Eierstockzyste (Ovarialzyste): Symptome, Ursachen und Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (19. Dezember 2017)

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Eine dunkle Blase auf dem Ultraschall: Meist entdeckt der Frauenarzt eine Eierstockzyste per Zufall bei der Vorsorgeuntersuchung. In der Regel ist das Geschwulst kein Grund zur Sorge. Nur selten steckt eine ernsthafte Erkrankung dahinter. Ein Überblick über mögliche Ursachen und ihre Therapie

Was ist eine Eierstockzyste?
Eine Eierstockzyste (Ovarialzyste) ist eine von einer Kapsel umgebene, sackartige Geschwulst am Eierstock. Sie ist mit einem dünn- oder dickflüssigen Inhalt gefüllt. Der Begriff "Zyste" hat rein beschreibenden Charakter. Er sagt nichts darüber aus, ob die Veränderung gutartig oder bösartig ist. Eierstockzysten sind aber zum größten Teil gutartig.

Die meisten Eierstockzysten sind gutartige Veränderungen, die zum Beispiel durch einen Überschuss bestimmter Geschlechtshormone entstehen können. Diese sogenannten funktionellen Zysten verursachen meist keine Schmerzen, verschwinden von selbst wieder und erfordern keine Therapie.

Dennoch ist es wichtig, dass der Arzt die Ursache der Neubildung feststellt und Eierstockkrebs und andere behandlungsbedürftige Erkrankungen wie das polyzystische Ovarialsyndrom (PCO) oder Endometriose ausschließt.

 

Eierstockzyste (Ovarialzyste): Welche Ursachen stecken dahinter?

Eierstockzysten sind keine selbständig wachsenden Geschwulste wie etwa Eierstocktumore (Ovarialkarzinome), sondern entstehen durch eine Ansammlung von Flüssigkeit. Es gibt verschiedene Arten von Eierstockzysten mit unterschiedlichen Ursachen und Entstehungsmechanismen. Generell lassen sich Zysten am Eierstock einteilen in:

  • funktionellen Zysten, die hormonelle Ursachen haben und
  • Retentionszysten, die entstehen, wenn eine Drüse ihr Sekret nicht abgibt, sondern sich dieses in der Drüse sammelt.

Funktionelle Zysten

Follikelzysten

Bei Frauen im gebärfähigen Alter kommt es einmal im Monat zum Eisprung. Das Ei reift zunächst in einem Bläschen, dem sogenannten Graaf-Follikel, im Eierstock heran. Am Tag des Eisprungs platzt das Follikel dann und entlässt das Ei in den Eileiter, damit es befruchtet werden kann.

Unter bestimmten Bedingungen kann es jedoch passieren, dass das Follikel sich immer weiter mit Flüssigkeit füllt und wächst, ohne zu platzen. Graaf-Follikel werden normalerweise nicht größer als zwei Zentimeter. Wenn der Eisprung ausbleibt, kann ein Follikel zu einer bis zu 15 Zentimeter großen Zyste werden. Zu diesem übersteigerten Wachstum kann es kommen, wenn

  • der Körper zu große Mengen des follikelstimulierenden Hormons (FSH) bildet oder
  • das Follikel allzu empfindlich auf eine eigentlich normale FSH-Menge reagiert.

Corpus-luteum-Zysten

Eine Corpus-luteum-Zyste ist ein zystenförmig vergrößerter Gelbkörper. Der Gelbkörper (Corpus luteum) entsteht nach dem Eisprung aus den Resten des gesprungenen Graaf-Follikels. In der Schwangerschaft bleibt der Gelbkörper in den ersten drei Monaten erhalten und bildet Hormone, die die Schwangerschaft aufrechterhalten. Manchmal kommt es vor, dass sich in dieser Zeit Blut im Gelbkörper sammelt. Dieser schwillt dann zur Zyste an.

Auch bei nicht-schwangeren Frauen kommen Corpus-luteum-Zysten vor. Normalerweise bildet sich der Gelbkörper zurück, wenn die Eizelle nicht befruchtet wird. Dadurch sinkt der Hormonspiegel und löst die Menstruation aus. Bestimmte Einflüsse – etwa eine Hormontherapie – können jedoch bewirken, dass sich größere Mengen Blut im Gelbkörper sammeln. Dann bildet sich dieser zunächst nicht zurück, sondern wächst zur Zyste heran.

