Binimetinib

Allgemeines

Binimetinib wird in Kombination mit dem Zytostatikum Encorafenib eingesetzt, um schwarzen Hautkrebs bei erwachsenen Patienten zu behandeln. Voraussetzung ist, dass der Krebs eine bestimmte Veränderung des Erbguts aufweiset (BRAF-V600-Mutation) und entweder durch eine Operation nicht entfernt werden kann oder schon Tochtergeschwulste gebildet hat.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • krebsaktivierenden Signalweg in der Zelle unterbrechen
  • bestimmte Enzyme (Kinasen) in der Zelle hemmen
  • Zellwachstum und -vermehrung unterbinden

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Binimetinib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Binimetinib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Binimetinib nicht eingesetzt werden. Gleiches gilt für Patienten, die schon einmal eine Augenvenenthrombose hatten.

Bei Patienten mit mäßiger (Child Pugh-Klasse B) und schwerer Leberfunktionsstörung (Child Pugh-Klasse C) sollte Binimetinib wegen seines Kombinationswirkstoffs Encorafenib nicht angewendet werden.

Bei Patienten mit Verdacht auf Lungenentzündung oder Lungenerkrankung einschließlich Patienten mit neu auftretenden oder fortschreitenden Beschwerden wie Husten, Atemnot, Sauerstoffmangel oder röntgenologisch festgestellten Lungenveränderungen wird der Arzt von einer Behandlung mit Binimetinib absehen.

Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf Binimetinib (in Kombination mit Encorafenib) angewendet werden bei
  • einer mäßigen Funktionsstörung der linken Herzkammer, weil sich diese verschlimmern kann
  • Patienten mit Gerinnungsstörungen, weil der Wirkstoff Blutungen fördert
  • Risikofaktoren für eine Augenvenenthrombose wie unbehandelter grüner Star, erhöhter Augeninnendruck, unbehandelter Diabetes mellitus oder Gerinnungsstörungen in der Vorgeschichte
  • Bluthochdruck, weil sich dieser verschlimmern kann
  • Patienten mit erlittenen Venenverschlüssen oder einem entsprechenden Risiko.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher gibt es keine Erfahrungen mit der Anwendung von Binimetinib in der Schwangerschaft. In Tierversuchen sind allerdings bei den Nachkommen Missbildungen und Schäden aufgetreten. Daher wird Binimetinib während der Schwangerschaft sowie bei gebärfähigen Frauen, die keine Verhütungsmittel anwenden, nicht empfohlen.

Während der Behandlung mit Binimetinib und für mindestens einen Monat nach Einnahme der letzten Dosis ist eine zuverlässige Verhütungsmethode anzuwenden. Das zwingend zur Kombination vorgeschriebene Encorafenib kann allerdings die Wirksamkeit der "Pille" verringern. Gebärfähige Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel benutzen, müssen während der Zeit der Behandlung mit Encorafenib und für mindestens einen Monat nach Einnahme der letzten Dosis eine zusätzliche oder alternative Methode wie ein Kondom oder Pessar anwenden.

Es ist nicht bekannt, ob Binimetinib oder dessen Abbauprodukte in die Muttermilch übergehen. Ein Risiko für Neugeborene/Säuglinge kann nicht ausgeschlossen werden. Der Art wird entscheiden, ob das Stillen oder die Therapie beendet werden. Dabei wird er sowohl den Nutzen des Stillens für das Kind als auch den Nutzen der Therapie für die Mutter in Betracht ziehen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Binimetinib wurde bei Kindern und Jugendlichen bisher noch nicht in klinischen Studien erwiesen.

