Rötelmaus, die Hantaviren auf den Menschen übertragen kann.
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Hantavirus-Erkrankung: Symptome und Verlauf

Eine Infektion mit dem Hantavirus kann unterschiedlich verlaufen. Anfangs ähnelt die Erkrankung oft einer Grippe und schlägt dann auf die Nieren oder die Lunge. Übertragen wird das Hantavirus durch Nagetiere. Wie eine Ansteckung abläuft und wie Sie sich schützen können.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

FAQs zum Hantavirus

Hantaviren zählen zur Familie der Bunyaviren und kommen in der ganzen Welt vor. Sie werden von Nagetieren auf den Menschen übertragen und können schwere Krankheitsverläufe auslösen. In Deutschland wird das Hantavirus hauptsächlich über die Rötelmaus übertragen. 2019 wurden in Deutschland über 1.500 Fälle gemeldet.

Die Viren werden mit dem Urin, Speichel und Kot der Nagetiere ausgeschieden. Dort können Hantaviren mehrere Tage aktiv bleiben, auch in bereits getrockneten Ausscheidungen. 

Hantaviren kommen nicht überall gleich häufig vor, sondern sind in räumlich abgegrenzten Gebieten, sogenannten Endemiegebieten, verbreitet. Dazu zählen unter anderem der Bayerische Wald, die Fränkische Alb, Oberschwaben, Unterfranken, Spessart, Schwäbische Alb, Münsterland und Raum Osnabrück. 

Nagetiere scheiden die Viren über Speichel, Urin und Kot aus. Durch Kontakt der Ausscheidungen von infizierten Tieren kann sich der Mensch anstecken. Auch das Aufwirbeln von kontaminiertem Staub kann das Eindringen des Hantavirus über die Atemwege begünstigen. Zudem kann man sich über Bisse von infizierten Nagern anstecken. Von Mensch zu Mensch wird das Hantavirus nicht übertragen.

Eine Infektion zeigt sich circa zwei Wochen nach Kontakt mit den Viren mit plötzlichem Fieber, Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. Auch Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall sind mögliche Symptome einer Hantavirus-Infektion.

Ja, Hantavirus-Infektionen – sowie der Verdacht darauf – sind meldepflichtig.

Hantavirus: Übertragung durch Nagetiere

Hantaviren sind Krankheitserreger, die zur Familie der Bunyaviren zählen. Je nachdem, mit welchem Virustyp man sich infiziert, nimmt die Erkrankung eher einen Verlauf mit Nierenbeteiligung oder mit Lungenbeteiligung.

  • Lungenbeteiligung: Das Hantavirus löst das sogenannte pulmonale Syndrom aus (Hantavirus Pulmonary Syndrome, HPS). Viren, die das Syndrom auslösen, kommen hauptsächlich in Nord- und Südamerika vor.
  • Nierenbeteiligung: Dabei entwickelt sich ein hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). In Asien und Europa sind diese Virusstämme vorherrschend.

Hauptüberträger der Hantaviren sind in Deutschland Mäuse. Vor allem Rötelmäuse, Brandmäuse, Gelbhalsmäuse, Feldmäuse, Erdmäuse und Wanderratten.

Hantavirus-Erkrankung: Welche Symptome treten auf?

Eine Hantavirus-Infektion äußert sich durch verschiedene Symptome, je nachdem ob Lunge oder Nieren beteiligt sind. In beiden Fällen beginnt die Hantavirus-Erkrankung meist plötzlich mit grippeähnlichen Beschwerden, die ein paar Tage andauern, wie zum Beispiel:

Bei einer Hantavirus-Erkrankung mit Nierenbeteiligung können sich zusätzlich zu den grippeähnlichen Beschwerden folgende Symptome zeigen:

Bei einer Hantavirus-Erkrankung mit Lungenbeteiligung treten dagegen etwa vier bis zehn Tage nach den grippeähnlichen Beschwerden Symptome wie diese hinzu:

In einigen Hantavirus-Fällen treten sowohl Symptome einer Nieren- als auch einer Lungenbeteiligung auf. Nach einer überstandenen Hantavirus-Infektion ist man für mehrere Jahrzehnte – wahrscheinlich sogar lebenslang – immun gegen den jeweiligen Hantavirus-Typ und kann sich nicht nochmal mit diesem anstecken.

