Encorafenib

Allgemeines

Encorafenib wird in Kombination mit Binimetinib zur Behandlung von Erwachsenen mit schwarzem Hautkrebs eingesetzt, der entweder nicht zu operieren ist oder bereits Tochtergeschwulste gebildet hat.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Zellwachstum hemmen
  • Hautkrebs am Wachstum hindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Encorafenib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Encorafenib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Encorafenib oder den vorgeschriebenen Kombinationspartner Binimetinib darf der Wirkstoff nicht eingesetzt werden. Die Anwendung wird auch nicht bei mittlerer oder schwerer Leberfunktionsstörung empfohlen.

Die Wirkstoffkombination darf außerdem nur dann angewendet werden, wenn die Krebszellen eine ganz bestimmte veränderte Erbinformation haben. Denn
die Wirksamkeit und Sicherheit von Encorafenib wurde nur für Patienten belegt, die Krebsformen mit einer BRAF V600E- und V600K-Veränderung aufweisen. Andere Formen des schwarzen Hautkrebses dürfen damit nicht behandelt werden.

Inwieweit Encorafenib bei schwarzem Hautkrebs mit Tochtergeschwulsten im Gehirn wirksam ist, ist aufgrund der wenigen Patienten in den Studien nicht abschätzbar.

Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Encorafenib eingesetzt werden bei
  • Patienten mit einer Herzmuskelschwäche (50% oder weniger der normalen Leistung der linken Herzkammer), weil sich diese verschlimmern kann
  • leichter Leberfunktionsstörung, weil dies den Abbau des Wirkstoffs im Körper verzögern und zu mehr Nebenwirkungen führen kann
  • schwerer Nierenfunktionsstörung, weil es dazu nur wenige Erfahrungen gibt

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Encorafenib sollte während der Schwangerschaft sowie bei gebärfähigen Frauen, die keine Verhütungsmittel anwenden, nicht eingesetzt werden. In Tierexperimenten haben sich Schäden an den Nachkommen gezeigt. Encorafenib kann die Wirksamkeit der Pille verringern. Gebärfähige Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel verwenden, müssen während der Behandlung mit Encorafenib und für mindestens einen Monat nach Einnahme der letzten Dosis eine zusätzliche oder alternative Verhütungsmethode wie ein Kondom oder Pessar anwenden.

Es ist nicht bekannt, ob Encorafenib oder seine Abbauprodukte beim Menschen in die Muttermilch übergehen. Ein Risiko für Neugeborene und Säuglinge kann nicht ausgeschlossen werden. Der Arzt wird entscheiden, ob das Stillen oder die Encorafenib-Therapie beendet wird. Dabei wird er sowohl den Nutzen des Stillens für das Kind als auch den Nutzen der Therapie für die Mutter in Betracht ziehen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Encorafenib bei Kindern und Jugendlichen ist bisher noch nicht durch Studien erwiesen. Die Anwendung bei dieser Altersgruppe liegt im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Encorafenib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Encorafenib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Da Encorafenib nur zusammen mit Binimetinib angewendet werden darf, beziehen sich die Angaben zu Nebenwirkungen auf diese Kombination:

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blutarmut, Nervenstörungen in Armen und Beinen, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Veränderungen der Augenfarbe, Blutungen, Bluthochdruck, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Durchfall, Verhornungsstörung der Haut, Hautausschlag, trockene Haut, Juckreiz, Haarausfall, Gelenkschmerzen, Muskelerkrankungen, Muskelschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Rückenschmerzen, Erschöpfung, Fieber, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, Anstieg von Blutwerten (Kreatinkinase, Gamma-GT, ALAT, ASAT)

Häufige Nebenwirkungen:
andere Hautkrebsformen (auch Basalzellkrebs), Feigwarzen, Überempfindlichkeit, Geschmacksstörung, Augapfelentzündung, Leistungsschwäche der linken Herzkammer, Venenverstopfungen, Dickdarmentzündung, akneähnliche Hautentzündung, Hautrötung, Entzündung des Unterhautfettgewebes, Lichtempfindlichkeit der Haut, Nierenversagen, Anstieg von Blutwerten (alkalische Phosphatase, Kreatinin, Amylase/link>, Lipase)

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Gesichtslähmung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Muskelzerfall

Besonderheiten:
Die Patienten sollten ihrem Arzt alle Beschwerden neu aufgetretener oder sich verschlimmernder Sehstörungen berichten. Kommt es zu einer Einschränkung des zentralen Gesichtsfelds, verschwommenem Sehen oder Sehverlust, ist sofort ein Augenarzt zu befragen.

Encorafenib steht im Verdacht, die Reizleitung am Herzen zu verändern. Der Arzt wird daher vor Therapiebeginn und ab einer Therapiedauer von einem Monat etwa alle drei Monate oder bei Beschwerden häufiger ein Elektrokardiogramm (EKG) durchführen.

