Ketamin

Allgemeines

Ketamin dient der Einleitung und Durchführung einer allgemeinen Narkose. In diesem Zusammenhang kommt Ketamin in der Notfallmedizin und auf der Intensivstation auch bei künstlich beatmeten Patienten zum Einsatz. In der Kinderchirurgie sowie in der Notfallmedizin wird meist nur Ketamin allein verwendet; ansonsten ist die Kombination mit anderen Narkosemitteln gebräuchlich. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Verwendung zusätzlich zu einer örtlichen Betäubung.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Funktion des Großhirns ausschalten
  • Kreislauf stabilisieren
  • Herztätigkeit fördern
  • Schmerzenempfindung blockieren
  • Bewusstsein ausschalten
  • Atemtätigkeit anregen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Ketamin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Ketamin nicht verwendet werden?

Ketamin darf nicht eingesetzt werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • schlecht eingestelltem oder nicht behandeltem Bluthochdruck über 180/100 mmHg in Ruhe
  • leichter bis schwerer Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie und Eklampsie; EPH-Gestose)
  • nicht oder ungenügend behandelter Schilddrüsenüberfunktion
  • Situationen, die eine muskelentspannte Gebärmutter erfordern wie beispielsweise ein drohender Gebärmutterriss oder Nabelschnurvorfall.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Ketamin angewendet werden bei

  • schlecht behandelbarer Angina pectoris
  • Herzinfarkt in den letzten sechs Monaten
  • gesteigertem Hirndruck, außer unter künstlicher Beatmung
  • Grünem Star oder Augenverletzungen mit Durchlöcherung des Augapfels
  • Eingriffen im Bereich der oberen Atemwege.
 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Über eine Anwendung von Ketamin in der Schwangerschaft und Stillzeit liegen bisher keine ausreichenden Studien vor. Ketamin sollte daher in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft und in der Stillzeit nicht angewendet werden.

Da Ketamin den Mutterkuchen durchdringt, muss bei Dosen von mehr als zwei Milligramm/Kilogramm Körpergewicht bei Gabe in die Vene mit Atemfunktionsstörungen des Neugeborenen gerechnet werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Prinzipiell können Kinder mit dem Wirkstoff behandelt werden, er muss jedoch nach Körpergewicht und Alter dosiert werden.

Welche Nebenwirkungen kann Ketamin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Ketamin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Aufwachreaktionen (wie lebhafte Träume und Albträume, Übelkeit und Erbrechen, erhöhter Speichelfluss, Sehstörungen, Schwindel, Unruhe), Blutdruckanstieg, schneller Herzschlag.

Häufige Nebenwirkungen:
Reflexsteigerung, Stimmritzenkrampf, zeitweiliges Herzrasen, Schleimfluss in den Bronchien, Atemfunktionsstörung.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Muskelkrämpfe, Augapfelzittern, Doppeltsehen, Zunahme des Augeninnendrucks, masernartige Hautrötung, Hautausschlag, Schmerzen und Rötung an der Injektionsstelle.

Seltene Nebenwirkungen:
allergische Reaktion, Herzrhythmusstörungen, verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck (insbesondere in Verbindung mit Kreislauf-Schock).

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen, weitere Blutdrucksenkung (bei Patienten im Schockzustand).

Besonderheiten:
Zu Reflexsteigerung und Stimmritzenkrampf kommt es bei diagnostischen und therapeutischen Eingriffen im Bereich der oberen Atemwege insbesondere bei Kindern. Bei Eingriffen am Rachen und in den Bronchien können daher muskelerschlaffende Mittel (Muskelrelaxantien) mit entsprechender Beatmung erforderlich sein. Wird nicht richtig beatmet, kommt es häufig zur Zunahme des Hirndrucks und zur Zunahme des Augeninnendrucks und zu erhöhter Muskelspannung.

Ein verstärkter Schleimfluss und Atemfunktionsstörungen bedrohen besonders bei Patienten mit schlechter Durchblutung der Herzkranzgefäße. Dabei kann es auch zu Wasseransammlungen in der Lunge (Lungenödem) kommen.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Ketamin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

In Kombination mit Schlafmitteln, speziell Benzodiazepinen oder Neuroleptika, kommt es bei der Anwendung von Ketamin zu einer Verlängerung der Wirkdauer, aber auch zu einer Abschwächung der Nebenwirkungen.

Die Kombination mit dem Antiasthmatikum Aminophyllin erhöht möglicherweise das Risiko von Krampfanfällen.

Die Einnahme von Schilddrüsenhormonen und direkt oder indirekt wirkenden Alpha-Sympathomimetika kann in Zusammenhang mit der Anwendung von Ketamin zum Auftreten von Bluthochdruck und Herzrasen führen.

