Ein Arzt und eine Ärztin besprechen ein Röntgenbild.
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Tumor

"Sie haben einen Tumor" – die meisten Menschen, die einen solchen Satz von ihrem Arzt hören, denken unweigerlich an eine Krebserkrankung. Doch wenn Mediziner von einem Tumor sprechen, bedeutet das nicht automatisch, dass man tatsächlich an Krebs leidet.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Das Wort Tumor kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt etwa so viel wie "Geschwulst" oder "Anschwellung".

Im weitesten Sinne ist mit "Tumor" eine lokale Schwellung beziehungsweise Gewebezunahme gemeint. Es kann also nicht nur im Rahmen von Krebserkrankungen von einem Tumor die Rede sein – sondern auch ganz allgemein dann, wenn das Volumen eines Gewebes zunimmt, beispielsweise bei einer entzündlichen Schwellung oder einer Wassereinlagerung (Ödem).

Meist findet der Begriff "Tumor" jedoch Verwendung, wenn sich körpereigene Zellen selbstständig vermehren (Neoplasie) und immer weiter wachsen. Dies ist beispielsweise bei Krebs der Fall – aber: Ein Tumor kann auch gutartig sein.

Wenn sich Zellen unkontrolliert vermehren, bedeutet das also nicht zwangsläufig, dass Krebs vorliegt. Vielmehr unterscheiden Ärzte zwischen gutartigen (benignen) und bösartigen (malignen) Tumoren. Dabei gilt: Nur, wenn der Tumor bösartig ist, liegt eine Krebserkrankung vor.

Zunächst also ist es wichtig zu wissen, in welchem Zusammenhang der Arzt einen Tumor erwähnt. Wenn sich ein Tumor tatsächlich als Krebs herausstellt, muss man zunächst ermitteln, welche Krebsform vorhanden ist – denn die verschiedenen Krebsformen und ihre Prognosen unterscheiden sich teilweise erheblich voneinander.

Die Beschwerden und der weitere Verlauf von Krebs hängen stark davon ab, aus welchen Gewebezellen sich der Tumor gebildet hat. So gibt es beispielsweise Krebstumoren, die aus Fettzellen entstanden sind oder solche, die sich aus Knochengewebe entwickelt haben. Nicht zuletzt hat die Form des Krebses auch Auswirkungen auf die Therapie.

Was ist ein gutartiger Tumor?

Ein gutartiger (sog. benigner) Tumor bedeutet, dass keine Krebserkrankung vorliegt. Anders als beim bösartigen Tumor bildet ein gutartiger Tumor keine Tochtergeschwulste (Metastasen) und zeichnet sich durch weitere Eigenschaften aus, die ihn von Krebstumoren abgrenzen.

Ein gutartiger Tumor besteht aus Zellen, die dem Erscheinungsbild von gesunden Zellen ähneln – man spricht auch von hoch differenzierten Zellen. Er grenzt sich meist klar vom umliegenden Gewebe ab. Durch diese Eigenschaft ein gutartiger Tumor leichter entfernt werden. Im Gegensatz zum gutartigen Tumor wächst ein bösartiger Tumor in gesundes Gewebe ein.

Ein gutartiger Tumor bleibt oft lange Zeit unbemerkt – manchmal kommt er erst im Rahmen einer Routine-Untersuchung zum Vorschein. Gutartige Tumoren wachsen häufig eher langsam, verdrängen aber nach und nach das umliegende Gewebe.

Auch wenn ein gutartiger Tumor kein Krebs ist, kann es dennoch erforderlich sein, ihn zu entfernen. Wenn ein gutartiger Tumor beispielsweise auf ein lebenswichtiges Organ drückt, kann dies zu Beschwerden führen. In manchen Fällen kann dies gefährlich werden – etwa, wenn ein gutartiger Gehirntumor auf Bereiche im Hirn drückt, zum Beispiel ein Meningeom. Dann muss der Chirurg die Geschwulst herausoperieren.

Was ist ein bösartiger Tumor?