Welche Nebenwirkungen kann Binimetinib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Binimetinib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Blutarmut, Nervenstörungen, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Ablösung der Pigmentschicht auf der Netzhaut, Blutungen, Bluthochdruck, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, überschießende Hornhautbildung, Haarausfall, Hautausschlag, trockene Haut, Juckreiz, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Muskelerkrankung, Rückenschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Fieber, Wasseransammlungen in Armen und Beinen, Erschöpfung, Anstieg von Blutwerten (Kreatininkinase, Transaminasen, gamma-GT)

Häufige Nebenwirkungen:
Hautkrebs (Plattenepithelkarzinome, Basalzellkarzinom), Hautwarzen, Überempfindlichkeit, Geschmackstörung, Augapfelentzündung, Funktionsstörung der linken Herzkammer, Venenthrombose, Dickdarmentzündung, Lichtempfindlichkeit der Haut, Akne-ähnliche Hautentzündung, Rötung und Missempfindungen der Hand- und Fußsohlen, Hautrötung, Entzündung des Unterhautfettgewebes, Nierenversagen, Anstieg von Blutwerten (Kreatinin, alkalische Phosphatase, Amylase, Lipase)

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Gesichtslähmung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Muskelzerfall

Besonderheiten:
Hautausschläge, Sehstörungen, Muskelschäden, Störungen der Herzfunktion, Venenthrombose, unnormale Leberwerte und Lungenentzündung sind Nebenwirkungen, die je nach Schweregrad eine Verminderung der Binimetinib-Dosis, eine Therapiepause oder auch den Behandlungsabbruch verlangen. Der Arzt wird die Patienten mit solchen Beschwerden besonders sorgfältig überwachen und darüber entscheiden, welchen Fortgang die Therapie nehmen soll.

Welche Wechselwirkungen zeigt Binimetinib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Wirkung von Binimetinib kann durch das Tuberkulose-Mittel Rifampicin und das Antiepileptikum Phenobarbital abgeschwächt werden. Die virenhemmenden Mittel Indinavir und Atazanavir sowie das Zytostatikum Sorafenib können Wirkung und Nebenwirkungen verstärken.

Binimetinib selbst kann die Wirkung des Psychopharmakons Duloxetin und des Antiasthmatikums Theophyllin abschwächen. Zusammen mit dem Wirkstoff kann es bei dem Statin Pravastatin und dem Gyrasehemmer Ciprofloxacin zu mehr Nebenwirkungen kommen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Atembeschwerden, Sehstörungen, Muskelschmerzen und Hautausschläge sollten sofort dem behandelnden Arzt gemeldet werden.
  • Gebärfähige Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel benutzen, müssen während der Zeit der Behandlung mit Encorafenib und für mindestens einen Monat nach Einnahme der letzten Dosis eine zusätzliche oder alternative Methode wie ein Kondom oder Pessar anwenden.
  • Die Behandlung mit dem Medikament in Kombination mit Encorafenib sollte von einem erfahrenen Krebsarzt begonnen und begleitet werden.
  • Wenn es zu Sehstörungen kommt, können Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich sein.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Binimetinib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Binimetinib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Binimetinib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Binimetinib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Binimetinib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Binimetinib

Binimetinib wird in Kombination mit dem Zytostatikum Encorafenib eingesetzt, um schwarzen Hautkrebs bei erwachsenen Patienten zu behandeln. Voraussetzung ist, dass der Krebs eine bestimmte Veränderung des Erbguts aufweiset (BRAF-V600-Mutation) und entweder durch eine Operation nicht entfernt werden kann oder schon Tochtergeschwulste gebildet hat.

Vor der Einnahme von Binimetinib in Kombination mit Encorafenib muss bei den Patienten die Veränderung des BRAF-V600-Gens durch einen Test nachgewiesen worden sein.

Es gibt Patienten, bei denen der schwarze Hautkrebs bereits mit einem Hemmstoff der BRAF-Enzyme als alleinige Therapie behandelt wurde, dieser aber wiederkehrte. In solchen Fällen ist die Wirksamkeit der Kombination geringer.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Binimetinib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Binimetinib

Binimetinib gehört zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika. Der Wirkstoff hemmt die Aktivität von Enzymen (Kinasen), die innerhalb der Zellen an Signalwegen beteiligt sind. Auf diese Weise werden Signale aus der Umwelt der Zellen innerhalb der Zellen in solche übersetzt, welche dann Zellwachstum und -vermehrung anregen. Begünstigt wird die Aktivierung dieses Signalweges beim schwarzen Hautkrebs und anderen Krebsarten durch eine Veränderung im Erbgut, der sogenannten BRAF-V600-Mutation.

Die Kombination mit Encorafenib (einem Hemmstoff der BRAF-Enzyme) führt zu einer stärkeren krebshemmenden Wirkung.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.