Das Bild zeigt einen Mann, der sich die Augen reibt.
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Blepharitis (Lidrandentzündung)

Eine Blepharitis (Lidrandentzündung) tritt relativ häufig auf: Unter den Erkrankungen des Augenlides rangiert sie auf Platz zwei. Typische Symptome sind brennende, juckende und oft gerötete Augen sowie verklebte Lidränder beim Aufwachen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Meist ist eine bakterielle Infektion mit Staphylokokken die Ursache einer Blepharitis. Neben einer bakteriellen Infektion gibt es jedoch auch verschiedene nicht-infektiöse Ursachen für eine Lidrandentzündung, wie zum Beispiel

  • eine ohnehin erhöhte Talgproduktion der Haut (Seborrhö) oder
  • eine Funktionsstörung der sog. Meibom-Drüsen, also der Talgdrüsen am Lidrand des Auges. Die Meibom-Drüsen produzieren dadurch zu wenig Talg.

Akute Infektionen heilen mit der richtigen Behandlung in der Regel innerhalb weniger Tage oder Wochen aus. Einige Betroffene entwickeln jedoch eine chronische Blepharitis, bei der die Lidrandentzündung immer wiederkehrt. Das kann unangenehm sein, mit der richtigen Behandlung lassen sich die Beschwerden jedoch lindern.

Bei einer Blepharitis gehört eine tägliche Lidrandhygiene mit zu den wichtigsten Therapie-Maßnahmen. Zur Lidrandhygiene gehören:

  • feuchtwarme Augenkompressen,
  • eine Lidrandmassage sowie
  • eine Lidrandreinigung.

Insbesondere Betroffene mit einer chronischen Blepharitis sollten die Lidrandhygiene in ihre tägliche Körperpflege mit einbauen – so kommt es seltener zu Rückfällen.

Verursachen Bakterien die Lidrandentzündung, kann eine Behandlung mit Antibiotika (meist in Form von Augensalben, manchmal auch als Tabletten) notwendig werden. Liegen der Blepharitis andere Erkrankungen zugrunde (wie etwa Herpes oder ein Filzlausbefall) müssen diese behandelt werden.

Auf lange Sicht sollte eine Blepharitis nicht unbehandelt bleiben, da auf Dauer Schäden am Auge entstehen können.

Was ist das?

Unter einer Blepharitis versteht man eine Entzündung der Augenlidränder. Eine Lidrandentzündung kann durch eine Infektion mit Bakterien (z.B. Staphylokokken) entstehen, aber auch nicht-infektiöse Ursachen haben. Einige Betroffene entwickeln eine chronische Blepharitis, bei der es immer wieder zu Rückfällen kommt.

Das sind die Ursachen

Eine Blepharitis (Lidrandentzündung) kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen kann eine Infektion mit Bakterien eine Blepharitis auslösen: Die häufigste Ursache ist eine Staphylokokken-Infektion. Eine Lidrandentzündung durch Staphylokokken verläuft in vielen Fällen chronisch.

Staphylokokken gehören bei den meisten Menschen zur normalen Hautflora und finden sich, neben anderen Bakterien, auch am Lidrand. Bei geschwächter Immunabwehr kann der Körper die eigentlich normale Besiedelung mit Bakterien jedoch nicht in Schach halten. Da Staphylokokken die Haut ständig besiedeln, kann es so zu wiederkehrenden Infektionen mit diesen Bakterien kommen. Staphylokokken produzieren verschiedene Substanzen wie Enzyme und Giftstoffe. Diese können zu Entzündungsreaktionen am Auge und Störungen des Tränenfilms führen. Als Folge wird der Talg in den Drüsen am Lidrand zähflüssiger und kann schwerer abfließen.

