Rivotril 0,5

Hersteller: Hoffmann-La Roche AG
Wirkstoff: Clonazepam
Darreichnungsform: Tablette
Rezeptpflichtig

Wirkung

Rivotril 0,5 enthält den Wirkstoff Clonazepam.

Clonazepam wird bei verschiedenen Anfallsleiden im Säuglingsalter und Kindesalter und allen Erscheinungsformen der Epilepsie-Erkrankung im Erwachsenenalter eingesetzt.

Bei Säuglingen und Kleinkindern wird Clonazepam bei typischen und atypischen kleineren Krampfanfällen oder geistigen Abwesenheiten (Petit-mal-Epilepsien) angewendet. Auch einer Anfallsausbreitung auf den gesamten Körper (generalisierter Epilepsie) mit starrer Muskelanspannung (tonisch) oder schüttelnden Krämpfen (klonisch) kann mit Clonazepam begegnet werden.

Im Erwachsenenalter wird Clonazepam insbesondere bei auf eine bestimmte Körperregion begrenzten und von einem Herd im Gehirn ausgehenden (fokalen, lokalen, partiellen) Anfällen angewendet.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Clonazepam sind vertiefende Informationen verfügbar:

Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Benzodiazepine, Antiepileptika, zu welcher der Wirkstoff Clonazepam gehört.

Anwendungsgebiete laut Herstellerangaben

  • verschiedene Formen der Epilepsie bei Säuglingen und Kindern, insbesondere typische und atypische Petit-mal-Epilepsien (Anfälle, die nur bei Säuglingen und Kindern auftreten mit sekundenlangen Bewusstseinsstörungen) und primär oder sekundär generalisierte tonisch-klonische Krisen (Anfälle, die von Anfang an das ganze Gehirn oder zumindest Anteile beider Gehirnhälften gleichzeitig betreffen)
  • Epilepsie bei Erwachsenen, insbesondere fokale Anfälle (Anfälle, die nur einen Teil des Gehirns betreffen)

Dosierung

Dosierung und Anwendungsdauer sind im Einzelfall von der individuellen Reaktionslage, dem Allgemeinzustand, vom Alter und Gewicht des Patienten sowie von der Art und Schwere des Krankheitsbildes abhängig. Hierbei gilt der Grundsatz, die Dosis so gering und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten.

Dosierung:
Um Nebenwirkungen zu vermeiden, ist es am Anfang der Behandlung wichtig, mit niedrigen täglichen Einnahmemengen zu beginnen.
Erwachsene nehmen zweimal eine Tablette täglich (entsprechend 1 Milligramm Clonazepam), Schulkinder zweimal eine halbe Tablette (entsprechend 0,5 Milligramm Clonazepam). Dann soll die Dosis schrittweise bis zur täglichen Erhaltungsdosis, bei Erwachsenen bis zu 8 Milligramm täglich, bei Schulkindern 3 bis 6 Milligramm, verteilt auf drei bis vier Einzeldosen, gesteigert werden.
Bei älteren und geschwächten Patienten und bei Patienten mit reduziertem Allgemeinzustand richtet sich die Dosierung nach individueller Reaktion und Verträglichkeit.

Art und Dauer der Anwendung:
Die Tabletten sind teilbar.
Die Tabletten sind mit ausreichend Flüssigkeit (ca. ein Glas Wasser) unzerkaut einzunehmen.
Die Behandlung soll so kurz wie möglich sein.
Nach zweiwöchiger täglicher Einnahme soll überprüft werden, ob weiter behandelt werden soll.
Bei längerer Einnahmedauer (länger als eine Woche) soll beim Absetzen des Wirkstoffs die Dosis schrittweise verringert werden. Hierbei ist das vorübergehende Auftreten von Absetzphänomenen zu berücksichtigen.

