Zu sehen sind eine Brille und ein offener Kontaktlinsenbehälter auf grünem Hintergrund.
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Kontaktlinsen: Welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten

Kontaktlinsen sind eine beliebte Alternative zur Brille. Doch Fehler bei ihrer Pflege und Handhabung verursachen oft Augenprobleme. Was genau kann dabei mit dem Auge passieren und wie lassen sich solche Komplikationen vermeiden?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Fehler im Umgang mit Kontaktlinsen

Augenprobleme durch Kontaktlinsen sind weit verbreitet. Oft sind die Probleme selbst verschuldet. Wer dann auch noch den Fehler macht, sie zu ignorieren, kann im Extremfall irgendwann keine Kontaktlinsen mehr tragen oder sogar an Sehkraft einbüßen.

Doch es gibt auch positive Nachrichten. Denn wer im Umgang mit Kontaktlinsen Fehler konsequent vermeidet, hat gute Chancen, die kleinen Sehhilfen dauerhaft zu vertragen und keine Komplikationen zu entwickeln. Lesen Sie, welche Fehler bei der Pflege und Handhabung von Kontaktlinsen typisch sind und wie man es besser macht.

Video: 9 typische Fehler im Umgang mit Kontaktlinsen

Mangelnde Händehygiene

Hygiene ist das A und O beim Umgang mit Kontaktlinsen. Kein Wunder, dass mangelnde Hygiene der Hauptgrund für Augenprobleme bei Kontaktlinsenträgerinnen und -trägern ist. Selbst bei der einfachsten Maßnahme – dem Händewaschen – hapert es oft.

Dabei ist nicht erst seit der Corona-Pandemie bekannt, dass die Hände eine große Rolle bei der Übertragung von Keimen spielen. Für eine Infektion reicht es oft schon, sich mit ungewaschenen Händen an Mund, Nase oder Augen zu fassen – oder eben seine Kontaktlinsen zu berühren.

So geht's richtig

Immer die Hände gründlich mit Seife waschen und mit einem sauberen Handtuch abtrocknen, bevor Sie Kontaktlinsen einsetzen oder wieder rausnehmen. So lässt sich verhindern, dass Keime von den Händen auf die Kontaktlinse und ins Auge gelangen.

Mangelnde Kontaktlinsenhygiene

Auch bei der Kontaktlinsenpflege mangelt es oft an Hygiene. Dabei ist eine sorgfältige Kontaktlinsenhygiene die Grundvoraussetzung dafür, dass die Linsen langfristig gut verträglich bleiben und den Augen nicht schaden.

So geht's richtig

Der erste Schritt zur richtigen Kontaktlinsenhygiene besteht darin, das passende Pflegesystem zu besorgen: Verwenden Sie nur Pflegemittel, die genau auf das Material Ihrer Kontaktlinsen abgestimmt sind. Aus medizinischer Sicht sind dabei Mehrphasensysteme grundsätzlich eher zu empfehlen als All-in-one-Systeme.

Wer nicht gerade Tageslinsen trägt, muss seine Kontaktlinsen täglich nach dem Rausnehmen mit einem speziellen Reinigungsmittel reinigen, anschließend abspülen und über Nacht in eine frische Desinfektionslösung legen. Wie das richtig geht, können Sie in der Anleitung des Pflegesystems nachlesen.

Wichtig bei der Kontaktlinsenhygiene ist auch, den Kontaktlinsenbehälter nicht zu vergessen. Spülen Sie den Behälter täglich sorgfältig aus und lassen Sie ihn anschließend an der Luft trocknen, damit sich in der Feuchtigkeit keine Keime vermehren. Alle drei bis sechs Monate sollten Sie den Kontaktlinsenbehälter gegen einen neuen austauschen.

