Lindan

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 12.07.2010

Hinweis

Seit Dezember 2007 dürfen Lindan-haltige Medikamente in Deutschland nicht mehr verkauft oder angewendet werden.
Der Wirkstoff reichert sich im Fettgewebe an und wirkt als Langzeitgift. Außerdem ist Lindan bei der Entsorgung problematisch, da es auch für Wasserorganismen giftig ist.

Allgemeines

Lindan wird gegen die Milben eingesetzt, die in der Haut Krätze (Scabies) hervorrufen, aber auch auf der behaarten Haut gegen Läuse (Pediculosis) am Kopf und im Schambereich (Filzläuse).

Welchem Zweck dient dieser Wirkstoff?

  • Parasiten im Haar, auf und in der Haut abtöten.

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Lindan im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Lindan nicht verwendet werden?

Lindan darf nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden bei Patienten mit:
  • Anfallsleiden (zum Beipiel Epilepsie)
  • allgemein geschwächtem Zustand
  • schweren Begleiterkrankungen oder altersbedingter Abwehrschwäche
  • einer stark geschädigten Haut.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Lindan darf nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. Lindan wird über die Haut aufgenommen, kann über den Mutterkuchen zum Ungeborenen oder mit der Muttermilch zum Säugling gelangen. Der Wirkstoff kann das Nervensystem des Kindes schädigen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Bei Säuglingen und Kindern bis zu zehn Jahren soll eine Behandlung mit Lindan prinzipiell nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Welche Nebenwirkungen kann Lindan haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Lindan. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Vereinzelte Nebenwirkungen:
Überempfindlichkeitsreaktionen, Reizungen, Juckreiz, Rötung.

Besonderheiten:
Bei Überdosierung beziehungsweise versehentlicher Einnahme kann es zu folgenden Symptomen kommen: Unruhe, Durchfall, Benommenheit, Kopfschmerzen, Übererregbarkeit, Zittern, Herzjagen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindelgefühl, erweiterte Pupillen, Krämpfe, bläuliche Verfärbung der Haut, Bewußtlosigkeit und Atemlähmung.

Überdosierungserscheinungen können bereits bei der Anwendung normal gebräuchlicher Dosierungen vorkommen. Besonders, wenn die Aufnahme des Wirkstoffes in die Blutbahn begünstigt wird, zum Beispiel bei stark geschädigter Haut oder durch die Anwendung warmen Wassers.

Überdosierungserscheinungen können außerdem bei unsachgemäßer Anwendung (zu häufiges Auftragen, Verwendung übergroßer Mengen) auftreten oder durch versehentliche Einnahme, durch Ablecken der behandelten Haut beziehungsweise durch Einatmen von Wirkstoff-Dämpfen.

Welche Wechselwirkungen zeigt Lindan?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die Anwendung zusammen mit Seife, waschaktiven Substanzen (Syndets) und stark fetthaltigen, äußerlich anzuwendenden Produkten (zum Beispiel Salben) ist zu unterlassen. Sie können die unerwünschte Aufnahme von Lindan in die Blutbahn fördern.

Zum Abwaschen eines Präparates mit dem Wirkstoff verwendet man am besten eine reichliche Menge lauwarmen Wassers.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Beim Auftreten von Überdosierungserscheinungen oder bei versehentlicher Einnahme ist sofort der Arzt aufzusuchen.
  • Um die mögliche Einatmung des Wirkstoffes nicht unnötig zu erhöhen, sollten während der Anwendung der Aufenthalt in heißen Räumen, heiße Bäder oder heißes Fönen der Haare vermieden werden.
  • Vorsicht ist geboten bei der Anwendung im Gesicht. Es ist darauf zu achten, daß der Wirkstoff nicht in die Augen und an die Schleimhäute kommt und insbesondere von den Kindern nicht abgeleckt wird.
  • Nichtinfizierte Personen, die anderen (zum Beispiel Kindern) bei der Anwendung von Lindan helfen, sollten die Hände mit Einmalhandschuhen schützen.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

So wirkt Lindan

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Lindan. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Hautmittel gegen Insekten, zu welcher der Wirkstoff Lindan gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Lindan

Lindan wird gegen die Milben eingesetzt, die in der Haut Krätze (Scabies) hervorrufen, aber auch auf der behaarten Haut gegen Läuse (Pediculosis) am Kopf und im Schambereich (Filzläuse).

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Lindan sind vertiefende Informationen verfügbar:

    Wirkungsweise von Lindan

    Lindan gehört zur Wirkstoffgruppe der Mittel gegen Läuse, Milben und Flöhe und ist ein Kontakt-, Fraß- und Atemgift. Das heißt, es wird von den Schädlingen durch Kontakt mit behandelten Oberflächen (Haare, Haut), durch Aufnahme von Blut mit dem Wirkstoff und durch Einatmung von Wirkstoff-Dämpfen aufgenommen.

    Die insektentötende Wirkung von Lindan beruht auf seiner Giftigkeit für die Nerven, die zu Krämpfen (Konvulsionen), Bewegungshemmung (Ataxie) und schließlich zum Tod durch vollständige Lähmung (Paralyse) führt.

    Als Ursache der Giftwirkung wird eine Behinderung des Energiestoffwechsels in den Nervenzellen der Schädlinge vermutet.

    Disclaimer:
    Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.