Perampanel

Allgemeines

Perampanel wird bei Epilepsie-Patienten ab zwölf Jahren zusammen mit anderen Antiepileptika gegen Krampfanfälle eingesetzt, die bestimmte Herde im Gehirn betreffen. Dabei ist es nicht ausschlaggebend, ob die Anfälle auf diese Hirnregionen beschränkt bleiben oder sich über das ganze Gehirn ausbreiten.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • krampfauslösende Wirkung von Glutamat hemmen
  • epileptische Anfälle verhindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Perampanel im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Perampanel nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Perampanel nicht angewendet werden.

Nur mit Vorsicht und unter ärztlicher Kontrolle darf Perampanel bei Patienten angewendet werden, die suchtgefährdet sind. Sie haben ein erhöhtes Risiko, abhängig zu werden.

Auch bei älteren Patienten ist der Wirkstoff vorsichtig einzusetzen. Hier sind besonders die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten vom Arzt zu beachten.

Die Anwendung von Perampanel bei Patienten mit mäßig oder stark eingeschränkter Nierenfunktion oder bei Blutwäsche-Patienten wird nicht empfohlen.

Bei Patienten mit leicht und mäßig eingeschränkter Leberfunktion sollte die Dosis Perampanel/Tag acht Milligramm nicht überschreiten. Die Anwendung bei Patienten mit stark eingeschränkter Leberfunktion wird nicht empfohlen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Die Anwendung von Perampanel bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Schwangerschaftsverhütung anwenden, wird nicht empfohlen, es sei denn, der Arzt hält die Behandlung für eindeutig erforderlich.

Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Perampanel in der Schwangerschaft vor. Tierexperimente ergaben keine Hinweise auf schädliche Wirkungen bei den Jungen von Ratten oder Kaninchen, jedoch töteten Dosierungen, die für die Mütter schädlich waren, bei Ratten auch die Jungen ab. Die Anwendung von Perampanel sollte daher auf dringend notwendige Fälle beschränkt werden.

Es ist nicht bekannt, ob Perampanel, wie bei Ratten nachgewiesen, in die menschliche Muttermilch übergeht. Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Der Arzt wird also eine Entscheidung darüber treffen, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung verzichtet beziehungsweise sie unterbrochen werden soll. Dabei wird er sowohl den Nutzen des Stillens für das Kind als auch den Nutzen der Therapie für die Frau berücksichtigen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Perampanel bei Kindern unter zwölf Jahren ist bisher noch nicht erwiesen; es liegen dazu keine Studien vor. Der Einsatz des Wirkstoffs bei dieser Altersgruppe liegt daher im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Perampanel haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Perampanel. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Schwindel, Benommenheit.

Häufige Nebenwirkungen:
verminderter Appetit, erhöhter Appetit, Aggressivität, Wutgefühle, Angst, Verwirrtheit, Gangunsicherheit, Gangstörung, Sprechstörungen, Gleichgewichtsstörung, Reizbarkeit, Doppeltsehen, verschwommenes Sehen, Schwindelgefühl, Übelkeit, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Gewichtszunahme, Sturz.

Besonderheiten:
Wie bei allen Antiepileptika, können bei Perampanel ebenfalls vermehrt Selbstmordgedanken aufkommen. Die Patienten sind auch durch ihre Angehörigen sorgfältig auf solche Erscheinungen hin zu beobachten. Gegebenenfalls sollte ein Arzt befragt werden.

Um die mögliche Gefahr vermehrter Anfälle nach Therapie-Ende zu mindern, wird der Arzt eine Behandlung mit langsam verringerter Dosierung beenden. Weil Perampanel lange im Blut verbleibt, kann es jedoch auch plötzlich abgesetzt werden, falls dies für absolut notwendig gehalten wird.

Aggression kann sich besonders bei hohen Perampanel-Dosierungen entwickeln. Meistens ist sie leicht oder mäßig ausgeprägt und geht im Verlauf der Behandlung zurück. Bei stark ausgeprägter Aggression wird der Arzt eine Dosisverminderung erwägen.

Bei Patienten mit Suchtmittelmissbrauch in der Vorgeschichte ist Vorsicht geboten. Der Patient sollte auch von seinen Angehörigen auf Missbrauch von Perampanel hin überwacht werden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Perampanel?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Einige andere Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenytoin und Oxcarbazepin vermindern die Blutkonzentration und Wirkung von Perampanel. Bei Carbamazepin führt dies zu einer Abnahme der Perampanelspiegel um zwei Drittel. Bei Phenytoin und Oxcarbazepin liegt die Minderung bei etwa einem Drittel. Dieser Effekt ist vom Arzt bei der zusätzlichen Anwendung oder beim Beenden der Therapie mit diesen Antiepileptika zu berücksichtigen und bei der Therapieführung zu beachten.

