Tezacaftor + Ivacaftor

Allgemeines

Die Kombination wird bei Patienten ab zwölf Jahren zur Behandlung der Mukoviszidose, auch zystische Fibrose genannt, angewendet. Dies ist eine vererbbare Stoffwechselstörung. Die Krankheit führt zu chronischen Entzündungen der Atemwege durch Infektionen mit Bakterien und zu Verdauungsstörungen aufgrund einer Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse. Auch andere Organsysteme wie Leber, Schweißdrüsen und Fortpflanzungsorgane sind häufig betroffen. Bei den Erkrankten kommt es meist bereits schon in der frühen Kindheit vermehrt zur Bildung von klebrigem, zähflüssigem Schleim in den Atemwegen und auch im Verdauungstrakt.

Welchen Zwecken dient diese Wirkstoffkombination?

  • Salz-Wasser-Haushalt der Zellen verbessern
  • Wasserausscheidung auf die Schleimhautoberfläche verbessern
  • zähen Schleim verflüssigen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Tezacaftor + Ivacaftor im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann dürfen Tezacaftor + Ivacaftor nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen einen oder beide Wirkstoffe darf die Kombination nicht eingesetzt werden.

Gleiches gilt für Patienten, die die Hauptveränderung im Erbgut (F508del-Mutation) nur von einem Elternteil geerbt haben oder in ihrem Erbgut eine zweite Veränderung aufweisen, für die die Kombination nicht zugelassen ist. Wenn das Muster des Erbgutes des Patienten nicht bekannt ist, muss das Vorliegen der Veränderungen, für die die Kombination zugelassen ist, mithilfe einer genauen Genuntersuchung bestätigt werden.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf die Kombination angewendet werden bei
  • stark eingeschränkter Leberfunktion
  • stark eingeschränkter Nierenfunktion oder Nierenfunktionsstörungen im Endstadium
  • Patienten nach Organtransplantationen, weil der Einsatz bei solchen nicht in klinischen Studien untersucht wurde.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher gibt es keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von der Kombination bei Schwangeren. Tierexperimente ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen für die Nachkommen. Aus Vorsichtsgründen wird der Arzt dennoch eine Anwendung während der Schwangerschaft vermeiden.

Es ist nicht bekannt, ob Tezacaftor, Ivacaftor oder deren Abbauprodukte in die menschliche Muttermilch übergehen, wie es bei Ratten der Fall ist. Ein Risiko für Neugeborene/Kinder kann nicht ausgeschlossen werden. Der Arzt wird darüber entscheiden, ob das Stillen oder die Behandlung zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung ganz verzichtet werden sollte. Dabei wird er sowohl den Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau berücksichtigen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit der Kombination bei Kindern im Alter unter zwölf Jahren ist bisher noch nicht durch Daten aus klinischen Studien erwiesen. Eine Anwendung bei diesem Patientenkreis liegt im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen können Tezacaftor + Ivacaftor haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Tezacaftor + Ivacaftor. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Nasen-Rachen-Entzündung, Kopfschmerzen, Schwindel, Infektionen der oberen Atemwege, Mund-Rachen-Schmerzen, Bauchschmerzen, Durchfall, Anstieg der Leberwerte (ALAT, ASAT), Hautausschlag, Bakterien im Auswurf.

Häufige Nebenwirkungen:
Verstopfte Nasennebenhöhlen, Übelkeit, Schnupfen, Ohrenschmerzen, Beschwerden im Ohr, Ohrgeräusche, Blutandrang im Trommelfell, Gleichgewichtsstörungen, Rachenrötung, Raumforderungen in der Brust.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
verstopfte Ohren, Entzündung der Brustdrüse, Brustdrüsenschwellung, Reizungen der Brustwarzen, Brustwarzenschmerzen.

