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Schwangerschaft & Kinderwunsch bei Endometriose

Letzte Änderung:
Autor*in: Lydia Klöckner, Medizinredakteurin

Viele Frauen, die an Endometriose erkrankt sind, haben einen unerfüllten Kinderwunsch. Eine Endometriose steht einer Schwangerschaft aber nicht zwingend im Wege. Hier erfahren Sie, welche Maßnahmen dabei helfen können, trotz der Erkrankung schwanger zu werden – und wie sich die Erkrankung in der Schwangerschaft entwickeln kann.

Unerfüllter Kinderwunsch bei Endometriose

Für einen unerfüllten Kinderwunsch kann es verschiedene Gründe geben. Auch bei Frauen mit Endometriose: Nicht immer ist es die Erkrankung, die die Schwangerschaft verhindert. Darum ist es wichtig, dass die Ärztin oder der Arzt zunächst klärt, ob es andere mögliche Ursachen für die Unfruchtbarkeit gibt. Zum Beispiel kann es an einem Mangel oder Überschuss an bestimmten Hormonen liegen. Oder es gibt ein Problem mit den Spermien des Mannes.

Wenn die Ärztin oder der Arzt den Grund für den unerfüllten Kinderwunsch findet, kann sie oder er besser einschätzen, welche Behandlungsmöglichkeiten die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen könnten. Das gelingt nicht immer: In vielen Fällen lässt sich die Unfruchtbarkeit nicht sicher auf eine bestimmte Ursache zurückführen.

Manchmal stellt sich bei der Untersuchung heraus, dass die Endometriose wahrscheinlich der Grund für die ausbleibende Schwangerschaft ist. In solchen Fällen kann eine Entfernung der Endometriose-Herde die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen. Anders verhält es sich, wenn Eierstöcke und Eileiter nicht von der Endometriose betroffen sind. Dann ist die Erkrankung nicht der eigentliche Grund für die Unfruchtbarkeit. Daher hilft eine OP dann auch nicht dabei, eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Schwanger werden mit Endometriose

Möchte eine Frau mit Endometriose schwanger werden, wird die Ärztin oder der Arzt die Behandlung anders gestalten als bei einer Frau ohne Kinderwunsch. Hormonpräparate wie die Antibabypille kommen dann nicht infrage, weil sie eine Schwangerschaft verhindern.

Stattdessen raten Ärztinnen und Ärzte meist zu

Endometriose-Herde können im Rahmen einer Bauchspiegelung entfernt werden. Sinnvoll ist das im Hinblick auf den Kinderwunsch, wenn die Herde die Eierstöcke oder den Eileiter beeinträchtigen. Je nach Lage können die Herde der Grund dafür sein, dass kein Eisprung stattfindet oder dass die Eizelle nicht in die Gebärmutter wandern kann. Auch können die Herde Spermien daran hindern, sich ihren Weg zur Eizelle zu bahnen.

In diesen Fällen kann die Operation die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen. Ob es nach dem Eingriff wirklich mit der Schwangerschaft klappt, lässt sich leider trotzdem nicht mit Gewissheit sagen.

Künstliche Befruchtung bei Endometriose

Es gibt dann aber noch eine weitere Möglichkeit: die künstliche Befruchtung. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer In-vitro-Fertilisation (IVF). Dafür entnimmt die Ärztin oder der Arzt Eizellen aus dem Eierstock der Frau. Diese werden im Labor mit Spermien des Mannes zusammengeführt. Wenn alles gut geht, kommt es dabei zur Befruchtung. Die befruchteten Eizellen entwickeln sich dann zu Embryonen weiter. Schließlich überträgt die Ärztin oder der Arzt ein bis drei Embryonen in die Gebärmutter der Frau. 

Die Behandlung nimmt insgesamt einige Wochen in Anspruch. Eine Garantie dafür, dass es dabei zur Schwangerschaft kommt, gibt es leider nicht. Oft nisten sich die Embryonen nicht in der Gebärmutter ein. Das kann nicht nur bei Frauen mit Endometriose vorkommen, sondern auch bei anderen Frauen: Nur etwa 30 von 100 IVF-Behandlungen führen zu einer Schwangerschaft, etwa 20 zu einer Geburt. 

Eine Kinderwunsch-Behandlung ist allerdings nicht für alle Frauen gleichermaßen aussichtsreich. Das heißt: Nicht für jede Frau liegt die Wahrscheinlichkeit, mithilfe einer künstlichen Befruchtung Mutter zu werden, bei 20 Prozent. Für Frauen mit Endometriose ist die Chance etwas geringer als bei Frauen ohne Endometriose. 

Erhöht Endometriose das Risiko für Fehlgeburten?

Zu dieser Frage gibt es noch keine sichere Antwort. Einzelne Untersuchungen deuten darauf hin, dass Fehlgeburten bei Frauen mit Endometriose tatsächlich häufiger vorkommen. Diese Studien sind aber nicht sehr aussagekräftig und lassen keine sicheren Schlüsse zu. Um die Frage mit Gewissheit beantworten zu können, ist noch weitere Forschung nötig. 

