Hirsutismus und Hypertrichose: Verstärkte Behaarung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (02. Februar 2018)

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Nahezu überall auf der Haut befinden sich Haare – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Manchmal geht die Behaarung über ein natürliches Maß hinaus. Je nach Art und Ursache sprechen Ärzte dann von Hirsutismus oder Hypertrichose.

In Sachen Körperbehaarung gibt es beim Menschen große Unterschiede. Männer sind zum Beispiel an bestimmten Bereichen deutlich stärker und dichter behaart als Frauen, so zum Beispiel  an der Brust, an den Innenseiten der Oberschenkel und im Oberlippen- und Kinnbereich des Gesichts.

Und auch die ethnische Herkunft spielt eine Rolle. Asiaten oder Afrikaner haben etwa eine andere Körperbehaarung als Europäer. In einzelnen Familien beobachtet man ebenfalls oft ein typisches Behaarungsmuster.

Unterschiedliche Behaarungstypen sind zunächst einmal ganz normal. Ist die Behaarung jedoch übermäßig stark ausgeprägt, könnte es sich um eine Hypertrichose oder einen Hirsutismus handeln.

Hirsutismus und Hypertrichose: Das sind die Unterschiede

Was ist Hirsutismus?

Hirsutismus tritt ausschließlich bei Frauen auf. Die verstärkte Körperbehaarung entspricht dabei dem typisch männlichen Behaarungsmuster. Das bedeutet: Betroffen sind vor allem Bereiche wie

  • Kinn,
  • Oberlippe,
  • Brust,
  • Schamregion und
  • die Oberschenkelinnenseiten.

Neben der verstärkten Behaarung können weitere Symptome einer "Vermännlichung" auftreten, so zum Beispiel eine dunklere Stimme oder typisch männlicher Haarausfall. In diesem Fall sprechen Ärzte nicht von Hirsutismus, sondern von einer Vermännlichung (auch Androgenisierung oder Virilisierung).

Was ist eine Hypertrichose?

Die Hypertrichose kommt im Gegensatz zum Hirsutismus sowohl bei Frauen als auch bei Männern vor. Dabei wachsen über den ganzen Körper verteilt (diffus) oder an bestimmten Stellen (lokalisiert) verstärkt Haare. Die Behaarung ist stärker, als sie normalerweise Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft entspricht.

Die Behaarung entspricht anders als beim Hirsutismus keinem typisch männlichen Behaarungsmuster. Vielmehr sind bei einer Hypertrichose oft andere Körperregionen vermehrt behaart, so zum Beispiel der Rücken.

Man sieht einen Mann mit Hypertrichose. © Okapia

Beim Hirsutismus wachsen über den ganzen Körper verteilt (diffus) oder an bestimmten Stellen (lokalisiert) verstärkt Haare. © Neufried/OKAPIA

Hirsutismus & Hypertrichose: Ursachen

Eine verstärkte Behaarung (Hypertrichose, Hirsutismus) kann zahlreiche Ursachen haben. Sie kann harmlos sein – sie kann aber auch auf eine Erkrankung hinweisen.

Ursachen von Hirsutismus

Der nur bei Frauen auftretende Hirsutismus zeigt sich an Stellen, die normalerweise beim Mann stark behaart sind, so zum Beispiel am Kinn oder an der Brust. Auslöser sind männliche Geschlechtshormone, die Androgene.

Dass Frauen männliche Geschlechtshormone haben, ist zunächst einmal ganz normal. Sind die Androgene allerdings im Übermaß vorhanden, kann dies unter anderem zu übermäßigem Haarwuchs führen.

In neun von zehn Fällen bleibt die Ursache der verstärkten männlichen Behaarung bei Frauen unbekannt (sog. idiopathischer Hirsutismus).

In manchen Familien und Kulturen kommt eine verstärkte Körperbehaarung gehäuft vor. Die Haarfollikel reagieren vermutlich auf das männliche Hormon Testosteron besonders empfindlich. Diese Veranlagung ist nicht gefährlich, kann jedoch kosmetisch störend sein.

Nur selten kann der Arzt eine eindeutige Ursache für den Hirsutismus finden. Zu möglichen Ursachen zählen zum Beispiel:

Ursachen einer Hypertrichose

Eine Hypertrichose, also eine verstärkte Behaarung, die nicht dem typischen männlichen Behaarungsmuster entspricht, ist häufig angeboren. In vielen Fällen ist sie harmlos und stellt höchstens ein kosmetisches Problem dar.

