Gesundheitsrisiko Tampon: Das toxische Schocksyndrom

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (11. Januar 2018)

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Kaum bekannt, aber lebensgefährlich: Das toxische Schocksyndrom (TSS) wird zwar in jeder Beilage zu Tampons erwähnt, doch kaum eine Frau scheint es zu kennen. Dabei ist es wichtig, die Symptome früh zu erkennen und das TSS behandeln zu lassen, um schwere Folgen zu vermeiden.

Daher ist es besonders ratsam, dass Eltern und Frauenärzte junge Frauen darüber aufklären, wie Tampons richtig verwendet werden und welche Risiken beim Gebrauch bestehen. Die Werbebranche könnte das unterstützen – bisher wird in der Werbung nur bei Medikamenten auf Risiken und Nebenwirkungen hingewiesen, nicht aber bei Hygieneartikeln wie Tampons.

Was ist das toxische Schocksyndrom (TSS)?

Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist ein akut lebensbedrohlicher Schockzustand. Da es zuerst im Zusammenhang mit der Verwendung von Tampons beschrieben wurde, ist es auch als Tamponkrankheit bekannt.

Für eine eindeutige Diagnose des toxischen Schocksyndroms müssen mindesten drei der folgenden Beschwerden vorliegen:

Woran erkennt man das toxische Schocksyndrom?

Häufige, jäh auftretende Symptome des toxischen Schocksyndroms sind:

Ein bis zwei Wochen nach Beginn der Krankheit kann sich die Haut insbesondere an Handflächen und Fußsohlen stark schuppen.

Weitere Beschwerden können sein:

  • Durchfall
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Muskelschmerzen und -krämpfe

Wer kann TSS bekommen?

Jeder Mensch kann ein toxisches Schocksyndrom entwickeln, sowohl Männer als auch Frauen, seltener auch Kinder.

Junge Frauen, die während der Menstruation Tampons verwenden, sind allerdings am häufigsten betroffen (92%) – wie das Model Lauren Wasser, das TSS knapp überlebt hat, dafür aber bereits ein Bein amputiert bekam und auch das zweite Bein verlieren wird.

Neun von zehn älteren Erwachsenen besitzen Antikörper gegen die Giftstoffe, daher kommt das toxische Schocksyndrom in dieser Personengruppe deutlich seltener vor.

Wie entsteht TSS?

TSS kann entstehen, wenn bestimmte Stämme der Bakterienart Staphylococcus aureus Giftstoffe (Toxine) produzieren, die dann über das Blut im Körper verteilt werden und die typischen Symptome verursachen.

Staphylococcus aureus ist ein Bakterium, das in geringer Zahl immer auf der menschlichen Haut und den Schleimhäuten (entsprechend auch in der Vaginalschleimhaut) vorkommt. Problematisch wird es, wenn die Keime sich übermäßig vermehren und Giftstoffe produzieren.

Beste Voraussetzung dafür bildet beispielsweise ein Tampon, der zu lange im Körper bleibt und Blut und Keime in der Vagina aufstaut. Das und die Wärme und Feuchtigkeit in der Scheide bieten für Bakterien optimale Bedingungen, sich zu vermehren.

TSS kann aber auch entstehen, wenn Staphylococcus aureus sich aufgrund anderer Ursachen vermehrt und Toxine bildet. Das kann (selten) vorkommen:

Welche Gefahr stellt TSS dar?

Frauen mit TSS fühlen sich plötzlich schwer krank, meist vermuten sie dahinter eine Grippe oder schwere Erkältung – mit der Folge, dass sie versuchen, sich durch Bettruhe auszukurieren.

Das kann aber nach hinten losgehen:

  • Zum einen kann es passieren, dass der gerade verwendete Tampon zu lange im Körper bleibt, weil die Kranke den Zeitpunkt zum Wechseln schlichtweg verschläft.
  • Außerdem verschlechtert sich der Zustand meist rasant, sodass es immer schwieriger wird, selbstständig einen Arzt aufzusuchen.

Im Verlauf der Erkrankung können Leber- und Nierenfunktion beeinträchtigt sein – bis hin zum völligen Versagen. Die Hautschuppungen können zunehmen und sich entzünden, es kann Wundbrand entstehen.

Im schlimmsten Fall verläuft das toxische Schocksyndrom innerhalb kürzester Zeit tödlich.

Wie kann man sich vor TSS schützen?

Die allerwichtigste Regel: Hygiene!

  • Lassen Sie Tampons nicht offen herumliegen, sondern verwenden Sie sie direkt nach dem Öffnen.
  • Reinigen Sie Gegenstände wie Diaphragmen, Menstruationstassen usw. vor dem Verwenden.

Weitere wichtige Tipps:

  • Lesen Sie Beipackzettel und Anleitungen (z.B. von Tampons und Menstruationstassen) unbedingt gründlich durch.
  • Wechseln Sie Tampons regelmäßig, spätestens nach vier Stunden.
  • Verwenden Sie nur Tampons, die zur aktuellen Stärke der Periode passen, damit beim Entfernen keine Wattereste in der Vagina verbleiben.
  • Wechseln Sie kurz vor dem Schlafengehen noch einmal den Tampon oder verwenden Sie am besten nachts Binden.
  • Verzichten Sie auf superabsorbierende Tampons.

Wenn Sie Symptome eines TSS bei sich beobachten:

  • Entfernen Sie den Tampon / die Menstruationstasse.
  • Suchen Sie umgehend einen Arzt auf oder, je nach Zustand, rufen Sie einen Notarzt.

Das sollten Eltern von Mädchen beachten:

Besprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Tochter, wie Tampons richtig verwendet werden und welche Risiken sie mit sich bringen können. Weisen Sie darauf hin, dass Tampons regelmäßig gewechselt werden müssen.

Wie wird das toxische Schocksyndrom behandelt?

TSS muss umgehend intensivmedizinisch behandelt werden. Antibiotika sind hier unerlässlich, meist in Form von Clindamycin, kombiniert mit Flucloxacillin oder Cefazolin. Immunglobuline können das Immunsystem unterstützen.

Hautstellen, die schwer infiziert oder bereits abgestorben sind, müssen entfernt werden.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Wie gefährlich ist der Krankheitserreger Staphylococcus aureus?
Die 6 besten Tipps zur Intimhygiene
Menstruationstassen: Besser als Tampons?

Quellen:

This model lost her leg because of toxic shock syndrome. Here's what she wants you to know. Online-Informationen der Washington Post: www.washingtonpost.com (Stand: 20.12.2017)

Tampons & Menstruationstassen. Online-Informationen von ÖKO-Test: www.oekotest.de (Stand: 26.10.2017)

Toxisches Schocksyndrom. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 14.7.2017)

Staphylokokken-Erkrankungen, insbesondere Infektionen durch MRSA. Online-Informationen des Robert Koch Instituts (RKI): www.rki.de (Stand: 19.5.2016)

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Diagnostik und Therapie Staphylococcus aureus bedingter Infektionen der Haut und Schleimhäute. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/038 (Stand: 1.4.2011)



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