Zwei Kindern trinken an einem Wasserspender.
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Richtig trinken

Kinder wissen schon, was gut für sie ist – oder? Leider trinken Kinder aber – ebenso wie viele Erwachsene – oft zu wenig. Sie haben noch kein ausgeprägtes Durstgefühl oder sind schlicht durch Spielen und Toben und andere spannende Dinge zu sehr abgelenkt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Allgemeines

Nehmen Kinder aber nicht genügend Flüssigkeit zu sich, bekommen sie rasch Probleme mit der Konzentrationsfähigkeit. Sie werden im wahrsten Sinne des Wortes saft- und kraftlos und sind schnell unleidig. Bei Kleinkindern kann man häufig beobachten, dass sie dunkle Ringe unter den Augen bekommen, wenn sie zu wenig trinken.

Solange der Nahrungsbedarf des Säuglings vorwiegend durch Milchmahlzeiten (Muttermilch oder Flaschennahrung) gedeckt ist, braucht das Baby keine zusätzliche Flüssigkeit. Nur an besonders heißen Tagen, bei Durchfall oder Fieber können Sie über die Mutter- oder Flaschenmilch hinaus Flüssigkeit anbieten. Sobald die Beikost nach und nach die Milchmahlzeiten ersetzt, sollten aber regelmäßig Getränke auf dem Speiseplan stehen.

Trinken können und sollen Kinder so oft und so viel sie wollen. Am besten eignen sich

  • Wasser,
  • ungesüßte Tees oder
  • Saftschorlen im Verhältnis 1 Teil Fruchtsaft, 2 Teile Wasser.

Kinder sollten nicht aus der Flasche, sondern aus stabilen Bechern oder Tassen trinken.

Etwa ab dem achten Monat sollten Sie Ihr Kind außerdem von der Flasche auf Becher oder Tassen umgewöhnen. Der Flaschenentzug dient nicht zuletzt dem Wohl der Zähne und des Kiefers, welche mit der Zeit unter dem Dauernuckeln des Kindes leiden.

Welche Getränke?

Unser Leitungswasser gehört zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln. Wenn Sie den Status Ihres Leitungswassers nicht kennen, können Sie diesen beim ansässigen Gesundheitsamt oder einem Wasserwerk erfragen.

Alternativ bietet sich Mineralwasser an. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, wenn die Zähne des Kindes angegriffen sind, da Kohlensäure bereits vorhandene Schäden verstärken kann. Bevorzugen Sie dann stilles Wasser.

Sie müssen Leitungswasser nicht abkochen. Achten Sie jedoch darauf, frisches Wasser zu verwenden: Wenn die Leitung eine Weile (z.B. über Nacht) nicht verwendet wurde, lassen Sie daher das Wasser eine Weile laufen, bevor Sie es verwenden.

Neben Wasser können Sie Ihrem Kind auch ungesüßte (!) Kräuter- und Früchtetees anbieten. Besonders beliebt sind Tees aus:

  • Kamille
  • Fenchel
  • Hagebutte
  • Melisse
  • Lindenblüten
  • Apfel

Auch verdünnte Obst- und Gemüsesäfte kommen bei Kindern häufig gut an. Achten Sie dabei auf ein Mischverhältnis von 1 Teil Saft auf 2 Teile Wasser. Diese Getränke sollten die Ausnahme sein und nicht dem Dauernuckeln dienen. Einerseits können Fruchtsäuren die Zähne schädigen – selbst wenn diese noch nicht durchgebrochen sind. Andererseits haben Säfte einen sättigenden Effekt, sodass Ihr Kind zu den Mahlzeiten keinen Hunger mehr hat, wenn es zuvor zu viel Saft getrunken hat..

Für Kinder als Getränke nicht geeignet sind:

  • Limonaden
  • Baby- und Kindertees (oft hoher Zuckeranteil)
  • unverdünnte Obst- und Gemüsesäfte (diese können aber als alternative Mahlzeit dienen, wenn Ihr Kind ein "schlechter Esser" ist)
  • sonstige Getränke, denen Zucker, Honig, Süßstoffe, Zuckeraustauschstoffe, Sirup oder Dicksäfte zugesetzt wurden

Trinkmenge

Die empfohlene Flüssigkeitszufuhr pro Tag und damit die Trinkmenge wird von den Gesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam herausgegeben (D-A-CH).

Mit zunehmendem Alter benötigt man verhältnismäßig weniger Flüssigkeit, die empfohlene tägliche Trinkmenge pro Kilogramm Körpergewicht nimmt daher ab.

In der folgenden Tabelle können Sie ablesen, wie viel Flüssigkeit ein Kind täglich durch Getränke und Nahrung aufnehmen sollte.

Empfohlene tägliche Flüssigkeitszufuhr pro kg Körpergewicht (nach D-A-CH 2000)

Alter ml
< 4 Monate 130
4 bis < 12 Monate 110
1 bis < 4 Jahre 95
4 bis < 7 Jahre 75
7 bis < 10 60
10 bis < 13 50
13 bis < 15 40

Die angegebenen Werte beziehen sich auf je ein Kilogramm Körpergewicht. Beispiel: Ein 4-jähriges Kind mit einem Körpergewicht von 17 Kilogramm müsste demnach 17 * 75 ml = 1.275 ml oder 1,275 Liter Flüssigkeit täglich zu sich nehmen.

Trinktipps

Mit einigen Tricks können Sie Ihr Kind (und vielleicht auch sich selbst) zum regelmäßigen Trinken verführen:

  • Kinder haben – wie ältere Menschen – ein nur schwach ausgeprägtes Durstempfinden. Sie "vergessen" deshalb oft, dass sie Durst haben. Bieten Sie Ihrem Kind daher immer wieder zwischendurch einen Schluck zu trinken an.
  • Zum Essen gehören immer auch Getränke. Süße Säfte und Limonaden sollten allerdings die Ausnahme sein.
  • Ihr Kind sollte mitentscheiden dürfen, was es gerne trinken möchte – allerdings muss man hier einen Kompromiss zwischen gesund und beliebt finden.
  • Eine Flasche Wasser oder Saftschorle kann überall dort bereitstehen, wo sich Ihr Kind aufhält: im Spielzimmer (umsturzgesichert), in der Küche oder auf dem Spielplatz.
  • Nach jeder Anstrengung und besonders bei Hitze ist es wichtig, dass Ihr Kind den Flüssigkeitsverlust wieder ausgleicht und ausreichend trinkt.
  • Wegen ihres Eiweiß- und Fettgehalts gilt Milch eher als sättigendes Lebensmittel denn als Getränk. Trotzdem deckt natürlich auch Milch einen Teil des täglichen Flüssigkeitsbedarfs. Kuhmilch ist jedoch im ersten Lebensjahr für viele Kinder unverträglich.

Wie bei allem anderen auch gilt: Seien Sie Vorbild! Wenn Sie ausreichend und gesund trinken, macht Ihr Kind es Ihnen vermutlich nach.