Sonstige Bestandteile

Folgende arzneilich nicht wirksame Bestandteile sind in dem Medikament enthalten:

  • Eisen(III)-oxid (E 172)
  • Eisenoxid-hydrat (E 172)
  • Lactose-Monohydrat
  • Magnesiumstearat
  • Maisstärke
  • Talkum
  • vorverkleisterte Stärke (Kartoffelstärke)

Nebenwirkungen

Clonazepam kann folgende für die Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine typische Nebenwirkungen haben:

Häufige Nebenwirkungen:
Schläfrigkeit, Müdigkeit, Mattigkeit, verlängerte Reaktionszeit, verminderte Muskelspannung, Schwindel, Gangunsicherheit, Muskelschwäche.

Seltene Nebenwirkungen:
Blutplättchenmangel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Magenprobleme, Harninkontinenz, Nesselsucht, Juckreiz, Hautrötung, vorübergehender Haarausfall, Pigmentveränderungen, Libido-Verlust.

Sehr selten Nebenwirkungen und Einzelfälle:
vorübergehende vorzeitige Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale bei Kindern (inkomplette Pubertas praecox), allergische Reaktionen, allergischer Schock.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Herzversagen einschließlich Herzstillstand, verlangsamtes oder undeutliches Sprechen, Bewegungsunsicherheit, Augenzittern, Vergessen neuer Bewusstseinsinhalte, Zunahme der Anfallshäufigkeit, Doppeltsehen, Atemfunktionsstörungen, erhöhtes Risiko für Stürze und Brüche (besonders bei älteren Patienten), Erregbarkeit, Reizbarkeit, aggressives Verhalten, Unruhe, Nervosität, Feindseligkeit, Angstzustände, Schlafstörungen, Albträume, lebhafte Träume, Verwirrtheit, Desorientierung, Depressionen.

Besonderheiten:
Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es häufig zur vermehrten Produktion von Speichel oder Bronchialsekret; es muss für freien Abfluss gesorgt werden.

Wird Clonazepam als Injektionslösung zu schnell injiziert oder sind die Venen eng, kann eine Venenentzündung und eventuell ein Verschluss der Vene die Folge sein.

Die Einnahme von Benzodiazepinen wie Clonazepam kann zur Abhängigkeit mit Entzugserscheinungen führen. Bereits bei täglicher Anwendung über wenige Wochen kann sich eine Abhängigkeit entwickeln. Dies gilt nicht nur für die missbräuchliche Anwendung besonders hoher Dosen, sondern auch für den üblichen Dosisbereich während einer Behandlung.

Nach längerer Einnahme und plötzlichem Absetzen von Clonazepam treten Schlafstörungen und vermehrtes Träumen, Angst, Spannungszustände, Erregung, innere Unruhe, Zittern, Schwitzen, Erhöhung der Krampfbereitschaft mit Auslösen von Krampfanfällen und Psychosen mit Gedächtnisstörungen, Denkstörungen und Wahnvorstellungen auf. Die Behandlung mit dem Wirkstoff sollte daher immer mit langsam verminderten Dosen beendet werden.

Die abendliche Einnahme von Clonazepam kann noch am nächsten Morgen zu verminderter Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit sowie Restmüdigkeit führen.

Wegen der muskelerschlaffenden Wirkung ist besonders bei älteren Patienten eine erhöhte Sturzgefahr gegeben. Die Patienten müssen daher vor allem bei nächtlichem Aufstehen vorsichtig sein.

Die Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine kann zeitlich oder inhaltlich begrenzte Erinnerungslücken verursachen. Diese treten meist einige Stunden nach der Einnahme auf. Die Patienten sollten deshalb dafür sorgen, dass sie nach der Einnahme eine ununterbrochene Schlafdauer von etwa sieben bis acht Stunden einhalten können.

Anscheinend erhöht die Einnahme des Wirkstoffes die Selbstmordneigung, deshalb sind die Patienten sorgfältig zu überwachen.

Wechselwirkungen

Clonazepam hat folgende für die Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine typische Wechselwirkungen:

Medikamente, die das Gehirn beeinflussen, wie zum Beispiel Psychopharmaka, Schlafmitttel, Beruhigungsmittel, teils Schmerzmittel, Narkosemittel oder auch H1-Antihistaminika und Alkohol, verstärken sich zusammen mit Benzodiazepinen in der Wirkung.

