Ein Mädchen spielt mit Knete.
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Spielzeug

Kinder lernen durch spielen! Je nach Alter Ihres Kindes bieten sich unterschiedliche Spielzeuge an. Schon Neugeborene können von Mobiles oder einfachen Handpuppen begeistert sein. Nach und nach dient Spielzeug aber auch dazu, Motorik und Sprachentwicklung Ihres Kindes zu fördern.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Kinder lernen durch spielen, alltägliche Dinge zu verstehen und zu bewältigen. Außerdem trainiert Spielzeug die Koordination, die Motorik und die Sprachentwicklung. Dabei muss es sich nicht um hochkomplizierte, speziell für bestimmte Altersgruppen entwickelte Spielsachen handeln. Gerade kleinen Kindern reicht schon eine knisternde Tüte, eine leere Flasche, die Sie mit Reiskörnern oder Linsen füllen oder ein buntes Tuch (hier sind oft sogar die Wäscheschildchen interessant).

Ältere Kinder wollen da schon mehr gefordert und gefördert werden. Bilderpaarsuche, Puzzle oder einfach Papier und Buntstifte zum Malen und Basteln sind aber auch hier meist sinnvoller als teures Spezialspielzeug.

Spielzeug vor dem zweiten Geburtstag

Schon das Neugeborene schaut begeistert auf ein Mobile oder auf die Grimasse von Mama oder Papa. Nach und nach beginnt das Baby dann, sich für die eigenen Hände und Füße als Spielzeug zu interessieren. Mit der Zeit, wenn es seine Hände immer besser nutzen kann, wird es mit Begeisterung Dinge schütteln (Rasseln, mit Reis, Linsen o.a. gefüllte Flasche etc.) oder anschubsen (Mobiles und anderes Spielzeug, dass über seinem Kopf hängt).

Die meisten Kinder können etwa im Alter von sieben Monaten gezielt nach Gegenständen greifen und die Dinge auch von einer Hand zur anderen wandern lassen. Auch ein Trinkfläschchen allein zu halten, bereitet zu dieser Zeit oft kein Problem mehr. Kinder um den siebten Monat lieben es, nach allem zu greifen, das sich in ihrer Reichweite befindet, es zu beäugen, in den Mund zu stecken, es zu befühlen.

Jetzt werden alle Objekte interessant, die Geräusche machen oder besondere Oberflächenstrukturen haben.

  • Knisternde Tüten,
  • die Wäscheschildchen an Stofftieren und -tüchern,
  • unterschiedlich geformte Bausteine

und vieles mehr wecken nun die Begeisterung Ihres Kindes.

Wichtig ist dabei, für die Sicherheit zu sorgen. Alles, was Ihr Baby verschlucken kann, gehört nicht in seine Hände – hier gilt die Regel: Was in den Mund passt, kann auch verschluckt werden.

Je geschickter Ihr Kind mit den Händen wird und je einfacher es sich selber fortbewegen kann (robben, krabbeln oder laufen), desto mehr Spielzeug wird es für sich entdecken. Etwa mit einem Jahr kann es schon viele Gegenstände, die Sie benennen, erkennen und gibt Ihnen etwa auf Ihre Aufforderung hin einen Teddy, einen bestimmten Baustein oder ein Bilderbuch.

Auch Spiegel können schon kleine Kinder faszinieren. Zwar erkennen Sie sich noch nicht darin, doch sie lachen das "fremde Kind" an, drehen und wenden den Spiegel in der Hand und lachen, wenn sich Mama oder Papa plötzlich hinter ihnen im Spiegel zeigen.

Viele Kinder können um den ersten Geburtstag herum schon einfach Steckspiele spielen. Meist ist dabei ein runder Stein am interessantesten, die anderen Formen werden nach und nach erlernt.

Wenn Sie Ihrem Kind eine selbstgemachte Freude bereiten möchten, können Sie Fotos zum Beispiel von der Verwandtschaft oder von Spielzeug oder Gegenständen auf Karton aufkleben. Mit diesen können Sie dann üben, Personen und Gegenstände zuzuordnen.

Mobiles

Neugeborene können kaum weiter als 20 Zentimeter sehen. Ihre Augen bewegen sich bereits in der Horizontalen und die Pupillen reagieren auch auf Lichteinfall. Doch bist das Baby alle neun Blickrichtungen beherrscht und zu verstehen beginnt, was es sieht, vergehen rund drei Monate. Dann können die Augen auch beweglichen Objekten folgen.

Etwa ab dem 3. Monat können Sie Ihr Baby daher mit einem Mobile über dem Bett, der Wickelkommode oder einem anderen Platz erfreuen. Ein Mobile fördert die Sinne des Kindes und deren Koordination. Im Laufe des vierten Monats wird es die Motive des Mobiles auch scharf erkennen können.

