Nintedanib

Allgemeines

Nintedanib wird bei Erwachsenen zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose angewendet. Bei dieser Erkrankung wandelt sich das funktionsfähige Lungengewebe in funktionsunfähiges Bindegewebe um. Eine Ursache für diese Umwandlung ist nicht erkennbar. Die Folge sind massive Atembeschwerden.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • das Enzym Tyrosinkinase hemmen
  • verschiedene Wachstumsfaktoren blockieren
  • Umwandlung von Lungen- in Bindegewebe verhindern
  • Lungenfunktion erhalten

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Nintedanib im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Nintedanib nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Nintedanib darf der Wirkstoff nicht verwendet werden. Die Sicherheit und Wirksamkeit von Nintedanib wurden bei Patienten mit mittelschwerer (Child Pugh B) und schwerer (Child Pugh C) Leberfunktionsstörung nicht untersucht. Daher sollten solche Patienten den Wirkstoff nicht erhalten.

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff eingesetzt werden bei
  • Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko, einschließlich Patienten mit erblich bedingter Blutungsneigung oder Patienten, die Blutverdünner erhalten, weil Nintedanib die Gefäßinnenwände beeinflusst
  • Patienten mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschließlich solcher mit behandelter Durchblutungsstörung des Herzens selbst (Angina pectoris)
  • vorangegangenen Operationen im Bauchraum, weil der Wirkstoff die Heilung verzögern kann. Mit der Einnahme sollte frühestens vier Wochen nach dem Eingriff begonnen werden
  • chirurgischen Eingriffen ganz allgemein (die Behandlung darf nur nach weitgehender Wundheilung einsetzen oder wieder aufgenommen werden)
  • Herzrhythmusstörungen mit QT-Verlängerung, weil andere Wirkstoffe der Tyrosinkinasehemmer-Gruppe solche verschlimmert haben.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Nintedanib kann beim Menschen das Ungeborene schädigen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen daher während der Behandlung und bis mindestens drei Monate nach der letzten Dosis eine Schwangerschaft wirksam vermeiden.

Da die Wirkung von Nintedanib auf die in der "Pille" enthaltenen Hormone und deren Wirkung nicht untersucht wurde, sollten zusätzliche Methoden der Empfängnisverhütung (Kondom, Pessar) angewendet werden.

Tierstudien haben gezeigt, dass kleine Mengen von Nintedanib und seiner Abbauprodukte in die Milch von säugenden Ratten übergingen. Ein Risiko für das Neugeborene/Kleinkind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher muss das Stillen während der Behandlung mit dem Wirkstoff abgebrochen werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Nintedanib bei Kindern im Alter bis 18 Jahren ist nicht erwiesen. Dazu gibt es keine Studien und daher liegt die Anwendung bei dieser Altersgruppe im Ermessen des Arztes.

Welche Nebenwirkungen kann Nintedanib haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Nintedanib. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, erhöhte Leber-Enzym-Werte (ALAT, ASAT, Gamma-GT).

Häufige Nebenwirkungen:
Gewichtsverlust, Appetitverlust, Erbrechen, stark erhöhte Leberwerte.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Bluthochdruck, Bilirubin-Überschuss im Blut, alkalische Phosphatase im Blut erhöht.

Besonderheiten:
Durchfall sollte bei den ersten Anzeichen mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr und entsprechenden Wirkstoffen wie beispielsweise Loperamid behandelt werden. Die Nebenwirkung kann eine Unterbrechung der Behandlung oder einer Dosisverminderung erfordern. Bei anhaltendem, schwerem Durchfall trotz Behandlung wird der Arzt die Therapie mit Nintedanib abbrechen. Gleiches gilt, wenn anhaltend Übelkeit und Erbrechen auftreten.

Frauen scheinen ein erhöhtes Risiko für die Entgleisung der Leberwerte zu haben. Der Arzt wird die Leberwerte vor Beginn und regelmäßig während einer Nintedanib-Behandlung überprüfen. Entsprechend dem Ergebnis muss die Dosis verringert oder die Behandlung sogar abgebrochen werden.

Eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks ist nötig, um einen durch die Therapie ausgelösten Bluthochdruck frühzeitig zu erkennen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Nintedanib?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Nintedanib wird durch ein spezielles Enzymsystem abgebaut, das durch andere Wirkstoffe aktiviert oder gehemmt werden kann.

Bei gleichzeitiger Anwendung mit dem Pilzmittel Ketoconazol, dem Makrolid-Antibiotikum Erythromycin oder Ciclosporin (gegen Organabstoßungen) reichert sich Nintedanib im Körper an. Treten mehr Nebenwirkungen auf, wird der Arzt die Nintedanib-Dosis verrringern oder die Therapie sogar ganz abbrechen.

Bei Aktivierung des Enzymsystems beispielsweise durch das Tuberkulose-Mittel Rifampicin, die Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin oder das Antidepressivum Johanniskraut kann Nintedanib an Wirkung verlieren. Hier wird der Arzt nach anderen Begleit-Medikamenten suchen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Halten Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen trotz geeigneter Behandlung an, muss die Therapie mit dem Medikament abgebrochen werden.
  • Bei starker Erhöhung der Leberwerte wird der Arzt die Behandlung mit dem Medikament beenden.
  • Während der Behandlung sollte der Blutdruck regelmäßig überwacht werden.
  • Die Behandlung mit dem Medikament sollte nur von Ärzten begonnen werden, die Erfahrung mit der Diagnose und Behandlung der speziellen Art von Lungenfibrose oder von Krebserkrankungen haben.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Nintedanib?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Nintedanib enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform

So wirkt Nintedanib

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Nintedanib. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Nintedanib gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Nintedanib

Nintedanib wird bei Erwachsenen zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose angewendet. Bei dieser Erkrankung wandelt sich das funktionsfähige Lungengewebe in funktionsunfähiges Bindegewebe um. Eine Ursache für diese Umwandlung ist nicht erkennbar. Die Folge sind massive Atembeschwerden.

Des weiteren wird der Wirkstoff zur Bekämpfung des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses eingesetzt. Voraussetzung ist, dass dieser aus Schleimhautzellen entstanden ist und schon einer Chemotherapie widerstanden hat. Sollte der Krebs trotzdem weiter fortgeschritten oder wiedergekehrt sein oder sogar Tochtergeschwulste (Metastasen) gebildet haben, wird Nindetanib in Kombination mit dem Zytostatikum Docetaxel eingesetzt.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Nintedanib sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Nintedanib

Bei der Lungenfibrose wandeln sich die Lungenbläschen und damit Teile des funktionstüchtigen Organs in Faserzellen (Fibroblasten) um. Diese können nicht die Aufgabe der Lunge, die Sauerstoffaufnahme und Überführung desselben in das Blut, übernehmen. So werden mit fortschreitender Erkrankung immer weitere Teile der Lunge ausgeschaltet. An dem Prozeß der Umwandlung sind viele verschiedene Enzyme und Wachstumsfaktoren beteiligt.

Nintedanib ist ein Hemmstoff des Enzyms Tyrosinkinase. Er verhindert die Wirkung des Enzyms an mehreren Stellen des Körpers. So blockiert Nintedanib den von Blutplättchen abgeleiteten Rezeptor für die Wachstumsfaktoren alfa und beta, den Rezeptor für die Fibroblasten-Wachstumsfaktoren 1 bis 3 und für die Wachstumsfaktoren der Gefäßinnenwände. Außerdem hemmt Nintedanib noch weitere Enzyme, die an der Umwandlung von Lungen- in Bindegewebe beteiligt sind. In Versuchen an Lungenzellen konnte dem Wirkstoff eine starke Entzündungshemmung und eine starke Wirkung gegen die Bildung von Faserzellen (Fibroblasten) nachgewiesen werden.

Die Blockade der Tyrosinkinase liegt auch der krebshemmenden Wirkung von Nindetanib zugrunde. Sie verhindert die Neubildung von Schleimhautzellen und von Blutgefäßen, die das Krebsgewebe versorgen.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.