Impfpass weg: Was nun?

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (09. Februar 2018)

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Wie findet man ohne Impfpass heraus, welche Impfungen fällig sind? Wo bekommt man einen neuen her? Und: Ist es schlimm, im Zweifelsfall "doppelt" zu impfen?

Das Thema Impfen ist bei vielen in Vergessenheit geraten: Rund 29 Prozent der 18-79-Jährigen sind beispielsweise nicht ausreichend gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) geimpft. Ihre letzte Impfung liegt länger als zehn Jahre zurück und müsste somit aufgefrischt werden.

Hätten sie hin und wieder in ihren Impfpass geschaut, wäre ihnen das längst aufgefallen. Schließlich kann im Impfpass jeder nachlesen, wann er welche Impfung bekommen hat. Allerdings haben viele Erwachsene ihren Impfpass verlegt. Er ist nicht mehr auffindbar – und das unter Umständen schon seit Jahren.

Was ist eigentlich ein Impfpass?

Mit der ersten Impfung erhält jedes Baby einen Impfpass (auch: Impfausweis oder Impfbuch) vom Kinderarzt.

Im Impfpass wird dokumentiert, welche Impfungen eine Person wann erhalten hat. So lässt sich leicht ermitteln, ob eine wichtige Impfung fehlt oder aufgefrischt werden müsste.

Im Impfpass vermerkt der Arzt,

  • wann er die Person geimpft hat,
  • wogegen er geimpft hat,
  • welchen Impfstoff er verwendet hat (Handelsname und Chargen-Nummer) sowie
  • seinen Namen und die Anschrift seiner Praxis.

Zudem bestätigt er den Eintrag mit seiner Unterschrift.

So sieht der aktuelle, international gültige Impfpass aus.  Damit er auf Reisen auch von nicht-deutschsprachigen Ärzte lesbar ist, ist er mehrsprachig. © iStock

So sieht der aktuelle, international gültige Impfpass aus. Damit er auf Reisen auch von nicht-deutschsprachigen Ärzte lesbar ist, ist er mehrsprachig.

Impfpass weg: Wie findet man heraus, wogegen man geimpft ist?

Erster Ansprechpartner kann Ihr Arzt sein. Wenn Sie schon lange bei ihm Patient sind, kann er anhand von Unterlagen herausfinden, welche Impfungen Sie in den letzten zehn Jahren erhalten haben.  

Theoretisch ist es auch möglich, den Impfschutz anhand einer Blutprobe zu ermitteln. Dabei untersucht das Labor, ob sich Antikörper gegen einen bestimmten Erreger im Blut befinden. Aber: Sind Antikörper vorhanden, muss das nicht bedeuten, dass der Impfschutz vollständig ist. Umgekehrt sind fehlende Antikörper kein 100-prozentiger Beweis dafür, dass nicht geimpft wurde.

Daher ist die Antikörperbestimmung zum Nachweis des Impfstatus nur wenig aussagekräftig und nur in Einzelfällen geeignet. Fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt, ob eine solche Untersuchung infrage kommt.

Was tun, wenn sich der Impfstatus nicht ermitteln lässt?

Nicht immer lässt sich zweifelsfrei rekonstruieren, wogegen man geimpft ist und ob eine Auffrischung tatsächlich nötig ist. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man den Arzt häufiger gewechselt hat.

In diesem Fall gilt: Eine nicht dokumentierte Impfung gilt als nicht durchgeführt.

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) rät auch dann zu den empfohlenen Impfungen, wenn sich der Impfstatus nicht zurückverfolgen lässt. Wenn Sie also nicht wissen, wann Sie wogegen gepikst wurden, gelten Sie als ungeimpft.

Ist es gefährlich, doppelt zu impfen?

Ohne bekannten Impfstatus besteht theoretisch die Möglichkeit, dass eine Person geimpft wird, obwohl eigentlich keine Impfung fällig wäre.

Nach Ansicht der STIKO ist das aber kein Problem. Eine doppelte Impfung ist laut STIKO mit keinem besonderen Risiko verbunden – und auf jeden Fall besser, als keinen ausreichenden Impfschutz zu haben.

Gegebenenfalls ist die Wahrscheinlichkeit für kurzzeitige Nebenwirkungen an der Einstichstelle (z.B. Hautrötungen, Schwellungen) bei einer doppelten Impfung etwas erhöht. Insgesamt übersteigt der Nutzen für den Patienten jedoch die möglichen Risiken.

Woher bekommt man einen neuen Impfpass?

Einen neuen Impfpass kann Ihnen Ihr Arzt ausstellen. Dabei kann er gleich versäumte Impfungen nachholen. Auch kann er vorangegangene Impfungen im Ausweis nachtragen, sofern sie dokumentiert sind. Denken Sie daran, den Impfpass zukünftig zu jeder Impfung mitzubringen.

Diese Impfungen sollte jeder Erwachsene auffrischen

Impfung 18 bis 60 Jahre Personen ab 60 Jahren
Diphtherie Auffrischung alle 10 Jahre,
in der Regel mit dem 
Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus und Diphtherie (Td)
Tetanus (Wundstarrkrampf) Auffrischung alle 10 Jahre,
in der Regel mit dem Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus und Diphtherie 
(Td)
Keuchhusten (Pertussis) einmalige Auffrischung
als Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Pertussis (Tdap-Impfung)
Kinderlähmung (Polyiomyelitis) ggf. Nachholimpfung bei unvollständigem Impfschutz
Masern einmalige Impfung für alle nach 1970 geborenen Personen mit unklarem Impfstatus,
ohne Impfung oder nur mit einer Impfung in der Kindheit,
vorzugsweise mit einem Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfstoff)
Grippe (Influenza) jährlich
Pneumokokken einmalig

Beachten Sie: Für chronisch Kranke, bestimmte Risikogruppen und deren Angehörige gelten teilweise andere Empfehlungen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Impfungen für Sie wichtig sind.

Was bewirkt eine Impfung im Körper? Erfahren Sie im Video, wie das Immunsystem auf einen Impfstoff reagiert und warum Impfungen wichtig sind!

Weiterführende Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

www.impfen-info.de

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert auf ihren Seiten umfassend zum Thema Impfen.

Quellen:

FAQs zum Thema Impfen. Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.impfen-info.de (Abrufdatum: 5.2.2018)

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin 34/2017 (Stand: 24.8.2017)

Poethko-Müller, C., Schmitz, R.: Impfstatus von Erwachsenen in Deutschland. Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Vol. 56, pp. 845-857 (27.5.2013)

Impfausweis. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 8.12.2012)

Wie soll bei fehlender Impfdokumentation vorgegangen werden? Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 14.12.2012)



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