Fampridin

Allgemeines

Fampridin dient der Verbesserung der Geh­fähigkeit von erwachsenen Patienten mit Multipler Sklerose, die sich vor allem in einer Gehbe­hinderung äußert.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Reizempfänglichkeit von Nervenfasern verstärken
  • Weitereleitung von Nervenreizen an das Gehirn fördern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Fampridin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Fampridin nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen Fampridin darf der Wirkstoff nicht eingesetzt werden. Gleiches gilt bei Krampfanfällen in der Vor­geschichte oder Patienten, die gegen­wärtig an Krampfanfällen leiden. Auch Patienten mit leichter, mäßiger oder schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 80 Milliliter/Minute).

Fampridin ist bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen nur mit ärztlicher Vorsicht anzuwenden, da es für diese Patientengruppe nur begrenzte Informationen zur Sicherheit des Wirkstoffs gibt.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt nicht genügend Studien mit Fampridin bei Schwangeren, um die Sicherheit und Wirkung zu beurteilen. Daher sollte während Schwangerschaft und Stillzeit kein Fampridin eingenommen werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bisher gibt es keine Studien mit Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre, in denen Fampridin eingesetzt wurde. Zu Wirkung und Sicherheit in dieser Altersgruppe können daher keine Aussagen gemacht werden.

Welche Nebenwirkungen kann Fampridin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Fampridin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Harnwegsinfektionen.

Häufige Nebenwirkungen:
Schlaflosigkeit, Angst, Schwindel, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörung, nervliche Missempfindung in Armen und Beinen, Zittern, Atembeschwerden, Hals- und Rachenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Verdauuungsstörungen, Rückenschmerzen, Schwäche.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Krampfanfall.

Besonderheiten:
Der Wirkstoff muss bei Patienten, die wäh­rend der Behandlung einen Krampfan­fall erleiden, abgesetzt werden.

Fampridin wird hauptsächlich unverän­dert über die Nieren ausgeschieden. Da eine Nierenfunktionsstörung zu mehr Nebenwirkungen führen kann, ist die Bestimmung der Nierenfunktion vor der Behandlung und ihre regelmäßige ärztliche Kontrolle während der Behandlung wichtig.

Das vermehrte Auftreten von Schwin­del und Gleichgewichtsstörungen in den ersten vier bis acht Behand­lungswochen kann zu einem erhöhten Sturzrisiko führen. Patienten, die Geh­hilfen benutzen, sollten diese bei Bedarf auch weiterhin verwenden.

Welche Wechselwirkungen zeigt Fampridin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gleichzeitige Behandlung mit an­deren Fampridin-Präparaten ist verboten.

Fampridin wird überwiegend über die Nieren ausgeschieden, wobei ein bestimmtes Enzym (OCT2) eine bedeutende Rolle spielt. Die gleichzeitige Behandlung mit Fampridin und Wirkstoffen, die dieses Enzym behindern, wie das Magenmittel Cimetidin, ist verboten. Auch andere Substanzen, die ebenfalls von OCT2 abgebaut werden, wie die Betablocker Carvedilol und Pro­pranolol und das orale Antidiabetikum Metformin, sollten nicht zusammen mit Fampridin angewendet werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Fampridin mit Interferon ­beta, einem anderen Mittel gegen Multiple Sklerose, oder dem Muskelrelaxans Baclofen ist hingegen unproblematisch.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Die Behandlung mit dem Medikament muss durch einen in der Behandlung von MS erfahrenen Arzt überwacht werden.
  • Vor der Behandlung und regelmäßig währenddessen ist eine ärztliche Kontrolle der Nierenfunktion wichtig.
  • Treten wäh­rend der Behandlung Krampfanfälle auf, ist die Therapie zu beenden.
  • Das Medikament kann Schwindel hervorrufen, der Autofahren und das Bedienen von Maschinen gefährlich macht.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Fampridin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Fampridin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

Medikament
Darreichungsform
Retardtabletten

So wirkt Fampridin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Fampridin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Fampridin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Fampridin

Fampridin dient der Verbesserung der Geh­fähigkeit von erwachsenen Patienten mit Multipler Sklerose, die sich vor allem in einer Gehbe­hinderung äußert.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Fampridin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Fampridin

Jegliche Reizleitung entlang der Nerven ist eine elektrische Funktion. Außerhalb der Nervenzelle herrschen andere Bedingungen als drinnen. Im Innenraum überwiegen negativ geladene Eiweiße mit daran gebundenen positiven Kalium-Ionen. Außen sind positive Natrium-Ionen und negativ geladene Chlorid-Ionen, aber keine Kalium-Ionen. Die Kalium-Ionen können sich als einzige im Ruhezustand der Nervenzelle frei in den sogenannten Kaliumkanälen durch die Zellwand bewegen und versuchen daher, den Mangel an Kalium im Außenraum auszugleichen. Dadurch entsteht im Inneren der Zelle im Ruhezustand (Ruhepotential) eine leicht negative Ladung, während außen die positive Ladung überwiegt.

Erreicht nun ein Reiz die Nervenzelle, öffnen sich Natriumkanäle in der Zellwand und sie wird auch für positiv geladene Natrium-Ionen durchlässig. Diese strömen ein, fehlen dann außen und die Ladung von Nerveninnenraum und Umgebung kehrt sich um. Dies ist das sogenannte Aktionspotential. Hat die Natriumkonzentration im Nerveninnern ein bestimmtes Maß überschritten, schließen sich die Natriumkanäle gegen außen. Eine Natriumpumpe schafft die Ionen wieder aus der Zelle hinaus, während vermehrt Kalium-Ionen einströmen. So wird der Zustand des Ruhepotentials wieder hergestellt.

Fampridin ist ein Kaliumkanalblocker. Durch Blockierung der Kaliumkanäle verringert Fampridin das Austreten von Kalium-Ionen durch diese Kanäle. Dadurch verstärkt der Wirkstoff die Reizphase der Nervenfaser und ihre Funktion. Vermutlich werden durch die Verstärkung der Aktionspotentiale mehr Reize im zentralen Ner­vensystem weitergeleitet.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.