Hypertrichose an einzelnen Hautbereichen

Eine Hypertrichose, die einen umschriebenen einzelnen Hautbereich umfasst, kann angeboren sein. So können etwa alle Muttermale von Geburt an verstärkt behaart sein (z.B. beim sog. Naevus pigmentosus et pilosus). Auch ist es möglich, dass sich auf einem bestehenden Pigmentfleck im Laufe der Pubertät verstärkt Haare bilden (sog. Becker-Melanose).

Aber auch, wenn eine Hautpartie verschiedenen Belastungen ausgesetzt wird, kann eine Hypertrichose entstehen, so zum Beispiel durch

  • Entzündungen/Hautreizungen
  • Verletzungen
  • mechanischen Belastungen
  • die Behandlung mit Salben/Cremes, die Glukokortikoide enthalten

Die vermehrte Behaarung bildet sich dann nach einiger Zeit wieder von allein zurück.

Diffuse Hypertrichose

Wenn der verstärkte Haarwuchs eher diffus an verschiedenen Körperstellen auftritt, kommen ebenfalls verschiedene Ursachen infrage, so zum Beispiel:

Werwolf-Syndrom: Extremer Haarwuchs

Sehr selten ist die genetisch bedingte Hypertrichosis lanuginosa congenita. Der Körper eines Ungeborenen ist normalerweise von einem feinen, schützenden Flaum bedeckt: dem Lanugo- oder Wollhaar. Gegen Ende der Schwangerschaft fallen diese Haare in der Regel nach und nach aus und werden durch andere Haartypen ersetzt. Nicht so bei der Hypertrichosis lanuginosa congenita: Die Lanugohaare bleiben bestehen. Im Laufe der Zeit werden die feinen Lanugohaare bis zu zehn Zentimeter lang. Weil die Haare den kompletten Körper bedecken, spricht man landläufig auch vom Werwolf-Syndrom.

Hirsutismus & Hypertrichose: Diagnose

Bei plötzlicher verstärkter Behaarung (Hirsutismus bzw. Hypertrichose) wird der Arzt Ihnen beispielsweise folgende Fragen stellen:

  • Wann ist der vermehrte Haarwuchs aufgetreten bzw. wann haben Sie die starke Körperbehaarung bemerkt?
  • Sind weitere (weibliche) Familienmitglieder stark behaart?
  • Haben Sie weitere Beschwerden?
  • Nehmen Sie Medikamente ein und wenn ja, welche?

Im Rahmen einer gründlichen körperlichen Untersuchung wird der Arzt die Behaarung des gesamten Körpers begutachten.

Anschließend sind Blutuntersuchungen und Labortests erforderlich. Der Mediziner lässt beispielsweise die Konzentrationen verschiedener Hormone (Androgene, Hypophysen- oder Nebennierenrinden-Hormone) ermitteln.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, können weitere Untersuchungen nötig sein, so zum Beispiel:

Hirsutismus & Hypertrichose: Behandlung

Ob eine verstärkte Behaarung (Hirsutismus bzw. Hypertrichose) behandelt werden muss und welche Behandlung am besten geeignet ist, hängt unter anderem von der Ursache ab. Einige Beispiele:

  • Ist ein hormonproduzierender Tumor für die verstärkte Behaarung verantwortlich, kann etwa eine Operation nötig sein.
  • Medikamente, die als Nebenwirkung eine vermehrte Behaarung verursachen, können in Rücksprache mit dem Arzt unter Umständen abgesetzt werden.
  • In einigen Fällen lässt sich eine verstärkte Behaarung auch durch eine Hormontherapie behandeln, um beispielsweise die Bildung und die Wirkung von männlichen Geschlechtshormonen zu unterdrücken.

Treten Hirsutismus oder Hypertrichose plötzlich auf, sollte in jedem Fall ein Arzt die Ursache der Veränderung abklären. Er kann Erkrankungen wie etwa einen hormonproduzierenden Tumor, eine Schilddrüsenunterfunktion oder andere hormonelle Ursachen ausschließen oder möglichst früh erkennen.

Verstärkte Behaarung als kosmetisches Problem

Eine übermäßige Körperbehaarung muss nicht immer zwingend behandelt werden. Viele Betroffene empfinden sie jedoch als störend. Um übermäßige Haare zu beseitigen, können Sie diese kurzfristig durch eine Rasur oder längerfristig

  • durch Auszupfen (Epilation),
  • Bleichen oder
  • Elektroepilation (elektrische Verödung der Haarwurzel)

entfernen.

Hirsutismus & Hypertrichose: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Hirsutismus & Hypertrichose":


Quellen:

Altmeyer, P.: Die Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin (Abrufdatum: 20.7.2016)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2018

Hirsutismus. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 27.10.2017)

Hypertrichosis lanuginosa congenita. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 24.5.2017)

Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten. Thieme, Stuttgart 2012
Sterry, W., et al.: Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2011

Stand: 2. Februar 2018

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