Chloramphenicol

Allgemeines

Chloramphenicol ist ein so genanntes "Breitband-Antibiotikum". Der Wirkstoff kann gegen ein breites Spektrum von krankheitsverursachenden Bakterien eingesetzt werden.

Chloramphenicol wird äußerlich angewendet zur Behandlung von:
  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
  • Hornhautentzündungen am Auge (Keratitis)
  • Ekzemen
  • Entzündungen der Haut.
Bei der innerlichen Anwendung von Chloramphenicol traten in seltenen Fällen lebensbedrohliche Nebenwirkungen (Schädigung des Knochenmarks) auf. Der Wirkstoff wird daher auf diese Weise nur noch unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter strenger ärztlicher Kontrolle (Klinikaufenthalt) eingesetzt. Anwendungsgebiete sind dann schwere Infektionskrankheiten wie Hirnhautentzündung, Typhus, Paratyphus, Fleckfieber, Ruhr, Diphtherie und Malaria.

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

  • bakterielle Entzündungen behandeln.

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Chloramphenicol im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Chloramphenicol nicht verwendet werden?

Der Wirkstoff darf nicht angewendet werden bei:
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder andere Amphenicole
  • Blutkrankheiten wie beispielsweise aplastische Anämie
  • akuter wiederkehrend auftretender Porphyrie
  • schweren Leberfunktionsstörungen
  • Gefäßentzündungen in den Venen.
Nur unter besonderer Nutzen-Risiko-Abwägung darf Chloramphenicol eingesetzt werden bei:
  • Säuglingen und Kleinkindern (regelmäßige ärztliche Überwachung der Wirkstoffspiegel im Blut erforderlich)
  • eingeschränkter Leberfunktion oder Nierenfunktion
  • längerer Anwendung sowie bei gleichzeitiger Gabe weiterer Wirkstoffe mit der Möglichkeit von Wechselwirkungen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

In der Schwangerschaft und während der Stillzeit darf der Wirkstoff wegen schädigender Einflüsse auf das Kind nicht verabreicht werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Der Wirkstoff ist für Kinder geeignet.

Welche Nebenwirkungen kann Chloramphenicol haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Chloramphenicol. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Magenstörungen (saures Aufstoßen), Darmstörungen (beispielsweise Durchfall).

Seltene Nebenwirkungen:
Leberschäden mit Erhöhung der Leberwerte, Verminderung der Bildung von Blutzellen (Schädigung des Knochenmarks), Nervenentzündung (Neuritis), Sehnerventzündung (Neuritis nervi optici), Blutbildungsstörung, Kopfschmerzen, Depressionen, Verwirrtheit, Delirien, Augenmuskellähmung, Geschmacksstörungen, Blutzellenverminderung (Panzytopenie), Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukozytopenie), Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie), allergische Reaktionen der Haut mit Rötung, Schwellung, Juckreiz.

Sehr seltene Nebenwirkungen:
Leukämie (Blutkrebs).

Besonderheiten:
Bei Früh- und Neugeborenen kann es bei einer Dosierung über 25 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht am Tag zum so genannten Grau-Syndrom kommen. Das ist eine Vergiftungsreaktion, die sich durch Erbrechen, Unterkühlung, Grauverfärbung der Haut, Kreislaufkollaps und Atemstörungen äußert.

Bei der Behandlung von Typhus kann eine so genannte Jarisch-Herxheimer-Reaktion auftreten. Dieser Effekt wird durch den Zerfall der Bakterien nach Gabe des Antibiotikums ausgelöst. Der Körper muss sich plötzlich mit einer großen Menge an Bakterienzerfallsprodukten auseinandersetzen, was eine starke Aktivierung der Immunabwehr zur Folge hat. So kann starkes Fieber und eine Verschlechterung der bestehenden Krankheitszeichen auftreten.

