Atherom: Zyste in der Haut

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (02. Januar 2018)

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Wenn in der Haut ein halbkugelförmiger, prall-elastischer Knoten sichtbar ist, könnte es sich um ein Atherom handeln. In der Regel ist das Atherom harmlos. Wenn es sich jedoch häufig entzündet oder stört, sollte der Arzt es entfernen.

Was ist ein Atherom?

Ein Atherom ist eine gutartige Zyste, die im Bereich der Haarfollikel entsteht, also dort, wo das Haar in der Haut befestigt ist. Es besteht aus einer Kapsel, die mit Talg und/oder Horn gefüllt ist, und nimmt meist langsam an Größe zu. Entzündet es sich, etwa, weil man versucht hat, es auszudrücken, fühlt es sich warm an, ist gerötet und es schmerzt. Befindet es sich das Atherom auf dem Kopf, spricht man oft von einem Grützbeutel.

Ein Atherom wächst immer in der Nähe eines Haares. Jedes einzelne Haar ist in einer kleinen Hauteinstülpung verankert: im Haarfollikel. Haare beziehungsweise Haarfollikel finden sich nahezu am ganzen Körper – demnach können auch Zysten an den Haarfollikeln fast überall vorkommen.

Niemals ausdrücken

Einem Atherom können Sie nicht vorbeugen. Um zu verhindern, dass sich ein bestehendes Atherom entzündet, gilt: Versuchen Sie keinesfalls, das Atherom auszudrücken, etwa mit den Fingern! Sie riskieren sonst, dass Bakterien in die Zyste gelangen.

Bild eines Atheroms, vereinfachte Darstellung: Ein Atherom wächst immer im Bereich der Haarfollikel. Der Inhalt ist von einer Kapsel umhüllt. © iStock

Bild eines Atheroms, vereinfachte Darstellung: Ein Atherom wächst immer im Bereich der Haarfollikel. Der Inhalt ist von einer Kapsel umhüllt.

Unterschiedliche Zystenformen

Das Wort "Atherom" wird in der Fachwelt uneinheitlich verwendet: Für manche Ärzte ist es ein Oberbegriff für verschiedene Formen von Zysten an den Haarfollikeln, die sich optisch kaum voneinander unterscheiden. Andere Mediziner hingegen bezeichnen nur eine ganz bestimmte Zystenform als Atherom.

Versteht man ein Atherom als Oberbegriff für unterschiedliche Zysten, so fallen darunter die

  • Trichilemmalzyste (sog. Grützbeutel), die vor allem auf der Kopfhaut vorkommt, und die
  • Epidermalzyste, die am ganzen Körper in Erscheinung treten kann.

Epidermalzysten und Trichilemmalzysten: Was ist der Unterschied?

Epidermalzysten wachsen direkt an der obersten, trichterförmigen Erweiterung des Haarfollikels, dem Haartrichter (sog. Infundibulum) – das ist die Stelle, an der das Haar aus der Haut austritt.

Die Zyste bildet sich aus Zellen der äußeren Hautschicht, der Epidermis. Das Innere des Atheroms enthält überwiegend eine breiige, käsig riechende Masse aus abgeschilfertem Hornmaterial, das zwiebelschalenartig angeordnet ist. Meist erkennt man auf der Epidermalzyste eine kleine Öffnung (sog. Porus), einen Ausführungsgang, der von außen sichtbar ist.

Andere Begriffe für die Epidermalzyste sind Epidermoidzyste, Infundibulumzyste oder epitheliale Zyste.

Trichilemmalzysten sind auch unter dem Namen Grützbeutel oder Grießknoten bekannt. Sie entstehen in tiefer liegenden Bereichen des Haarfollikels (dem sog. Trichilemm), die in Höhe oder unterhalb der Talgdrüse liegen. Das Innere der Zyste ist mit einer weißlichen Mischung aus Hornmaterial und Talg gefüllt.

Grützbeutel kommt wesentlich seltener vor als Epidermalzysten. Grützbeutel treten in manchen Famillien gehäuft auf.

Eine Epidermalzyste befindet sich oberhalb der Stelle, an der die Talgdrüse in den Haarkanal mündet – Trichilemmalzysten wachsen in tieferen Hautbereichen unterhalb oder auf Höhe der Talgdrüse.

Woran erkennt man ein Atherom?

Ein Atherom ist als halbkugeliger, prall-elastischer Knoten in der Haut sichtbar, der in der Regel keine Schmerzen bereitet. Atherome können wenige Millimeter bis zu mehrere Zentimeter groß werden. Selten erreichen sie das Volumen eines Tennisballs. Meist ist ein Atherom hautfarben, nur selten ist es pigmentiert.

