Lungenödem: So gefährlich ist Wasser in der Lunge
Ein Lungenödem kann schlimmstenfalls tödliche Folgen haben. Rechtzeitig diagnostiziert, lässt sich Wasser in der Lunge jedoch in der Regel gut behandeln. Deshalb ist es wichtig, bei Symptomen ärztlichen Rat einzuholen. Erfahren Sie, wann Wasser in der Lunge gefährlich wird, welche Beschwerden ein Lungenödem hervorruft und wie die Überlebenschancen sind.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
FAQ: Häufige Fragen und Antworten zum Lungenödem
Bei einem Lungenödem kommt es zu einer vermehrten Flüssigkeitsansammlung in der Lunge. Es handelt sich hierbei eigentlich nicht um Wasser, sondern um Blutplasma. Häufigste Ursachen sind Herzerkrankungen wie eine Linksherzinsuffizienz oder Bergsteigen in über 3.000 Höhenmetern.
Bereits geringe Mengen an Wasser können gefährlich sein, da Flüssigkeit den Sauerstoffaustausch in der Lunge stört. Erste Anzeichen wie eine erschwerte Atmung, Atemgeräusche oder Hustenattacken sollten deshalb immer ärztlich untersucht werden.
Wird ein Lungenödem rechtzeitig diagnostiziert und behandelt, ist die Prognose in der Regel gut. Ohne Behandlung verläuft die Erkrankung tödlich.
Menschen mit Wasser in der Lunge müssen umgehend ärztlich behandelt werden, da es sich um einen medizinischen Notfall handelt. Meist erfolgt die Therapie eines Lungenödems im Krankenhaus.
Die genaue Dauer des Krankenhausaufenthalts lässt sich pauschal nicht vorhersagen, da diese beispielsweise auch von der Grunderkrankung abhängt.
Wasser in der Lunge: Was ist ein Lungenödem?
Ein Lungenödem ist eine krankhafte Flüssigkeitsansammlung in der Lunge. Umgangssprachlich ist auch die Rede von "Wasser in der Lunge". Korrekterweise handelt es sich jedoch nicht um Wasser, sondern um Blutplasma. Dieser flüssige Bestandteil des Blutes kann aus den Lungengefäßen austreten und sich im Lungengewebe, vor allem in den Lungenbläschen (Alveolen) ansammeln.
Die Ursachen eines Lungenödems sind vielfältig, die Folgen mitunter lebensgefährlich. Denn aufgrund der angestauten Flüssigkeit kann kein Sauerstoff mehr durch die Lungenbläschen ins Blut gelangen. Es droht eine Unterversorgung mit Sauerstoff im Körpergewebe.
Ein Lungenödem ist deshalb ein medizinischer Notfall, der unbehandelt einen Atemstillstand und weitere ernste Komplikationen wie Multiorganversagen nach sich ziehen kann.
Lungenödem: Welche Symptome sind möglich?
Je nachdem, wie fortgeschritten das Lungenödem ist, unterscheiden sich die Symptome. Das Hauptsymptom von Wasser in der Lunge ist plötzlich auftretende Atemnot. Mitunter ist die Luftnot so stark ausgeprägt, dass Betroffene Erstickungsängste verspüren.
Tritt das Lungenödem plötzlich auf, sind zudem diese Symptome möglich:
- Hustenattacken
- Husten mit weißlichem, schaumigem, teils blutigem Auswurf (in schweren Fällen)
- Angstzustände, Unruhe
- schneller Puls
- blasse Haut
- Blaufärbung der Lippen, Schleimhäute, Finger, Zehen oder Nase (Zyanose)
- Atemgeräusche, vor allem Rasselgeräusche
- stärkere Beschwerden im Liegen (Orthopnoe)
Bei einem sich langsam entwickelnden Lungenödem sind die Symptome zunächst nur schwach ausgeprägt. Dann kommt es meist nur bei körperlicher Anstrengung zu Atemnot.
Lungenödem: Ursachen von Wasser in der Lunge
Verschiedene Erkrankungen und Einflüsse können zu Wasser in der Lunge führen. Die häufigste Ursache für ein Lungenödem ist eine Herzerkrankung (kardiales Lungenödem), seltener stecken andere Auslöser dahinter (nicht-kardiales Lungenödem). Auch eine Kombination verschiedener Ursachen ist möglich.
Kardiales Lungenödem
Bei einem kardialen Lungenödem kommt es durch Herzkrankheiten zu einem Austritt von Flüssigkeit. Ist das Herz zu schwach, um das Blut vollständig in den Körper zu pumpen, staut es sich von der linken Herzkammer zurück bis in die Lunge. Durch diesen Rückstau erhöht sich der Druck im Inneren der Blutgefäße der Lunge (Lungenkapillaren), Blutflüssigkeit wird ins Lungengewebe und Lungenbläschen gedrückt – ein Lungenödem kann die Folge sein.
Als häufigste Ursache hierfür gilt eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Darüber hinaus gibt es weitere Herzerkrankungen, die ein kardiales Lungenödem auslösen können:
- Herzinfarkt
- Herzklappenerkrankungen
- Herzrhythmusstörungen
- Herzmuskelentzündung
- Bluthochdruck
- Koronare Herzkrankheit (KHK)
Nicht-kardiales Lungenödem
Im Fall eines nicht-kardialen Lungenödems kommt es außerhalb des Herzens zu einer Ansammlung von Flüssigkeit. Sind beispielsweise Blutgefäßwände durchlässig, kann aus ihnen Flüssigkeit austreten und zu einem Ödem in der Lunge führen. Auch ein zu geringer Druck in den Lungenbläschen kann ursächlich sein.
Mögliche Auslöser dieser erhöhten Durchlässigkeit (Permeabilität) bei einem nicht-kardialen Lungenödem sind zum Beispiel:
Nierenerkrankungen: Bei einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) oder einem Nierenversagen können die Nieren weniger oder keine Flüssigkeit mehr aus dem Körper ausscheiden. Es kommt zu einer Ansammlung von Wasser im Körper und letztlich auch in der Lunge.
ARDS (englisch: acute respiratory distress syndrome): Dabei handelt es sich um ein akutes Lungenversagen, bei dem plötzlich Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in die Lunge austritt. Oft entsteht es durch eine schwere Lungenentzündung, eine Blutvergiftung (Sepsis) oder einen allergischen Schock (anaphylaktischer Schock). Seltener kann eine Narkose oder ein Schlaganfall zu ARDS mit einem derartigen Lungenödem führen.
Höhenkrankheit (Höhenlungenödem): Vor allem bei Menschen, die in über 3.000 Meter Höhe bergsteigen, können sich durch Sauerstoffmangel die Blutgefäße verengen. Aufgrund des dadurch erhöhten Drucks in den Gefäßen kann aus diesen Flüssigkeit austreten und ein Ödem in der Lunge entstehen.
Giftstoffe: Das Einatmen von Giftstoffen wie Rauchgas, Ozon oder Chlorgas kann die Lunge so stark schädigen, dass Flüssigkeit aus den Gefäßen austritt (toxisches Lungenödem).
Erkrankungen des Nervensystems: Zu einem neurogenen Lungenödem kann es infolge eines epileptischen Anfalls oder durch Hirnverletzungen kommen, etwa bei einem Schädel-Hirn-Trauma.
Ein Lungenödem kann auch im Zusammenhang mit einer Lungentransplantation, durch Lungenkrebs oder die Einnahme von Medikamenten entstehen.
Stadien: Einteilung von Lungenödem
Ein Lungenödem lässt sich je nach Schweregrad in vier Stadien einteilen:
Stadium I: Die Flüssigkeit fließt ins Lungengewebe, genauer gesagt in die Räume zwischen den Zellen des Lungengewebes (Interstitium). Diese Form wird auch als interstitielles Lungenödem bezeichnet.
Stadium II: Die Flüssigkeit gelangt in die Lungenbläschen und – im fortgeschrittenen Stadium – auch in die Bronchien (alveolares Lungenödem).
Stadium III: Bei großen Flüssigkeitsmengen staut sich die Flüssigkeit bis weit in die Bronchien hinein und es bildet sich ein weißlicher Schaum, den Betroffene meist abhusten.
Stadium IV: Durch einen unzureichenden Gasaustausch kommt es zur mangelnden Sauerstoffversorgung des Körpers. Mögliche Folge ist Atem- und Kreislaufstillstand (Asphyxie).
Wasser in der Lunge: Wie wird ein Lungenödem diagnostiziert?
