Eine Frau mit zu großer Hose und Diätpillen
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Diätpillen, die wirklich helfen?

Abnehmen ohne Anstrengung: Weil das so schön klingt, setzen viele Menschen auf Diätpillen. Stiftung Warentest hat rezeptfreie und rezeptpflichtige Mittel zum Abnehmen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die meisten helfen nicht, bei anderen zahlen Abnehmwillige zum Beispiel mit Herzrasen einen zu hohen Preis für die schlanke Taille. Uneingeschränkt empfehlenswert ist kein Mittel.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Diätpillen, die wirklich helfen? Gibt es nicht, sagen Experten!

Stars aus den USA können darüber nur müde lächeln: Damit die Pfunde möglichst schnell purzeln, setzen einige der Hollywoodstars auf Extrem-Diäten und schlucken verschreibungspflichtige Schlankheitsmittel, die unter anderem im Magen aufquellen und den Appetit zügeln oder die Fettaufnahme stoppen sollen.

Diätpillen versprechen wahre Wunder: Man nehme einfach zwei Abnehmpillen täglich und schon schmelzen die Kilos von ganz alleine – ohne Jo-Jo-Effekt, ohne Nebenwirkungen, ohne Rezept und ohne Sport.

Lady Gaga und Co. haben es vorgemacht – viele, gerade jüngere Frauen im Körperkult-Wahn machen es nach. Schließlich lassen sich die Diätpillen der Stars heutzutage mit nur wenigen Klicks im Internet bestellen, teilweise zu horrenden Preisen von dubiosen asiatischen Anbietern.

Gesundheits-Experten warnen jedoch: Diätpillen, die wirklich was bringen, gibt es nicht! Aber nicht nur das: Gerade bei Abnehmpillen aus dem Internet muss man vorsichtig sein. Viele von ihnen enthalten gefährliche illegale Substanzen – manche bergen sogar ein tödliches Risiko!

Das sagt Stiftung Warentest

Stiftung Warentest hat rezeptfreie und rezeptpflichtige Diätpillen getestet. Von den sechs untersuchten rezeptfreien Mitteln ist laut Stiftung Warentestkeines zum Abnehmen geeignet. Die Mittel wirken nicht oder ihre Wirkung ist nicht nachgewiesen und/oder sie führen zu erheblichen Nebenwirkungen.

Bei den rezeptpflichtigen Medikamenten sind Stiftung-Warentest zufolge drei mit Einschränkungen geeignet. Orlistat in der Dosierung 120 Milligramm, Saxenda und Xenical. Die enthaltenen Wirkstoffe sind Orlistat, das Enzyme blockiert, die Fette aus der Nahrung aufspalten. Und Liraglutid, das blutzuckersenkend wirkt.

Alle drei Mittel sind für stark übergewichtige Menschen geeignet, helfen jedoch nur, wenn gleichzeitig die Ernährung umgestellt wird. Außerdem kann ihre Verträglichkeit noch nicht auf lange Sicht hin beurteilt werden.

Von Appetitzüglern mit Amphetaminen rät Stiftung Warentest generell ab. Sie können zu Unruhe, Herzrasen und Schwindel führen.

Auch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA warnt vor risikoreichen Diätpillen aus dem Netz: Immer häufiger sind diese als rein natürliche Nahrungsergänzungsmittel bezeichneten Präparate mit gefährlichen Arzneistoffen und Chemikalien gepanscht – deklariert werden solche Beigaben natürlich nicht.

Vorsicht vor Sibutramin

Der Wirkstoff Sibutramin war vor einigen Jahren in einem einzigen, allein auf Rezept erhältlichen Medikament zugelassen. Diese Diätpille wurde stark Übergewichtigen verschrieben, die durch kalorienarme Kost und verstärkte körperliche Aktivität allein keine ausreichende Gewichtsminderung erzielen konnten – allerdings in einer sehr viel geringeren Dosierung, als sie in vielen illegalen Diätpillen heute vorkommt.

Wegen der erheblichen Risiken dürfen Medikamente mit dem Wirkstoff Sibutramin seit Januar 2010 aber nicht mehr verkauft werden!

Nach der Einnahme von Sibutramin kam es vermehrt zu

Auch die Zahl der Herzinfarkte und Schlaganfälle ist nach der Behandlung mit Sibutramin gestiegen.

2,4-Dinitrophenol (DNP): Mit Sprengstoff gegen überflüssige Pfunde?

Einige der im Internet angebotenen illegalen „Fatburner“ können den Wirkstoff 2,4-Dinitrophenol (DNP) enthalten – eine lebensgefährliche chemisch-synthetische Beigabe.

Ursprünglich wurde DNP als Bestandteil von Sprengstoff verwendet – auch heute findet man es noch in Holzschutzmitteln und Insektiziden. Anfang des 19. Jahrhunderts stellte man fest, dass Arbeiter, die mit DNP in Kontakt kamen, erheblich an Gewicht verloren. Und so kam der Wirkstoff in den 1930er-Jahren als Diätpille auf den Markt.

Allerdings zeigten sich auch hier erhebliche Nebenwirkungen – es kam zu Schädigungen von Leber, Niere, Blutbildung, Herz-Kreislauf- und Nervensystem. 1938 wurde der Verkauf von DNP-enthaltenen Medikamenten gestoppt.

In den vergangenen Jahren sind mehrere Menschen an illegalen Diätpillen gestorben, denen der Wirkstoff DNP zugesetzt war.

Fazit Diätpillen: sinnvoll oder nicht?

Appetitzügler, Fettverdauungshemmer oder sonstige Diätpillen, die man in der Apotheke oder Drogerie findet, sind kein Ersatz für eine Ernährungsumstellung. Die Wirksamkeit der rezeptfreien Produkte ist wissenschaftlich meist nicht bestätigt. Die Vorher-Nachher-Bilder in der Werbung sowie die "Erfolgsgeschichten" sind größtenteils gefälscht.

Statt Diätpillen rät Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) lieber zu einer langfristigen Veränderung des Ernährungsverhaltens sowie mehr Bewegung. "Essen Sie mehrmals täglich Gemüse und Obst. Bevorzugen Sie Vollkornprodukte sowie fettarmes Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Fettreiche Lebensmittel sowie Süßigkeiten und Alkohol sollten in Ihrem Alltag nur eine ganz kleine Rolle spielen. Treiben Sie zudem regelmäßig Sport und nehmen Sie öfter mal das Rad oder gehen Sie zu Fuß, statt das Auto zu benutzen."