Frau mit Haarausfall betrachtet ihren Scheitel.
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Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen

Erblich bedingter Haarausfall ist bei Frauen die häufigste Form des Haarverlusts. Er muss nicht zwangsläufig behandelt werden. Oft belastet der Haarausfall eine Frau jedoch so sehr, dass sie den Haarausfall stoppen möchte. In diesem Fall ist der Hautarzt der richtige Ansprechpartner.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Erblich bedingter Haarausfall: Nicht nur ein Männerproblem

Was ist erblich bedingter Haarausfall?

Beim erblich bedingten (auch: anlagebedingten) Haarausfall verkleinern sich die Haarfollikel in bestimmten Bereichen der Kopfhaut. Die Haare werden kürzer und dünner und fallen schneller aus. An den betroffenen Stellen verbleibt im Laufe der Zeit nur noch ein weicher Flaum aus feinen, kurzen, schwach pigmentierten Haaren. Bei diesem Prozess spielen männliche Hormone, die Androgene, eine wichtige Rolle.

Ärzte bezeichnen den erblich bedingten Haarausfall als androgenetische Alopezie oder Alopecia androgenetica.

Erblich bedingter Haarausfall verläuft bei Frauen meist in Schüben. Der Haarausfall schreitet in der Regel nur mäßig schnell voran. Die Zahl der ausfallenden Haare nimmt mit steigendem Alter zu.

Oft setzt der Haarausfall erst nach den Wechseljahren ein. Manche Frauen entwickeln aber auch schon zwischen 20 und 30 einen deutlich sichtbaren Haarverlust.

Der erblich bedingte Haarausfall ist die mit Abstand häufigste Form des Haarausfalls bei Frauen: Von 100 Frauen mit Haarausfall haben 95 eine androgenetische Alopezie.

Typische Symptome

Jeder Mensch verliert täglich Haare – das ist ein ganz normaler Vorgang. Doch wann spricht man von Haarausfall? Und: Was sind typische Symptome des erblich bedingten weiblichen Haarausfalls?

Ein gesunder Mensch verliert jeden Tag bis zu 100 Haare. Erst, wenn der Haarverlust darüber hinausgeht, handelt es sich um ungewöhnlichen Haarausfall.

Beim Mann erkennt man den erblich bedingten Haarausfall zunächst an den klassischen Geheimratsecken in der Schläfenregion. Anders bei der Frau: Typisch für den erblich bedingten weiblichen Haarausfall ist, dass die Haarpracht vor allem im Bereich des Mittelscheitels dünner wird.

Im Gegensatz zur androgenetischen Alopezie beim Mann entstehen bei Frauen nur selten komplett kahle Stellen auf dem Kopf. Vielmehr werden die Haare immer dünner, sodass die Kopfhaut mit der Zeit durchscheint. Eine Glatze ist bei Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall eine absolute Ausnahme.

In manchen Fällen wird der Haarausfall durch Symptome wie Hautunreinheiten und einem gesteigerten Talgabfluss begleitet.

Je nachdem, wie weit der Haarausfall vorangeschritten ist, unterteilen Ärzte die erblich bedingte androgenetische Alopezie bei Frauen in drei Grade (sog. Ludwig-Klassifikation):

  • Grad I: Das Haar wird im Frontalbereich des Kopfes lichter, dadurch entsteht ein verbreiterter Mittelscheitel.
  • Grad II: Die Ausdünnung betrifft auch Flächen neben dem Mittelscheitel (vorn und oben seitlich am Kopf).
  • Grad III: Beim Grad III ist der Haarausfall bereits sehr ausgeprägt (ausgedehnte Bereiche am vorderen und seitlichen Kopf).

Auch ein sogenanntes "Tannenbaum-Muster" (nach Olsen) kann vorkommen. Die Haare dünnen dabei in der vorderen Scheitelregion stark aus. Weiter in Richtung de Hinterkopfes lässt der Haarverlust spitz zulaufend nach. Diese Form erinnert entfernt an die Kontur eines Tannenbaums.

Besonders anfällig für erblich bedingten Haarausfall sind Frauen in den Wechseljahren. In dieser Zeit stellt sich der Körper hormonell um. Dies beschleunigt den Haarausfall. Manche Frauen, die vorher noch über mäßigen, meist nicht sichtbaren Verlust von Haaren geklagt haben, erleben in den Wechseljahren eine Art Haarausfall-Schub.

Erblich bedingter Haarausfall bei Frauen: Ursachen

Die genauen Ursachen des erblich bedingten Haarausfalls (androgenetische Alopezie) bei Frauen sind noch nicht abschließend geklärt. Vermutlich sind mehrere Faktoren an der Entstehung beteiligt.

Bei der männlichen Variante des erblichen bedingten Haarausfalls reagieren die Haarfollikel durch eine genetische Veranlagung besonders empfindlich auf männliche Geschlechtshormone (Androgene). Forscher sind sicher, dass auch bei Frauen eine solche genetische Komponente eine große Rolle spielt.

