Eine Frau hält einen positiven Corona-Test in die Kamera
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Impfdurchbrüche: Covid-19 trotz Impfung

Obwohl sie vollständig geimpft sind, infizieren sich immer mehr Menschen mit dem Coronavirus und erkranken auch daran. Warum das so ist und warum die Impfung trotzdem wirkt, lesen Sie hier. 

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist ein Impfdurchbruch?

Von einem Impfdurchbruch spricht man, wenn jemand an Covid-19 erkrankt und auch Symptome zeigt, obwohl sie*er vollständig geimpft ist und die letzte Impfung mindestens 14 Tage zurückliegt. Hat sich jemand infiziert und der Corona-Test zeigt ein positives Ergebnis, die betreffende Person erkrankt aber nicht, gilt das nicht als Impfdurchbruch. Das Phänomen des Impfdurchbruchs gibt es nicht erst seit der Corona-Pandemie, es kann theoretisch bei jeder Impfung vorkommen.

Wie viele Impfdurchbrüche hat es bereits gegeben?

Die Covid-19-Impfstoffe sind wirksam und Impfdurchbrüche sind nach wie vor selten. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit Covid-19 zu infizieren – und vor allem, schwer daran zu erkranken – ist für Ungeimpfte deutlich höher. 

Wie kommt es dann, dass wir immer häufiger von Impfdurchbrüchen hören? Seit dem 1. Februar 2021 hat es dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge insgesamt 411.292 Fälle von Impfdurchbrüchen gegeben (Stand: 16. Dezember 2021). Die Zahl ist kontinuierlich mit der Impfquote gestiegen. Denn keine Impfung schützt zu 100 Prozent vor einer Corona-Infektion. Die mRNA-Impfstoffe haben eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent. Das bedeutet, dass sich von 100 geimpften Menschen immer noch durchschnittlich fünf Personen mit SARS-CoV-2 infizieren und erkranken.

Gegen eine Infektion mit der Delta- sowie der Omikron-Variante schützen die Vakzine etwas weniger gut: BioNTech schützt je nach Studie zu 64 bis 88 Prozent gegen die Delta-Mutation, Moderna zu 79 Prozent. Bei Omikron ist der Impfschutz um einiges schwächer: Einer südafrikanischen Studie zufolge schützt eine vollständige Grundimmunisierung nur zu 33 Prozent vor einer Infektion. Umso wichtiger ist nun eine Auffrischimpfung. Doch trotz der erhöhten Ansteckungsgefahr, die auch für Geimpfte gilt, scheint eine Grundimmunisierung zumindest vor einem schweren Krankheitsverlauf wirksam zu schützen: Laut der Studie bietet eine doppelte Impfung mit dem Impfstoff von BioNTech einen Schutz von 70 Prozent vor einem schweren Covid-19-Verlauf, der eine Behandlung im Krankenhaus erfordert. 

Impfdurchbrüche bedeuten nicht, dass die Impfung nicht wirkt

Ein hoher Anteil geimpfter Personen unter den Covid-19-Patient*innen mag auf den ersten Blick den Anschein erwecken, dass die verfügbaren Impfstoffe nicht oder nur wenig wirksam sind. Das ist allerdings falsch: Denn je mehr Menschen geimpft sind, desto häufiger sind unter den Infizierten auch geimpfte Menschen. Läge die Impfquote in Deutschland bei 100 Prozent, so würden Impfdurchbrüche also 100 Prozent der Covid-19-Infektionen ausmachen.

Auch die Zahl der Infektion insgesamt spielt eine Rolle: Je mehr Infektionen es gibt, desto mehr Impfdurchbrüche gibt es auch. 

Trotz oder gerade wegen der Impfdurchbrüche ist eine Impfung nach wie vor der beste Schutz vor einer schweren Covid-19-Erkrankung. Je mehr Menschen sich gegen das Coronavirus impfen lassen, desto weniger Patient*innen müssen insgesamt mit einer Covid-19-Infektion im Krankenhaus behandelt werden. 

Warum kommt es überhaupt zu Impfdurchbrüchen?