Besonderheiten:
Vor Beginn der Behandlung mit der Kombination, alle drei Monate im ersten Behandlungsjahr und danach jährlich wird der Arzt die Leberwerte ALAT und ASAT prüfen. Bei einem erheblichen Anstieg wird er die Behandlung unterbrechen und die Laborwerte häufig kontrollieren, bis sich die auffälligen Werte wieder normalisiert haben. Nach der Normalisierung wird der Arzt Nutzen und Risiken der Wiederaufnahme der Behandlung gegeneinander abwägen.

Bei Kindern und Jugendlichen kam es bei der Behandlung mit der Kombination und einer abendlichen Ivacaftor-Einnahme wie bei Anwendung von Ivacaftor alleine zu einer Linsentrübung ohne Auswirkungen auf das Sehvermögen. In manchen Fällen waren andere Risikofaktoren wie die Anwendung von Glukokortikoiden und Bestrahlungen vorhanden. Dennoch kann eine mögliche Nebenwirkung der Behandlung nicht ausgeschlossen werden. Für Kinder und Jugendliche, die eine Therapie mit der Kombination zusammen mit Ivacaftor beginnen, werden vor Therapiebeginn sowie zur Verlaufskontrolle Augenuntersuchungen empfohlen.

Welche Wechselwirkungen zeigen Tezacaftor + Ivacaftor?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sowohl Tezacaftor wie Ivacaftor werden von einem leicht beeinflussbaren Enzym-System im Körper abgebaut. Wird dieses Enzym-System von anderen Substanzen aktiviert, kann sich für die Kombination eine Wirkungsminderung ergeben. Zu diesen Substanzen gehören: die Tuberkulose-Mittel Rifampicin und Rifabutin, die Antiepileptika Phenobarbital, Carbamazepin und Phenytoin sowie Johanniskraut (gegen Depressionen).

Wird das Enzym-System hingegen gehemmt, können sich eine Wirkungsverstärkung und auch mehr Nebenwirkungen der Kombination ergeben. Starke Hemmstoffe sind die Pilzmittel Ketoconazol, Itraconazol, Posaconazol und Voriconazol sowie die Antibiotika Telithromycin und Clarithromycin. Die Anwendung der Kombination sollte nicht mit ihnen zusammen erfolgen. Beispiele für mäßig starke Hemmstoffe der Verstoffwechselung sind das Pilzmittel Fluconazol und das Antibiotikum Erythromycin. Hier wird der Arzt die Dosis der Kombination anpassen. Der gleichzeitige Verzehr von Grapefruitsaft kann die Wirkung von Ivacaftor und Tezacaftor ebenfalls erhöhen. Daher ist während der Behandlung auf Speisen oder Getränke, die Grapefruit oder Pomeranzen (Bitterorangen) enthalten, zu verzichten.

Ebenfalls vorsichtig muss die Kombination zusammen mit dem Antiarrhythmikum Chinidin, dem Blutdrucksenker Verapamil, den Antibiotika Clarithromycin und Erythromycin, dem Pilzmittel Itraconazol und dem Malariamittel Mefloquin angewendet werden. Sie alle können die Wirkung eines aktiven Abbauprodukts von Tezacaftor verstärken.

Ihrerseits kann die Kombination auf die Verstoffwechselung anderer Substanzen Einfluss nehmen. So muss der Arzt bei der gemeinsamen Anwendung mit Statinen (gegen Fettstoffwechselstörungen) Vorsicht walten lassen, gleiches gilt für den Blutverdünner Warfarin sowie die oralen Antidiabetika Glimepirid und Glipizid.

Werden das Antiasthmatikum Theophyllin und das Antidepressivum Bupropion zusammen mit der Kombination angewendet, wird der Arzt deren Wirkung regelmäßig überprüfen. Gleiches gilt für das Herzglykosid Digoxin sowie die Immunmodulatoren Ciclosporin, Everolimus, Sirolimus und Tacrolimus.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament darf nur von Ärzten mit Erfahrung in der Behandlung der Mukoviszidose verordnet werden.
  • Vor Beginn der Behandlung mit dem Medikament, alle drei Monate im ersten Behandlungsjahr und danach jährlich wird der Arzt die Leberwerte prüfen.
  • Bei Kindern und Jugendlichen, die eine Therapie mit de Medikament und Ivacaftor beginnen, sollte vor Therapiebeginn sowie zur Verlaufskontrolle eine Augenuntersuchung erfolgen.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament ist auf Speisen oder Getränke, die Grapefruit oder Pomeranzen (Bitterorangen) enthalten, zu verzichten.
  • Es kann durch die Behandlung mit dem Medikament zu Schwindelgefühl kommen, das Autofahren und das Führen von Maschinen gefährlich macht.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Tezacaftor + Ivacaftor?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Tezacaftor + Ivacaftor enthalten sind.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Tezacaftor + Ivacaftor