Bei vielen Menschen verläuft eine Hantavirus-Infektion allerdings auch ohne Symptome oder nur mit schwachen Beschwerden. Wahrscheinlich bleibt eine große Zahl an Infekten dadurch unbemerkt.

Ursachen: So kommt es zu einer Hantavirus-Infektion

Hantaviren können von infizierten Nagetieren auf den Menschen übertragen werden. Nagetiere tragen den Erreger oft in sich, ohne dabei krank zu werden.

Infizierte Nagetiere scheiden die Viren zusammen mit Kot und Urin aus. Auch ihr Speichel ist virushaltig. In diesen Körperausscheidungen bleiben Hantaviren bis zu 14 Tage infektionsfähig, selbst wenn das umgebende Material austrocknet. Die Hantaviren können auf diese Weise über getrocknete Ausscheidungen beziehungsweise über Staub als Schwebteilchen mit in die Luft gelangen (sogenannte Aerosole).

Übertragungswege der Hantaviren

Mögliche Übertragungswege für das Hantavirus sind zum Beispiel:

  • Hautverletzungen (in die virushaltiger Staub gelangt oder bei Kontakt zu verunreinigtem Boden)
  • Bisse von infizierten Nagetieren
  • Lebensmittel, die mit Ausscheidungen verunreinigt sind

Am häufigsten kommt es jedoch zu einer Hantavirus-Infektion, indem man verunreinigten Staub einatmet – etwa beim Wegfegen von Mäusekot im Keller, Hof, Schuppen oder Stall.

Von Mensch zu Mensch sind Hantaviren normalerweise nicht übertragbar. Die einzige Ausnahme bildet bisher ein bestimmter Hantavirus-Typ, der in Südamerika vorkommt (das sogenannte Andesvirus).

Risikofaktoren für eine Infektion mit dem Hantavirus

Wer viel draußen ist oder im Freien arbeitet beziehungsweise sich an Orten aufhält, an denen viele Nagetiere wie Mäuse leben, hat ein größeres Risiko, sich mit Hantaviren anzustecken. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht vor allem in folgenden Situationen:

  • wenn lange unbenutzte Gebäude wieder betreten oder gereinigt werden
  • beim Reinigen von Hausbereichen, die wenig benutzt werden (zum Beispiel Keller, Dachboden)
  • wenn das Haus oder die Wohnung von Nagetieren wie Mäusen befallen ist
  • wenn man bei der Arbeit in Kontakt mit Nagetieren wie Mäusen oder deren Lebensbereichen kommt (zum Beispiel als Waldarbeiter*innen, Landarbeiter*innen, Bauarbeiter*innen, Handwerker*innen, Schädlingsbekämpfer*innen)
  • beim Wandern, Zelten oder Jagen

Inkubationszeit der Hantaviren

Vom Zeitpunkt der Infektion mit dem Hantavirus bis zum Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) können 5 bis 60 Tage vergehen, meist dauert es jedoch 2 bis 4 Wochen.

Häufigkeit von Hantavirus-Infektionen

Weltweit kommt es jährlich zu etwa 150.000 bis 200.000 Erkrankungen durch Hantaviren, die meisten davon in China. In Deutschland treten Hantavirus-Erkrankungen vergleichsweise seltener auf. Im Jahr 2015 wurden 829 Fälle gemeldet. Im Jahr 2017 gab es einen Anstieg auf 1.232 Fälle. Zwischen 2010 und 2019 lag der Durchschnitt bei 1,3 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Im Südwesten Deutschlands traten dabei besonders häufig Infektionen auf. Ursache hierfür war wahrscheinlich die Zunahme von Bucheckern, die zu den wichtigsten Nahrungsquellen der Rötelmaus zählen. Die Rötelmaus kann sich unter diesen optimalen Bedingungen gut vermehren – und damit auch das Hantavirus.

Namensherkunft

Die Bezeichnung Hantavirus geht auf den Ort zurück, an dem die Erkrankungen durch das Hantavirus zuerst beschrieben wurden: den südkoreanischen Fluss Hantangang. Dort brach während des Koreakrieges im Jahr 1951 bei vielen Soldaten eine fiebrige Erkrankung aus, die mit Blutungen einherging. Erst 1977 konnten Forschende das verantwortliche Virus isolieren.

