Man sieht die Hand eines Babys, die den Finger eines Erwachsenen umschließt.
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Trisomie 18 (Edwards-Syndrom)

Bei Kindern mit Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) kommt es meist schon während der Schwangerschaft zu verzögertem Wachstum. Neugeborene sind oft zu leicht und weisen in unterschiedlichem Ausmaß Auffälligkeiten und Fehlbildungen auf.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Trisomie 18 (Edwards-Syndrom)

Was ist Trisomie 18?

Trisomie 18 ist eine schwere Entwicklungsstörung bei Kindern, die durch eine Chromosomenstörung verursacht wird. Bei den betroffenen Kindern ist das Chromosom 18 (oder Teile davon) dreifach statt zweifach in jeder Zelle vorhanden.

Warum nennt man Trisomie 18 auch Edwards-Syndrom?

Die Trisomie 18 nennt man nach ihrem Entdecker John Hilton Edwards auch Edwards-Syndrom. Der britische Humangenetiker beschrieb das Syndrom erstmals 1960 und erkannte den Zusammenhang mit dem dreifachen Vorkommen des Chromosoms 18.

Trisomie 18 (Edwards-Syndrom): Ursachen

Bei Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) liegt in den Körperzellen des Fötus das Chromosom 18 ganz oder in Teilen überzählig vor. Dadurch kommt es während der Schwangerschaft zu Entwicklungsstörungen beim Kind.

Was sind Chromosomen?

Als Chromosomen bezeichnet man Zellstrukturen, auf denen sich die Erbinformation befindet. Normalerweise hat jeder Mensch 23 Chromosomen-Paare in den einzelnen Zellen – insgesamt also 46 Chromosomen. Ist die Gesamtzahl der Chromosomen bei einem Menschen verändert, spricht man von einer Genom-Mutation.

Fehlverteilte Chromosomen führen zu Trisomie 18

Bei einer Trisomie 18 liegen die Ursachen

  • entweder in einem Fehler während der Zellteilung (Mitose)
  • oder in einem Fehler während der Reifeteilung (Meiose) der Keimzellen – also der späteren Eizellen und Samenzellen.

Ist das gesamte Chromosom 18 in allen Körperzellen dreifach vorhanden, geht die Trisomie 18 auf eine fehlerhafte Verteilung in den Keimzellen zurück. Im Regelfall enthalten Eizellen und Samenzellen jeweils einen einfachen Chromosomensatz, das heißt nur eine Ausführung der Chromosomen 1 bis 23. Bei der Befruchtung verschmelzen Eizelle und Samenzelle miteinander – die einfachen Chromosomensätze fügen sich zusammen. Wenn alles richtig läuft, besitzen alle Körperzellen später einen doppelten Chromosomensatz.

Enthält jedoch bereits die Ei- oder Samenzelle das Chromosom 18 oder Teile davon durch einen Verteilungsfehler doppelt, besitzen die Zellen nach der Befruchtung das Chromosom 18 beziehungsweise Teile davon nun in dreifacher Ausführung. Damit liegt eine Trisomie 18 vor und das Edwards-Syndrom zeigt sich im Laufe der Schwangerschaft und nach der Geburt. Ein solches Ereignis – die fehlerhafte Verteilung der Chromosomen – tritt zufällig auf.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Trisomie 18:

  • die freie Trisomie 18,
  • die Mosaik-Trisomie 18,
  • die partielle Trisomie 18 und
  • die Translokationstrisomie 18.

Freie Trisomie 18

Bei einer freien Trisomie 18 liegt das gesamte Chromosom 18 in allen Körperzellen in dreifach statt zweifach vor.

Mosaik-Trisomie 18

Bei einer Mosaik-Trisomie 18 haben die Betroffenen nur in einigen Körperzellen eine dritte Kopie von Chromosom 18, während andere Körperzellen ganz normal sind.

Wie schwerwiegend die Symptome beim Betroffenen ausfallen, hängt davon ab, in welchen und in wie vielen Zellen das Chromosom 18 dreifach vorkommt. Diese Art von Trisomie 18 kann deshalb sehr unterschiedliche Folgen haben und die Entwicklung des Kindes kaum bis sehr stark beeinträchtigen.

Partielle Trisomie 18

Bei einer partiellen Trisomie 18 kommt an einem Chromosom des Chromosomenpaars 18 ein Teil des Erbmaterials doppelt vor. Dadurch gibt es in den Körperzellen zwar ganz normal zwei Kopien von Chromosom 18, zusätzlich aber auch noch etwas überzähliges Erbmaterial von Chromosom 18.

