Körpertemperatur des Menschen: Gewisse Schwankungen sind normal

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (09. Dezember 2016)

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"Auf Betriebstemperatur": Damit alle Stoffwechselprozesse reibungslos ablaufen können, benötigt der Mensch eine bestimmte Körpertemperatur. Diese ist nie ganz konstant, sondern unterliegt natürlichen Schwankungen, die von vielen Faktoren beeinflusst werden – so etwa von der Tageszeit oder von körperlicher Aktivität.

Rund 37 Grad Celsius (37°C) – das ist die Temperatur, die von vielen Menschen als "normale" Körpertemperatur bezeichnet wird. Genaugenommen ist die Körpertemperatur aber von verschiedenen Bedingungen abhängig. Wissenschaftler unterscheiden zwischen der Körperkerntemperatur und der Oberflächentemperatur:

  • Die Körperkerntemperatur ist die Temperatur, die im Inneren des Körpers herrscht und grob 37°C beträgt. Sie kann in engen Grenzen variieren, zudem kann die Temperatur auch innerhalb des Kerns schwanken – bedingt durch unterschiedliche Durchblutungsbedingungen und Stoffwechselaktivitäten. Organe wie Leber und Gehirn beispielsweise sind besonders warm.
  • Die Oberflächentemperatur oder Schalentemperatur misst man an Haut und Gliedmaßen. Sie ist stärker von Einflüssen wie der Außentemperatur abhängig. Daher unterliegt sie stärken Schwankungen als die Körperkerntemperatur und sie ist meist auch deutlich niedriger. Unter bestimmten Bedingungen kann die Oberflächentemperatur aber auch höher sein als die Temperatur im Körperinneren – etwa bei großer Hitze.

Ist von der Körpertemperatur die Rede, ist damit oft die sogenannte Körperkerntemperatur gemeint – also die Temperatur im Inneren.

Natürliche Schwankungen

Die Körpertemperatur im Inneren des Menschen, also die Körperkerntemperatur, ist nie völlig konstant. Viele Faktoren können sie beeinflussen, so zum Beispiel:

  • die Tageszeit: Bedingt durch verschiedene Stoffwechselprozesse ist die Körpertemperatur in der zweiten Nachthälfte bis früh morgens am niedrigsten. Sie erreicht am Nachmittag ihren Höchstwert – dann kann sie bis zu einem Grad Celcius höher sein als am frühen Morgen – und fällt dann wieder ab.
  • die Körperregion: Auch innerhalb des Körpers schwankt die Temperatur in gewissen Grenzen.
  • Hormone: Bei Frauen steigt die Körpertemperatur etwa 1 bis 2 Tage nach dem Eisprung an – um etwa 0,5°C.
  • körperliche Aktivität: Bei schwerer körperlicher Aktivität, etwa bei einem Marathon, kann die Körpertemperatur auf bis zu 40°C ansteigen.
  • Emotionen: Gefühlsregungen, zum Beispiel im Rahmen psychischer Belastungen, können die Körpertemperatur erhöhen.

Auch das Alter, Koffein, die Ernährung oder bestimmte Medikamente können auf die Körpertemperatur einwirken. Nicht zuletzt können Infektionen die Temperatur ansteigen lassen, aber auch andere Erkrankungen, zum Beispiel Krebs oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Bei Neugeborenen und älteren Menschen kann die Körperkerntemperatur stärker schwanken.

Bei der Interpretation des Messergebnisses spielt es zudem eine Rolle, an welcher Stelle und mit welcher Methode man die Temperatur ermittelt. So ist die gemessene Temperatur im Mund niedriger als die Temperatur im After – und der Wert unter der Achsel noch niedriger. Die Ergebnisse können durch unsachgemäße Anwendung des Thermometers verfälscht sein, daher sollte man genau auf die Anweisungen in der Bedienungsanleitung achten.

Das Zentrum der Wärmeregulation: der Hypothalamus

Ist die Körpertemperatur zu niedrig, muss Wärme produziert werden – ist sie zu hoch, muss der Körper Wärme abgeben. "Koordinator" der Wärmeregulation ist eine Region im Zwischenhirn – der sogenannte Hypothalamus. Er sorgt dafür, dass die Temperatur im Inneren des Körpers (Körperkerntemperatur) weitgehend konstant bei einem Sollwert von rund 37°C bleibt. Die Fähigkeit, die Körpertemperatur bei unterschiedlichen Umgebungstemperaturen in bestimmten Grenzen aufrechtzuerhalten, nennen Ärzte Homoiothermie. Bei Krankheit kann der Sollwert erhöht sein – muss der Körper gegen Krankheitserreger ankämpfen, kann eine höhere Körpertemperatur die Immunabwehr bei ihrer Arbeit unterstützen.