Das Bild zeigt eine Frau beim Stillen.
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Stillkissen

Ein Stillkissen unterstützt Sie und Ihr Baby beim Stillen, denn es entlastet Rücken, Nacken, Schultern und Arme, besonders, wenn es mal etwas länger dauert. Aber Stillkissen können noch mehr: Sie dienen als Nestchen und eignen sich als Seitenschläferkissen oder Lagerungskissen für Schwangere, aber auch andere Personen mit Schlafstörungen oder Rückenschmerzen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Allgemeines

Stillkissen gibt es in vielen unterschiedlichen Ausführungen. Einige sind besonders lang und anschmiegsam und können so auch als Seitenschläferkissen verwendet werden. Andere sind sehr kurz und unterstützen nur einen Arm beim Stillen, fungieren aber auch als Nackenkissen. Das sogenannte amerikanische Stillkissen wiederum hat zwar keine zusätzlichen Funktionen, ist dafür aber besonders formstabil und mit seiner festen Unterlage für Kinder geeignet, die beim Stillen schnell einschlafen oder mit dem Trinken Probleme haben.

Stillkissen unterscheiden sich in ihrer Füllung und im Bezug. Beides können Sie häufig getrennt kaufen, es gibt aber auch komplette Stillkissen mit Bezug.

Die Füllungen reichen von Getreidespelzen über Baumwolle bis hin zu den am häufigsten verwendeten Schaumstoffperlen (sog. EPS-Perlen oder Polystyrolperlen). Je nach Verarbeitungsgüte haben die Füllungen Vor- und Nachteile – zertifizierte Stillkissen sind aber mit jeder Füllung unbedenklich. Welche Füllung für Sie infrage kommt hängt unter anderem davon ab, wie anpassungsfähig und formstabil das Kissen sein soll und welche Stillkissen-Füllung sich für Sie am besten anfühlt. Es ist daher sinnvoll, sich im Fachgeschäft einen Eindruck verschiedener Stillkissen zu machen.

Der Stillkissenbezug ist im besten Fall abnehmbar und waschbar, da es beim Stillen oft kleinere oder größere Unfälle gibt und Milchflecken auf Dauer unhygienisch sind und unangenehm riechen. Welchen Bezug Sie für sich als geeignet erachten, ist Geschmacksache. Wichtig ist aber, dass der Reißverschluss gut verarbeitet ist, damit er nicht stört oder gar verletzen kann. Außerdem sollte auch der Stillkissenbezug als schadstofffrei zertifiziert sein.

Die gängigen Zertifikate für unbedenkliche Stillkissenbezüge und Stillkissen-Füllungen sind Toxproof, Öko-Tex Standard 100 und Naturtextil IVN zertifiziert best.

Stillkissen-Füllung

Eine Stillkissen-Füllung kann praktisch aus allen Materialien bestehen, die gesundheitlich unbedenklich sind und das Kissen formbar, anpassungsfähig und gemütlich machen. Die am häufigsten verwendete Stillkissen-Füllung besteht aus EPS-Perlen (auch: Polystyrolperlen oder Schaumstoffperlen). Gerne werden auch Getreidespelzen (meist Dinkelspelzen) als Füllung verwendet. Aber auch Baumwolle, Schurwolle, Latexflocken, Polyesterwatte und andere Materialien eignen sich als Stillkissen-Füllung.

Wichtig bei der Stillkissen-Füllung ist, dass sie unbedenklich für Mutter und Kind ist. Es dürfen keine Schadstoffe austreten. Bei Getreidefüllungen können das Pilzsporen sein, bei den EPS-Mikroperlen Styrol, das Augen und Haut reizen kann. Bei einer verantwortungsbewussten Herstellung (erkennbar an verschiedenen Zertifikaten) sind Stillkissen-Füllungen aber gesundheitlich unbedenklich.

EPS-Kügelchen

Am häufigsten werden Stillkissen verwendet, die mit EPS-Kügelchen (auch: Polystyrolperlen oder Schaumstoffperlen) gefüllt sind.

EPS-Kügelchen gibt es in unterschiedlichen Größen von 0,5 bis 5 Millimetern Durchmesser, die kleinsten Perlen sind dabei als Mikroperlen bekannt. Die Füllung dieser Stillkissen können Sie nach Bedarf und Wunsch regulieren, indem Sie Perlen hinzufügen oder herausnehmen. So können Sie die optimale Haltung für sich und Ihr Baby beim Stillen oder beim Liegen finden, wenn Sie das Kissen als Lagerungskissen verwenden.

EPS-Kügelchen sind für Allergiker geeignet und bieten eine gute Luftzirkulation. Stillkissen mit EPS-Kügelchen passen sich optimal an Ihren Körper an. Sie sind außerdem geruchsneutral. EPS-Stillkissen sind voll waschbar und häufig auch trocknergeeignet. Als Nachteil wird manchmal gewertet, dass die EPS-Kügelchen, je nach Größe, rascheln.