Weitere mögliche Ursachen für eine Lidrandentzündung sind unter anderem:

  • akute Infektion mit anderen Bakterien
  • akute Infektion mit Viren (z.B. Herpesviren, Varicella-Zoster-Viren)
  • erhöhte Talgproduktion der Haut (Seborrhö)
  • erhöhte Liddrüsensekretion (zu viel Tränenflüssigkeit)
  • Funktionsstörung der Talgdrüsen (Meibom-Drüsen) am Lidrand, durch die zu wenig Talg produziert wird
  • allergische Reaktion
  • Rosacea (chronische Hauterkrankung mit Rötung, Knötchen, Pusteln und oberflächlich erweiterte Äderchen)
  • Filzläuse
  • Milben

Auch äußere Faktoren, die das Auge reizen, können die Entstehung einer Blepharitis fördern, so etwa:

  • Staub
  • Zugluft / Wind
  • Kälte / Hitze
  • Rauch
  • chemische Substanzen (z.B. in Kosmetika)
  • ungenügende Hygiene
  • häufiges Augenreiben

Oft wird eine Blepharitis durch mehrere Ursachen ausgelöst.

Bei gleichzeitigem Vorliegen von Seborrhö, Staphylokokken und trockenen Augen (sog. Sicca-Syndrom) spricht man auch vom Triple-S-Syndrom.

typische Symptome

Bei einer Blepharitis (Lidrandentzündung) treten typischerweise Symptome wie diese auf:

  • Augenbrennen
  • gerötete Augen
  • Augenjucken
  • verklebte und / oder verkrustete Lidränder morgens nach dem Aufwachen
  • Fremdkörpergefühl im Auge

Außerdem können sich bei einer Lidrandentzündung aber auch folgende Symptome zeigen:

  • harte Schuppen am Lidrand bzw. Wimperansatz
  • gerötete Lidränder
  • glänzende Lidränder
  • Wimpern wirken fettig und kleben zusammen.
  • Am Lidrand bilden sich Schuppen und Verkrustungen sowie teilweise ölige Tröpfchen.

Diagnose

Um bei einer Blepharitis (Lidrandentzündung) die Diagnose zu stellen, fragt der Arzt zum einen nach den Beschwerden, die beim Patienten auftreten. Außerdem betrachtet er das Auge des Betroffenen mit einer sogenannten Spaltlampe. Diese wirft einen gebündelten spaltförmigen Lichtstrahl auf das Auge und ermöglicht es, das Auge vergrößert zu betrachten. Ein Abstrich des Lidrands kann zeigen, ob Keime wie Staphylokokken vorhanden sind.

Therapie – was hilft?

Eine Blepharitis (Lidrandentzündung) lässt sich in der Regel mit folgenden Maßnahmen behandeln:

Tägliche Lidrandhygiene – so geht‘s

Eine tägliche Lidrandhygiene hilft dabei, Verkrustungen am Auge zu entfernen beziehungsweise die äußeren Lidränder zu reinigen. Bei Betroffenen mit chronischer Blepharitis kann sie zudem erneuten Ausbrüchen vorbeugen. Teil der Lidrandhygiene sind in der Regel

  • feucht-warme Kompressen,
  • Lidrandmassage und
  • Lidrandreinigung.

Feucht-warme Kompressen

Tägliche feucht-warme Kompressen können dabei helfen, den in den Lidranddrüsen verhärteten Talg zu verflüssigen. Nehmen Sie hierfür ein sauberes Tuch oder einen sauberen Waschlappen. Die feuchte Kompresse sollte gerade noch erträglich heiß sein, aber nicht kochend heiß. Legen Sie die Kompressen zweimal täglich für fünf bis zehn Minuten aufs geschlossene Auge.

Lidrandmassage

Im Anschluss an die Kompressen-Behandlung kann eine sanfte Lidrandmassage dabei helfen, den überschüssigen und nun verflüssigten Talg aus den Drüsen zu entfernen. Streichen Sie hierzu entweder mit gewaschenen Fingern oder einem frischen angefeuchteten Wattestäbchen beim geschlossenen Auge sanft in Richtung Wimpern:

  • beim Oberlid von oben zum Lidrand hin.
  • beim Unterlid von unten zum Lidrand hin.

Lidrandreinigung

Zur Lidrandreinigung eignet sich eine mit Wasser verdünnte, milde Seifenlösung (z.B. mit einem Babyshampoo) oder eine spezielle Reinigungslösung (in der Apotheke erhältlich). Um die Wasser-Seifen-Mischung zu erhalten, tauchen Sie ein frisches Wattestäbchen in das Babyshampoo und lösen das Shampoo in einer halben Tasse lauwarmem Wasser (vorher abgekocht) auf.

