Balanitis (Eichelentzündung) und Posthitis (Vorhautentzündung)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. Januar 2018)

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Balanitis (Eichelentzündung) und Posthitis (Vorhautentzündung) treten oft gemeinsam auf. Typische Symptome sind Schmerzen, Brennen, Juckreiz und Hautrötungen. 

Posthitis und Balanitis können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Besonders häufig entstehen sie durch eine Infektion mit PilzenBakterien und anderen Mikroorganismen. 

Was sind Balanitis und Posthitis?

  • Bei einer Balanitis ist die Eichel (Glans) des Penis entzündet.
  • bei einer Posthitis ist die Vorhaut beziehungsweise das innere Vorhautblatt (Posthion) des Penis entzündet.

Eichelentzündung und Vorhautentzündung treten meist zusammen auf. Dann sprechen Mediziner von einer Balanoposthitis.

Bei einer Balanitis ist die Eichel, bei der Posthitis die Vorhaut entzündet.

Bei einer Balanitis ist die Eichel, bei der Posthitis die Vorhaut entzündet.

Balanitis & Posthitis: Typische Symptome

Typische Symptome einer Balanitis (Eichelentzündung)/Posthitis (Vorhautentzündung):

Eichel beziehungsweise Vorhaut

Zudem können punkt-oder flächenförmige Hautveränderungen auftreten und die Haut kann nässen. Einige Betroffene leiden unter eitrigem Ausfluss und weißlichen Belägen auf der Eichel. In seltenen Fällten bildet sich ein Geschwür.

Bei der chronischen Hauterkrankung Balanitis xerotica obliterans (auch: Lichen sclerosus) entstehen durch die Entzündung Verklebungen, die zu einer zur Vorhautverengung führen können.

Balanitis & Posthitis: Ursachen

Balanitis (Eichelentzündung) und Posthitis (Vorhautentzündung) können viele verschiedene Ursachen haben. Grob kann man unterscheiden zwischen

  • der infektiösen Balanitis/Posthitis, die durch Krankheitserreger wie Viren, Bakterien und Pilze hervorgerufen wird, und
  • der nicht-infektiösen Balanitis/Posthitis, die z.B. durch eine KontaktallergieArzneimittel oder übertriebene Hygiene entsteht.

Tritt eine Eichel- oder Vorhautentzündung im Rahmen anderer Haut- oder Allgemeinerkrankungen auf, sprechen Ärzte von einer sekundären Balanitis/Posthitis.

Infektiöse Balanitis/Posthitis

Häufig sind Krankheitserreger für eine Eichel- oder Vorhautentzündung verantwortlich. Zu möglichen Erregern zählen

Eine bakterielle Entzündung kann zum Beispiel im Rahmen einer Syphilis-Infektion entstehen. Die Erreger werden in erster Linie durch Sexualkontakte übertragen und/oder sie vermehren sich durch mangelnde Genitalhygiene.

Nicht-infektiöse Balanitis/Posthitis

Neben Krankheitserregern können Balanitis und Posthitis auch andere Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel

Verschiedene Haut- und Allgemeinerkrankungen können eine Vorhaut- oder Eichelentzündung auslösen, so etwa

Risikofaktoren

Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko, eine Balanitis oder Posthitis zu bekommen. Hierzu zählen etwa

  • eine Vorhautverengung (Phimose): Bei einer Phimose lässt sich die Vorhaut gar nicht oder nur unter Schwierigkeiten über die Eichel des Penis zurückziehen. Die Folge: Der Urin staut sich unter der Vorhaut, was bakterielle Infektionen begünstigt. Eine Vorhautverengung kann angeboren sein oder aber im Laufe des Lebens entstehen.
  • mangelnde Hygiene: Bei unzureichender Hygiene sammelt sich zwischen Eichel und innerer Vorhaut eine weißlich-gelbe, talgige Substanz an: das SmegmaSmegma besteht aus abgestorbenen Hautzellen, dem Sekret von Talgdrüsen sowie aus Rückständen von Urin und Sperma. Es bildet einen guten Nährboden für jede Art von Erreger.

