Agomelatin

Allgemeines

Agomelatin dient der Behandlung von zeitweiligen Phasen einer Depression (Major Depression) bei Erwachsenen.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Depressionen bessern
  • Einschlafen fördern
  • Wach- und Schlafrhythmus harmonisieren

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Agomelatin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Agomelatin nicht verwendet werden?

Agomelatin darf nicht eingesetzt werden bei
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff
  • eingeschränkter Leberfunktion (Leberzirrhose oder aktiver Lebererkrankung) sowie bei einer Erhöhung der Leberwerte (Transaminasen) auf mehr als das Dreifache des oberen Normwertes
  • gleichzeitiger Anwendung von Wirkstoffen, die den Abbau von Agomelatin im Körper behindern wie Fluvoxamin (Psychopharmakon) und Ciprofloxacin (Gyrasehemmer, Antibiotikum)
  • Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, weil diese dadurch Selbstmordgedanken und Feindseligkeit entwickeln können
  • älteren Patienten über 75 Jahren und solchen mit Demenz, weil es zu diesem Anwendungsgebiet keine Studien mit dem Wirkstoff gibt.
Nur mit besonderer Vorsicht und unter der Kontrolle eines Arztes darf Agomelatin angewendet werden bei
  • Übersteigerung oder Vorformen davon (Manie oder Hypomanie) in der Patientengeschichte. Tritt eine Übersteigerung ein, ist die Behandlung abzubrechen.
  • Patienten mit Risiko für Leberschädigungen wie Fettleibigkeit, Übergewicht, übermäßigem Alkoholkonsum oder leicht erhöhten Leberwerten
  • Selbstmordversuchen oder Selbstmordgedanken, da diese oft begleitend zu Depressionen auftreten, nicht gleich bei Behandlung derselben schwinden, sondern manchmal sogar zunehmen. In die Beobachtung sind die Angehörigen mit einzubeziehen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Aus Tierexperimenten gibt es keine Hinweise auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen von Agomelatin auf Schwangerschaft, Geburt oder die vor- und nachgeburtliche Kindesentwicklung. Weil aber in die klinischen Studien keine Schwangeren einbezogen waren, darf der Wirkstoff nur angewendet werden, wenn es der Arzt für unbedingt nötig hält.

Es ist nicht bekannt, ob Agomelatin beim Menschen in die Muttermilch übergeht, wie es bei Ratten der Fall ist. Mögliche Wirkungen von Agomelatin auf das gestillte Kind wurden nicht festgestellt. Wenn eine Behandlung mit Agomelatin als notwendig angesehen wird, sollte dennoch abgestillt werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Agomelatin wird für die Behandlung der Depression bei Patienten unter 18 Jahren nicht empfohlen. Es gibt zu wenig Studien, die seine Unbedenklichkeit und Wirksamkeit in dieser Altersgruppe belegen. Selbstmordversuche und -gedanken sowie Feindseligkeit (vorwiegend Aggressivität, Widersetzlichkeiten und Wut) wurden in klinischen Studien bei Kindern und Jugendlichen mit anderen Antidepressiva häufiger im Vergleich zu Placebo beobachtet.

Welche Nebenwirkungen kann Agomelatin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Agomelatin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Migräne, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Oberbauchschmerzen, vermehrtes Schwitzen, Rückenschmerzen, Müdigkeit, Blut-Leberwerte-Erhöhung (ASAT und/oder ALAT bis zum Dreifachen der Normalwerte), Angst.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
nervliche Missempfindungen, Verschwommensehen, Ekzem.

Seltene Nebenwirkungen:
Hautrötung, Leberentzündung.

Häufigkeit nicht bekannt:
Selbstmordgedanken, Selbstmordversuche.

Welche Wechselwirkungen zeigt Agomelatin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Agomelatin wird hauptsächlich durch ein einzelnes Enzymsystem im Körper abgebaut. Andere Wirkstoffe, die dieses Enzymsystem behindern, können die Wirkung von Agomelatin verstärken. So führt die gleichzeitige Gabe des Psychopharmakons Fluvoxamin oder des Antibiotikums Ciprofloxacin zu einem 60-fachen Anstieg der Agomelatin-Konzentration im Blut. Das verstärkt die Nebenwirkungen derartig, dass diese Kombinationen verboten sind.

Die Kombination von Agomelatin mit weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen) erhöht ebenfalls, aber mäßig, die Agomelatin-Blutkonzentration. Gleiches gilt für Wirkstoffe wie Propranolol (Betablocker) und Grepafloxacin sowie Enoxacin (beides Antibiotika). Deshalb werden solche Kombinationen vom Arzt nur mit Vorsicht verschrieben.

Agomelatin hat selbst keinen Einfluss auf die Wirkung anderer Substanzen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament ist nicht für den Gebrauch bei Patienten unter 18 Jahren zugelassen.
  • Bei Auftreten einer Übersteigerung (Manie) während der Behandlung mit dem Medikament ist die Therapie abzubrechen.
  • Patienten über 65 Jahre sind nur mit ärztlicher Vorsicht mit dem Medikament zu behandeln.
  • Besonders zu Anfang der Behandlung, aber auch in der Folge, sind die Leberwerte regelmäßig ärztlich zu überprüfen. Bei dreimal höheren Werten als normal muss die Therapie abgebrochen werden.
  • Bei Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin, Müdigkeit oder Oberbauchschmerzen ist sofort ein Arzt aufzusuchen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Agomelatin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Agomelatin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Agomelatin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Agomelatin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Antidepressiva, zu welcher der Wirkstoff Agomelatin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Agomelatin

Agomelatin dient der Behandlung von zeitweiligen Phasen einer Depression (Major Depression) bei Erwachsenen.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Agomelatin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Agomelatin

Der Schlaf-Wach-Rhythmus sowie die Stimmungslage beim Menschen und den Säugetieren wird unter anderem über das Hormon Melatonin gesteuert. Die Ausschüttung dieses Hormons wiederum ist von der Bestrahlung mit Licht (nicht unbedingt Sonnenlicht) abhängig. Das erklärt die Besserung mancher Depressionen oder Schlafstörungen durch den Einsatz einer Licht-Therapie.

Ein anderer Ansatz ist die Nachahmung der Melatonin-Wirkung auf chemischem Wege. Dies ist mit dem sogenannten Melatonin-Analogon Agomelatin gelungen. Agomelatin stellt durcheinander geratene Tagesrhythmen wieder richtig ein. In Tiermodellen konnte nachgewiesen werden, dass Agomelatin
die Freisetzung der Nervenbotenstoffe Noradrenalin und Dopamin fördert, aber keinen Einfluss auf den Nervenbotenstoff Serotonin hat.

Beim Menschen hat Agomelatin positive Eigenschaften auf die Abstimmung von Wach- und Schlafphasen, bei Stress und Angstzuständen zeigt der Wirkstoff
antidepressive Effekte.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.