Das heißt, nur ein bestimmter Teil von Chromosom 18 liegt nun dreifach vor. Je nachdem, welche Bereiche dreifach vorliegen, können die Symptome bei den Betroffenen schwerer oder milder ausfallen.

Translokationstrisomie 18

Bei einer Translokationstrisomie 18 (Translokation = Ortsveränderung, Versetzung) heftet sich ein Stück von Chromosom 18 an ein anderes Chromosom.

Da bei solch einer Translokationstrisomie 18 kein genetisches Material verloren geht oder überzählig ist, hat sie zunächst keine Auswirkungen auf das Kind. Denn die komplette Information des Chromosoms 18 bleibt der Zelle hierbei im Prinzip erhalten. Allerdings kann der genetische Fehler an die Nachkommen weitergegeben werden und bei ihnen zum Edwards-Syndrom führen. Bei dieser besonderen Variante der Trisomie 18, die sehr selten vorkommt, kann daher ein Elternteil Überträger der Erkrankung sein.

Häufigkeit

Liegt bei einem Kind während der Schwangerschaft eine Trisomie 18 vor, reift der Fötus nur in 5 von 100 Fällen so weit heran, dass es auch zu einer Lebendgeburt kommt. Bei lebend geborenen Kindern tritt das Edwards-Syndrom mit einer Häufigkeit von etwa 1:6.000 bis 1:8000 vor. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen, weil sie die mit der Erkrankung einhergehenden Entwicklungsstörungen häufiger überleben. Die Gründe dafür sind unbekannt.

Freie Trisomie 18

Bei den meisten Kindern mit Edwards-Syndrom liegt eine freie Trisomie 18 vor. Eltern eines Kindes mit freier Trisomie 18 haben keine höhere Wahrscheinlichkeit, erneut ein Kind mit Edwards-Syndrom zu bekommen. Das Risiko einer freien Trisomie 18 beim Kind steigt allerdings mit dem Alter der werdenden Mutter an.

Mosaik-Trisomie 18 und partielle Trisomie 18

Nur in etwa einem von zehn Fällen mit Edwards-Syndrom handelt es sich um eine Mosaik-Trisomie 18. In etwa fünf von zehn Fällen liegt eine partielle Trisomie 18 vor.

Translokationstrisomie 18

Eine Translokationstrisomie 18 kommt so selten vor, dass sie statistisch kaum erfasst ist. Lässt sich jedoch bei einem Elternteil eine Translokation mit dem Chromosom 18 nachweisen, liegt die Wahrscheinlichkeit für weitere Kinder mit Edwards-Syndrom bei ihnen bei 25 Prozent.

Trisomie 18 (Edwards-Syndrom): Symptome

Bei einer Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) kann die Art der Symptome und deren Ausmaß sehr unterschiedlich sein. Wie sich die Erkrankung im Einzelfall äußert, hängt vor allem davon ab, um welche Form der Trisomie 18 es sich handelt:

  • Am schwersten fällt die Entwicklungsstörung bei der häufigsten Form aus, der freien Trisomie 18. Denn dann liegt in allen Körperzellen das Chromosom 18 überzählig vor.
  • Eine Mosaik-Trisomie 18 hat in manchen Fällen starke Auswirkungen auf das Kind, in anderen kaum einen Effekt.
  • Bei einer partiellen Trisomie 18 hängen die Symptome und deren Ausmaß davon ab, welche Abschnitte des Chromosoms 18 dreifach vorkommen.

Da die häufigste Form die freie Trisomie 18 ist, geht die Entwicklungsstörung bei den meisten Betroffenen mit zahlreichen Auffälligkeiten und Fehlbildungen einher, die sowohl das äußere Erscheinungsbild als auch die inneren Organe betreffen. Der Entwicklungsrückstand beginnt bereits während der Schwangerschaft im Mutterleib. Neugeborene mit Trisomie 18 sind bei der Geburt meist stark untergewichtig.

Typisch sind für Neugeborene mit Edwards-Syndrom zudem diese körperlichen Merkmale:

  • zu kleiner Kopf
  • kleine Mund-Kinn-Region
  • weit nach hinten ausladender Hinterkopf
  • kurze Augenlidspalten
  • vorgewölbte Stirn

Bei einer Trisomie 18 können außerdem folgende Symptome auftreten:

  • Augenfehlbildungen
  • Lippen- und Gaumenspalten
  • Fehlhaltung der Finger (Hände zu Fäusten geballt, Zeigefinger liegt über drittem und viertem Finger)
  • verändertes Skelett, zum Beispiel fehlende Rippen oder fehlgebildete Wirbel
  • deformierte Füße (wie Klumpfüße, vorspringende Ferse, verkürzte Großzehen)
  • Organfehlbildungen vor allem Herz (Defekte in der Herzscheidewand) sowie Nieren und Harnleiter, Magen-Darm-Trakt und Gehirn sind betroffen
  • Beeinträchtigungen der Denkleistung

Trisomie 18 (Edwards-Syndrom): Diagnose

Bei einer Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) stellt der Frauenarzt die Diagnose in der Regel bereits vor der Geburt des Kindes. Auffälligkeiten während der Schwangerschaft, zum Beispiel verminderte Kindsbewegungen oder Wachstumsverzögerungen, sind meist Anlass für eine umfassende Ultraschalluntersuchung. Entdeckt der Arzt dabei weitere Hinweise auf eine Trisomie 18, wird er einen genetischen Test veranlassen.