Die oft als echtes Atherom oder Grützbeutel bezeichnete Trichilemmalzyste ist in 9 von 10 Fällen auf der Kopfhaut zu finden. Der Grützbeutel kann langsam wachsen und bleibt häufig lange Zeit unbemerkt. Ist er größer, kann die darüber liegende Haut unbehaart sein.

Epidermalzysten sind Atherome, die einzeln oder zu mehreren nahezu am ganzen Körper auftreten können. Sie können überall dort vorkommen, wo sich Haarfollikel befinden. Vornehmlich wachsen die Knoten jedoch

Im Gegensatz zum Grützbeutel kann die Epidermalzyste eine kleine Öffnung aufweisen (sog. Porus), aus der auch Inhalt austreten kann.

Bild eines Atheroms: Ein Atherom macht sich durch einen Knoten unter der Haut bemerkbar, der bis zu mehrere Zentimeter groß werden kann. © iStock

Bild eines Atheroms: Ein Atherom macht sich durch einen Knoten unter der Haut bemerkbar, der bis zu mehrere Zentimeter groß werden kann.

Hat sich das Atherom entzündet, kann es bei Berührung schmerzen. Weitere typische Symptome: Ein entzündetes Atherom ist gerötet und fühlt sich warm an.

Atherom: Diagnose

Ein Atherom erkennt der Hautarzt meist anhand der typischen Symptome: Unter der Haut fühlt er einen sichtbaren, prall-elastischen Knoten. Der Knoten ist außerdem als halbkugelige Erhebung sichtbar.

Optisch kann selbst der Arzt kaum unterscheiden, welche Form des Atheroms vorliegt. Hinweise gibt ihm jedoch die Lage des Atheroms: Die Trichilemmalzyste (Grützbeutel) tritt fast immer am Kopf auf, während die Epidermalzyste auch am restlichen Körper zu finden ist, insbesondere im Gesicht und am Rücken. Meist befindet sich auf der Epidermalzyste eine kleine Öffnung, die von außen sichtbar ist. Eine Trichilemmalzyste weist keine solche Öffnung auf.

Meist kann der Arzt ein Atherom anhand des äußeren Erscheinungsbilds erkennen. © iStock

Meist kann der Arzt ein Atherom anhand des äußeren Erscheinungsbilds erkennen.

Atherom: Was sind die Ursachen?

Ein Atherom kann unterschiedliche Ursachen haben – je nachdem, um welche Form des Atheroms es sich handelt. 

So entsteht eine Trichilemmalzyste (Grützbeutel)

Jedes einzelne Haar ist in einer kleinen Hauteinstülpung befestigt, dem Haarfollikel. Neben jedem Haarfollikel befindet sich eine Talgdrüse, die in den Follikel mündet und jedes Haar mit Talg versorgt. Der Talg gibt den Haaren Glanz, hält die Haut geschmeidig und schützt vor äußeren Einflüssen.

Jedes Haar wird über eine Talgdrüse mit Talg versorgt. Ist der Zugang verstopft, kann sich ein Grützbeutel entwickeln. © iStock

Jedes Haar wird über eine Talgdrüse mit Talg versorgt. Ist der Zugang verstopft, kann sich ein Grützbeutel entwickeln.

Eine Trichilemmalzyste ist ein Atherom, das auf Höhe oder unterhalb der Talgdrüse wächst. Der Grützbeutel bildet sich, wenn der Ausführungsgang einer Talgdrüse an einer bestimmten Stelle verstopft, zum Beispiel, wenn kleine Hautzellen den Weg versperren. Der Talg kann nicht mehr zum Haar gelangen, die Talgdrüse produziert jedoch weiter. Im Laufe der Zeit staut sich immer mehr Talg an, der Grundstein für ein Atherom ist gelegt.

So entsteht eine Epidermalzyste

Eine Epidermalzyste bildet sich im Gegensatz zum Grützbeutel in der obersten Hautschicht am Haartrichter. Dieser befindet sich dort, wo das Haar aus der Haut tritt.

Der sichtbare Teil der Oberhaut besteht aus einer Hornschicht. Diese Schicht setzt sich vor allem aus hornbildenden Zellen zusammen, den Keratinozyten. In tieferen Hautschichten werden regelmäßig neue Keratinozyten produziert, welche nach und nach an die Hautoberfläche gelangen, wo sie normalerweise in Form von Hornschuppen abgestoßen werden.

Zur Zystenbildung kommt es, wenn Zellen der Oberhaut (epidermale Zellen) rasch wachsen beziehungsweise sich rasch vermehren (sog. Zellprofileration) und die Mündung eines Haarfollikels verschließen. Ist dies der Fall, können die Hornschuppen nicht mehr an die Oberfläche gelangen. Je mehr Hornmassen sich ansammeln, desto größer wird das Atherom.

