Methoxsalen

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 11.07.2018

Allgemeines

Methoxsalen wird bei der Behandlung von fortgeschrittenem kutanen T-Zell-Lymphom (einer bestimmten Art von Lymphdrüsenkrebs) eingesetzt. Bei dieser Krebsart erscheinen Flecken schuppiger Auflagerungen (Plaques) oder starke Rötungen auf der Haut.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Überzahl weißer Blutkörperchen abtöten
  • körpereigene Abwehr gegen Krebszellen aktivieren

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Methoxsalen im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Methoxsalen nicht verwendet werden?

Methoxsalen darf nicht verwendet werden bei
  • Überempfindlichkeitsreaktionen auf Methoxsalen oder anderen chemisch verwandten Psoralenverbindungen
  • gleichzeitig bestehendem schwarzem Hautkrebs oder anderen Krebsformen der Haut (Basalzell- oder Plattenepithelkrebs)
  • Verlust einer Augenlinse.
Das gesamte Licht-Chemotherapie-Verfahren darf nicht eingesetzt werden bei
  • Erkrankungen, die mit erhöhter Lichtempfindlichkeit einhergehen wie Porphyrie, systemischer Lupus erythematodes oder Fehlen von Hautpigmenten (Albinismus)
  • Unfähigkeit, den zeitweiligen Verlust von Blutvolumen zu ertragen wie beispielsweise bei schwerer Herzerkrankung oder schwerer Blutarmut
  • zu vielen weißen Blutkörperchen (über 25.000/Kubikmillimeter Blut)
  • vorangegangener Milzentfernung
  • Störungen der Blutgerinnung.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine Erfahrungen mit der Verwendung von Methoxsalen und der Licht-Chemotherapie während der Schwangerschaft. In Tierexperimenten hat sich das Verfahren jedoch als sehr schädlich für die Nachkommen erwiesen.

Daher ist die Anwendung von Methoxsalen bei Frauen, die schwanger sind oder werden könnten, verboten. Gleiches gilt für die Stillzeit, da nicht bekannt ist, ob Methoxsalen in die Muttermilch gelangt.

Männer und Frauen, die mit Methoxsalen behandelt werden, müssen sichere empfängnisverhütende Maßnahmen anwenden, und zwar sowohl während als auch nach Beendigung der Licht-Chemotherapie.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bisher gibt es keine klinischen Studien zur Anwendung von Methoxsalen und Licht-Chemotherapie bei Kindern.

Welche Nebenwirkungen kann Methoxsalen haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Methoxsalen. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Seltene Nebenwirkungen:
Entzündungen und Schmerzen am Venenzugang, Infektion durch die Infusion

Sehr seltene Nebenwirkungen:
niedriger Blutdruck, veroübergehendes Fieber (sechs bis acht Stunden nach der Anwendung)

Welche Wechselwirkungen zeigt Methoxsalen?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Methoxsalen scheint die Verstoffwechselung anderer Wirkstoffe in der Leber zu hemmen, weil es ein dafür notwendiges Enzym-System besetzt. Bei Einnahme anderer Substanzen, die durch das Enzym-System abgebaut werden, kann sich die Wirkdauer von Methoxsalen verlängern und in der Folge zu einer längeren Lichtempfindlichkeit führen. Das macht erforderlich, dass sich der Patient mehr als 24 Stunden nach der Licht-Chemotherapie nicht dem Sonnenlicht aussetzt.

Studien haben gezeigt, dass Methoxsalen die Wirkung von Paracetamol bei Tieren und Menschen vermindert.

Ein Bericht beschreibt einen Patienten mit Schuppenflechte und Epilepsie, bei dem die Verabreichung des AntiepileptikumsPhenytoin einen Wirkungsverlust von Methoxsalen nach sich zog. Das führte zum Scheitern der Licht-Chemotherapie. Dieser Effekt kann vermieden werden, wenn der Arzt Phenytoin durch Valproinsäure ersetzt.

Im Blut ist Methoxsalen normalerweise stark an das Eiweiß Albumin gebunden. Es kann jedoch durch eine Reihe von Wirkstoffen wie dem Blutverdünner Dicoumarol, dem NeuroleptikumPromethazin und dem oralen AntidiabetikumTolbutamid aus dieser Bindung verdrängt werden. Denkbar ist, dass Methoxsalen aufgrund seiner chemischen Ähnlichkeit mit dem Blutverdünner Warfarin um die Blutbindung konkurriert. Diese Tatsache kann von Bedeutung sein, wenn die beiden Wirkstoffe zugleich verabreicht werden. Von den genannten Stoffen war jedoch nur Tolbutamid in der Lage, bei Methoxsalen eine Wirkungssteigerung und damit erhöhte Lichtempfindlichkeit des Patienten zu erzeugen.

