Hantavirus: Symptome, Ansteckung und Verlauf der Infektion
Eine Infektion mit dem Hantavirus ist selten, kann jedoch ernst verlaufen. Die Viren werden vor allem über Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen – etwa über Staub, der mit Mäusekot verunreinigt ist. In Deutschland treten Erkrankungen immer wieder regional gehäuft auf. Wie eine Ansteckung erfolgt, welche Symptome typisch sind und wie Sie sich schützen können.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.
Häufige Fragen und Antworten zum Hantavirus
Nagetiere wie Mäuse scheiden die Viren über Speichel, Urin und Kot aus. Durch Kontakt damit, zum Beispiel bei der Gartenarbeit, kann sich der Mensch anstecken. Eine Ansteckung kann auch durch das Aufwirbeln von kontaminiertem Staub und über Bisse von infizierten Nagern erfolgen.
Langzeitfolgen sind beim Hantavirus selten. Eine Studie hat jedoch gezeigt, dass es bei einigen Menschen nach überstandener Infektion zu einer Hämaturie (Erytrozythen/Blut im Urin) kommen kann.
Was ist das Hantavirus?
Hantaviren (Puumala-Viren, PPUV) sind Krankheitserreger, die zur Familie der Bunyaviren zählen. Je nachdem, mit welchem Virustyp eine Infektion ausgelöst wird, nimmt die Erkrankung eher einen Verlauf mit Nierenbeteiligung oder mit Lungenbeteiligung.
- Nierenbeteiligung: Dabei entwickelt sich ein hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). In Asien und Europa sind diese Virusstämme vorherrschend.
- Lungenbeteiligung: Das Hantavirus löst das sogenannte pulmonale Syndrom aus (Hantavirus Pulmonary Syndrome, HPS). Diese Virenstämme kommen hauptsächlich in Nord- und Südamerika vor.
Hauptüberträger der Hantaviren sind in Deutschland Mäuse (Rötelmäuse, Brandmäuse, Gelbhalsmäuse, Feldmäuse, Erdmäuse und Wanderratten).
Symptome des Hantavirus: So äußert sich die Infektion
Die ersten Anzeichen einer Hantavirus-Infektion erinnern oft an eine Grippe. Häufig beginnt die Erkrankung plötzlich mit:
- (hohem) Fieber
- Schüttelfrost
- Kopfschmerzen
- Gliederschmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- Sehstörungen
- gerötetem Rachen
- Husten
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Bauchschmerzen
Im weiteren Verlauf kann es – je nach Form der Erkrankung – zu unterschiedlichen Komplikationen kommen. In Europa steht vor allem die Beeinträchtigung der Nieren im Vordergrund. Bei einer Erkrankung mit Nierenbeteiligung können sich zusätzlich zu den grippeähnlichen Beschwerden folgende Symptome zeigen:
- stark sinkender Blutdruck
- nachlassende Herzleistung
- stecknadelkopfgroße Einblutungen in die Schleimhäute und Augenbindehaut (Petechien)
- zunehmende Nierenschwäche bis hin zum Nierenversagen
Symptome bei Lungenbeteiligung
In anderen Regionen der Welt kann das Virus hingegen die Lunge betreffen und Atemprobleme verursachen. Bei einer Hantavirus-Erkrankung mit Lungenbeteiligung treten etwa 4 bis 10 Tage nach den grippeähnlichen Beschwerden Symptome wie diese auf:
- Husten mit Auswurf
- Kurzatmigkeit
- stark sinkender Blutdruck
- nachlassende Herzleistung
- Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenödem), die zum Lungenversagen führen kann
In einigen Fällen treten sowohl Symptome einer Nieren- als auch einer Lungenbeteiligung auf. Nach einer überstandenen Erkrankung ist man für mehrere Jahrzehnte – wahrscheinlich sogar lebenslang – immun gegen den jeweiligen Hantavirus-Typ und kann nicht noch einmal erkranken.
Hantavirus-Ansteckung: Wie erfolgt die Übertragung?
Das Hantavirus wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ansteckung erfolgt in der Regel über infizierte Nagetiere, vor allem Rötelmäuse.
Das Virus gelangt über deren Urin, Kot oder Speichel in die Umwelt. Beim Aufwirbeln von Staub – etwa beim Reinigen von Kellern, Schuppen oder Dachböden – kann es eingeatmet werden oder über Hautverletzungen in den Körper gelangen. In diesen Körperausscheidungen bleiben Hantaviren bis zu 14 Tage infektionsfähig, selbst wenn das umgebende Material austrocknet. Die Hantaviren können auf diese Weise über getrocknete Ausscheidungen beziehungsweise über Staub als Schwebteilchen mit in die Luft gelangen (sogenannte Aerosole).
Seltener ist eine Ansteckung über kontaminierte Lebensmittel oder durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren möglich.
