Ein Paar sitzt auf einer Bank. Der Mann schaut eifersüchtig auf das Handy seiner Freundin.
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Eifersucht: Wie sie entsteht und was dagegen hilft

Ein intensiver Blickwechsel, ein inniges Gespräch oder eine Nachricht auf dem Handy – Auslöser für Eifersucht gibt es viele. Sie können Argwohn und das unliebsame Gefühl von Zurückweisung hervorrufen. Doch warum sind einige Menschen eifersüchtig, andere hingegen nicht? Und was kann man gegen die quälenden Emotionen tun?

Viele Menschen, die in einer festen Partnerschaft leben, kennen diese Gefühlsregungen. Aber auch in Freundschaften und in Familien ist Eifersucht möglich. Was steckt hinter dem Gefühl Eifersucht? Und wie lässt sich erklären, dass viele Menschen auch ohne Flirt oder Seitensprung eifersüchtig sind?

Was ist Eifersucht?

Eifersucht ist ein Gefühl, das mit Misstrauen und Rivalität gepaart ist und sich auf die Zuneigung oder Anerkennung einer geschätzten oder geliebten Person richtet. Der*die Eifersüchtige bezweifelt, dass ein ihm wichtiger Mensch ihn ausreichend anerkennt oder liebt. Dazu kommt die Befürchtung, dass dieser Mensch einer dritten Person mehr Anerkennung und Zuneigung entgegenbringt.

Mit anderen Worten lässt sich Eifersucht auch als ein Gefühl des Liebesneides oder der Furcht vor dem Verlust der Liebe beschreiben. Wer eifersüchtig ist, fürchtet sexuelle oder auch emotionale Untreue und sieht die Einzigartigkeit der Beziehung in Gefahr. Dieses Gefühl kann mitunter völlig unbegründet sein.

Eifersucht entsteht aber nicht nur in Liebesbeziehungen – sie kann auch innerhalb von Freundschaften und Familien (z. B. unter Geschwistern) entflammen. Die Betroffenen selbst empfinden das Gefühl von Eifersucht oft als quälend. Aber auch für das Gegenüber kann Eifersucht sehr belastend sein, vor allem, wenn diese grundlos ist.

Zu einem gewissen Grad "normal"?

Wie stark Eifersucht ausgeprägt ist, variiert von Mensch zu Mensch. Dabei spielen die Art der Paarbeziehung und soziokulturelle Begebenheiten eine Rolle. Bis zu einem gewissen Grad ist Eifersucht als normal anzusehen. Manche Menschen reagieren jedoch immer wieder unverhältnismäßig stark eifersüchtig, selbst in unbedenklichen Situationen. Eine solche Reaktion ist für andere meist nicht nachvollziehbar – in diesem Fall spricht man von krankhafter Eifersucht oder sogar von Eifersuchtswahn. Diese Form von Eifersucht kann eine Beziehung belasten und führt häufig auch zur Trennung.

Eifersucht wird in der Regel sehr unterschiedlich bewertet: Manche empfinden sie als natürliche Regung oder als (lästige) Kehrseite der Leidenschaft. Andere interpretieren Eifersucht als fehlendes Selbstbewusstsein oder starkes Abhängigkeitsverhältnis zu dem*der Partner*in. Auch Unsicherheit oder Besitzansprüche gegenüber der anderen Person kommen als Erklärung für Eifersucht infrage. Viele sehen in Eifersucht auch ein Zeichen des Misstrauens, das sich negativ auf eine Beziehung auswirkt.

Eifersucht wird manchmal jedoch auch nachgesagt, dass sie eine Beziehung belebt oder stabilisiert. Meistens ist sie jedoch für beide Parteien mit Konfliktpotenzial und Leidensdruck verbunden. Bei manchen Menschen ist sie so stark ausgeprägt, dass sie der psychotherapeutischen Beratung bedürfen.

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Warum ist man eifersüchtig?

Als mögliche Auslöser für Eifersucht kommen verschiedene Gefühlsregungen oder Situationen infrage – ob diese nun berechtigt sind oder eben nicht. Fakt ist, dass sich Betroffene kaum gegen die quälenden Emotionen wehren können. Ein erster Schritt, um einen Umgang mit Eifersucht zu finden, ist, die Auslöser für das Gefühl zu erkennen und zu verstehen.

1. Betroffene wünschen sich mehr Aufmerksamkeit

Eifersucht kann zum Beispiel dann bei jemandem aufkommen, wenn er sich von dem*der Partner*in oder einer anderen geliebten Person vernachlässigt fühlt. Der*die Eifersüchtige hat den Eindruck, dass der geliebte Mensch einer anderen Person oder Sache mehr Aufmerksamkeit schenkt als ihm selbst.