Kontakt mit Wasser

Leitungswasser hat in Deutschland Trinkwasserqualität. Kontaktlinsen mit Wasser abzuspülen ist trotzdem ein Fehler – das gilt vor allem für weiche Linsen. Denn im Leitungswasser ist immer etwas enthalten, was den Linsen nicht guttut: zum Beispiel Kalk, Chlor, Keime oder Parasiten. All dies kann sich an den Linsen festsetzen und nachfolgend Augenprobleme bereiten.

Lesetipp: Leitungswasser trinken – auf Dauer gesund?

So geht's richtig

Zum Abspülen von Kontaktlinsen nur die entsprechende Lösung aus dem Pflegesystem oder Kochsalzlösung verwenden. Wichtig ist auch, die Linsen vorm Duschen oder Baden herauszunehmen.

In Schwimmbädern und Gewässern tummelt sich ebenfalls vieles, das nicht ins Auge gelangen sollte. Wer trotzdem mit Kontaktlinsen schwimmen gehen möchte, sollte darum immer eine gut sitzende Schwimmbrille tragen oder auf Einweglinsen zurückgreifen.

Kontakt mit Kosmetika

Erst schminken, dann Kontaktlinsen einsetzen: Den Fehler machen viele. Doch Kosmetika wie Wimperntusche, Lidschatten oder Eyeliner gelangen schnell mal ins Auge – und damit auf oder sogar unter die Kontaktlinsen. Die Partikel lassen sich nur schwer wieder von den Linsen entfernen und können diese sogar beschädigen.

So geht's richtig

Es empfiehlt sich grundsätzlich, die Kontaktlinsen vor dem Auftragen von Kosmetika und Augen-Make-up einzusetzen. Und auch beim Abschminken gilt: Erst die Linsen rausnehmen, dann das Make-up entfernen.

Zudem kommt es darauf an, geeignete Kosmetika zu verwenden – und sie richtig anzuwenden. So ist beispielsweise cremiger Lidschatten besser als puderförmiger, weil Letzterer leichter an der Kontaktlinse haften bleibt oder unter die Linse gerät. Und die Lidkanten sollten beim Schminken möglichst frei bleiben. Einen Lidstrich tragen Sie also besser außerhalb der Wimpernreihe auf.

Zu lange Tragezeiten

Morgens die Kontaktlinsen rein, abends vor dem Schlafengehen wieder raus: Wer den Augen täglich so lange Tragezeiten zumutet, tut ihnen keinen Gefallen. Denn jede Kontaktlinse beeinträchtigt den Hornhautstoffwechsel, was die Hornhaut auf Dauer schädigen kann.

Auch in Sachen Gesamttragedauer nehmen es manche Menschen mit den Herstellerangaben nicht so genau. Doch je älter die Kontaktlinsen, desto mehr Ablagerungen auf und im Linsenmaterial – zum Beispiel Fremdstoffe aus der Umwelt (wie Staub, Kosmetika) oder Bestandteile aus dem Tränenfilm.

So geht's richtig

Gönnen Sie Ihren Augen ausreichend lange Erholungsphasen. Wenn Sie beim Tragen der Kontaktlinsen ein unangenehmes Gefühl (wie Augenbrennen, ein Fremdkörpergefühl oder Juckreiz) verspüren, gilt: Sofort die Linse rausnehmen. Darum empfiehlt es sich, immer Ihre Brille und einen Linsenbehälter mit sich zu führen.

Zudem ist es wichtig, die Kontaktlinsen regelmäßig zu erneuern – entsprechend dem für Ihre Linsenart empfohlenen Austauschrhythmus: Tageslinsen täglich, Monatslinsen monatlich, Jahreslinsen jährlich (harte Linsen können bei guter Pflege auch länger halten).

Schlafen mit Linsen

Wenn einem abends vor Müdigkeit die Augen zufallen, kann es schon mal verlockend sein, die Kontaktlinsen einfach drin zu lassen. Bei normalen Linsen ist das jedoch schädlich: Im geschlossenen Zustand sind die Augen sowieso schon schlechter mit Sauerstoff und Feuchtigkeit versorgt. Mit Linsen zu schlafen verstärkt diesen Effekt.

