Stummer Herzinfarkt: Passiert öfter als gedacht

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (07. Dezember 2017)

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Ein akuter Herzinfarkt verursacht eindeutige Symptome? Von wegen: Wenn Teile des Herzmuskels infolge einer Durchblutungsstörung absterben, kann dies vom Betroffenen auch völlig unbemerkt bleiben. Ein solcher stummer Herzinfarkt scheint häufiger zu sein als gedacht.

Die meisten Menschen nehmen wohl an, dass ein Herzinfarkt mit deutlichen Beschwerden verbunden ist. Als klassische Anzeichen gelten zum Beispiel Brustschmerzen, Atemnot und kalter Schweißausbruch. Zwar ist schon länger bekannt, dass Herzinfarkte auch ohne Symptome (also stumm) verlaufen können – jedoch gingen Mediziner lange davon aus, dass dies eher selten passiert und überwiegend bestimmte Risikogruppen (wie Typ-2-Diabetiker oder ältere Menschen) betrifft.

Neuere Studien zeigen aber, dass stumme Herzinfarkte weit verbreitet sind: Nach einer im Mai 2016 veröffentlichten Studie ist fast jeder zweite Herzinfarkt nur im Elektrokardiogramm (EKG) erkennbar. Dabei scheinen die typischen Risikofaktoren wie Diabetes keinen besonderen Einfluss darauf zu haben, ob ein Infarkt stumm oder mit Symptomen verläuft. Auch Frauen sind nicht häufiger betroffen als Männer – im Gegenteil. Allerdings haben Frauen ein höheres Risiko, dass ein stummer Herzinfarkt bei ihnen tödlich endet.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2015, bei der die Wissenschaftler mithilfe der Magnetresonanztomographie nach Hinweisen auf einen abgelaufenen Herzinfarkt im Herzmuskel suchten, verlaufen sogar 78 Prozent aller Herzinfarkte stumm. Auch hier sind Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. Als weitere Risikofaktoren für Herzinfarkte macht diese Studie starkes Übergewicht, Bluthochdruck und Rauchen aus.

Das Problem dabei: Ein stummer Herzinfarkt kann sich fast ebenso ungünstig auswirken wie ein Herzinfarkt mit Symptomen. Um dies zu verhindern, wäre eine angemessene Behandlung nötig. Da sich die Betroffenen ihrer Herzprobleme aber nicht bewusst sind, bleiben sie oft unbehandelt.

Die Ergebnisse im Überblick:

Stumme Herzinfarkte sind deutlich weiter verbreitet als bislang angenommen.

Stumme Infarkte treten häufiger bei Männern auf, verlaufen aber bei Frauen eher tödlich.

Ein stummer Herzinfarkt hat eine fast ebenso ungünstige Prognose wie ein deutlich spürbarer Infarkt:

  • Nach einem stummen Herzinfarkt ist das Risiko, an einer Herzerkrankung zu sterben, um das 3-Fache höher als bei Menschen mit unauffälligem EKG.
  • Das allgemeine Sterberisiko steigt durch einen stummen Infarkt um 34 Prozent.

Weitere Informationen

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Quellen:

Zhang, Z.-M., et al.: Race and Sex Differences in the Incidence and Prognostic Significance of Silent Myocardial Infarction in the Atherosclerosis Risk in Communities (ARIC) Study. Circulation, Vol. 133, Iss. 22, pp. 2141–2148 (31.5.2016)

Turkbey, E.B., et al.: Prevalence and Correlates of Myocardial Scar in a US Cohort. The Journal of the American Medical Association (JAMA), Vol. 314, Iss. 18, pp. 1945–1954 (10.11.2015)

Aktualisiert am: 7. Dezember 2017



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