Besondere Vorsicht wird der Arzt bei der Behandlung von Patienten walten lassen, die äußerlich oder innerlich eine begleitende Therapie mit Wirkstoffen erhalten, welche die Lichtempfindlichkeit steigern. Dazu gehören Antibiotika wie Gyrasehemmer, Sulfonamide, Tetracycline und Nalidixinsäure, Entwässerungsmittel wie Furosemid und Thiazide, Schmerzmittel aus der Gruppe der Phenothiazine, Vitamin-A-Abkömmlinge (Isotretinoin), orale Antidiabetika wie Sulfonylharnstoff, aber auch Johanniskraut.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Männer oder Frauen, die mit dem Medikament behandelt werden, müssen sichere empfängnisverhütende Maßnahmen anwenden, und zwar sowohl während als auch nach Beendigung der Licht-Chemotherapie.
  • Das Medikament und die Therapie damit darf nur von damit erfahrenen Ärzten angewendet werden.
  • Nach der Anwendung müssen Sonnenbrillen getragen werden, welche die Sicht beim Autofahren und der Maschinenbedienung beeinträchtigen.
  • Nach der Anwendung des Medikaments kann Schwindel auftreten, der Autofahren und die Maschinenbedienung gefährlich macht.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Methoxsalen?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Methoxsalen enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Methoxsalen

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Methoxsalen. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Immunstärkende und -schwächende Mittel, Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Methoxsalen gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Methoxsalen

Methoxsalen wird bei der Behandlung von fortgeschrittenem kutanen T-Zell-Lymphom (einer bestimmten Art von Lymphdrüsenkrebs) eingesetzt. Bei dieser Krebsart erscheinen Flecken schuppiger Auflagerungen (Plaques) oder starke Rötungen auf der Haut.

Der Einsatz des Wirkstoffs darf nur erfolgen, wenn andere Behandlungsformen wie die Therapie mit Psoralen und UV-Strahlung (PUVA), die Gabe von Glukokortikoiden, Caryolysin oder Interferon alpha nicht geholfen haben.

Methoxsalen wird niemals direkt am Patienten angewendet. Über einen Infusionsschlauch wird das Blut des Patienten in ein spezielles Gerät geleitet. Dort werden zunächst die roten Blutkörperchen in einer Zentrifuge von den weißen Blutkörperchen und der Blutflüssigkeit (Plasma) getrennt. Die roten Blutkörperchen sowie überschüssiges Blutplasma werden zum Patienten zurückgeführt. Das mit den weißen Blutkörperchen angereicherte Blut und etwas Plasma werden in dem Photoaktivierungsbeutel gesammelt, der sich an der Seite des Gerätes befindet.

Das Volumen der gesammelten Menge wird vom Gerät angezeigt und bestimmt die Methoxsalen-Dosierung. Die ermittelte Dosis wird vor der Photoaktivierungsphase in den Sammelbeutel injiziert. Während der Photoaktivierung verbleibt das mit den weißen Blutkörperchen angereicherte Blut maximal 90 Minuten lang in der Photoaktivierungskammer und wird dabei stark mit UVA-Licht bestrahlt.

Am Ende des Photoaktivierungszyklus werden die photoaktivierten Zellen dem Patienten über 15 bis 20 Minuten wieder als Infusion in die Vene gegeben. Die gesamte Photopherese-Prozedur dauert höchstens drei Stunden.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Methoxsalen sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Methoxsalen

Methoxsalen gehört sowohl zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika als auch der immunstärkenden und -schwächenden Mittel.

Es ist ein Wirkstoff, der sich bevorzugt in den Zellen der obersten Hautschicht (Epidermis) ansammelt und diese Zellen gegen den Einfluss von UV-Licht empfindlich macht.

Obwohl die Licht-Chemotherapie seit vielen Jahren klinisch angewendet wird, konnte ihr Wirkmechanismus bislang noch nicht vollständig aufgeklärt werden. Man nimmt an, dass bei den Molekülveränderungen, die zum spontanen Zelltod führen, die Zwischenschaltung von Methoxsalen in das doppelsträngige Erbgut-Molekül (DNA) im Zellkern beteiligt ist.

Bei diesem Zwischenschaltungsprozess bilden sich lockere Komplexe zwischen den Bausteinen des Erbguts und dem Wirkstoff. Diese Bindungen lassen sich leicht aufheben und ohne die Einwirkung von UV-Licht sind sie ohne Folgen. Bei der Aktivierung durch UV-Licht jedoch geht Methoxsalen eine feste Verbindung mit bestimmten Erbgut-Bausteinen ein und bildet zwischen den beiden DNA-Strängen gewissermaßen "Brücken". Die Reaktion erfolgt in wenigen Mikrosekunden und bricht sofort ab, wenn die Bestrahlung beendet wird.

Die "Brücken" aber bleiben bestehen und führen etwa binnen 72 Stunden zum Absterben von weißen Blutkörperchen. Die T-Zellen (ein Bestandteil der körpereigenen Abwehr) scheinen davon weniger betroffen. Es gibt zunehmend mehr Beweise für die Annahme, dass die Licht-Chemotherapie möglicherweise eine Stärkung der körpereigenen Abwehr bewirkt, welche zu einer intensiveren biologischen Krebsbekämpfung des Organismus führt.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.