So geht's richtig

Lassen Sie Ihre Kontaktlinsen auf keinen Fall über Nacht in den Augen. Die einzige Ausnahme besteht dann, wenn Sie spezielle Linsen besitzen, die sich ausdrücklich für das nächtliche Tragen eignen. Dazu gehören:

  • Orthokeratologie-Kontaktlinsen (kurz: Ortho-K-Linsen oder OK-Linsen, auch Nachtlinsen genannt)
  • Linsen, die zum verlängerten Tragen (vT) geeignet und zugelassen sind (diese kommen aber meist nur in Ausnahmefällen zum Einsatz)

Fehlende Kontrolle durch Fachkräfte

Es ist schon reizvoll, einfach neue Kontaktlinsen über das Internet bestellen zu können. Manche Menschen probieren auf diesem Weg sogar zum ersten Mal Linsen aus, ohne sich vorher fachlich beraten zu lassen. Fehler sind dann praktisch vorprogrammiert.

So geht's richtig

Lassen Sie Ihren Augen zuliebe die Kontaktlinsen in einer Praxis für Augenheilkunde anpassen. Dort kann man Ihre Augen gründlich untersuchen, Ihre Sehstärke bestimmen, Sie individuell zu den für Sie passenden Linsentypen beraten und Sie in die richtige Pflege und Handhabung der Linsen einweisen.

Denn nur eine gut angepasste Kontaktlinse in der richtigen Sehstärke ist für das Auge langfristig gut verträglich.

Wer Kontaktlinsen trägt, sollte zudem einmal jährlich zur augenärztlichen Kontrolluntersuchung gehen. Das ist nicht nur wichtig, um Veränderungen an den Augen oder Linsen festzustellen. Sondern auch, weil sich zum Beispiel einige Medikamente (wie Betablocker und Antibabypille) sowie hormonelle Umstellungen (wie Schwangerschaft oder Wechseljahre) auf die Tränenflüssigkeit auswirken können. Womöglich ist es dann nötig, den ursprünglich passenden Linsentyp zu wechseln.

Typische Augenprobleme durch Kontaktlinsen

Kommt es durch Kontaktlinsen zu Veränderungen an den Augen, bleibt das häufig zu lange unbemerkt. Darum ist es wichtig, dass Sie täglich Ihre Augen checken, bevor Sie Ihre Kontaktlinsen einsetzen.

Entdecken Sie dabei Auffälligkeiten (wie eine Rötung), verzichten Sie lieber auf die Linsen. Wenn sich der Zustand Ihrer Augen nicht bald bessert oder gar verschlechtert, sollten Sie eine Augenärztin oder einen Augenarzt aufsuchen. Sonst können sich schwerwiegendere Augenprobleme entwickeln. Besonders häufig sind:

Kontaktlinsenunverträglichkeit

Insgesamt klagen 23 bis 94 Prozent der Menschen mit Kontaktlinsenproblemen über eine Kontaktlinsenunverträglichkeit. Bei formstabilen Kontaktlinsen kommt das Problem häufiger vor als bei weichen Linsen.

Von Kontaktlinsenunverträglichkeit spricht man, wenn die Linsen vorübergehend oder dauerhaft ein unangenehmes bis schmerzhaftes Empfinden auf der Augenoberfläche auslösen. In der Eingewöhnungszeit sind diese Beschwerden normal. Nach spätestens ein paar Wochen sollten sie aber verschwunden sein.

Dauert die Kontaktlinsenunverträglichkeit länger an oder tritt sie erneut auf, kann das viele Gründe haben. So kann die Linse selbst der Auslöser sein – etwa weil sie nicht gut sitzt, nicht richtig gepflegt oder zu lange getragen wird.

