Eine Frau sitzt auf der Bettkante und blickt nachdenklich zur Seite.
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Östrogenmangel

Östrogene spielen eine wichtige Rolle in der Entwicklung der weiblichen Geschlechtsorgane, beim Menstruationszyklus, bei der Befruchtung sowie in der Schwangerschaft. Ein Östrogenmangel kann daher weitreichende Folgen für die betroffene Frau haben.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Östrogenmangel: So kann er sich bemerkbar machen

Am häufigsten kommt es im Rahmen des sogenannten Östrogenmangelsyndroms zu einer zu niedrigen Östrogenkonzentration. Das Östrogenmangelsyndrom bestimmt den Großteil der Symptome in den Wechseljahren. Der Östrogenspiegel nimmt im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses ab, die Eierstöcke stellen nach und nach ihre Funktion ein und es kommt zu Menstruationsstörungen, Hitzewallungen und häufig zu Scheidentrockenheit.

Ein Östrogenmangel kann allerdings unterschiedliche Gründe haben:

  • natürliche Ursachen (Alterungsprozess, Wechseljahre)
  • krankhafte Ursachen (z.B. Nebenniereninsuffizienz)
  • hormonelle Verhütung (Mikropille)

Die Rolle der Östrogene

Eine Frau durchläuft in ihrem Leben verschiedene Stadien: vom Kind über den Teenager zur erwachsenen Frau und weiter über die Wechseljahre zur älteren, nicht mehr fruchtbaren Frau.

All diese Stadien werden unter anderem von den Geschlechtshormonen beeinflusst, vorwiegend von Östrogenen und Gestagenen. Ist die Hormonkonzentration dauerhaft gestört, wirkt sich das auf den weiblichen Körper aus und kann vielerlei Folgen haben – von leichten Zyklusstörungen über eine zu spät einsetzende erste Periode bis hin zu Unfruchtbarkeit und starken körperlichen Veränderungen.

Kurzfristige Schwankungen im Östrogenspiegel sind aber nicht nur normal, sondern auch nötig, um einen funktionierenden Menstruationszyklus zu ermöglichen beziehungsweise eine Schwangerschaft aufrecht zu erhalten. Am niedrigsten ist die Östrogen-Konzentration während der monatlichen Blutungen, am höchsten während einer Schwangerschaft.

In der Pubertät muss sich das monatliche Auf und Ab des Östrogenspiegels erst einspielen, daher sind gewisse abweichende Konzentrationen (im Rahmen) nicht bedenklich. Während der Wechseljahre stellen die Eierstöcke nach und nach ihre Funktion ein. In dieser Zeit nimmt der Östrogenspiegel altersbedingt immer weiter ab, um sich schließlich nach den Wechseljahren auf einem relativ konstanten, aber niedrigen Niveau einzupendeln.

Östrogene haben im Leben einer Frau folgende Funktionen:

  • Reifung der Geschlechtsorgane
  • Eizellreifung (Menstruationszyklus)
  • Einfluss auf Reifung der Spermien in den weiblichen Geschlechtsorganen (sog. Kapazitation) und somit wichtig für die Befruchtung
  • Aufrechterhaltung einer Schwangerschaft
  • Feuchtigkeit der Schleimhäute aufrechterhalten

Östrogenmangel: Vielfältige Symptome

Ein Östrogenmangel kann ganz unterschiedliche Symptome verursachen.

Akute Symptome eines Östrogenmangels können zum Beispiel sein:

Mit der Zeit können folgende Symptome hinzukommen:

Ein Östrogenmangel verändert außerdem die Beschaffenheit des Zervixschleims, also des Schleims im Gebärmutterhals. Dieser wird dickflüssiger und für Spermien nahezu undurchdringlich, was wiederum eine Befruchtung erschweren oder unmöglich machen kann.

Östrogenmangel: Mögliche Ursachen

Ein Östrogenmangel tritt beispielsweise auf, wenn die Eierstöcke in ihrer Funktion eingeschränkt sind und somit zu wenig oder gar kein Östrogen mehr produzieren. Die häufigste Ursache hierfür ist der natürliche Alterungsprozess während der Wechseljahre. Die Eierstöcke stellen nach und nach ihre Funktion ein, der Körper produziert weniger Östrogen und mit der Zeit können die typischen Symptome auftreten.

Weitere Ursachen für eine eingeschränkte beziehungsweise eingestellte Funktion der Eierstöcke können sein:

Ein Östrogenmangel kann seinen Ursprung aber auch in anderen Organen als den Eierstöcken haben. Bei einer Nebenniereninsuffizienz produzieren die Nebennieren beispielsweise zu wenig Dehydroepiandrosteron (DHEA), eine Vorstufe von Östrogen. Die Folge ist ein Östrogenmangel.

Hinter einem Östrogenmangel kann außerdem eine sogenannte Gelbkörperschwäche (Corpus-luteum-Insuffizienz) stehen, die wiederum Unfruchtbarkeit nach sich zieht.

Daneben können auch hormonelle Verhütungsmittel einen Östrogenmangel verursachen. Die synthetischen Östrogene der Antibabypille unterdrücken das körpereigene Östrogen. In manchen Fällen reicht das synthetische Östrogen jedoch nicht aus, um das körpereigene zu ersetzen – ein Östrogenmangel entsteht.

Eine besondere Folge des Östrogenmangels ist die sogenannte Pubertas tarda. In diesem Fall wird die sexuelle Reife durch den Östrogenmangel verzögert. Mädchen mit Pubertas tarda bekommen ihre erste Periode meist nicht vor dem 18. Geburtstag und die äußeren Geschlechtsmerkmale reifen später als bei anderen Teenagern. Ursachen für einen Östrogenmangel, der mit einer Pubertas tarda einhergeht, können zum Beispiel sein:

  • Mangelernährung, Unterernährung (z.B. bei Magersucht)
  • Hochleistungssport
  • Fehlfunktion endokriner Drüsen, z.B. bei Nebenniereninsuffizienz

Östrogenmangel: Therapie

Einem Östrogenmangel können Sie auf unterschiedliche Art und Weise begegnen. Leichte Beschwerden lassen sich häufig mit einfachen Mitteln beheben:

Bei stärkeren Beschwerden kann eine Östrogentherapie beziehungsweise Hormonersatztherapie infrage kommen.

Wenn hormonelle Verhütungsmittel einen lokalen Östrogenmangel im Scheidenbereich verursachen (wie Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Ein Wechsel zu einem anderen Präparat kann den Östrogenmangel beheben.
  • Häufig reicht eine lokale Behandlung mit östrogenhaltigen Präparaten aus.

Steckt hinter dem Östrogenmangel eine Gelbkörperhormonschwäche, wird der Arzt diese mit Progesteronpräparaten behandeln. In der Folge sollte sich auch der Östrogenspiegel stabilisieren.

Im Falle einer Pubertas tarda, also einer Verzögerung der sexuellen Reife, kann eine Östrogenersatztherapie den Östrogenmangel kurzfristig normalisieren. In diesem Fall ist es aber auch wichtig, die Ursachen des frühen Östrogenmangels zu erkennen und zu beheben (z.B. bei Magersucht, exzessivem Hochleistungssport oder einer Nebenniereninsuffizienz).