Potenzmittel

auch bezeichnet als:
Mittel gegen erektile Dysfunktion; Mittel gegen Erektionsstörungen; Mittel gegen Impotenz

Wirkstoffe

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Potenzmittel" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Mittel gegen erektile Dysfunktion dienen der Behandlung von Erektionsstörungen. Dieses Krankheitsbild bezeichnet ein andauerndes Unvermögen, eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Versteifung des Penis aufrecht zu erhalten.

Zur Penisversteifung kommt es durch das Zusammenspiel von Nerven und Blutgefäßen. Bei Erregung öffnen sich die Arterien, die die Schwellkörper des Penis mit Blut versorgen. Das Blut strömt in diese Gewebe ein und der Penis richtet sich auf. Da sich gleichzeitig die ableitenden Venen schließen, halten sie das Blut an Ort und Stelle. Erst bei Abklingen der Erregung oder nach dem Orgasmus öffnen sich die Venen und die Schwellkörper werden wieder schlaff. Zu Erektionsstörungen kommt es, wenn entweder der Bluteinstrom in die Schwellkörper nicht ausreichend ist oder ein zu schneller Blutabfluss die Schwellung zu rasch abklingen lässt.

Auslöser von Erektionsschwierigkeiten sind sehr oft Gefäßerkrankungen (verursacht durch Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Arteriosklerose), Schädigungen des Schwellkörpergewebes, ein Mangel an Androgenen oder Erkrankungen des Nervensystems. Auch Arzneimittelnebenwirkungen (zum Beispiel von Betablockern) können Erektionsschwierigkeiten hervorrufen. Hier muss zunächst versucht werden, die Ursache auszuschalten. Unterstützend können dann bei solchermaßen körperlich (organisch) bedingten Beschwerden die Mittel gegen erektile Dysfunktion recht zuverlässig helfen.

Allerdings spielt bei Erektionsstörungen zu nicht unerheblichem Teil auch die Psyche mit. Die Grenze der Wirkung von Mitteln gegen Erektionsstörungen liegt dort, wo es beispielsweise allein durch Stress oder Partnerprobleme zu den Störungen kommt. Hier kann man nur durch eine Entspannungs- oder eine Paartherapie grundlegende Besserung erreichen.

Wirkung

Die Effekte dieser Wirkstoffgruppe verbessern entweder die Schwellkörper-Durchblutung oder verbessern die hormonelle Ausgangslage. Es kommt eine Vielzahl verschiedener Substanzen zur Anwendung, die meist wiederum zu anderen Wirkstoffgruppen gehören:
  • Wirkung auf den Bluteinstrom in die männlichen Schwellkörper:

    1. Phosphodiesterasehemmer wie Avanafil, Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil. Diese Substanzen hemmen gezielt nur das Enzym Phosphodieserase-5 (PDE5). PDE5 kommt fast ausschließlich in den Schwellkörpern vor. Dort baut es einen gefäßerweiternden körpereigenen Stoff ab, der die Erektion durch Steigerung der Durchblutung erst möglich macht. Wird PDE5 gehemmt, bleiben die Blutgefäße länger offen und es kann mehr Blut in die Schwellkörper einströmen. Auf diese Weise wird die Erektionsfähigkeit erhöht.

    Die Phosphodieserasehemmer können diskret als Tablette mehr oder weniger kurz vor einem möglichen Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Allerdings zeigen sie Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Medikamenten und sind daher verschreibungspflichtig. Insbesondere dürfen gleichzeitig keine gefäßerweiternden Mittel auf Nitro-Basis eingenommen werden. Diese aktivieren nämlich den gleichen gefäßerweiternden Stoff wie die Phosphodieserasehemmer. So kann es plötzlich zu einem verstärkten Blutdruckabfall und Herzinfarkt kommen. Vor einer unkontrollierten Anwendung der Phosphodiesterasehemmer (oder möglicher Fälschungen) und deren Bezug zum Beispiel über das Internet wird gewarnt.

    2. Ebenfalls auf die Schwellkörper wirkt Yohimberinde, ein pflanzlicher Wirkstoff aus einer westafrikanischen Pflanze. Yohimberinde enthält Alkaloide, die als Alpha-Sympatholytika wirksam sind. Sie heben den gefäßverengenden Effekt der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin auf und regen so auch die Durchblutung des Schwellkörpergewebes an. Yohimberinde kann in Einzelfällen bei richtiger Dosierung die Fähigkeit zur Erektion oft verbessern. Allerdings gibt es keine ausreichenden wissenschaftlichen Studien zur allgemeinen Wirksamkeit von Yohimberinde.

    Freiverkäufliche Präparate mit Yohimberinde sind nicht zu empfehlen, weil der Wirkstoffgehalt viel zu niedrig ist und eventuelle Zusatzstoffe unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können.

    3. Aus der Gruppe der Prostaglandine wird Alprostadil in zwei Anwendungsformen gegen Erektionsstörungen genutzt. Bei der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT) wird es direkt in den Schwellkörper gespritzt. Auch das Einführen des Alprostadil in die Harnröhre in Form eines Stäbchens ist möglich. Aus dem Stäbchen wandert der Wirkstoff dann in die benachbarten Schwellkörper-Gewebe. In beiden Fällen kommt es aufgrund einer Erweiterung der Gefäße zu einem vermehrtem Bluteinstrom in die Schwellkörper und zur gewünschten Erektion.

    Durch die gezielte Anwendung bleibt die gefäßerweiternde Wirkung auf den Wirkort beschränkt und es kommt nicht zu unerwünschten Nebeneffekten im übrigen Körper. Trotzdem werden diese Therapiemöglichkeiten von vielen Patienten abgelehnt. Entweder empfinden sie die Handhabung kurz vor dem Geschlechtsverkehr als störend oder sie fürchten den direkten Eingriff am Penis.

  • Ersatz von männlichen Geschlechtshormonen:

    Ist Androgenmangel die Ursache der Erektionsstörungen, kann eine Behandlung mit Androgenen, also Sexualhormonen wie Testosteron, Abhilfe schaffen. Die Hormone fördern den Aufbau von Schwellkörpergewebe und beeinflussen den Geschlechtstrieb (Libido) positiv. Vor Therapiebeginn muss ein Prostatakarzinom sicher ausgeschlossen werden, da dessen Wachstum durch die Hormone beschleunigt würde.
Neben den beschriebenen Wirkstoffen kommen auch nicht medikamentöse Behandlungsformen zum Einsatz, die hier kurz erwähnt werden sollen: Vakuum-Erektionshilfen und Schwellkörperimplantate.
  • Vakuum-Erektionshilfen bauen einen Unterdruck auf, der Blut in die Schwellkörper einströmen lässt. Das anschließende Anlegen eines Spannringes um die Penisbasis verhindert dann den Rückfluss des Bluts und ruft einen erektionsähnlichen Zustand hervor.


  • Beim Schwellkörperimplantat werden biegsame oder aufblasbare Materialien in die Schwellkörper eingesetzt. Diese Methode wird aber nur empfohlen, wenn das Gewebe dermaßen geschädigt ist, dass die bereits genannten Behandlungsmöglichkeiten unwirksam sind.