Weitere Faktoren, die das Risiko für eine Eichelentzündung oder Vorhautentzündung erhöhen, sind:

  • feuchte Bedingungen, die das Gewebe aufweichen können (z.B. bei einer Vorhautverengung),
  • mechanische Einflüsse (z.B. wiederholte Reibung bei häufiger sexueller Aktivität),
  • häufiges Waschen mit Seife und Auftragen von Desinfektionsmitteln, was der Haut zunehmend Fett entzieht,
  • höheres Alter, da die oberste Hautschicht altersbedingt dünner ist,
  • übermäßige Vermehrung von schon vorhandenen oder (z.B. durch Geschlechtsverkehr) übertragenen Erregern,
  • enge Kleidung und
  • starkes Übergewicht (Adipositas).

Balanitis & Posthitis: Diagnose

Der Arzt kann eine Balanitis (Eichelentzündung) und/oder Posthitis (Vorhautentzündung) oft bereits anhand der typischen Symptome diagnostizieren. Um der Ursache auf den Grund zu gehen, wird er zum Beispiel wissen wollen,

  • wie lange die Beschwerden schon bestehen,
  • ob bestimmte Erkrankungen bekannt sind, etwa Diabetes mellitus oder Allergien und
  • ob eine mechanische Reizung die Ursache sein könnte.

Bei der körperlichen Untersuchung erscheint der entzündete Bereich gerötet und geschwollen. Zudem können Lymphknoten in der Leistenregion vergrößert sein.

Hat der Arzt den Verdacht, dass ein bestimmter Krankheitserreger die Ursache für die Entzündung ist, wird er versuchen, den Erreger nachzuweisen, zum Beispiel mithilfe eines Abstrichs an Eichel und Vorhaut. Mit einem Wattestäbchen entnimmt der Arzt eine Probe aus den entzündeten Bereichen, die anschließend im Labor untersucht wird. Auch eine Urinuntersuchung kann sinnvoll sein. Wenn der Erreger bekannt ist, kann der Arzt diesen gezielt bekämpfen, zum Beispiel mit Antibiotika, wenn es sich um eine bakterielle Infektion handelt.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, können weiterführende Untersuchungen sinnvoll sein – zum Beispiel ein Allergietest, wenn eine Kontaktallergie wahrscheinlich ist.

Balanitis & Posthitis: Therapie

Bei einer Balanitis (Eichelentzündung) oder Posthitis (Vorhautentzündung) ist die Therapie davon abhängig, was die Entzündung verursacht hat. Wichtig ist dabei vor allem, mögliche auslösende Faktoren zu beseitigen.

Allgemein können desinfizierende Sitzbäder mit Kamille und antiseptische Lösungen die Entzündung hemmen. Wundsalben mit Wirkstoffen wie Dexpanthenol können bei Beschwerden wie Brennen oder Juckreiz Linderung verschaffen.

Auf alkalische Seifen und Desinfektionsmittel sollten Sie verzichten. Achten Sie auf eine gründliche, aber nicht übertriebene Hygiene und verwenden Sie zur Pflege fettarme Lotionen oder Lösungen.

Behandlung einer infektiösen Balanitis/Posthitis

Haben Krankheitserreger wie etwa Bakterien die Entzündung hervorgerufen, gilt es, diese Erreger gezielt zu beseitigen. Bei einer bakteriellen Infektion wird der Arzt ein Antibiotikum verschreiben. Sind Pilze (z.B. Candida) die Ursache für eine Balanitis/Posthitis, kommen pilzabtötende Wirkstoffe, sogenannte Antimykotika, zum Einsatz.

Meist sind keine Tabletten nötig. In der Regel genügt es, wenn eine antibiotische Salbe oder pilzabtötende Creme auf den Bereich aufgetragen wird. Wenn sich eine Vorhaut- oder Eichelentzündung weiter ausgebreitet hat, kann allerdings auch eine Behandlung mit Tabletten oder eine Immuntherapie notwendig sein. 

Wenn Sie eine infektiöse Balanitis und/oder Posthitis haben und sexuell aktiv sind, ist eine Therapie nicht nur für Sie ratsam: In den meisten Fällen ist es bei einer Eichelentzündung oder Vorhautentzündung gerechtfertigt und sinnvoll, den Partner ebenfalls zu behandeln.