Wenn eine Endometriose das Risiko für Fehlgeburten erhöht, dann nicht für jede Betroffene im gleichen Ausmaß. Eine Rolle spielt dabei einerseits die Frage, inwieweit die Endometriose die Gebärmutter beeinträchtigt. Andererseits gibt es noch vielerlei weitere Einflüsse, die sich auf den Verlauf der Schwangerschaft auswirken können – unter anderem das Alter der Frau, ihr Gewicht sowie ihre Lebensgewohnheiten (z. B. Rauchen).

Ärztliche Beratung ist wichtig

Schwanger werden mit Endometriose ist möglich, aber häufig mit einigen Herausforderungen und Besonderheiten verbunden. Darum ist es wichtig, dass sich die Frau bzw. das Paar im Vorfeld beraten lässt. Erste Anlaufstelle können die Frauenärztin oder der Frauenarzt sein. In vielen Städten gibt es aber auch spezialisierte Endometriose-Zentren, die zum Teil mit Kinderwunsch-Kliniken zusammenarbeiten.

Wichtig ist, dass die Ärztin oder der Arzt auch über die möglichen Risiken einer Kinderwunsch-Behandlung aufklärt. Die Behandlung kann für das betroffene Paar sehr belastend sein. Zum einen, weil sie häufig nicht gelingt. Zum anderen, weil sie mit körperlichen und psychischen Strapazen einhergeht.

Zum Beispiel bekommt die Frau meist Hormone verabreicht, bevor ihr Eizellen entnommen werden. Die Hormone sollen bewirken, dass in ihren Eierstöcken mehrere Eizellen heranreifen, welche dann für die künstliche Befruchtung genutzt werden können. Die Hormonbehandlung kann zu verschiedenen Nebenwirkungen führen. Bei manchen Frauen werden die Eierstöcke durch die zusätzlichen Hormone überstimuliert. Mögliche Folgen sind dann unter anderem Übelkeit, Schmerzen und Flüssigkeitsansammlungen im Bauch.

Wie wirkt sich die Schwangerschaft auf die Endometriose aus?

Frauen mit Endometriose werden nicht selten zu einer Schwangerschaft ermutigt. Im Internet ist an vielen Stellen zu lesen, dass die Erkrankung in der Schwangerschaft zur Ruhe komme. Auch manche Ärztinnen und Ärzte sind dieser Ansicht. 

Wie sich die körperlichen Veränderungen in der Schwangerschaft auf eine Endometriose auswirken, lässt sich jedoch im Vorhinein nicht sicher sagen. Zwar lassen die Beschwerden tatsächlich bei manchen Frauen nach, sobald diese schwanger werden. Bei einigen verschwinden sie sogar langfristig – auch über die Geburt hinaus. Es gibt jedoch auch Frauen, deren Beschwerden sich kaum verändern – weder während der Schwangerschaft noch danach. Und manche Betroffene berichten sogar von einer Verschlimmerung.

Warum und wovon das abhängt, ist nicht klar. Bisher gibt es kaum wissenschaftliche Erkenntnisse zum Einfluss einer Schwangerschaft auf die Endometriose. Das stellte im Jahr 2018 auch ein Team von Wissenschaftlerinnen fest, die sich für eine Überblicksstudie mit dem Forschungsstand zu diesem Thema befassten. Die bisher veröffentlichten Studien seien nicht gut genug, um daraus sichere Schlüsse abzuleiten, schreiben die Forscherinnen in dem Artikel. 

Nur eines steht für sie nach der Recherche fest: Eine Schwangerschaft habe keineswegs immer Vorteile für Frauen mit Endometriose. Dass Ärztinnen und Ärzte Betroffenen häufig zu einer Schwangerschaft raten, sehen die Forscherinnen daher kritisch – auch, weil eine Schwangerschaft für Frauen mit Endometriose mit zusätzlichen Risiken verbunden sein könne. 

Quellen

Online-Informationen von Deximed: www.deximed.de (Abrufdatum: 29.10.2020)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.frauengesundheitsportal.de (Abrufdatum: 29.10.2020)

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Abrufdatum: 29.10.2020)

Bafort, C., et al.: Laparoscopic surgery for endometriosis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, No.: CD011031

Leeners, B., et al.: The effect of pregnancy on endometriosis – facts or fiction? Human Reproduction Update, Vol. 24, Iss. 3, pp. 290-299 (Mai 2018)

Endometriosis. Online-Informationen vom Office on Women's Health in the Office of the Assistant Secretary for Health at the U.S. Department of Health and Human Services: www.womenshealth.gov (Abrufdatum: 29.10.2020)

Endometriose. Online-Informationen von Amboss: www.amboss.com (Stand: 25.6.2020)

Czeromin, U., et al.: Jahrbuch des Deutschen IVF-Registers (DIR) 2018. Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie, Jg. 16, Nr. 6 (2019)

Kohl Schwartz, A. S. et al.: Endometriosis, especially mild disease: a risk factor for miscarriages. Fertility and Sterility, Vol. 108, Iss. 5, pp. 806-814 (November 2017)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 4.10.2017)

Endometriose. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: April 2016)

Arbeitsgruppe "Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose" der Deutschen, Österreichischen, Schweizerischen und Tschechischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe unter Mitarbeit der Stiftung Endometrioseforschung und der Europäischen Endometriose Liga: Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/045 (Stand: August 2013)

Weyerstahl, T.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Letzte inhaltliche Prüfung: 04.11.2020
Letzte Änderung: 04.11.2020