Rifampicin (Tuberkulose-Mittel) und Johanniskraut (gegen Depressionen) fördern den Abbau von Perampanel im Körper. Felbamat (ein weiteres Antiepileptikum) vermindert nachweislich die Konzentrationen bestimmter Wirkstoffe und könnte auch die Perampanel-Konzentrationen vermindern.

Das Pilzmittel Ketoconazol verstärkte und verlängerte die Perampanel-Wirkung.

Perampanel selbst verändert die Wirkung der Antiepileptika Clonazepam, Levetiracetam, Phenobarbital, Phenytoin, Topiramat, Zonisamid, Carbamazepin, Clobazam, Lamotrigin und Valproinsäure nicht. Die Blutkonzentration von Oxcarbazepin hingegen wird durch Perampanel um etwa ein Drittel gesteigert. Wegen dieser Auswirkungen wird der Arzt Perampanel unabhängig von anderen Antiepileptika entsprechend der nachweisbaren Wirkung dosieren.

Bei gesunden Probanden bewirkten schon sechs Milligramm Perampanel/Tag über 20 Tage eine Abnahme der Blutkonzentration und damit der Wirkung von Midazolam (Pychopharmakon), was bei höheren Perampanel-Dosen noch gesteigert sein kann.

Bei gesunden Frauen bewirkte Perampanel bei Gabe von zwölf Milligramm täglich (jedoch nicht bei vier oder acht Milligramm/Tag) über 21 Tage zusammen mit einer Östrogen-Gestagen-Kombination zur Schwangeschaftsverhütung nachweislich eine Abnahme der Levonorgestrel- aber nicht der Östrogen-Wirkung. Daher ist die Möglichkeit einer verminderten Verhütungswirkung einer gestagenhaltigen "Pille" bei Frauen, die zwölf Milligramm Perampanel/Tag benötigen, zu berücksichtigen. Es muss in einem solchen Fall zusätzlich mit einem Kondom oder Pessar verhütet werden.

Die Wirkungen von Perampanel auf Tätigkeiten, die Aufmerksamkeit und Konzentration erfordern, wie beispielsweise Autofahren, werden durch Alkohol je nach dem abgeschwächt oder verstärkt. Es sollte also kein Alkohol während der Behandlung mit dem Wirkstoff getrunken werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Um die Gefahr vermehrter Anfälle zu bannen, sollte die Gabe des Medikaments mit verminderter Dosis ("ausschleichend") beendet werden.
  • Mehren sich aggressive Verhaltensweisen, muss der Arzt die Dosis gegebenenfalls verringern.
  • Bei Menschen mit Neigung zur Sucht kann das Medikament abhängig machen.
  • Das Medikament kann Schwindel und Benommenheit hervorrufen, die Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich machen.
  • In der Dosierung von 12 Milligramm Perampanel/Tag kann das Medikament die Wirksamkeit einer Gestagen-haltigen "Pille" vermindern. Es sind daher zusätzliche Verhütungsmaßnahmen (Kondom) nötig.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Perampanel?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Perampanel enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Perampanel

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Perampanel. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antiepileptika, zu welcher der Wirkstoff Perampanel gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Perampanel

Perampanel wird bei Epilepsie-Patienten ab zwölf Jahren zusammen mit anderen Antiepileptika gegen Krampfanfälle eingesetzt, die bestimmte Herde im Gehirn betreffen. Dabei ist es nicht ausschlaggebend, ob die Anfälle auf diese Hirnregionen beschränkt bleiben oder sich über das ganze Gehirn ausbreiten.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Perampanel sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Perampanel

Perampanel gehört zur Wirkstoffgruppe der Antiepileptika, also der gegen Krampfanfälle wirksamen Substanzen. Perampanel ist dabei der erste Vertreter einer neuen Unterklasse, die gezielt auf die Bindungsstelle (Rezeptor) für den Nervenbotenstoff alpha-Amino-3-hydroxy-5-methyl-4-isoxazolproprionsäure)-Glutamat (AMPA) wirken. Glutamat ist der wichtigste Nervenbotenstoff, der die Erregung im Gehirn steuert. Er soll bei einer Reihe von Nerven-Erkrankungen, die auf einer übermäßigen Erregung der Nervenfasern beruhen, eine Rolle spielen. Es wird angenommen, dass die Aktivierung von AMPA-Rezeptoren durch Glutamat für einen Großteil der schnellen Signalübertragung im Gehirn verantwortlich ist. Perampanel scheint Glutamat nicht vom AMPA-Rezeptor zu verdrängen, sondern die Wirkung des Nervenbotenstoffes auf andere Weise aufzuheben. Im Tierexperiment verringerte Perampanel nach Gabe von Glutamat die Anfallshäufigkeit sehr deutlich. Allerdings bleibt der genaue Mechanismus, über den Perampanel seine antiepileptischen Wirkungen beim Menschen entfaltet, noch vollständig aufzuklären.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.