Dass einige Menschen weniger gut durch eine Impfung geschützt sind, kann mehrere Gründe haben. Vor allem kommt es darauf an, wie viele Antikörper eine Person in Folge der Impfung bildet, wie also ihre Immunantwort ausfällt. Manche Menschen haben aufgrund von Vorerkrankungen, etwa Krebs oder bestimmten Autoimmunerkrankungen, ein weniger gutes Immunsystem, welches keinen ausreichenden Schutz aufbaut. Auch ältere Menschen reagieren häufig weniger gut auf die Impfung, weshalb es bei ihnen häufiger zu Impfdurchbrüchen kommt. Die meisten Impfdurchbrüche gibt es deshalb bei den Risikopatient*innen. Dennoch lohnt sich gerade für solche Hochrisikopersonen die Impfung, da mit ihr auch das Risiko einer schweren Erkrankung geringer wird.

Zudem zeigen Studien, dass der Impfschutz mit der Zeit nachlässt. Aus diesem Grund wird eine Auffrischung nötig. Derzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO), dass der Booster drei Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung verabreicht wird. Zuvor wurden sechs Monate empfohlen. Die Verkürzung des Impfabstandes ist vor allem aufgrund der neuen, besonders ansteckenden Omikron-Variante sinnvoll.  

Auch die Viruslast, der eine Person ausgesetzt ist, spielt eine Rolle. Es macht einen Unterschied, ob jemand nur ein paar Viren abbekommt oder eine ganze Ladung, mit der der Körper fertig werden muss. Auch der Zeitraum ist von Bedeutung: Wer mit einer erkrankten Person in einem Haushalt lebt und mit ihr über längere Zeit in engem Kontakt steht, hat ein höheres Risiko, sich zu infizieren.

Wer wissen möchte, wie es um den eigenen Immunschutz gegen das Coronavirus steht, kann in seiner hausärztlichen Praxis einen Antikörper-Test durchführen lassen, der die Menge der Antikörper im Blut bestimmt. Er gibt Aufschluss darüber, ob wir über eine angemessene Immunantwort auf das Coronavirus verfügen. Eine sichere Aussage darüber treffen, wie gut wir vor einer Erkrankung geschützt sind, können sie aber nicht. Die Kosten hierfür müssen in der Regel selbst getragen werden.

Können Geimpfte das Virus weitergeben?

Ja. Das kommt zwar weit weniger oft vor als bei Ungeimpften, sodass vollständig Geimpfte bei der Verbreitung des Virus eine untergeordnete Rolle spielen. Es kann jedoch sein, dass sie zwar keine Symptome entwickeln, sich jedoch mit dem Coronavirus infizieren und dieses auch ausscheiden.

Aus folgendem Grund: Die Schleimhäute von Nase und Rachen verfügen über ein eigenes Immunsystem mit anderen Antikörpern, den IgA. Sie machen eingeatmete Viren schnell unschädlich, bevor sie in den Körper eindringen können und schützen somit sowohl uns vor einer Infektion als auch andere davor, sich bei uns anzustecken. Die Zahl der IgA geht jedoch schneller zurück, als die Zahl der sogenannten IgG. Diese bildet unser Körper erst einige Zeit nach einer Impfung oder Infektion im Blut, sie sind Teil des Immun-Gedächtnisses. Sie beeinflussen, wie schwer jemand erkrankt, wenn die Erreger es einmal geschafft haben, in den Körper einzudringen. Wir selbst sind also noch vor einer (schweren) Erkrankung geschützt, während andere sich unter Umständen bereits wieder bei uns anstecken können.

Hinzu kommt, dass sich einige Mutationen, etwa Delta und Omikron, besonders schnell vermehren und zu einer hohen Viruslast führen. Allerdings sind vollständig Geimpfte Studien zufolge weniger lange ansteckend als nicht Geimpfte.

Fazit: Vorsicht ist weiterhin wichtig

Geimpfte Menschen sind sehr viel besser vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 geschützt als Ungeimpfte. Dennoch zeigen die Impfdurchbrüche, dass auch sie sich und andere noch schützen müssen: durch FFP2-Masken, Abstands- und Hygienemaßnahmen. Das gilt vor allem, solange es in Deutschland noch viele ungeimpfte Menschen gibt. 

Außerdem empfiehlt sich die Boosterimpfung für alle, deren letzte Dosis bereits länger als drei Monate zurückliegt. Ohne eine solche Auffrischung sind die EU-Impfzertifikate ab dem 1. Februar nur noch neun Monate (270 Tage) lang gültig. Nicht zuletzt können immer weitere Variationen des Coronavirus auftreten, die weniger gut auf die durch die aktuellen Impfstoffe erreichte Immunität ansprechen.