Andere Einflüsse, die nachweislich zur Kontaktlinsenunverträglichkeit führen können, sind zum Beispiel Menge und Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit, Allergien, bestimmte Medikamente, Raumluftfeuchtigkeit, Zugluft und seltenes Blinzeln. Auch Alter und Geschlecht können die Verträglichkeit beeinflussen.

Was tun?

  • zugrunde liegende Augen- oder sonstige Erkrankungen behandeln
  • Umweltbedingungen verbessern (z. B. trockene, staubige Luft meiden)
  • benetzende Augentropfen verwenden
  • alte Linsen gegen neue austauschen

Trockene Augen

Etwa die Hälfte aller Kontaktlinsenträgerinnen und -träger entwickelt mit der Zeit trockene Augen. Das Problem kommt bei weichen und formstabilen Kontaktlinsen vor.

Trockene Augen sind mit unangenehmen Beschwerden verbunden: Durch die mangelnde Benetzung der Augenoberfläche kommt es typischerweise zu Augenbrennen, Fremdkörpergefühl und Sehstörungen.

Was tun?

  • zu Linsen mit höherer Sauerstoffdurchlässigkeit wechseln
  • Augen konsequent befeuchten (mit Tränenersatzmitteln)

Blutgefäße in der Hornhaut

Eigentlich hat die Hornhaut des Auges keine Blutgefäße. Unter bestimmten Umständen können sich aber unkontrolliert neue Gefäße bilden und in die Hornhaut hineinwachsen. Beispielsweise bei Sauerstoffmangel, der durch zu langes Tragen von Kontaktlinsen entstehen kann.

Eine solche Vaskularisation der Hornhaut kommt bei 1 bis 20 Prozent aller Kontaktlinsenträgerinnen und -träger vor. Bei weichen Kontaktlinsen ist das Problem weiter verbreitet als bei formstabilen Kontaktlinsen – vor allem wenn die Tragezeiten zu lang sind.

Was tun?

  • alte Linsen gegen neue austauschen
  • Tragezeiten ändern
  • ärztlich behandeln lassen

Hornhautentzündung

Kontaktlinsen zu tragen bedeutet ein erhöhtes Risiko für Hornhautentzündungen. Das liegt meist an einer winzigen Verletzung der Hornhaut in Verbindung mit verkeimten Kontaktlinsen oder Pflegemitteln. Auch wer seine Kontaktlinsen oder Augen mit ungewaschenen Händen berührt, kann Keime auf die Hornhaut übertragen.

Eine Hornhautentzündung kann durch verschiedene Erreger entstehen:

Bei weichen Kontaktlinsen tritt die Hornhautentzündung häufiger auf als bei formstabilen Linsen. Dabei können lange Tragezeiten, die den Sauerstoffmangel im Auge erhöhen, das Entzündungsrisiko deutlich steigern.

Was tun?

  • Kontaktlinsen rausnehmen
  • ärztlich behandeln lassen

Bindehautentzündung

Eines der häufigsten Augenprobleme im Zusammenhang mit Kontaktlinsen ist die gigantopapilläre Konjunktivitis (GPC): Das ist eine spezielle Form der Bindehautentzündung. Dabei kommt es vorwiegend am Oberlid zu pflastersteinartigen Wucherungen auf der Bindehaut.

Weitere typische Symptome der gigantopapillären Bindehautentzündung sind gereizte, gerötete und juckende Augen, Kontaktlinsen­unverträglichkeit, übermäßige Bewegungen der Kontaktlinsen und vermehrte Sekretbildung.

1,5 bis 47,5 Prozent der Kontaktlinsenträgerinnen und -träger entwickeln eine gigantopapilläre Konjunktivitis. Bei weichen Kontaktlinsen ist das Risiko für diese Form der Bindehautentzündung höher als bei formstabilen Linsen.

Was tun?

  • Kontaktlinsen rausnehmen
  • ärztlich behandeln lassen
  • Linsentyp wechseln