Besonders die gleichzeitige Anwendung von opioiden Schmerzmitteln kann zu Betäubung, Unterdrückung der Atemfunktion, Koma und Tod führen. Erachtet der Arzt eine gleichzeitige Verschreibung in Ausnahmefällen für notwendig, wird er die niedrigste wirksame Dosis wählen und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich halten.

Benzodiazepine verstärken die Wirkung von muskelentkrampfenden Wirkstoffen, Schmerzmitteln und Lachgas. Das Magenmittel Cimetidin verstärkt und verlängert die Wirkung von Benzodiazepinen, die zunächst über die Leber verstoffwechselt werden, weil ihr Abbau verzögert ist.
Unter der Dauerbehandlung mit blutdrucksenkenden Medikamenten, die auch das Gehirn beeinflussen, mit Betablockern und Gerinnungshemmern sind Wechselwirkungen möglich. Art und Umfang sind nicht vorhersehbar.

Für Clonazepam sind noch weitere Wechselwirkungen bekannt:
Häufig wird bei Anfallsleiden mit mehreren Medikamenten, das heißt Antiepileptika, behandelt, wodurch sich die einzelnen Nebenwirkungen verstärken können. Bei jedem einzelnen Medikament ist es gegebenenfalls erforderlich, die Dosierung anzupassen.

Die Wirkstoffe der Barbiturate, Hydantoin und Carbamazepin regen Leberenzyme an, Medikamente schneller zu verstoffwechseln, und verringern daher deren Wirkung.
Die Blutspiegel von Phenytoin und Primidon können ansteigen, was die Wirkung verstärkt.
Bei gleichzeitiger Behandlung mit Valproinsäure können kleinere Anfälle (Petit-mal-Anfälle) ausgelöst werden.

Gegenanzeigen

Clonazepam darf wie alle Benzodiazepine nicht angewendet werden bei:
  • einer Überempfindlichkeit gegen Benzodiazepine
  • einer Abhängigkeit von Medikamenten, Drogen und Alkohol
  • Myasthenia gravis
  • schwerer Atemfunktionsstöung
  • schwerer Störung der Leberfunktion.
Eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung ist erforderlich bei
  • Bewegungsablaufstörungen, die vom erkrankten Rückenmark oder Gehirn verursacht werden.
  • akuter Vergiftung mit Alkohol, Schlafmitteln oder Schmerzmitteln, Neuroleptika, Antidepressiva und Lithium
  • schweren Leberschäden (zum Beispiel Gelbsucht aufgrund eines Gallengangverschlusses)
  • schwerer Nierenfunktionsstörung
  • schwerer chronischer Atemnot, insbesondere bei akuter Verschlechterung
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • der Stoffwechselerkrankung Porphyrie, weil sie sich verschlimmern kann
  • Patienten mit Depressionen und/oder Selbstmordversuchen in der Vorgeschichte; diese benötigen eine sorgfältige Überwachung des Arztes und der Angehörigen.
Hinweis:
Bei älteren Patienten kann die Ausscheidung von Clonazepam verlängert sein, was die Wirkung verstärkt. Außerdem können sie empfindlicher auf die Anwendung reagieren, besonders bei einer Herzerkrankung mit schwerer Atemnot. Deshalb sollte der Arzt bei älteren Patienten und Patienten in schlechterem Allgemeinzustand, mit hirnorganischen Veränderungen, Kreislaufschwäche und krankhaften Atembeschwerden die individuelle Reaktion auf den Wirkstoff kontrollieren.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Clonazepam und seine Hauptstoffwechselprodukte gelangen über den Mutterkuchen zum Ungeborenen. Sie können sich dort anreichern, was beim Kind zu Überdosierungen mit der Folge von Fehlbildungen und geistigen Einschränkungen führen kann.