Hantavirus-Infektion: Diagnose

Ob eine Hantavirus-Infektion besteht, lässt sich nicht alleine anhand der Symptome feststellen. Erst wenn eine Blutuntersuchung zeigt, dass zusätzlich zu den Symptomen Antikörper gegen Hantaviren im Blut vorliegen oder sich das Erbgut des Virus nachweisen lässt, steht die Diagnose fest. Eine Differenzialdiagnose stellt die Leptospirose dar. Diese wird von Bakterien übertragen und zeigt sich durch ein ähnliches Krankheitsbild. Häufig treten bei einer Leptospirose noch Waden- und Schienbeinschmerzen auf. 

Hantavirus-Infektion: Gibt es eine Therapie?

Bei einer Hantavirus-Infektion gibt es bislang keine Therapie, die direkt gegen den Erreger wirkt. Die Behandlung besteht daher vor allem darin, die Symptome zu lindern beziehungsweise den durch den Infekt geschwächten Körper zu unterstützen.

In schweren Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, um eine intensivmedizinische Versorgung zu gewährleisten. Hier können Ärzte und Ärztinnen einen geschwächten Kreislauf stabilisieren und etwaige Blutungen rechtzeitig eindämmen. Bei Anzeichen für ein Lungenversagen kann es notwendig sein, Betroffene künstlich zu beatmen. Kommt es zu Nierenversagen, kann eine Dialyse erforderlich werden.

Hantavirus-Erkrankung: Verlauf

Eine Infektion mit Hantaviren kann sowohl einen milden Verlauf nehmen als auch eine ernst zu nehmende bis lebensbedrohliche Entwicklung einschlagen. In Deutschland kommt es meist zu Hantavirus-Erkrankungen, die mit Fieber und einer Nierenbeteiligung einhergehen, jedoch in der Regel einen milden Verlauf nehmen. Wahrscheinlich verläuft eine Hantavirus-Infektion bei vielen Menschen jedoch auch ohne spürbare oder nur mit schwachen Beschwerden – und bleibt dadurch oft unbemerkt.

Mögliche Komplikationen

Bei einer Hantavirus-Infektion mit Lungenbeteiligung kann sich die Erkrankung rasch verschlimmern und im Verlauf unter Umständen zu lebensbedrohlichem Organversagen führen.

Hantavirus: So kann man vorbeugen

Bislang gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen Hantaviren, mit dem man einer Erkrankung direkt vorbeugen könnte.

Die einzige Möglichkeit, sich vor einer Hantavirus-Infektion zu schützen, besteht daher darin, den Kontakt zu infizierten Nagetieren und ihren Ausscheidungen zu meiden, zum Beispiel durch folgende Maßnahmen:

  • In Nähe von Wohnungen/Häusern (vor allem in Kellern, Dachböden, Schuppen) einen Mäusebefall bekämpfen.
  • In Nähe von Wohnungen/Häusern Hygienemaßnahmen einhalten, um nicht weitere Mäuse anzulocken (zum Beispiel durch unsachgerecht entsorgten Abfall).
  • In der Nähe von Wohnungen/Häusern oder Wohnmobilen Lebensmittel so aufbewahren, dass sie keine Mäuse anlocken (in dicht schließenden Behältern oder Schränken).
  • Tote Mäuse am besten
    • mit Desinfektionsmittel besprühen,
    • nur mit Handschuhen anfassen,
    • in einen Plastikbeutel stecken (inklusive Falle) und
    • im Hausmüll entsorgen.
  • Beim Reinigen von staubigen Kellern, Schuppen und ähnlichen Räumen, in denen Nagetiere vorkommen können, am besten einen Atemschutz tragen. Um eine Staubentwicklung zu vermeiden, kann der Boden befeuchtet werden (zum Beispiel mit einer Sprühflasche oder indem man feucht wischt).
  • Ausscheidungen von Nagetieren am besten mit Desinfektionsmittel besprühen und dann erst entsorgen.
  • Waschen Sie sich nach solchen Arbeiten die Hände gründlich mit Wasser und Seife.