Eine Epidermalzyste kann auch im Rahmen einer Hautverletzung entstehen, nämlich dann, wenn winzige Teile der Oberhaut tief in die Wunde gelangen. Dies kann auch nach einer Entzündung oder bei schwerer Akne der Fall sein. Im Inneren der Wunde können die Zellen wachsen und Hornmassen bilden, die nicht an die Oberfläche geraten können.

Atherom entfernen

Ein Atherom muss der Arzt nicht unbedingt entfernen. Wenn es sich jedoch häufig entzündet, wie dies insbesondere oft bei Epidermalzysten der Fall ist, sollte man es herausoperieren lassen. Auch bei Trichilemmalzysten (Grützbeutel), die sich wiederholt entzünden, ist eine Operation ratsam. Wenn das Atherom stört, etwa beim Haarekämmen, oder als kosmetisches Problem empfunden wird, kann man es ebenfalls entfernen lassen. In der Regel erfolgt der Eingriff unter lokaler Betäubung der entsprechenden Hautpartie.

Wichtig dabei: Ein Atherom sollte der Arzt möglichst vollständig entfernen. Verbleiben Reste in der Haut, kann es wiederkehren. Die Operation wird der Arzt meist dann durchführen, wenn die Zyste gerade nicht entzündet ist.

Entzündete Atherome sollten auf jeden Fall von einem Arzt behandelt werden. Bei einem entzündeten Atherom verschreibt der Arzt gegebenenfalls Antibiotika, damit die Entzündung abklingt. In einem zweiten Schritt wird er es dann möglichst vollständig entfernen.

 Ein Atherom kann der Arzt in einem kleinen chirurgischen Eingriff herausoperieren. © iStock

Ein Atherom kann der Arzt in einem kleinen chirurgischen Eingriff herausoperieren.

Suchen Sie den Arzt auf, wenn …

… die betroffene Hautregion bisher nicht ärztlich untersucht wurde – so kann festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um ein Atherom handelt.

… sich das Atherom entzündet hat (die Stelle ist warm, gerötet und schmerzt). In diesem Fall muss der Arzt es ggf. entfernen.

… Sie das Atherom im Alltag stört, so etwa beim Haarekämmen.

… das Atherom für Sie ein kosmetisches Problem darstellt.

Ihr Arzt wird mit Ihnen gemeinsam besprechen, ob man das Atherom entfernen sollte. 

Atherom: Verlauf

Atherome werden oft langsam größer. Je nach Lage und Größe können sie im weiteren Verlauf störend sein, beispielsweise beim Haarekämmen. Manche Menschen empfinden ein immer größer werdendes Atherom auch unter kosmetischen Gesichtspunkten als unschön.

Trichilemmalzysten (Grützbeutel), die tiefer in der Haut liegen, neigen nur selten zu Infektionen. Epidermalzysten hingehen können sich häufiger entzünden und aus einer kleinen Öffnung eine weißliche Substanz absondern.

Komplikationen

Wenn sich ein Atherom aufgrund einer Infektion entzündet, kann sich im Inneren Eiter ansammeln – ein Abszess entsteht. Der Abszess kann die Größe einer Faust erreichen. Ein entzündetes Atherom ist gerötet, schmerzt und fühlt sich warm an. Um den Abszess zu behandeln, eröffnet der Arzt mit einem Skalpell die betroffene Stelle. Den Eiter lässt er über eine sogenannte Drainage abfließen. So werden andere Gebiete nicht mit dem Erreger infiziert. Anschließend entfernt er das entzündete Gewebe und säubert die Wunde. Gegebenenfalls wird der Arzt den Abszess zusätzlich mit einem Antibiotikum behandeln.

Entzündliche Veränderungen an Trichilemmalzysten können in seltenen Fällen zu teilweise sehr großen, geröteten Geschwulsten auf der Kopfhaut führen (sog. proliferierende Trichilemmalzyste).

Wie bei allen chirurgischen Eingriffen können auch nach einer Atherom-Entfernung Probleme auftreten, so etwa stärkere Blutungen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen. In der Regel handelt es sich jedoch um eine kleine Operation, die ohne Komplikationen verläuft.

Wenn ein Atherom das Kämmen behindert, können Sie es entfernen lassen. © iStock

Wenn ein Atherom das Kämmen behindert, können Sie es entfernen lassen.

Atherom: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Atherom":

Linktipps:

Onmeda-Lesetipps:

Im Online-Dermatologieatlas (DOIA) der Universität Erlangen finden Sie eine Fotozusammenstellung zur Diagnose "Atherom"

Quellen:

Atherom. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.4.2017)

Online-Informationen der Abteilung für Klinische Sozialmedizin (Universität Heidelberg) und der Hautklinik Erlangen (Universität Erlangen-Nürnberg): www.dermis.net (Abrufdatum: 20.3.2017)

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Aktualisiert am: 2. Januar 2018

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