Damit sich Ihr Baby nicht in den Fäden verheddert, sollte das Mobile außerhalb seiner Reichweite aufgehängt werden. Pusten Sie das Mobile gelegentlich an und freuen Sie sich an der Freude Ihres Kindes über die sich drehenden und schaukelnden Motive. Achten Sie aber darauf, das Kleine weder mit akustischen noch mit optischen Reizen zu überfluten.

Kuscheltiere

Ein weiches Kuscheltier, vielleicht mit eingebauter Spieluhr, ist das ideale erste Geschenk für ein Kind. Nicht selten begleitet das irgendwann struppige, kaputte und zerfledderte Stofftier seinen Besitzer bis in die Pubertät, heilig, nie gewaschen und für jeden anderen als Spielzeug und Gefährten tabu.

In den ersten zwei Lebensmonaten können Kinder zwar noch nicht gezielt nach Dingen greifen, geschweige an der Stippe eine Spieluhr ziehen. Doch die oberflächliche Beschaffenheit des Kuscheltiers, sein Geruch und die Melodie umgeben den ständigen Begleiter bald mit der Aura einer unvergleichlichen Vertrautheit. Nach ein paar Monaten kann ein das Kuscheltier zum unverzichtbaren Übergangsobjekt werden, das jederzeit Trost und Einschlafhilfe leistet.

Beim Kauf eines Kuscheltiers sollten Sie bedenken, dass Ihr Kind bald alles Greifbare in den Mund stecken wird. Augen, Ohren, Knöpfe und sonstige Utensilien müssen deshalb fest angenäht sein. Auch von der Füllung sollte keine Gefahr ausgehen. Eine Naht ist schnell geplatzt. Achten Sie daher auf das CE-Zeichen, das altersgerechte Sicherheitsstandards gewährleistet.

Ein Kuscheltier reicht übrigens völlig aus. Es sollte nicht allzu groß und nicht zu schwer sein und aus möglichst hochwertigem Material bestehen.

Sortierspiele

Im Auffinden von Spielmöglichkeiten sind Kinder außerordentlich einfallsreich. Aus ihrer Sicht eignet sich absolut alles zum Spielen, auch wenn die Erwachsenen gelegentlich anderer Meinung sind oder (aus Erfahrung) sein müssen. Die Kleinen lieben es, in Schränken, Schubladen und Kisten herumzustöbern, wobei Gefährliches oder Geheiligtes natürlich unter Verschluss gebracht werden sollte.

Beim Herumstöbern erkunden Kinder ihre Welt und machen sich beim Anfassen und Untersuchen mit allen möglichen Formen und Materialien bekannt. Nicht zuletzt beginnen sie, eine gewisse Ordnung der Dinge wahrzunehmen: Der Herd ist "nein", die Kekse verstecken sich hinter der roten Schranktür und die Löffel für den Brei befinden sich in der Schublade

Im Alter von etwa 15 Monaten werden Sortierspiele aller Art für Ihr Kind allmählich interessant. Bis es wirklich erkennen kann, welcher der beispielsweise bunten, verschieden geformten Bauklötze in eine bestimmte Öffnung der Sortierbox passt, vergehen oft noch viele Monate. Doch durch unermüdliches Drehen und Wenden, Versuchen und Verwerfen übt es ganz nebenbei seine Feinmotorik, die Hand-Auge-Koordination und auch das abstrakte Denken.

Das gleiche gilt für die ersten Steckpuzzles, bei denen zunächst weniger die Form als das jeweilige Motiv der Teile im Vordergrund steht. Zu erkennen, dass dieses eine Teil in der Hand in diese eine spezielle Öffnung passt, bedeutet eine große geistige Leistung.

Ob Sie nun eine hochwertige Sortierbox aus Holz kaufen oder Ihr Kind die Löffel in Ihren Besteckkasten legen lassen, spielt keine Rolle. Hauptsache Ihr Kind kann gefahrlos und nach Herzenslust herumstöbern und räumen.

Spielzeug nach dem zweiten Geburtstag

Ihr Kind wird mit jedem Tag fingerfertiger, beweglicher, selbstständiger – auch wenn es noch längst nicht alles kann, was es gerne möchte. Geben Sie Ihrem Kind deshalb am besten Spielzeug, das seinen Interessen und aktuellen Fähigkeiten entspricht. Umso lustvoller und intensiver wird es damit spielen. So könnte ein erstes einfaches Bilderpaarsuche-Spiel oder ein Bilderlotto Ihrem Kind nun Spaß machen.

Auch Puzzles werden immer interessanter. Die einfachsten Puzzles bestehen aus Motivteilen, die in entsprechende Auslassungen eingefügt werden oder aus wenigen, aber großen Teilen.