Dazu kommt es zum Beispiel, wenn die Partner*innen unterschiedliche Vorstellungen von einer Beziehung haben: Während die eine Partei am liebsten jede freie Minute mit dem*der Partner*in verbringen würde, wünscht sich die andere Partei womöglich mehr Freiräume. Das Gefühl, vom Partner vernachlässigt und nicht genügend beachtet zu werden, spielt sich oft im Rahmen gesellschaftlicher Anlässe ab, wenn also Dritte dabei sind. Gleichzeitig mit Eifersucht empfinden Betroffene hierbei oft Ärger über den Partner und ein herabgesetztes Selbstwertgefühl.

Der einseitige Wunsch nach Nähe und Aufmerksamkeit kann im Laufe der Zeit dazu führen, dass er*sie versucht, den*die Partner*in zu isolieren und Kontakte zu Freunden und Familie einzuschränken.

2. Vermutete oder tatsächliche Untreue

Weitere Auslöser für Eifersucht sind vermutete Untreue und tatsächliche Untreue. Wenn eifersüchtige Personen vermuten, dass der*die Partner*in untreu ist, suchen sie ständig nach Beweisen, die ihren Verdacht bestätigen beziehungsweise widerlegen. Dabei erleben sie Angst, dass ihre Vermutung wahr sein könnte und sie den*die Partner*in verlieren könnten. Bei dieser Form von Eifersucht scheint es an Vertrauen in die Beziehung zu fehlen.

Wenn Eifersucht aufgrund von tatsächlicher Untreue entsteht, über die der oder die Betrogene also Bescheid weiß, ist diese meist begleitet von Trauer über den Verlust der ungeteilten Liebe und der Einzigartigkeit der intimen Beziehung.

3. Verlustängste

Grundsätzlich scheint dem Gefühl von Eifersucht die Angst vor dem Verlust der Liebe zugrunde zu liegen. Hierbei spielt das Gefühl der Ausschließlichkeit der Liebesbeziehung eine wichtige Rolle. Für viele Menschen ist eine partnerschaftliche Liebe nur zu genau einer Person denkbar. Wird diese Zweisamkeit und Intimität durch eine dritte Person durchbrochen oder auf eine dritte Person erweitert, schließt der*die Eifersüchtige daraus oft das Ende der Liebe seitens des Partners oder der Partnerin.

4. Eifersucht als vermeintlicher Liebesbeweis

Manche Menschen sehen in Eifersucht ein Zeichen der Liebe, andere empfinden sie als Zeichen des Misstrauens. Vor allem, wenn Eifersucht oft, schnell und bei harmlosen Anlässen entflammt, kann sie die Beziehung erheblich beeinträchtigen, zum Beispiel, wenn der*die Partner*in sich dadurch seiner Freiheit beraubt oder kontrolliert fühlt.

Umgang mit Eifersucht

Wie jemand mit der eigenen Eifersucht umgeht, kann sehr verschieden aussehen. So gibt es kooperative, konfrontative und indirekte Strategien, mit denen man auf Eifersucht reagieren kann.

Wer sich für die kooperative Strategie entscheidet, wird das Gespräch mit dem*der Partner*in suchen und seine Eifersucht offen darlegen.

Eine Möglichkeit der konfrontativen Strategie ist zum Beispiel die typische Eifersuchtsszene, bei der Betroffene den*die Partner*in zur Rede stellen. Eifersucht kann aber auch Aggressivität gegenüber dem geliebten Menschen oder dem vermeintlichen Rivalen auslösen oder gar zu einem Racheakt führen. Solche Verhaltensweisen lösen beim Gegenüber allerdings eher negative Gefühle aus, als dass sie Anerkennung und Liebe steigern.

Wenn die eifersüchtige Person versucht, an sich selbst etwas zu verändern, um für den*die Partner*in attraktiver zu werden, bedient sie sich einer indirekten Strategie gegen die Eifersucht.

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Krankhafte Eifersucht

Wenn Eifersucht krankhafte Ausmaße annimmt, spricht man von einem Eifersuchtswahn oder auch Othello-Syndrom. Der*die Betroffene ist hierbei davon überzeugt, betrogen oder hintergangen zu werden, selbst wenn keinerlei Beweise oder Indizien für eine Untreue vorliegen. Die Überzeugung des*der Eifersüchtigen lässt sich nicht korrigieren – obwohl das Vergehen des Partners oder der Partnerin für alle Außenstehenden eindeutig nicht besteht.

Liegt krankhafte Eifersucht vor, kann es zu Aggressionen gegenüber dem Partner kommen, in der Regel jedoch nicht gegenüber einem vermeintlichen Rivalen, sondern gegenüber dem*der Partner*in selbst.