Erhalten Mütter während der Schwangerschaft Benzodiazepine als Dauerbehandlung, in hohen Dosen oder während der Geburt, können die Kinder Entzugssymptome wie Atembeschwerden, erschlaffte Muskeln, erniedrigte Körpertemperatur und Trinkschwäche zeigen. Deshalb sollte Clonazepam besonders zwischen dem 20. und 40. Schwangerschaftstag möglichst niedrig dosiert werden. Auch Kombinationen mit anderen Arzneimitteln sind zu vermeiden.

Clonazepam und seine Stoffwechselprodukte gehen in die Muttermilch über. Da der Wirkstoff bei Neugeborenen wesentlich langsamer abgebaut wird als von Kindern oder Erwachsenen, kommt es zu Atembeschwerden und Trinkschwäche. Es sollte also bei einer Behandlung mit Clonazepam entweder nicht gestillt oder abgestillt werden.


Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Clonazepam ist zur Behandlung bei der Mehrheit der verschiedenen Erscheinungsformen von Anfallsleiden für Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder und Kinder zugelassen. Dazu zählen insbesondere kleinere Anfälle (Petit-mal-Anfälle) aber auch schwere, den gesamten Körper betreffende Krampfzustände.

Am Anfang der Behandlung ist es wichtig, mit niedrigen täglichen Dosen zu beginnen, um Nebenwirkungen zu vermeiden. Dann sollte die Dosierung schrittweise erhöht werden. Die endgültige tägliche Dosierung sollte im Laufe von zwei bis vier Behandlungswochen erreicht werden. Die Tagesdosen sind auf drei bis vier Einzelgaben über den Tag zu verteilen; sie dürfen, falls der Arzt es für erforderlich hält, überschritten werden.

Für die Behandlung des Status epileptikus (bei allen Epilepsieformen) steht eine fertige Injektionslösung zur Verfügung. Die Dosierung für Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder und Kinder wird vom Arzt pro Einzelgabe oder pro Tag nach Körpergewicht und Zustand bestimmt.

Warnhinweise

  • Die Reaktionsfähigkeit kann so weit beeinträchtigt sein, dass Autofahren, Arbeiten ohne festen Halt und das Bedienen von Maschinen gefährlich sind. Dies gilt besonders zu Beginn der Behandlung und im Zusammenwirken mit Alkohol.
  • Patienten mit einer eingeschränkten Leberfunktion benötigen geringere Dosierungen.
  • Eine längere Anwendung des Medikaments kann zu einer Abhängigkeit des Patienten führen.
  • Besonders Patienten mit einer Depression, verbunden mit Selbstmordgefährdung, sollten in sehr kurzen Zeitabständen ärztlich und auch von ihren Angehörigen überwacht werden.
  • Während der Behandlung darf kein Alkohol getrunken werden, da sich die dämpfenden Wirkungen gegenseitig verstärken können.
  • Die Behandlung muss mit langsam gesteigerten Dosierungen begonnen und mit langsam verminderten beendet werden.
  • Das Medikament enthält Lactose (Milchzucker), die von manchen Patienten schlecht vertragen wird.
  • Das Medikament darf nicht wärmer als 25 Grad und muss vor Licht geschützt gelagert werden.

Arzneimittel können allergische Reaktionen auslösen. Anzeichen hierfür können sein: Hautrötung, Schnupfen, Juckreiz, Schleimhautschwellung, Jucken und Rötung der Augen, Verengung der Atemwege (Asthma). In seltenen Fällen kann es zum allergischen Schock mit Bewusstlosigkeit kommen.

Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend einen Arzt.

Packungsgrößen

Packungsgröße und Darreichungsform
Wirkstoffgehalt (Dosierung pro Stück Tablette)
50 Stück Tabletten
500 Mikrogramm Clonazepam
100 Stück Tabletten
500 Mikrogramm Clonazepam

Vergleichbare Medikamente

Folgende Tabelle gibt einen Überblick über Rivotril 0,5 sowie weitere Medikamente mit dem Wirkstoff Clonazepam (ggf. auch Generika).

Medikament
Darreichungsform
Tabletten
Tabletten
Tabletten
Tabletten
Tropflösung

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.