Knete, beispielsweise zum Rollen von Würsten, macht vielen Kindern nach dem zweiten Geburtstag Freude.

Musik- und Märchenkassetten werden nun auch immer interessanter. Besonders lustige Bewegungslieder oder einfache, nicht Angst machenden Geschichten können Ihr Kind begeistern.

Fingerfarben, Wachsmalkreide, Krepp-Papier und andere Dinge zum Malen und Basteln können nun für Ihr Kind attraktiv werden. Beachten Sie, dass auch Kinder nach dem zweiten Geburtstag noch vieles in den Mund stecken – die Farben sollten daher für Kinder dieses Alters geeignet sein.

Zudem können Lauf- und Dreiräder helfen, die Koordination und Balance des Kindes zu fördern, Kinderfahrzeuge können ab zwei Jahren ein geeignetes Spielzeug sein.

Bausteine

Bausteine, ob aus Plastik zum Zusammenstecken oder aus Holz zum Stapeln, sind für Kinder interessant, sobald sie Dinge greifen können. Zunächst werden Bausteine hintereinander aufgereiht, später gestapelt und mit der Zeit in zahlreichen Varianten zusammengesteckt oder anders kombiniert.

Konstruktionsspiele aller Art schulen die Auge-Hand-Koordination Ihres Kindes und fördern seine spielerische Lust, etwas Vorzeigbares entstehen zu lassen.

Nicht zuletzt kann Ihr Kind mit bunten Bausteinen die Grundfarben, Formen und später und auch erste Zahlen kennen lernen, wenn Sie es zum Beispiel bitten, Ihnen zwei rote runde Steine zu geben.

Bilderpaarsuche

Kinder lieben Kartenlegespiele, wie zum Beispiel die Bilderpaarsuche, bei der man ein Bildpaar aus einem Haufen umgedrehter Karten finden muss – auch wenn es nicht stimmt, dass die Gedächtnisleistungen der Kleinen denen der Großen deutlich überlegen sind.

Im Allgemeinen hat ein etwa dreijähriges Kind gegen ein sechsjähriges keine Chance, das sich wiederum gegen ein zwölfjähriges sehr schwer tut. Aber um Siegen und Verlieren sollte es bei der Bilderpaarsuche am Anfang auch gar nicht gehen. Kleinkinder müssen erst noch lernen, dass es keine Niederlage bedeutet, wenn sie bei einem Spiel verlieren.

Beim Bilderpaarsuche-Spiel trainiert Ihr Kind auf spielerische Weise, Bilder bestimmten Orten zuzuordnen, Gesehenes zu behalten, wiederzuerkennen, danach zu suchen und es wiederzufinden. Doch schult die Bilderpaarsuche nicht nur das Gedächtnis. Es führt Ihr Kind auch ein in die Welt der Spielregeln, die für alle gelten, die am Spiel teilnehmen: Es darf jedes Mal nur eine festgelegte Anzahl an Karten aufgedeckt werden, man muss die Karten wieder umdrehen, darf nicht ihre Position verändern und es geht immer reihum – für etwa Dreijährige mitunter ganz schön schwer einzusehen.

Es empfiehlt sich, möglichst stabile Bildkarten mit einfachen, schnell erkennbaren Motiven anzuschaffen. Vielleicht beginnen Sie mit vier Pärchen, um die Anzahl mit der Zeit zu erhöhen. Tut sich Ihr Kind noch ein wenig schwer, ist es möglicherweise besser, das Spiel ein paar Monate später einzuführen. Zu viele Misserfolgserlebnisse könnten den Spaß Ihres Kinds am Spiel verderben.

Puzzle

Im Alter von etwa zwei Jahren können Kinder einfache Puzzles aus etwa zehn Teilen zusammensetzen. Puzzles schulen nicht nur die Feinmotorik der Hände sowie die Auge-Hand-Koordination. Mit Puzzles lernen Kinder auch, dass ein Ganzes aus verschiedenen Einzelheiten bestehen kann. Puzzeln fördert daher das abstrakte Denken Ihres Kindes, wenn es anhand eines Einzelteils errät, erahnt oder bereits vorwegnimmt, wo das betreffende Teil seinen Platz im Ganzen findet.

Es empfiehlt sich, zunächst Puzzles aus Holz anzuschaffen, da Kleinkinder die dickeren Einzelteile besser anfassen können. Auch sollten die Puzzles anfangs nicht mehr als drei oder sechs Teile haben, sodass sich das Motiv rasch erfassen lässt. Lassen Sie Ihr Kind möglichst lange ausprobieren, ob und wie ein Teil ins Ganze passt. Helfen Sie ihm erst, wenn es Sie darum bittet.