Die Wirkung bestimmter Muskelrelaxantien wie beispielsweise Atracurium, Pancuronium und Vecuronium kann durch Ketamin verlängert werden.

Die Narkose-Wirkung von Halothan wird durch die Anwendung von Ketamin verstärkt, so dass niedrigere Halothan-Dosierungen ausreichend sein können. Bei gleichzeitiger Anwendung von Ketamin und Halothan kann sich das Risiko von Herzrhythmusstörungen erhöhen, wenn noch zusätzlich Epinephrin gegeben wird.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Nach einer Narkose mit dem Medikament darf sich der Patient nur in Begleitung nach Hause begeben und keinen Alkohol zu sich nehmen.
  • Das Medikament darf nur von erfahrenen (Narkose-)Ärzten gespritzt werden und nur, wenn die Möglichkeit zur künstlichen Beatmung besteht.
  • Nach einer Narkose mit dem Medikament darf der Patient mindestens zwölf Stunden nicht Autofahren, eine Maschine bedienen oder ohne sicheren Halt arbeiten.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Ketamin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Ketamin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Ketamin-hameln 50mg/ml Injektionslösung
Injektionslösung

 

So wirkt Ketamin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Ketamin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Ketamin gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Ketamin

Ketamin dient der Einleitung und Durchführung einer allgemeinen Narkose. In diesem Zusammenhang kommt Ketamin in der Notfallmedizin und auf der Intensivstation auch bei künstlich beatmeten Patienten zum Einsatz. In der Kinderchirurgie sowie in der Notfallmedizin wird meist nur Ketamin allein verwendet; ansonsten ist die Kombination mit anderen Narkosemitteln gebräuchlich. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Verwendung zusätzlich zu einer örtlichen Betäubung.

Ketamin erweitert die Bronchien. Aufgrund dieser Eigenschaft kann es auch zur Behandlung langanhaltender Asthma-Anfälle (Status asthmaticus) eingesetzt werden, wenn nichts anderes hilft. Dazu sind allerdings so hohe Dosen notwendig, dass künstlich beatmet werden muss. Im Notfall kann Ketamin auch in die Nase gegeben werden, wenn auch die zur Unterbrechung eines starken Anfalls notwendige Blutkonzentration so nicht leicht zu erreichen ist. Daher bleibt diese Möglichkeit leichteren Anfällen vorbehalten und Situationen, in denen der Betroffene alleine ist.

Wird Ketamin eingespritzt, sollte dies nur durch einen in der Narkose oder Notfallmedizin erfahrenen Arzt geschehen. Trotz weitgehend erhaltener Schutzreflexe kann ein Einatmen von Mageninhalt (Aspiration) nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Deshalb und wegen einer möglichen Unterdrückung der Atemfunktion bei hohen Dosen oder rascher Injektion in die Vene muss die Möglichkeit zur künstlichen Beatmung gegeben sein.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Ketamin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Ketamin

Ketamin ist ein Narkosemittel, das eine sogenannte dissoziative Narkose auslöst. Darunter versteht man die Erzeugung von Schlaf und Schmerzfreiheit unter weitgehender Erhaltung der Schutzreflexe wie Atemtätigkeit und Kreislauffunktion.

Der Wirkmechanismus ist nur teilweise geklärt. Vor allem scheint Ketamin auf den Nervenbotenstoff Glutamat und seinen zugehörigen NMDA-Rezeptor zu wirken. Ketamin blockiert den NMDA-Rezeptor für Glutamat und unterbindet daher die Glutamat-Wirkung im Gehirn. Das bewirkt eine Ausschaltung des im Großhirn angesiedelten Bewusstseins mit nachfolgendem Gedächtnisverlust, aber keine Unterdrückung der Kleinhirntätigkeit und damit der Körperfunktionen. Da Ketamin auch ein wenig an den Opioid-Rezeptor bindet, hat es Effekte, die denen der opioiden Schmerzmittel ähneln.

Am Rückenmark und an den übrigen Nerven des Körpers zeigt Ketamin einen deutlichen örtlich betäubenden Effekt. Des Weiteren verhindert Ketamin die Ausschüttung des Nervenbotenstoffs Acetylcholin, die ebenfalls vom NMDA-Rezeptor abhängig ist. Außerdem erhöht Ketamin die Konzentration der Nervenbotenstoffe Noradrenalin und Dopamin im Körper, indem es ihren Abbau hemmt. Durch diese Mechanismen kommt es zu einer ausgeprägten Anregung des Herz-Kreislauf-Systems, zum Beispiel eine erhöhte Pumpleistung des Herzens, ein gesteigerter Herzschlag und erhöhter Blutdruck. Das ist besonders vorteilhaft bei Patienten mit schweren Verletzungen, die aufgrund eines Blutverlustes instabile Kreislaufverhältnisse aufweisen.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.