Im Vergleich zum gutartigen Tumor wächst ein bösartiger Tumor häufig sehr rasch und verändert sich schnell. Oft dringen seine Zellen in gesundes Gewebe ein und zerstören es. In diesem Fall sprechen Mediziner auch von einem invasiven (= eindringenden) beziehungsweise infiltrativen Tumor.

Im weiteren Verlauf können Zellen des Tumors in den Blutstrom oder in das Lymphgefäßsystem gelangen und "streuen" – das heißt, sie geraten an andere Körperstellen, vermehren sich dort und bilden Tochtergeschwülste, die Metastasen.

Ein bösartiger Tumor neigt dazu, nach dem Entfernen wieder aufzutreten. Dies nennt man auch Rezidiv. Anders als beim gutartigen Tumor unterscheidet sich die Zellstruktur eines bösartigen Tumors stark von den eigentlichen Ursprungszellen, aus denen er entstanden ist. Es gilt: Je größer der Unterschied, desto aggressiver ist der Tumor. Man spricht dann auch von einem schlecht differenzierten oder undifferenzierten Tumor.

Je weniger sich ein bösartiger Tumor ausgebreitet hat, desto besser sind die Chancen auf Heilung.

Zudem gibt es sogenannte halb-bösartige (semimaligne) Tumoren. Dabei handelt es sich um Geschwülste, die keine oder nur selten Metastasen bilden, jedoch in umliegendes Gewebe einwachsen und dieses zerstören. Ein Beispiel für einen semimalignen Tumor ist das Basaliom der Haut (Basalzellkarzinom).

Eigenschaften gut- und bösartiger Tumoren

Tumor-Merkmal Gutartiger Tumor Bösartiger Tumor
Tochtergeschwülste (Metastasen) bildet keine Tochtergeschwülste bildet häufig Tochtergeschwulste
Wachstum wächst meist langsam

grenzt sich von umliegendem Gewebe ab und verdrängt es
wächst häufig schnell

wächst in umliegendes Gewebe ein (Infiltration)
erneutes Auftreten (sog. Rezidiv) tritt nach OP nicht mehr auf tritt nach OP häufig erneut auf
Differenzierung (Je niedriger, desto aggressiver der Tumor) hoch niedrig

Einteilung von Tumoren

Sowohl gutartige als auch bösartige Tumoren können sich aus unterschiedlichen Gewebetypen entwickeln, so etwa aus Drüsengewebe, aus Muskelgewebe oder aus Fettzellen. Darüber hinaus gibt es sogenannte Mischtumoren, die von verschiedenen Gewebearten ausgehen.

Tumor ist nicht gleich Tumor: Je nachdem, welches Gewebe die Grundlage für den Tumor bildet, können sehr unterschiedliche Krankheitsbilder und -entwicklungen die Folge sein – und auch die Therapie hängt wesentlich davon ab, aus welchen Zellen der Tumor besteht.

Tumortypen: Beispiele

Ursprungszellen Name gutartiger Tumoren Name bösartiger Tumoren
Drüsenzellen Adenom, Papillom Karzinom
Fettzellen Lipom Liposarkom
Embyronale Zellen (entstehen im Rahmen der Organ- und Gewebeentwicklung) Blastom
Zellen aus Bindegewebe Fibrom Fibrosarkom
Knochengewebe Osteom Osteosarkom
Blutgefäße Hämangion Hämangiosarkom
Hirnhautzellen Meningeom Meningeosarkom
Zellen der glatten Muskulatur, z.B. im Magen-Darm-Trakt Leiomyom Leiomyosarkom
Zellen der quergestreiften Muskulatur (Skelettmuskulatur) Rhabdomyom Rhabdomyosarkom
Knorpelzellen Chondrom Chondrosarkom
Lymphgefäße Lymphangiom Lymphangiosarkom
Melanozyten (Pigmentzellen) Naevuszell-Naevus Malignes Melanom
Lymphatisches Gewebe Maligne Lymphome, lymphatische Leukämie