EPS ist übrigens die Abkürzung für expandierter Polystyrol-Hartschaum.

Getreidefüllung

Die Getreidefüllung ist eine weitere gängige Stillkissen-Füllung. Meistens handelt es sich dabei um Dinkelspelzen. Viele Mütter fühlen sich damit wohler, weil es sich hierbei um eine natürliche Füllung handelt, die auch sehr anpassungsfähig und außerdem geräuscharm ist. Wenn die Getreidefüllung sorgfältig verarbeitet wurde, ist sie auch bedingt für Allergiker geeignet.

Getreidefüllungen sind nicht waschbar. Achten Sie deshalb darauf, dass das Stillkissen mit Getreidefüllung einen abnehmbaren, waschbaren Bezug hat. Die Getreidefüllung macht das Stillkissen relativ schwer. Das kann einerseits ein Nachteil sein, wenn man das Kissen auch unterwegs zum Stillen verwenden möchte. Ein Vorteil ist, dass schwerere Kissen einen besseren Halt bieten als leichtere Kissen.

PES-Hohlfaser

PES ist die Abkürzung für Polyester. Polyester-Hohlfasern haben eine daunenähnliche Beschaffenheit. Sie sind sehr weich, geruchsarm und leise (kein Rascheln). PES-Hohlfaser ist für Allergiker geeignet und kann gewaschen und im Trockner getrocknet werden. Da Polyester keine Feuchtigkeit aufnimmt, trocknen diese Kissen sehr schnell. Stillkissen mit PES-Hohlfaserfüllung sind formstabil und besonders gut als Lagerungskissen geeignet.

Stillkissenbezug

Der richtige Stillkissenbezug ist ein wichtiger Faktor beim Stillkissen. Der Stillkissenbezug muss angenehm für die Haut sein und darf keine Schadstoffe enthalten. Häufig wird daher Mikrofaser für den Stillkissenbezug verwendet, da diese sich angenehm auf der Haut anfühlt und einfach zu reinigen ist.

Weicher und noch angenehmer ist Qualitätsplüsch. Möglicher Nachteil: Er ist schwerer zu reinigen und meistens nicht waschmaschinengeeignet. Gerade bei Stillkissen ist das ungünstig, da Sie den Bezug häufiger reinigen müssen.

Besonders hygienisch ist ein Stillkissenbezug aus Baumwolle. Baumwolle kann auch sehr heiß gewaschen werden. Wichtig ist es hier auf Bio-Baumwolle zu achten beziehungsweise auf ein entsprechendes Zertifikat, da herkömmliche Baumwolle Rückstände von Pestiziden enthalten kann.

Seltener weil teurer sind Stillkissenbezüge aus Leder. Vorteile von Leder: Es ist sehr weich und lässt sich gut abwaschen.

Zwei Punkte sind beim Stillkissenbezug besonders wichtig:

  • abnehmbarer Bezug: Einen abnehmbaren Bezug können Sie separat waschen.
  • Reißverschluss: Außerdem muss der Reißverschluss so verarbeitet sein, dass er die Haut nicht einklemmen bzw. anders stören oder verletzen kann.

Welche Größe ist die richtige?

Welche Stillkissen-Größe für Sie die richtige ist, hängt davon ab, wofür Sie das Stillkissen verwenden möchten:

  • Wenn Sie Zwillinge stillen, eignet sich ein langes Stillkissen, das ganz um Ihren Körper herumreicht, oder das amerikanische Stillkissen.
  • Wenn Sie nur Unterstützung auf einer Seite benötigen und zusätzlich häufiger ein Nackenkissen verwenden, ist ein kleines, festes Stillkissen für Sie geeignet.
  • Möchten Sie das Stillkissen auch oder ausschließlich als Lagerungskissen beziehungsweise Seitenschläferkissen verwenden, sollte es besonders lang sein.
  • Wenn Ihr Kind Probleme beim Trinken hat, bietet sich das amerikanische Stillkissen an oder ein besonders formstabiles Stillkissen, dessen Größe aber keine Rolle spielt.
  • Einige Frauen verwenden zuhause ein langes Stillkissen, setzen unterwegs aber ein kurzes Stillkissen ein.
  • Wenn Sie das Stillkissen auch nach der Stillzeit noch als Kuschelkissen verwenden möchten oder um Ihr Baby zu stabilisieren, ist ein langes Stillkissen von Vorteil.

