Man sieht ein Arzneifläschchen und eine Pipette.
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Kolloidales Silber: Heilmittel oder Humbug?

Manche Menschen schwören auf kolloidales Silber. Es soll gegen Keime wie Bakterien wirken und zahlreiche andere positive Gesundheitseffekte haben. Und das ganz ohne Nebenwirkungen, jedenfalls wenn man so manchen Herstellerangaben glaubt. Was ist dran am Silberwasser?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Scheinbare Allzweckwaffe

Als kolloidales Silber bezeichnet man eine Flüssigkeit, die winzigste Silberteilchen enthält, sogenanntes Nanosilber. Manche Hersteller verkaufen das gelöste Silber auch als "Silberwasser". Produkte mit kolloidalem Silber gibt es in unterschiedlichen Formen. Man kann es

  • einnehmen,
  • auf die Haut auftragen
  • oder spritzen.

Kolloidales Silber: Scheinbare Allzweckwaffe

Manchen Herstellern zufolge scheint kolloidales Silber eine Art Wundermittel zu sein, eine Allzweckwaffe gegen Gesundheitsprobleme jeder Art. So soll es zum Beispiel das Immunsystem anregen sowie Bakterien, Viren und Pilze bekämpfen – laut manchen Informationen im Internet sogar innerhalb weniger Minuten.

Daneben hilft kolloidales Silber angeblich gegen jede Menge kleinere Gesundheitsprobleme, aber auch schwere Krankheiten, beispielsweise gegen

Als die Ebola-Epidemie in Teilen Westafrikas grassierte, priesen manche Hersteller tatsächlich kolloidales Silber als Lösung an. Und unterstellten, dass Menschen dort unnötig leiden müssten, weil kolloidales Silber dort eben nicht eingesetzt wurde.

Was sagt die Wissenschaft?

Bislang gibt es keine klinischen Studien, die einen Nutzen von kolloidalem Silber in Bezug auf Erkrankungen belegen. Eingenommene Silberpartikel erfüllen im Körper keinerlei Funktion und haben hier auch keinen Nutzen im Sinne von Nahrungsergänzungsmitteln. Denn Silber ist kein Mineralstoff, den der Körper zum Leben braucht. Im Gegenteil: Eingenommen wirkt Silber als Zellgift, insbesondere in Form von Nanosilber. Die winzigen Silberteilchen können tief ins Gewebe gelangen und unter Umständen auch biochemische Prozesse im Körper stören. Bislang gibt es entsprechend keinerlei silberhaltige Medikamente, die zur Einnahme zugelassen sind.

Auf der Haut können Silberpartikel dagegen möglicherweise einen medizinischen Zweck erfüllen, so zum Beispiel in Verbandsmaterialien für Verbrennungen, Wunden oder Hautinfektionen. Allerdings sind die Studienergebnisse hierzu widersprüchlich.

Zwar kann kolloidales Silber tatsächlich gegen Bakterien wirken. Als angeblichen Vorteil gegenüber Antibiotika führen Hersteller allerdings oft auf, dass Bakterien nicht dagegen resistent werden können. Das stimmt so nicht: Bakterien können durchaus gegen Silber resistent werden. Zumal bei Einnahme von kolloidalem Silber bedacht werden muss, dass die "antibiotische Wirkung" nicht unterscheidet, welche Bakterien im Körper nützlich sind und eventuell benötigt werden. Entsprechend könnte sich durch die Einnahme beispielsweise die Darmflora ungünstig verändern.

Auch ob kolloidales Silber das Immunsystem anregen kann, bleibt fraglich. Studien mit Menschen gibt es hierzu nicht. Im Tierversuch wirkt sich kolloidales Silber eher schädlich auf das Immunsystem aus.

Hat kolloidales Silber Nebenwirkungen?

Kolloidales Silber kann verschiedene Nebenwirkungen haben. Wer kolloidales Silber monatelang einnimmt, muss mit einem unschönen Effekt rechnen. Denn das Silber lagert sich im Körper ab und kann zur sogenannten Argyrie führen. Dabei nehmen Haut und Schleimhäute eine blau-schwarze Färbung an. Gesundheitlich ist die Verfärbung im Grunde kein Problem. Die Färbung lässt sich jedoch nicht rückgängig machen. Selbst nach Absetzen der Produkte geht die Färbung nicht mehr weg.

Weitere mögliche Nebenwirkungen durch kolloidales Silber sind zum Beispiel:

Frauen, die kolloidales Silber während der Schwangerschaft einnehmen, riskieren möglicherweise Fehlbildungen beim Neugeborenen.

Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich

Wer kolloidales Silber verwendet und gleichzeitig Medikamente einnimmt, riskiert, dass der Körper sie schlechter aufnimmt. Solche Wechselwirkungen können zum Beispiel bei folgenden Wirkstoffen beziehungsweise Wirkstoffgruppen auftreten: