Das Bild zeigt eine Ärztin und ein Kind.
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Mycoplasma pneumoniae

Die Bakterienart Mycoplasma pneumoniae kommt weltweit und nur beim Menschen vor. Eine Infektion mit dem Erreger kann zur Entstehung einer atypischen Lungenentzündung führen. Mycoplasma pneumoniae wird über Tröpfcheninfektion übertragen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Durch die Art der Übertragung des Krankheitserregers (Speicheltröpfchen) kommt es insbesondere an Orten, bei denen naturgemäß ein enger Kontakt zur erkrankten Person besteht, zur Verbreitung des Erregers. Solche Situationen finden sich zum Beispiel in Familien, Kindergärten, Schulen, Kinder- und Schülerheimen, Wohngemeinschaften, Arbeits- und Militärlagern.

Meist sind Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 15 Jahren von Erkrankungen durch Mycoplasma pneumoniae betroffen. Bei jüngeren Kindern verläuft eine Infektion mit dieser Mykoplasmen-Art oft ohne erkennbare Beschwerden.

Mykoplasmen haben einen Durchmesser von etwa 0,3 bis 0,8 Mikrometer (µm), das entspricht 0,0003 bis 0,0008 Millimetern. Der Krankheitserreger Mycoplasma pneumoniae kann unterschiedliche Formen annehmen: In der Luft nehmen die Bakterien eher eine Kugelform an, nach Kontakt mit dem Oberflächengewebe der Atemwege dann eine Fadenform. Im Unterschied zu anderen Bakterien besitzt Mycoplasma pneumoniae keine feste Zellwand und auch keinerlei Zellanhängsel, wie Geißeln, Fimbrien, Pili oder Kapseln.

Da die Bakterien in ihrer äußeren Form sehr flexibel und verformbar sind, können sie unter Umständen auch Filter durchwandern, die Bakterien normalerweise eher nicht durchlassen. Im Labor kann man Mycoplasma pneumoniae auf speziellen Nährböden anzüchten – der Erreger bildet dort nach etwa zwei bis acht Tagen für ihn typische "Spiegelei-Kolonien".

Mycoplasma pneumoniae sitzt im menschlichen Körper in den Atemwegen wie eine Art Parasit auf speziellen Epithelzellen der Lunge, den sogenannten Flimmerhärchen (Zilien): Spezielle Eiweißstrukturen auf der Bakterienoberfläche ermöglichen es dem Krankheitserreger, sich an die beweglichen Flimmerhärchen anzuheften. Von dort gleitet er an die Wurzel der Flimmerhärchen und beginnt, sich zu vermehren.

Mycoplasma pneumoniae produziert Wasserstoffperoxid (H2O2), welches in die Zellen des Flimmerepithels gelangt und diese dadurch schädigt. Dies hat zur Folge, dass die Flimmerhärchen Schleim und andere abzutransportierende Stoffe schlechter aus der Lunge heraus befördern können.

Durch verschiedene Mechanismen erschweren die Mykoplasmen zudem dem Immunsystem die Arbeit und schützen sich so vor ihm – auf diese Weise können die Bakterien länger im Körper überleben.

Da die Bakterienart Mycoplasma pneumoniae bestimmte für die Vermehrung notwendige Stoffwechselreaktionen nicht selbst ausführen kann, beschafft sich der Erreger die fehlenden Nährstoffe aus den Flimmerhärchen.

Krankheiten

Der Krankheitserreger Mycoplasma pneumoniae wird durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen und gelangt so mit der Atemluft in die Atemwege, wo er sich in der Luftröhre, den Bronchien sowie deren Verzweigungen (Bronchiolen) an die Flimmerhärchen anheftet. Durch die Produktion von Wasserstoffperoxid werden die Zellen, auf denen die Bakterien siedeln, zerstört.

Auf diese Weise kann es durch eine Infektion mit Mycoplasma pneumoniae nach etwa 10 bis 20 Tagen zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Fieber und einem quälendem Husten mit nur wenig Auswurf kommen. Die Symptome entwickeln sich dabei eher schleichend. Die Beschwerden können sich zu einer sogenannten atypischen Lungenentzündung entwickeln. Im Unterschied zu einer "normalen" Lungenentzündung sind hierbei beim Abhorchen (Auskultation) und Beklopfen (Perkussion) der Brust nicht die typischen Geräusche einer Lungenentzündung zu hören.

Manchmal verläuft eine Infektion mit den Mykoplasmen jedoch auch ganz ohne Beschwerden oder nur mit leichten Symptomen