Da sich bei der Behandlung andere Hautkrebsformen bilden können, sollten die Patienten selbst ihre Haut aufmerksam untersuchen und jede Veränderung ihrem Arzt zeigen.

Bei unnormalen Leberwerten wird der Arzt je nach Ausmaß die Encorafenib-Dosis verringern, die Behandlung unterbrechen oder ganz beenden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Encorafenib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Encorafenib wird von einem sehr beeinflussbaren Enzym-System abgebaut und kann dieses auch verändern. Das hat Auswirkungen sowohl auf die Verstoffwechselung von Encorafenib selbst als auch auf die anderer Substanzen.

Die gleichzeitige Anwendung von Encorafenib und starken Hemmstoffen des Enzymsystems muss vermieden werden, sonst kommt es zu mehr Nebenwirkungen. Starke Hemmstoffe sind unter anderem der Virenhemmer Ritonavir, die Pilzmittel Itraconazol und Posaconazol sowie die Makrolid-Antibiotika Clarithromycin und Telithromycin, aber auch Grapefruitsaft. Lässt sich die gleichzeitige Anwendung nicht vermeiden, wird der Arzt die Sicherheit der Patienten sorgfältig überwachen.

Auch nur mit Vorsicht sollten mäßige Hemmstoffe gleichzeitig angewendet werden: Dazu gehören das Antiarrhythmikum Amiodaron, das Makrolid-Antibiotikum Erythromycin, das Pilzmittel Fluconazol, der Blutdrucksenker Diltiazem, der Virenhemmer Amprenavir und das Zytostatikum Imatinib.

Substanzen, die die Aktivität des Enzymsystems fördern, können die Wirksamkeit von Encorafenib mindern. Dazu gehören die Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin, das Tuberkulosemittel Rifampicin, aber auch Johanniskraut (gegen Depressionen).

Alle oben genannten Wirkstoffe können von Encorafenib in ihrer Wirkung verändert werden. Dies gilt besonders für die Hormone der Antibabypille, deren Wirkung von Encorafenib abgeschwächt wird.

Zu einer Wirkungsverstärkung mit möglicherweise mehr Nebenwirkungen kann es bei gleichzeitiger Anwendung der Statine Atorvastatin oder Rosuvastatin, von Bosentan (gegen Lungenhochdruck), Methotrexat (gegen Krebs und Rheuma) oder dem Pilzmittel Posaconazol kommen.

Encorafenib steigert das Blutungsrisiko, was durch gleichzeitige Anwendung von Antikoagulanzien und Thrombozytenaggregationshemmern verstärkt wird.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der Behandlung mit dem Medikament und bis zu einen Monat nach der letzten Einnahme muss eine Schwangerschaft sicher verhütet werden.
  • Während der Behandlung mit dem Medikament darf kein Grapefruitsaft getrunken werden.
  • Die Therapie mit dem Medikament sollte nur von einem erfahrenen Krebsarzt begonnen und begleitet werden.
  • Die Patienten sollten selbst ihre Haut aufmerksam untersuchen und jede Veränderung ihrem Arzt zeigen.
  • Der Arzt wird vor Therapiebeginn und ab einmonatiger Therapiedauer etwa alle drei Monate oder bei Beschwerden häufiger die Herzfunktion überprüfen.
  • Bei unnormalen Leberwerten wird der Arzt je nach Ausmaß die Dosis des Medikaments verringern, die Behandlung unterbrechen oder ganz beenden.
  • Bei Sehstörungen sollte sofort ein Augenarzt aufgesucht werden.
  • Möglicherweise machen Sehstörungen und andere Nebenwirkungen Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Encorafenib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Encorafenib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Encorafenib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Encorafenib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Encorafenib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Encorafenib

Encorafenib wird in Kombination mit Binimetinib zur Behandlung von Erwachsenen mit schwarzem Hautkrebs eingesetzt, der entweder nicht zu operieren ist oder bereits Tochtergeschwulste gebildet hat.

Wurde ein Patient vorher schon erfolglos mit einem sogenannten BRAF-Hemmstoff wie beispielsweise Vemurafenib behandelt, ist die Kombination von Encorafenib und Binimetinib weniger wirksam.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Encorafenib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Encorafenib

Encorafenib gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika und dort zu den sogenannten Kinase-Inhibitoren. Es richtet sich gegen verschiedene Zellenzyme, die bei Krebszellen mit bestimmter Erbinformation das Wachstum steuern. Gegen Zellen des schwarzen Hautkrebses, die diese sogenannten BRAFV600E-, BRAFV600D- und BRAFV600K-Mutationen nicht haben, zeigt Encorafenib keine Wirkung.

Mit über 30 Stunden ist Encorafenib sehr lang wirksam. Die Kombination mit Binimetinib verstärkt die wachstumshemmende Wirkung und sorgt unter Laborbedingungen dafür, dass die Zellen nicht gegen die Wirkstoffe unempfindlich (resistent) werden.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.