Für die Lidrandreinigung können Sie entweder Wattestäbchen oder Wattepads benutzen. Achten Sie allerdings darauf, Wattestäbchen oder Wattepads immer nur einmal zu benutzen (auch nicht mehrfach für dasselbe Auge). Tauchen Sie das Wattestäbchen oder den Wattepad auch nicht mehrfach in die Seifenlösung. So vermeiden Sie es, Bakterien aus dem Auge zu verschleppen. Reinigen Sie außerdem nur die äußere, nicht die innere Lidkante. Streichen Sie hierfür beim geschlossenen Auge am Oberlid vorsichtig von oben nach unten in Richtung Wimpernkranz, am Unterlid von unten nach oben zum Wimpernkranz hin. Entfernen Sie auf diese Weise auch eventuell vorhandene Krusten an und zwischen den Wimpern.

Mit regelmäßiger Lidrandhygiene bessern sich akute Beschwerden innerhalb von drei bis vier Wochen. Betroffene mit chronischer Blepharitis sollten die Lidrandhygiene auch unabhängig von akuten Beschwerden täglich durchführen.

Augentropfen, Augensalben & Co.

Ist der Tränenfilm des Auges gestört, wird der Arzt zudem zu Tränenersatzflüssigkeit in Form von Augentropfen raten. Steckt dagegen eine bakterielle Infektion hinter der Lidrandentzündung, verschreibt er in der Regel zur Behandlung eine Augensalbe, die Antibiotika enthält (z.B. die Wirkstoffe Ofloxacin, Erythromycin, Gentamicin oder Levofloxacin). In einigen Fällen kann auch eine Einnahme von Antibiotika in Tablettenform notwendig sein. Je nach Art der Blepharitis ist es möglicherweise sinnvoll, kurzzeitig Augensalben oder –tropfen mit entzündungshemmenden Glukokortikoiden am Auge einzusetzen.

Falls Sie Augentropfen oder Augensalben verschrieben bekommen haben, sollten Sie diese erst nach allen Maßnahmen zur Lidrandhygiene anwenden.

Sind andere Erkrankungen Ursache der Blepharitis (z.B. Rosacea, Herpes, Gürtelrose oder Filzläuse), müssen diese gezielt behandelt werden.

Verlauf

Akute Blepharitis

Ist die Ursache der Blepharitis (Lidrandentzündung) eine akute Infektion mit Bakterien, heilt sie mit der richtigen Behandlung meist innerhalb weniger Tage bis Wochen aus.

Chronische Blepharitis

Bei vielen Betroffenen handelt es sich jedoch entweder um eine chronische anlagebedingte Lidrandentzündung oder eine chronische bakterielle Infektion mit Staphylokokken, bei der es immer wieder zu neuen Blepharitis-Episoden kommt. Diese chronische Form der Blepharitis lässt sich zwar lindern, jedoch nicht im eigentlichen Sinne heilen.

Bei chronischer Blepharitis hilft eine tägliche Lidrandpflege dabei, dass die Lidrandentzündungen seltener aufflammen. Bei Betroffenen sollte die Lidrandhygiene deshalb zur täglichen Pflegeroutine gehören. Eine chronische Blepharitis ist zwar unangenehm, aber nicht gesundheitsgefährdend, sofern man sie entsprechend behandelt.

Komplikationen

Unbehandelt kann eine Blepharitis auf Dauer zu Schäden am Auge führen, wie etwa zu

Vorbeugen

Einer akuten Blepharitis (Lidrandentzündung) lässt sich im Grunde nicht wirklich vorbeugen. Betroffene mit einer chronischen Blepharitis können jedoch erneuten Ausbrüchen vorbeugen, indem sie auf eine tägliche Lidrandpflege achten und Einflüsse, die das Auge teizen könnten, meiden. Zu solchen Reizen zählen zum Beispiel Rauch, Staub oder Zugluft.