Für die Pränataldiagnostik entnimmt der Frauenarzt mit einer feinen Kanüle durch die Bauchdecke der Mutter etwas Fruchtwasser für eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Gewebeprobe der Plazenta für eine Chorionzottenbiopsie.

Beide Proben enthalten Zellen, bei denen nun eine Chromosomenbestimmung zeigen kann, wie oft das Chromosom 18 vorkommt. Auch die Art der Trisomie 18 lässt sich hierbei feststellen. Eine vorgeburtliche Chromosomenanalyse steht in Deutschland allen Frauen ab 35 Jahren als freiwillige Routineuntersuchung zu.

Trisomie 18 (Edwards-Syndrom): Therapie

Bei Kindern mit Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) gibt es derzeit keine Möglichkeit, die Ursachen der Erkrankung zu behandeln. Dennoch gibt es Wege, den oft schwerkranken Kindern bestmöglich zu helfen und zu einer möglichst hohen Lebensqualität beizutragen. Insgesamt richtet sich die Behandlung jeweils danach, wie schwer die Symptome im Einzelfall sind.

Ein Teil der Behandlung wird sich vor allem darauf konzentrieren, gesundheitliche Aspekte zu behandeln, die das Leben des Kindes bedrohen (wie Herzprobleme oder Infektionen). Organfehlbildungen wie etwa ein Herzfehler lassen sich häufig operativ beheben. Sollte die Nahrungsaufnahme ein Problem sein, kann eine Magensonde dabei helfen, das Kind zu ernähren. Schränken Fehlbildungen der Hände oder Füße die Bewegungen des Kindes ein, können Physiotherapie und Ergotherapie hilfreich sein.

Trisomie 18 (Edwards-Syndrom): Verlauf

Bei einer Trisomie 18 (Edwards-Syndrom) hängt der Verlauf von Ausmaß und Schwere der Symptome ab.

Lebenserwartung

In der Regel ist die Lebenserwartung der Kinder stark verkürzt. Die Lebenserwartung der meisten lebend geborenen Kinder mit Edwards-Syndrom liegt zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen. Nur in manchen Fällen leben die betroffenen Kinder Monate bis wenige Jahre: Etwa jedes zehnte Kind mit Trisomie 18 wird bis zu zehn Jahre alt oder älter.

Bei einer Mosaik-Trisomie 18 ist der Verlauf oft milder. Die genaue Prognose ist bei dieser Erkrankungsform davon abhängig, wie viele und welche Zellen einen normalen Chromosomensatz aufweisen.

Entwicklung der Kinder

Das Edward-Syndrom geht in den meisten Fällen mit einer schweren Behinderung einher. Einige Eltern, deren Kinder älter als ein Jahr wurden, berichten beispielsweise Folgendes: Im ersten Jahr gelang es den Kindern

  • Dinge zu verfolgen,
  • einfache Laute zu bilden,
  • auf die Seite zu rollen,
  • zu lächeln, wenn sie angelächelt wurden,
  • nach Gegenständen zu greifen,
  • ihnen bekannte Menschen wiederzuerkennen.

In den beiden Jahren danach konnten einige Kinder

  • gestützt oder frei sitzen,
  • sich merken, wo sich für sie interessante Dinge befinden,
  • andere in Ansätzen nachahmen,
  • Babyspiele mitmachen,
  • einfache Ansagen verstehen.

Vier- bis sechsjährige Kinder konnten zum Teil

  • krabbeln,
  • alleine spielen,
  • einfachen Aufforderungen folgen,
  • bei der Körperpflege helfen,
  • erkennen, wenn Dinge zusammenhängen,
  • Gesten einsetzen.

Von den ältesten Kindern konnten einige

  • mithilfe einer Lauflernhilfe laufen,
  • einfache Aufforderungen verstehen,
  • nur vereinzelt frei laufen oder sich sprachlich verständigen.

(Quelle: Sarimski, K.: Entwicklungspsychologie genetischer Syndrome. Hogrefe Verlag, Göttingen 2014)