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Tezacaftor + Ivacaftor. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher die Wirkstoffkombination Tezacaftor + Ivacaftor gehört.

Anwendungsgebiet der Wirkstoffkombination Tezacaftor + Ivacaftor

Die Kombination wird bei Patienten ab zwölf Jahren zur Behandlung der Mukoviszidose, auch zystische Fibrose genannt, angewendet. Dies ist eine vererbbare Stoffwechselstörung. Die Krankheit führt zu chronischen Entzündungen der Atemwege durch Infektionen mit Bakterien und zu Verdauungsstörungen aufgrund einer Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse. Auch andere Organsysteme wie Leber, Schweißdrüsen und Fortpflanzungsorgane sind häufig betroffen. Bei den Erkrankten kommt es meist bereits schon in der frühen Kindheit vermehrt zur Bildung von klebrigem, zähflüssigem Schleim in den Atemwegen und auch im Verdauungstrakt.

Die Therapie mit der Kombination ist auf Patienten mit bestimmten Veränderungen des Erbgutes beschränkt, die sie entweder von beiden Elternteilen oder auch nur von einem geerbt haben müssen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Tezacaftor + Ivacaftor sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Tezacaftor + Ivacaftor

Bei der Mukoviszidose ist im Erbgut das Gen für das Eiweiß CFTR verändert. CFTR steht für das englische Wort "Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator". Ein solcher Regulator ist ein Eiweiß, das auf der Oberfläche von Schleimhaut-Zellen sitzt und wie ein Kanal wirkt. Die Veränderung im Erbgut führt beim CFTR-Eiweiß zu einem defekten Kanal in der Zelloberfläche. Dieser Kanal sorgt normalerweise dafür, dass Salz und Wasser aus der Zelle ein- und ausströmen. Ist der Kanal defekt, kommt es zu einem Ungleichgewicht im Salz-Wasser-Haushalt der Zelle. Deshalb enthält der Schleim, der die Zellen bedeckt, bei Mukoviszidose zu wenig Wasser und wird dadurch zäh.

Tezacaftor verbessert das Zusammenspiel zwischen der Zellwand und dem CFTR-Eiweiß, sowohl der normalen Form wie auch seiner erblich veränderten Formen. Die Menge von CFTR-Eiweiß an der Zelloberfläche nimmt dadurch zu und es kommt zu einem verstärkten Transport von Chlorid-Ionen.

Damit Ivacaftor seine Wirkung entfalten kann, muss auf der Zelloberfläche CFTR-Eiweiß vorhanden sein. Der Wirkstoff verbessert die Funktion des vorhandenen CFTR-Eiweißes, so erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Kanal für Chlorid-Ionen öffnet. Ivacaftor verbessert die Funktion des von Tezacaftor an die Zelloberfläche beförderten CFTR-Eiweißes und erhöht den Chloridionen-Transport vergleichsweise stärker als einer der beiden Wirkstoffe allein.

Die Kombination wirkt gezielt auf das unnormale CFTR-Eiweiß, indem sie seine Menge auf der Zelloberfläche erhöht und dessen Funktion verbessert. Die Höhe der Flüssigkeitsschicht besonders auf der Oberfläche der Luftwege vergrößert sich, was eine Verflüssigung des zähen Schleims bewirkt und das Abhusten erleichtert.

Die genauen Mechanismen der Wirkungen von Tezacaftor und Ivacaftor sind nicht bekannt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.