Inkubationszeit des Hantavirus
Vom Zeitpunkt der Infektion mit dem Hantavirus bis zum Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit) können 5 bis 60 Tage vergehen, meist dauert es jedoch 2 bis 4 Wochen.
Von Mensch zu Mensch sind Hantaviren normalerweise nicht übertragbar. Die einzige Ausnahme bildet bisher ein bestimmter Hantavirus-Typ, der in Südamerika vorkommt (das sogenannte Andesvirus).
Hantavirus in Deutschland: Wo besteht ein Risiko?
Hantaviren kommen in Deutschland nicht gleich häufig vor, sondern sind in räumlich abgegrenzten Gebieten, sogenannten Endemiegebieten, verbreitet. Dazu zählen unter anderem:
- der Bayerische Wald,
- die Fränkische Alb,
- Oberschwaben,
- Unterfranken,
- der Spessart,
- die Schwäbische Alb,
- das Münsterland und
- der Raum Osnabrück.
Die Fallzahlen schwanken von Jahr zu Jahr. Besonders in sogenannten "Mäusejahren", in denen sich Nagetiere stark vermehren, steigt auch das Infektionsrisiko.
Die meisten Erkrankungen werden im Frühjahr und Sommer registriert, wenn Menschen vermehrt mit potenziell belastetem Staub in Kontakt kommen.
Hantavirus-Infektion: Diagnose
Eine Hantavirus-Infektion lässt sich nicht allein an den Symptomen erkennen. Sicherheit bringt erst eine Blutuntersuchung, bei der Antikörper gegen das Virus oder dessen Erbgut nachgewiesen werden.
Hantavirus-Infektion: Gibt es eine Therapie?
Bei einer Hantavirus-Infektion gibt es bislang keine Therapie, die direkt gegen das Virus wirkt. Die Behandlung besteht daher vor allem darin, die Symptome zu lindern beziehungsweise den durch den Infekt geschwächten Körper zu unterstützen.
In schweren Fällen ist ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, um eine intensivmedizinische Versorgung zu gewährleisten. Hier können Ärzt*innen einen geschwächten Kreislauf stabilisieren und etwaige Blutungen rechtzeitig eindämmen. Bei Anzeichen für ein Lungenversagen kann es notwendig sein, Betroffene künstlich zu beatmen. Kommt es zu Nierenversagen, kann eine Dialyse erforderlich werden.
Wie gefährlich ist das Hantavirus?
Eine Infektion mit Hantaviren kann sowohl einen milden Verlauf nehmen als auch eine ernstzunehmende bis lebensbedrohliche Entwicklung einschlagen. In Deutschland kommt es meist zu Hantavirus-Erkrankungen, die mit Fieber und einer Nierenbeteiligung einhergehen. Diese verlaufen jedoch in der Regel mild.
Komplikationen wie akutes Nierenversagen sind selten, erfordern aber eine medizinische Behandlung. Todesfälle kommen in Europa nur vereinzelt vor, während sie in anderen Regionen der Welt häufiger auftreten können.
Hantavirus: So kann man sich schützen
Bislang gibt es in Deutschland keinen zugelassenen Impfstoff gegen Hantaviren, mit dem man einer Erkrankung direkt vorbeugen könnte.
Die einzige Möglichkeit, sich vor einer Hantavirus-Infektion zu schützen, besteht daher darin, den Kontakt zu infizierten Nagetieren und ihren Ausscheidungen zu meiden, zum Beispiel durch folgende Maßnahmen:
- In der Nähe von Wohnungen/Häusern (vor allem in Kellern, Dachböden, Schuppen) Mäusebefall bekämpfen.
- In der Nähe von Wohnungen/Häusern Hygienemaßnahmen einhalten, um nicht weitere Mäuse anzulocken (zum Beispiel durch unsachgerecht entsorgten Abfall).
- In der Nähe von Wohnungen/Häusern oder Wohnmobilen Lebensmittel so aufbewahren, dass sie keine Mäuse anlocken (in dicht schließenden Behältern oder Schränken).
- Tote Mäuse am besten
- mit Desinfektionsmittel besprühen,
- nur mit Handschuhen anfassen,
- in einen Plastikbeutel stecken (inklusive Falle) und
- im Hausmüll entsorgen.
- Beim Frühjahrsputz von staubigen Kellern, Schuppen und ähnlichen Räumen, in denen Nagetiere vorkommen können, am besten einen Atemschutz tragen. Um eine Staubentwicklung zu vermeiden, kann der Boden befeuchtet werden (zum Beispiel mit einer Sprühflasche oder indem man feucht wischt).
- Ausscheidungen von Nagetieren am besten mit Desinfektionsmittel besprühen und erst dann entsorgen.
- Nach solchen Arbeiten die Hände immer gründlich mit Wasser und Seife waschen.