Welche Wechselwirkungen zeigt Chloramphenicol?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Schäden an blutbildenden Körperzellen können bei gleichzeitiger Anwendung anderer blutbildungsschädigender Wirkstoffe wie beispielsweise Sulfonamide oder Phenothiazine verstärkt werden.

Sulfonylharnstoffe und Abkömmlinge und Antikoagulanzien können in ihrer Wirkung verstärkt werden. Gleiches gilt für Diphenhydantoin sowie Methotrexat.

Die Wirkung von empfängnisverhütenden Mitteln wie beispielsweise Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung kann beeinträchtigt werden.

Paracetamol verlängert die Halbwertszeit von Chloramphenicol, sodass der Wirkstoff länger als gewünscht im Organismus verbleibt und es zu einer Überdosierung von Chloramphenicol kommen kann. Dabei können schwerwiegende Blutbildveränderungen auftreten.

Barbiturate (Schlafmittel) verringern die Wirkung von Chloramphenicol.

Die gleichzeitige Anwendung von Chloramphenicol mit Phenytoin verstärkt oder verringert die Wirksamkeit von Chloramphenicol.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Wirkung empfängnisverhütender Mittel kann beeinträchtigt werden.
  • Regelmäßige ärztliche Überwachungen des Blutbilds und der Wirkstoffkonzentration im Blut sind erforderlich.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

So wirkt Chloramphenicol

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Chloramphenicol. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antibiotika, zu welcher der Wirkstoff Chloramphenicol gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Chloramphenicol

Chloramphenicol ist ein so genanntes "Breitband-Antibiotikum". Der Wirkstoff kann gegen ein breites Spektrum von krankheitsverursachenden Bakterien eingesetzt werden.

Chloramphenicol wird äußerlich angewendet zur Behandlung von:
  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
  • Hornhautentzündungen am Auge (Keratitis)
  • Ekzemen
  • Entzündungen der Haut.
Bei der innerlichen Anwendung von Chloramphenicol traten in seltenen Fällen lebensbedrohliche Nebenwirkungen (Schädigung des Knochenmarks) auf. Der Wirkstoff wird daher auf diese Weise nur noch unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter strenger ärztlicher Kontrolle (Klinikaufenthalt) eingesetzt. Anwendungsgebiete sind dann schwere Infektionskrankheiten wie Hirnhautentzündung, Typhus, Paratyphus, Fleckfieber, Ruhr, Diphtherie und Malaria.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Chloramphenicol sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Chloramphenicol

    Chloramphenicol hemmt die Herstellung von Eiweißen in bestimmten empfindlichen Bakterien. Der Bauplan für die Eiweiße ist in der Erbinformation, der strickleiterförmigen DNA, enthalten. Eiweiße bestehen aus einer langen Kette von verschiedenen sogenannten Aminosäuren. Art und Gestalt des entstehenden Eiweißes werden durch die Abfolge der Aminosäuren bestimmt, die in der Erbinformation festgelegt ist. Die Information zur Abfolge in der DNA wird durch Boten-RNA (mRNA) abgelesen. Die Umwandlung der in der mRNA gespeicherten Information in eine Abfolge von verknüpften Aminosäuren findet in speziellen Komplexmolekülen, den Ribosomen, statt. Die Ribosomen sind zentrale Bestandteile der Eiweißherstellung und kommen in allen Lebewesen vor. Chloramphenicol unterbricht die "Übersetzung" der mRNA in Aminosäureketten. So wird aus Mangel an "Baumaterial" der Aufbau lebenswichtiger Eiweiße gestoppt und die Vermehrung der Mikroorganismen gehemmt (bakteriostatische Wirkung).

    Das Wirkspektrum von Chloramphenicol umfasst eine Reihe unterschiedlicher Bakterienstämme, die alle einen Rezeptor für den Wirkstoff aufweisen. Wird dieser Rezeptor von den Bakterien verändert, bleibt die Wirkung von Chloramphenicol aus (Resistenz).

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.