Ein schweres Lungenödem kann tödlich enden, wenn es nicht rechtzeitig behandelt wird. Darum sollte bei den möglichen Symptomen sofort der Notruf (112) gewählt werden. Zunächst stellt die*der Ärztin*Arzt im Rahmen der Anamnese Fragen zu den Beschwerden und möglichen Vorerkrankungen. Um die Diagnose zu sichern, folgen meist weitere Untersuchungen wie:
- Abhören der Lunge
- Röntgen der Lunge
- Blutgasanalyse
- Blutuntersuchung
- Ultraschall des Herzens (Echokardiographie)
- Elektrokardiogramm (EKG)
Lungenödem: Behandlung bei Wasser in der Lunge
Der Therapieerfolg eines Lungenödems hängt maßgeblich davon ab, wie schnell die Behandlung im Krankenhaus erfolgt. Neben den notwendigen Akutmaßnahmen ist auch die Therapie der Grunderkrankung entscheidend.
Die Akutmaßnahmen zur Behandlung von Wasser in der Lunge umfassen folgende Punkte:
richtige Lagerung: Oberkörper hoch, Beine tief lagern. Dadurch sinkt der Druck in den Lungengefäßen und es wird weniger Flüssigkeit aus den Gefäßen ins Lungengewebe gepresst.
Sauerstoff: Die Sauerstoffgabe erfolgt über eine Nasensonde oder Gesichtsmaske. In schweren Fällen ist eine künstliche Beatmung mithilfe eines Beatmungsgeräts notwendig.
entwässernde Mittel: Zum Beispiel können durch die Gabe von Diuretika wie Furosemid die Nieren zur Flüssigkeitsausscheidung angeregt und letztlich das Herz entlastet werden.
Nitrate: Nitroglycerin hat eine gefäßerweiternde Wirkung und sorgt dafür, dass der Druck in den Lungengefäßen nachlässt.
weitere Arzneimittel: Beruhigungsmittel, Schmerzmittel oder Medikamente gegen Übelkeit können verabreicht werden.
Haben Giftstoffe das Lungenödem verursacht, erhalten Patient*innen kortisonhaltige Arzneimittel (Glukokortikoide) – entweder zum Inhalieren oder in schwereren Fällen als Injektion in die Vene.
Die langfristige Therapie richtet sich nach der Ursache. Chronische Erkrankungen, beispielsweise eine Herz- oder Niereninsuffizienz, erfordern eine dauerhafte Behandlung. Bei Nierenerkrankungen kann es notwendig sein, das Blut maschinell zu reinigen (Dialyse).
Lungenödem: Verlauf und Prognose bei Wasser in der Lunge
Menschen mit akutem, schwerem Lungenödem befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand, der tödlich enden kann. Die Prognose ist jedoch gut, sofern das Wasser in der Lunge schnell beseitigt wird. Oftmals erfordert dies einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus.
Der Verlauf bei einem Lungenödem hängt auch von der Therapie der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Beispielsweise müssen etwa 20 Prozent der Menschen mit Lungenödem durch Herzversagen in den folgenden zwölf Wochen wieder stationär behandelt werden.
Wie beeinflusst ein Lungenödem die Lebenserwartung?
Wie sich ein Lungenödem auf die Lebenserwartung auswirkt, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt vor allem von der Ursache und davon ab, wie schnell das Wasser in der Lunge behandelt wird.
In den meisten Fällen tritt das Lungenödem als Folge einer Herzschwäche auf. Bei dieser hängt die Lebenserwartung wiederum von verschiedenen Faktoren ab, etwa vom allgemeinen Gesundheitszustand und Alter der Betroffenen.
Lungenödem: Wie lässt sich Wasser in der Lunge vorbeugen?
Grundsätzlich gibt es keine Maßnahmen, um einem Lungenödem gezielt vorzubeugen. Jedoch kann den zugrunde liegenden Erkrankungen durch die Beachtung einiger Punkte gegengesteuert und somit auch das Risiko für Wasser in der Lunge verringert werden. Dazu gehören:
- ausgewogene, gesunde Ernährung
- viel Bewegung an der frischen Luft und Sport
- Verzicht auf Nikotin und Alkohol
- ärztlich angeordnete Medikation einhalten
- ärztliche Kontrolltermine wahrnehmen
- Beschwerden untersuchen lassen