Verwendung von Stillkissen

Stillkissen können nicht nur zum Stillen verwendet werden, auch wenn das ihre eigentliche Bestimmung ist. Ein Stillkissen entlastet Rücken, Nacken, Schultern und Arme der Mutter. Richtig angewendet, hat die stillende Mutter dank des Stillkissens mindestens einen Arm frei. Das Stillkissen unterstützt außerdem das Baby beim Trinken. Gerade für Kinder, die Probleme mit dem Trinken haben (Frühchen, Kinder mit Down-Syndrom, ...) können ein Stillkissen und spezielle Anlegetechniken hilfreich sein.

Natürlich profitieren nicht nur Stillkinder vom Stillkissen. Auch Kinder, die mit der Flasche gefüttert werden, können so besser gelagert werden und die Mutter kann das Baby besser und entspannter halten.

Neben seiner Funktion beim Stillen beziehungsweise Füttern verwenden viele Mütter das Stillkissen auch schon in der Schwangerschaft. Gerade, wenn der Bauch immer größer wird, Rückenschmerzen zunehmen und die Schwangere kaum noch eine geeignete Schlafposition findet, kann ein Stillkissen als Seitenschläferkissen dienen: Die Schwangere liegt dabei auf der Seite, das Stillkissen liegt vor dem unteren Bein, der Kopf liegt auf dem oberen Ende des Stillkissens. Das obere Bein können Sie vor oder auf dem Stillkissen ablegen. Den Bauch können Sie hinter oder auf dem Stillkissen ablegen und so stützen.

Schwangere, die unter Sodbrennen leiden, verwenden das Stillkissen auch gerne als Lagerungskissen, um beim Schlafen eine leicht aufrechte Position einhalten zu können. Auch bei Rückenschmerzen können Sie das Stillkissen (nicht nur von Schwangeren) als Lagerungskissen im Sitzen sowie im Liegen verwenden.

Kurze Stillkissen dienen oft als Nackenkissen, als Alternative zum meist weicheren Kopfkissen oder als Nackenstütze auf Langstreckenflügen. Viele Frauen verwenden lange Stillkissen auch nach der Stillzeit noch als Kuschelkissen oder um das Baby auf der Couch oder der Krabbeldecke zu stabilisieren. Je nach Größe und Beschaffenheit spielen Kinder später gerne mit Stillkissen, indem sie beispielsweise darauf reiten.

Wenn Sie das Stillkissen ausschließlich zum Stillen verwenden möchten oder Ihr Kind beim Stillen schnell einschläft, kommt für Sie vielleicht das amerikanische Stillkissen infrage. Es besteht aus nicht formbarem Schaumstoff, in der Regel mit einem Baumwollbezug. Das Stillkissen wird hinter dem Rücken verschlossen und weist dort eine Verstärkung für den Rücken auf. Vorne ist es so geformt, dass der Säugling optimal gelagert wird. Es hat eine geradere und stabilere Oberfläche als andere Stillkissen und ist darum für einige Kinder mit Saugproblemen oder Kinder, die schnell beim Stillen einschlafen, besser geeignet. Alternativ gibt es eine aufblasbare Variante für unterwegs.

Achtung: Verwenden Sie Stillkissen nicht als Nestchen im Kinderwagen oder im Kinderbett. Dadurch kann die notwendige Luftzirkulation unterbrochen werden, was einen Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod (SIDS) bedeutet.

Stillkissen kaufen

Welches Stillkissen Sie letztendlich kaufen, hängt davon ab, wofür Sie es genau verwenden möchten, ob Sie oder Ihr Kind Allergiker sind und welches Stillkissen Sie als besonders angenehm empfinden. Es ist daher sinnvoll, wenn Sie sich verschiedene Stillkissen im Fachgeschäft genauer ansehen.

Achten Sie darauf, dass das Stillkissen – und zwar sowohl Füllung als auch Bezug – zertifiziert ist, dass sie also mindestens einem Test auf Schadstoffe unterzogen wurden. Verlässliche Zertifikate sind folgende:

  • Toxproof-Zeichen: Das Toxproof-Zeichen wird vom TÜV Rheinland vergeben. Stillkissen mit Toxproof-Zeichen wurden auf Schadstoffbelastung überprüft und als unbedenklich eingestuft.
  • Öko-Tex Standard 100: Öko-Tex Standard 100 wird von der internationalen Öko-Tex Gemeinschaft vergeben. Auch hier wurden die Stillkissen auf Schadstoffe geprüft und als unbedenklich eingestuft.
  • Naturtextil IVN zertifiziert best: Dieses Zertifikat wird vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN) vergeben. Derart zertifizierte Stillkissen wurden nicht nur auf Schadstoffe getestet (und für unbedenklich befunden), sondern auch darauf, dass sie ausschließlich aus Naturfasern aus rein biologischer Erzeugung hergestellt wurden. In der Herstellung sind keine chemischen Verfahren zugelassen. Die Bezüge dürfen keine optischen Aufheller oder Farben mit Schwermetallen enthalten.