridien-Zellulitis). Bei stark verschmutzten Wunden können die Clostridien in der dann sauerstoffarmen Wundumgebung gut wachsen.

Um einer Clostridien-Infektion vorzubeugen, ist bei verunreinigten Wunden vor allem eine rasche chirurgische Versorgung wichtig. Abgestorbenes Gewebe sollte entfernt und eine gute Durchblutung der Wunde ermöglicht werden.

Krankheiten

Clostridium perfringens, Clostridium novyi, Clostridium septicum und Clostridium histolyticum können verschiedene Krankheiten hervorrufen. Sie sind in der Lage, Giftstoffe (Toxine) zu produzieren, die den Menschen krank machen können. Die Giftstoffe werden von den Bakterien in verschiedenen Varianten gebildet und führen beim Menschen zum Beispiel zum Gewebeabbau in Muskeln (Nekrose), Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen.

Clostridium perfringens, Clostridium novyi, Clostridium septicum und Clostridium histolyticum können in Wunden gelangen und dort den sogenannten Gasbrand (Gasödem) verursachen. Aber auch andere Erkrankungen können durch die Bakterien entstehen:

  • Anaerobe Zellulitis: Bei einer anaeroben Zellulitis (Clostridien-Zellulitis) breitet sich – anders als beim Gasbrand – die Clostridien-Infektion nicht weiter in der Muskulatur aus, sondern beschränkt sich auf bestimmte Strukturen der Muskeln, den sog. Faszienlogen. Die Bakterien bilden Gas im infizierten Gewebe.
  • Lebensmittelvergiftung: Gelegentlich kann es durch mit Clostridium perfringens verunreinigte Nahrungsmittel zu einer Lebensmittelvergiftung kommen. Bei hoher Keimlast in einem Lebensmittel können Symptome wie Durchfall, Übelkeit und Bauchschmerzen auftreten. Die Beschwerden klingen in der Regel nach spätestens zwei Tagen auch ohne Behandlung wieder ab.
  • Schäden der Darmwand: Das Bakterium Clostridium perfringens kommt nicht nur in der Umwelt vor, sondern auch in der Darmflora von Mensch und Tier – so kann es in sehr seltenen Fällen zu Infektionen im Bereich des Darm kommen, wenn die Gifte (Toxine) von Clostridium perfringens die Darmwand schädigen. Teile des Darms können absterben (sog. Darmbrand) und eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) zur Folge haben.

Gasbrand

Gasbrand (Gasödem) wird insbesondere durch Clostridium perfringens hervorgerufen.

Es handelt sich um eine schwere Wundinfektion, die 5 bis 48 Stunden nach der Infektion mit Clostridium perfringens, Clostridium novyi, Clostridium septicum, Clostridium histolyticum oder auch einigen anderen Arten dieser Gattung auftritt. Typischerweise kommt es dabei in der Wunde zu einer Gasbildung, welche sich bei Druck auf die Wunde in einem knisternden Geräusch im Gewebe und aufsteigenden Gasblasen äußert (sog. Krepituszeichen). Es bildet sich eine Schwellung, die gelblich-braun bis bläulich-schwarz verfärbt ist. Breitet sich der Gasbrand in der Muskulatur aus, kommt es zu schweren Krankheitszeichen mit Fieber, Unruhe, Schmerzen, Herzrasen (Tachykardie) und Gewebeschäden (Nekrosen). Die Erkrankung endet häufig tödlich, das Krankheitsbild kann jedoch erheblich variieren.

Gasbrand entsteht meist, wenn Bakterien aus der Erde in eine Wunde gelangen. Clostridium perfringens, Clostridium novyi, Clostridium septicum und Clostridium histolyticum wachsen nur dort, wo sich kein Sauerstoff befindet. In schlecht durchbluteten oder stark verschmutzten Wunden und großen Wundhöhlen können sich die Bakterien daher gut vermehren und so Gasbrand auslösen.

Gasbrand wird mithilfe eines chirurgischen Eingriffs an der Wunde und mit Antibiotika behandelt – in manchen Fällen kann eine Amputation notwendig sein.

Erkrankungen durch Clostridium perfringens, Clostridium novyi, Clostridium septicum und Clostridium histolyticum waren vor allem im Ersten Weltkrieg häufig. Dank einer guten Grundversorgung ist Gasbrand in Deutschland selten geworden.