Mittel gegen Wurmerkrankungen

auch bezeichnet als:
Anthelminthika; Wurmmittel

Wirkstoffe

Folgende Wirkstoffe sind der Wirkstoffgruppe "Mittel gegen Wurmerkrankungen" zugeordnet

Anwendungsgebiete dieser Wirkstoffgruppe

Wurmmittel (Anthelminthika) sind Wirkstoffe, die sich gegen den Wurmbefall bei Mensch und Tier richten. Je nach Art und Lebensweise verursachen die Würmer, aber auch die aus ihren Eiern schlüpfenden Jungformen (Larven) mehr oder weniger heftige Beschwerden.

Bei den Würmern kann man mehrere Sorten unterscheiden:
  • Die meisten Würmer halten sich vorwiegend im Darm auf und ernähren sich dort aus dem Speisebrei. Zu dieser Gruppe gehören einige Bandwürmer, Madenwürmer, Spulwürmer, der Peitschenwurm und tropische Hakenwürmer. Diese Wurmarten sind relativ ungefährlich, gelegentlich machen sie sich durch Bauchschmerzen bemerkbar. Ein ausgewachsener Bandwurm oder der massenhafte Befall mit kleineren Würmern kann allerdings auch zu stärkeren Beschwerden führen. Beispielsweise droht eine Mangelernährung, da die Schmarotzer den größten Teil der Nährstoffe für sich verbrauchen. Eier und Larven dieser Würmer werden mit dem Kot freigesetzt. Bei Kontakt mit dem infizierten Kot wird die Wurmerkrankung dann übertragen.
    Praziquantel ist der Wirkstoff der Wahl bei Bandwürmern, aber auch Niclosamid wird gegen sie eingesetzt. Gegen Spulwürmer, Madenwürmer und Hakenwürmer ist Pyrantel wirksam, Pyrviniumembonat wirkt speziell gegen Madenwürmer sehr gut. Bei Befall mit Peitschenwürmern wird Mebendazol angewendet.
  • Gefährlicher als die Darmwürmer sind solche, die aus dem Darm in andere Körpergewebe abwandern. Dazu gehören zum Beispiel der Fuchs- und der Hundebandwurm. Ihre Larven siedeln sich unter anderem in der Leber an und können die Funktion dieses Organs völlig lahmlegen. Noch gefährlicher ist die Wanderung einer solchen Larve in das Gehirn, wo sie Lähmungen und Krämpfe auslösen kann. Gegen den Fuchs- und den Hundebandwurm wird vor allem der Wirkstoff Albendazol verwendet.
    Ebenfalls in das Körpergewebe wandern Würmer aus der Gruppe der Trichinen. Sie siedeln sich bevorzugt in der Muskulatur an, verkapseln sich dort und rufen durch Druck auf die Muskelfasern Schmerzen hervor. Trichinen nimmt man beim Essen von tierischem Muskelfleisch auf, das ebenfalls mit den Würmern verseucht ist. Daher muss der Amtstierarzt in der Fleischbeschau jedes Schlachtfleisch auf Trichinen untersuchen. Die Wirkstoffe Albendazol und Mebendazol sind gegen Trichinen wirksam.
    Ähnliche Krankheitsbilder wie die Trichinen verursacht ein Hakenwurm im tropischen Südamerika. Er kann ebenfalls mit dem Wirkstoff Albendazol bekämpft werden. Doch in den Tropen lauern noch andere Gefahren, wie der nächste Punkt verdeutlicht.
  • Tropische Wurmarten sind besonders heimtückisch. Dazu gehören beispielsweise die Filarien, dünne, zwirnartige Würmer. Sie besiedeln die Lymphgänge und Lymphknoten des Menschen. Dadurch werden schwere Erkrankungen wie die Elefantiasis hervorgerufen. Weil bei dieser Krankheit die Würmer die Lymphgänge verstopfen, kann die Lymphflüssigkeit nicht mehr abfließen und staut sich. Die Stauungen treiben vor allem die Füße und Unterschenkel so unförmig auf, dass das Gehen zur Qual wird. Die Larven dieser Würmer werden mit dem Blut durch Mückenstiche von Mensch zu Mensch übertragen. Gegen Filarien gibt es aktuell keinen Wirkstoff auf dem deutschen Markt, bei Bedarf muss auf Medikamente aus dem Ausland zurückgegriffen werden.
    Eine andere tropische Wurmart sind die Schistosomen. Man nennt sie auch Pärchenegel, da sich bei ihnen Weibchen und Männchen deutlich unterscheiden. Diese Wurmart ist vor allem in Afrika, Asien und Südamerika beheimatet. Die durch Schistosomen ausgelöste Erkrankung ist auch unter dem Namen Bilharziose bekannt. Die jungen Larven dieser Erreger reifen in Süßwasserschnecken stehender Gewässer heran. Hält sich ein Mensch in solchem Wasser auf, bohren sich die älteren Larven durch die Haut in die Blutbahn. Sie suchen sich den Weg in die Blutgefäße des Beckens oder der Leber, um dort zu Würmern heranzureifen. In manchen Fällen gelangen die Erreger erst in die Lunge und von dort aus in die Leber. Dabei beschädigen sie die durchwanderten Organe, so dass es zu vielfachen Entzündungen, Blutungen und Fieber kommt. Die ausgereiften Würmer legen dann Eier ab, die im Kot oder Urin ausgeschieden werden. Pärchenegel können mit dem Wirkstoff Praziquantel sehr gut abtötet werden.

Wirkung

Würmer rechnet man schon zu den so genannten höheren Tieren, da sie über regelrechte Organe und ein Nervensystem verfügen. Daraus ergeben sich auch die Ansatzpunkte für ihre Bekämpfung.

Wurmmittel (Anthelminthika) unterscheidet man nach ihrem Wirkmechanismus:
  • Wirkstoffe aus der Gruppe der Benzimidazole wie das Albendazol und Mebendazol stören den Stofftransport im Wurm. Genauer gesagt: Indem diese Wirkstoffe kleine Stützeiweiße (Mikrotubuli) der Wurmzellen lahm legen, können die Wurmzellen keinen Zucker mehr aufnehmen. Zucker aber ist als Hauptlieferant von Energie für einen Wurm überlebenswichtig. Der Wirkstoff Pyrviniumembonat hindert den Wurm ebenfalls an der Verwertung von Zucker und der Parasit verhungert. Ganz ähnlich wirkt Niclosamid. Es stört den Zuckerstoffwechsel dergestalt, dass sich Zwischenprodukte aus der Zuckerverwertung im Wurm anhäufen und ihn vergiften.
  • Andere Wirkstoffe beeinflussen die Erregungsübertragung zwischen Nerven und Muskeln des Wurmes. Pyrantel beispielsweise blockiert die Reizübertragung vom Nerv auf den Muskel, so dass es nicht mehr zu Zusammenziehungen der Muskeln kommen kann. Praziquantel hingegen sorgt für eine Übererregung der Wurm-Muskelzellen, in deren Folge krampfartige Lähmungen auftreten. Die Wirkung beider Substanzen ist im Prinzip gleich: Der Wurm kann sich nicht mehr bewegen, stirbt ab und wird ausgeschieden.