Krankhafte Eifersucht kann im Zusammenhang mit

  • Paranoia,
  • Schizophrenie,
  • und Alkoholismus

auftreten. Bei letzterer Erkrankung können verschiedene Faktoren die Entwicklung eines Wahns beeinflussen. Dazu zählen die Abwehrhaltung des Partners oder der Partnerin, alkoholbedingte Eheprobleme, Schuldgefühle und vor allem Einschränkungen hinsichtlich der Potenz bei gleichzeitig gesteigerten sexuellen Bedürfnissen. Der Eifersuchtswahn oder krankhafte Eifersucht scheint beim Alkoholismus dazu zu dienen, die eigene Schuld von sich zu weisen und auf den*die Partner*in zu übertragen.

Männer sind häufiger betroffen

Krankhafte Eifersucht kommt bei Männern zwei- bis dreimal häufiger vor als bei Frauen. Insgesamt sind jedoch nur sehr wenige Menschen vom Eifersuchtswahn betroffen.

Da Wahnkranke sich gegenüber therapeutischen Maßnahmen misstrauisch verhalten und sich selbst nicht als therapiebedürftig einschätzen, gestaltet sich die Behandlung von Eifersuchtswahn schwierig. In der Regel kommen eine Behandlung mit Medikamenten oder eine Psychotherapie infrage.

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Tipps gegen Eifersucht

Sofern sich Eifersucht im "normalen" Rahmen bewegt und keine "krankhaften" Ausmaße annimmt, kann es helfen, ein paar Absprachen zu treffen, um das Gefühl zu entschärfen.

1. Toleranzgrenze in puncto Eifersucht erweitern

Dass der Partner nur eine einzige Person liebenswert und anziehend findet, ist eine Wunschvorstellung vieler Menschen – Paare sollten sich jedoch klarmachen, dass diese wenig realistisch ist. Versuchen Sie deshalb, Ihre Toleranzgrenze in puncto Eifersucht ein wenig zu erweitern. So könnte eine Absprache zum Beispiel lauten: "Mein Partner findet zwar auch andere Menschen attraktiv und liebenswert, sexuelle Intimität lebt er jedoch nur mit mir aus." Wichtig hierbei: Über Treue und die jeweiligen Toleranzgrenzen innerhalb der Beziehung sollten sich beide Partner einig sein oder zumindest einen Kompromiss finden.

2. Definieren, wo Untreue beginnt

Ein weiterer wichtiger Punkt: Klären Sie, wo für beide Partner*innen Untreue beginnt! Für manche zählt dazu lediglich sexuelle Untreue. Andere reagieren eifersüchtig, wenn der*die Partner*in viel Zeit mit Freunden verbringt oder häufig seinen eigenen Interessen nachgeht. Wieder andere tolerieren außerpartnerschaftliche Sexualität und fordern lediglich emotionale Treue. Da es hierzu keine allgemeingültigen Regeln gibt, sollten Paare ihre eigenen Toleranzgrenzen klar abstecken. Gerade wenn Eifersucht in einer Beziehung zu Problemen führt, ist es wichtig, konkrete Vereinbarungen über Treue zu treffen und für Wünsche und Grenzen ein Übereinkommen zu finden, das beiden gerecht wird.

3. Sich loyal verhalten

Sofern sexuelle Seitensprünge nicht abgesprochen sind und ausdrücklich als Bestandteil einer offenen Beziehung toleriert werden, schüren sie in der Regel Misstrauen, verletzen den*die Partner*in und können die Paarbeziehung schwächen. Um Eifersucht erst gar nicht aufkommen zu lassen, kann es helfen, die Beziehung zu festigen und die Zugehörigkeit zueinander klar zu definieren. Wer sich in seiner Beziehung geborgen und sicher fühlt, sieht oft gar keinen Anlass für Eifersucht.

4. Gemeinsam an der Beziehung arbeiten

Um ihre Partnerschaft zu festigen, ist es für Paare oft hilfreich, ihre Gemeinsamkeiten zu betonen. Dies können Sie umsetzen, indem Sie sich zum Beispiel an gemeinsame Erlebnisse erinnern, gemeinsame Zukunftspläne schmieden oder gemeinsam etwas unternehmen. Auch wenn sich Paare ihre gegenseitige Zugehörigkeit durch Worte oder Gesten zeigen, kann dies das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken.

5. Eifersucht offen ansprechen

Manchmal reicht es auch, wenn Sie das Thema ganz sachlich besprechen. Eifersucht ist menschlich und nichts, wofür man sich schämen muss – solange sie im Rahmen bleibt. Oft können Sie in einem Gespräch schon Zweifel beseitigen und das Vertrauen festigen. Wenn die Rahmenbedingungen abgesteckt sind und jeder ein wenig Rücksicht auf den anderen nimmt, löst sich das Problem Eifersucht bei vielen Paaren häufig ganz von selbst.

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