Behandlung einer nicht-infektiösen Balanitis/Posthitis

Bei nicht-infektiösen Ursachen, zum Beispiel bei einer Allergie, können Kortisonpräparate hilfreich sein, welche die Entzündung eindämmen. Diese sollten allerdings nur kurzfristig zum Einsatz kommen.

Wenn Ihre Balanitis oder Posthitis aufgrund einer anderen Erkrankung (z.B. Morbus Reiter oder Morbus Behcet) entstanden ist, steht die Therapie dieser Erkrankung im Vordergrund.

Wenn Personen mit Vorhautverengung häufiger unter Eichel- oder Vorhautentzündungen leiden, kann es sinnvoll sein, eine bestehende Vorhautverengung durch einen operativen Eingriff frühzeitig zu beseitigen. Eine solche sogenannte Zirkumzision wird der Arzt möglichst dann durchführen, wenn die Entzündung nicht akut ist.

Balanitis & Posthitis: Verlauf

Der Verlauf einer Balanitis (Eichelentzündung) und/oder Posthitis (Vorhautentzündung) hängt vor allem von einer angemessenen Behandlung ab: Sowohl die Vorhautentzündung als auch die Eichelentzündung haben bei konsequenter Therapie gute Heilungschancen.

Eine durch Krankheitserreger hervorgerufene Entzündung von Vorhaut oder Eichel heilt meist komplikationslos ab.

Komplikationen

Manche Betroffene scheuen sich, ihre Beschwerden mit einem Arzt zu besprechen, und suchen diesen möglicherweise erst spät auf. Falsche Scham ist allerdings unangebracht: Je länger Sie zögern, desto eher können im weiteren Verlauf Komplikationen entstehen:

Viele diese Komplikationen kommen nur selten vor. Der Gang zum Arzt ist jedoch die beste Methode, um ihnen vorzubeugen.

Balanitis & Posthitis: So beugen Sie vor

Einer Balanitis (Eichelentzündung) oder Posthitis (Vorhautentzündung) können Sie ein Stück weit vorbeugen:

  • Verwenden Sie Kondome, insbesondere bei häufig wechselnden Partnern. Kondome schützen zuverlässig vor Krankheitserregern, die beim Geschlechtsverkehr auf den Partner übertragen werden können.
  • Wichtig ist eine konsequente, jedoch nicht übertriebene Genitalhygiene. Achten Sie darauf, beim Waschen der Eichel die Vorhaut zurückzuziehen, um Smegma zu entfernen.

Wenn Sie bereits eine Balanitis und/oder Posthitis haben:

  • Durch entsprechende Hygiene können Sie möglichen Komplikationen vorbeugen.
  • Ebenso wichtig: Halten Sie sich an die vom Arzt verordnete Therapie! Wer etwa Antibiotika eigenmächtig absetzt, riskiert, dass die Entzündung nicht ausheilt.
  • Achten Sie darauf, niemanden anzustecken: Benutzen Sie beim Geschlechtsverkehr ein Kondom, damit Sie keine Bakterien oder Pilze auf Ihren Sexualpartner übertragen.
  • Wenn die Eichel/Vorhaut durch eine Erkrankung wie Diabetes mellitus oder durch mechanische Reizung entzündet ist, können Sie durch gründliche Hygiene die Heilung beschleunigen – und zukünftigen Entzündungen vorbeugen.

Balanitis & Posthitis: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Balanitis (Eichelentzündung), Posthitis (Vorhautentzündung)":


Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Balanitis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 27.10.2017)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie: Phimose und Paraphimose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 006 / 52 (Stand: August 2017)

Balanitis. Altmeyer, P.: Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin (Stand: 14.1.2017)

Michel, M., et al.: Die Urologie. Band 2. Springer, Berlin 2016

I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

Schmelz, H. et al.: Facharztwissen Urologie: Differenzierte Diagnostik und Therapie. Springer, Heidelberg 2014

Krause, W., et al. (Hrsg.): Andrologie. Thieme, Stuttgart 2011

Sterry, W., Burgdorf, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Stand: 15. Januar 2018

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