Neben einer erhöhten Empfindlichkeit der Haarfollikel kommen weitere mögliche Ursachen beziehungsweise Auslöser für erblich bedingten weiblichen Haarausfall infrage. Dazu zählen zum Beispiel

  • das androgenitale Syndrom, eine Erkrankung, bei der die Hormonbildung in der Nebennierenrinde gestört ist,
  • das polyzystische Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom),
  • Tumoren, die Androgene produzieren oder
  • bestimmte Medikamente, z.B. Anabolika, Androgene.

Video: Haarausfall: Formen & Behandlung

Diagnose des erblichen Haarausfalls: Das macht der Arzt

Der Arzt wird im Gespräch wissen wollen, wann der Haarausfall eingesetzt hat und wie viele Haare pro Tag ausfallen. Dazu wird er die Patientin bitten, täglich die ausgewaschenen und ausgebürsteten Haare zu zählen.

Auch wird er fragen, ob Haarausfall in der Familie vorkommt. Anschließend wird er seine Patientin gründlich körperlich untersuchen und den Haarwurzelstatus (sog. Trichogramm) ermitteln. Dazu werden mehrere Haarwurzeln unter einem Lichtmikroskop betrachtet und bestimmt, in welchem Entwicklungsstadium sie sich gerade befinden. Normalerweise befinden sich rund 80 Prozent der Haare in der Wachstumsphase – bei einem erblich bedingten Haarausfall sind es deutlich weniger.

Um auszuschließen, dass bestimmte Erkrankungen zu dem Haarausfall führen, wird der Arzt gegebenenfalls weiterführende Untersuchungen veranlassen. So wird er zum Beispiel den Hormonstatus bestimmen.

Therapie des Haarausfalls

Erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie, anlagebedingter Haarausfall) kann sehr belastend sein. Eine Therapie ist immer dann sinnvoll, wenn die Frau unter dem Haarverlust leidet.

Minoxodil zum Auftragen

In mehreren Studien erwies sich die Behandlung mit Minoxidil als wirksam. Minoxidil für Frauen ist als 2-prozentige Lösung und als 5-prozentiger Schaum rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Bei den meisten Frauen stoppte in Studien der Haarausfall, bei etwa jeder zweiten nahm die Haardichte durch die Behandlung wieder zu. Für Schwangere und Stillende ist Minoxidil nicht geeignet.

Zu möglichen Nebenwirkungen von Minoxidil zählen

  • eine gerötete Kopfhaut,
  • eine Schuppung der Kopfhaut,
  • eine Entzündungsreaktion der Haut (Kontaktekzem) oder
  • verstärkter Haarwuchs im Gesicht (Hypertrichose), vor allem bei Frauen mit dunklem Hauttyp.

Shedding: Verstärker Haarausfall zu Beginn der Therapie

Minoxidil kann zu einem Effekt führen, der viele Frauen verunsichert: Etwa nach vier bis acht Wochen kann ein verstärkter Haarverlust auftreten, den Experten als Shedding (engl.: das Haaren) bezeichnen. Shedding entsteht, wenn ruhende Haarfollikel wieder aktiv werden. Die nachwachsenden Haare stoßen dann die in der Ruhephase befindlichen Haare aus – die Frau verliert für einen bestimmten Zeitraum vermehrt Haare. Dieser Effekt ist ein Hinweis darauf, dass die Therapie mit Minoxidil wirkt.

Weitere Medikamente

Nur in bestimmten Fällen sind Hormonpräparate mit Gestagenen zum Einnehmen sinnvoll. Sie kommen infrage, wenn die Hormonproduktion nachweislich aus dem Gleichgewicht geraten ist und es zu einem Überschuss männlicher Hormone gekommen ist. Die Präparate erhalten Antiandrogene wie Cyproteronacetat, Dienogest oder Chlormadinonazetat. Antiandrogene hemmen die männlichen Sexualhormone (Androgene). Sie haben auch eine empfängnisverhütende Wirkung.

Gegebenenfalls wird der Arzt auch Lösungen mit dem Wirkstoff 17-alpha-Estradiol (Alfatradiol) empfehlen. Allerdings ist die Wirksamkeit bislang nicht ausreichend in Studien belegt.

Bei starkem Haarausfall: Perücke, Haarteile oder Transplantation

Wer unter sehr starkem, fortgeschrittenem Haarausfall leidet, kann auf Perücken oder Haarteile zurückgreifen, um die kahlen Stellen zu verdecken.

Alternativ besteht die Möglichkeit einer Eigenhaartransplantation. Dafür ist ein chirurgischer Eingriff nötig. Der Operateur entnimmt dabei Haare samt Haarfollikel im Bereich des Hinterkopfs und transplantiert sie in die kahlen Kopfpartien.

Vorsicht bei zweifelhaften Produkten

Achten Sie darauf, dass Mittel gegen Haarausfall, die etwa in Drogerien oder Apotheken angeboten werden, eine wissenschaftlich erwiesene, am Menschen bestätigte Wirkung haben. Andernfalls nutzen sie dem Anbieter wohl mehr als der Betroffenen. Zahlreiche Produkte, die im Handel angeboten werden, haben Inhaltsstoffe, deren Nutzen nicht erwiesen ist. Dazu zählen zum Beispiel: