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Appendektomie

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin

Als Appendektomie bezeichnen Mediziner die operative Entfernung des sogenannten Wurmfortsatzes. Dieser geht vom Blinddarm ab und neigt dazu, sich zu entzünden. Laien nennen dies nicht ganz korrekt Blinddarmentzündung, Ärzte sprechen von einer Appendizitis – abgeleitet vom lateinischen Namen des Wurmfortsatzes "Appendix" ("-itis" steht für eine Entzündung). Etwa 15 von 100 Menschen wird im Laufe ihres Lebens der Wurmfortsatz entfernt.

Allgemeines

Unter den Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts ist die Appendizitis diejenige, die am häufigsten eine Operation erforderlich macht. In Deutschland nehmen Chirurgen jährlich etwa 130.000 Appendektomien vor. Die meisten "Blinddarmentzündungen" ereignen sich bei jungen Menschen im Alter zwischen 10 und 19 Jahren.

Es gibt eine Reihe typischer Symptome, die für eine Appendizitis sprechen, dazu zählen Übelkeit und Erbrechen gepaart mit Schmerzen im rechten unteren Bauch. Bei Kleinkindern, älteren Menschen und Schwangeren sind die klinischen Zeichen häufig nicht so eindeutig oder die Erkrankung verläuft weniger typisch.

Ob der Wurmfortsatz wirklich entzündet ist, lässt sich letztlich nur klären, indem der Chirurg ihn im Rahmen einer Operation begutachtet. Allein der Verdacht auf eine Appendizitis rechtfertigt einen Eingriff, da eine Entzündung ohne rechtzeitige Operation zu schweren Komplikationen führen kann. Eine Appendektomie sollte bei Verdacht auf eine Appendizitis so früh wie möglich vorgenommen werden: innerhalb der ersten 48 Stunden seit Beginn der Symptome.

Eine Appendektomie lässt sich auf zwei Arten durchführen:

Unabhängig vom Verfahren gehen die Chirurgen verkürzt dargestellt auf drei verschiedene Weisen vor:

  1. Eine Appendektomie erfolgt immer dann, wenn sich der anfängliche Verdacht bestätigt.
  2. Finden sich – bei gleichzeitig unauffälligem Wurmfortsatz – andere Ursachen für die Beschwerden, etwa eine entzündete Gallenblase, eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder bei Frauen eine Entzündung der Eileiter und Eierstöcke (sog. Adnexitis), bleibt die Appendektomie aus. Der Arzt behandelt dann die offenkundige Erkrankung.
  3. Lassen sich keine Auslöser für die Beschwerden des Patienten finden, entfernt der Arzt die Appendix meist auch dann, wenn sie nicht entzündet aussieht. Mediziner nennen dies "prophylaktische Appendektomie".

Eine unkomplizierte Appendizitis gilt nach erfolgreicher OP als geheilt. Bei einer weit fortgeschrittenen Entzündung kann der Wurmfortsatz aufplatzen (Perforation), sodass sich Keime in der Bauchhöhle verteilen. Mögliche Folge: eine Bauchfellentzündung (Peritonitis). In schweren Fällen, in denen sich die Entzündung trotz einer Behandlung mit Antibiotika nicht in den Griff bekommen lässt, besteht mitunter Lebensgefahr.

Das "ektomie" in "Appendektomie" leitet sich vom griechischen Wort "ektome" ab und bedeutet "Herausschneiden".

Ablauf

Offene Appendektomie

Laparoskopische Appendektomie

Wann welches Verfahren?

Ob die offene oder die laparoskopische Appendektomie das geeignetere Verfahren darstellt, hängt von verschiedenen Faktoren ab – maßgeblich von bestimmten Voraussetzungen, die der Betroffene mit sich bringt, und nicht zuletzt von den Erfahrungen und "Vorlieben" des jeweiligen Operateurs. Es lässt sich daher nicht pauschal beantworten, welches Verfahren besser oder sicherer ist. Vielmehr muss es individuell entschieden werden.

Vorteil der laparoskopischen Technik: Sie eignet sich nicht nur zur Therapie, sondern ermöglicht es auf relativ schonende Weise, den Verdacht auf eine Appendizitis zu bestätigen oder zu widerlegen. Als sogenannte "diagnostische Appendektomie" dient sie dazu, unklare Unterbauchbeschwerden abzuklären, ohne dass ein größerer Eingriff nötig ist. Manchen Fachleuten zufolge sollte die laparoskopische Appendektomie nur in diesen Fällen eingesetzt werden. In allen Fällen, in denen klinisch ziemlich eindeutig eine Appendizitis besteht, empfehlen sie die offene Operationstechnik.

Untersuchungen zufolge scheint die Appendektomie mittels Bauchspiegelung folgende Vorteile zu haben: In der Regel infiziert sich die Wunde seltener, die Schmerzen nach der OP sind weniger stark und der Operierte kann sich schneller körperlich wieder belasten und somit meist auch schneller wieder arbeiten. Letztlich entscheidend ist aber, wie gut und häufig ein Team die jeweilige Art der Appendektomie ausführt.

In folgenden Situationen scheint das Vorgehen mit Bauchspiegelung der offenen Appendektomie meist überlegen zu sein:

Arbeitsunfähigkeit

Risiken und Komplikationen

Die Appendektomie zählt aufgrund ihrer Häufigkeit in den meisten chirurgischen Abteilungen zu den Routineeingriffen. Die Art und Schwere der möglichen Komplikationen richtet sich vor allem danach, wie weit fortgeschritten die Entzündung des Wurmfortsatzes zum Zeitpunkt der Operation bereits war und wie alt und gesund der Patient ist.

Mögliche Komplikationen einer Appendektomie:

Da sich eine Appendizitis unbehandelt in den meisten Fällen immer weiter verschlechtert, besteht in der Regel keine Alternative zu einer chirurgischen Entfernung. Der natürliche Verlauf der Erkrankung übersteigt die Risiken, die von einer Appendektomie ausgehen, bei Weitem.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Müller, M.: Chirurgie für Studium und Praxis 2014/2015. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2014)

Largiadèr, F. et al.: Checkliste Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2012

Sauerland, S., et al.: Laparoscopic versus open surgery for suspected appendicitis. CochraneDatabase of Systematic Reviews 2010, Issue 10. Art. No.: CD001546

Schumpelick, V.: Operationsatlas Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2009

Gorenoi, V. et al.: Laparoskopische vs. offene Appendektomie. Systematische Übersicht zur medizinischen Wirksamkeit und gesundheitsökonomische Analyse. Schriftenreihe Health Technology Assessment (Herausgeber: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, DIMDI), Bd. 49, 1. Auflage 2006

Schumpelick, V. et al.: Kurzlehrbuch Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2006

Letzte inhaltliche Prüfung: 17.03.2014
Letzte Änderung: 16.07.2019