Luteinzysten

Luteinzysten bilden sich meist in beiden Eierstöcken, wenn die Produktion von bestimmten Hormonen stark erhöht ist, die die Eizellen in den Eierstöcken zum Reifen anregen. Zu diesen Hormonen zählen

  • das sogenannte humane Choriongonadotropin HCG, welches der Mutterkuchen (Plazenta) in den ersten Schwangerschaftsmonaten bildet sowie
  • die Hormone FSH, LH und Prolaktin, welche aus der Hirnanhangdrüse stammen.

Ungewöhnlich große Mengen an HCG bildet die Plazenta beispielsweise, wenn eine Frau mit mehreren Kindern schwanger ist. Manchmal stecken aber auch bestimmte Erkrankungen dahinter, zum Beispiel Tumoren oder eine Entwicklungsstörung der Plazenta (sogenannte Blasenmole).

FSH, LH und Prolaktin bekommen unfruchtbare Frauen im Rahmen einer Hormontherapie verabreicht. Die Hormone können einen Eisprung herbeiführen und somit die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöhen. Luteinzysten können als Nebenwirkung dieser Behandlung entstehen.

Luteinzysten bilden sich meist von selbst zurück, wenn ihre Ursachen beseitigt werden – etwa nach der Geburt der Mehrlinge beziehungsweise nach dem Absetzen der Hormonbehandlung.

Zysten bei PCO 

PCO ist eine hormonelle Störung, die dazu führt, dass der Eisprung ausbleibt. Die betroffenen Frauen haben einen Überschuss an männlichen Hormonen. Dieser bewirkt, dass die Eibläschen nicht zu befruchtungsfähigen Eizellen heranwachsen. Stattdessen werden die Eibläschen zu kleinen Zysten, die sich perlenschnurartig im Randbereich der Eierstöcken aufreihen.

Endometriosezysten

Ein weiteres Krankheitsbild, welches zu Zysten an den Eierstöcken führen kann, ist die sogenannte Endometriose. Bei den Betroffenen siedelt sich Gewebe der Gebärmutterschleimhaut in anderen Organen an, manchmal auch im Eierstock. Während der Menstruation beginnen diese Gebärmutterschleimhaut-Stückchen, zu bluten. Anders als die Gebärmutter gibt es in den Eierstöcke jedoch keinen Abfluss für das Menstruationsblut. Deshalb bilden sich dort Zysten.

Endometriosezysten haben ein charakteristisches Aussehen. Sie enthalten dunkelbraune, eingedickte Blutabbauprodukte und werden deshalb auch als Schokoladenzysten bezeichnet.

Retentionszysten

Eine Retentionszyste entsteht, wenn sich Drüsenflüssigkeit staut. Drüsen bilden als sogenannte exkretorische Organe Flüssigkeit (Sekret) und leiten sie – zum Beispiel über einen Gang – ab. Wird der Abfluss gestört, sammelt sich vermehrt Sekret an. Durch diesen Rückstau (Retention) schwillt die Drüse zu einer Zyste an.

Zu den Retentionszysten zählen beispielsweise die sogenannten Dermoidzysten. Dermoidzysten sind von den Keimzellen abstammende, angeborene Fehlbildungen. Sie können Haare, Talg, Knorpel- oder Knochengewebe sowie Zähne enthalten. Dermoidzysten sind gutartige Veränderungen und machen etwa ein Drittel aller gutartigen Neubildungen an den Eierstöcken aus. Sie treten vor allem bei jüngeren Frauen auf. In seltenen Fällen entartet eine Dermoidzyste in einen bösartigen Tumor.

Eierstockzyste (Ovarialzyste): oft ohne Symptome

Häufig ist eine Eierstockzyste nur wenige Zentimeter groß und verursacht keine Symptome. Der Arzt entdeckt sie meist zufällig im Rahmen der gynäkologischen Ultraschalluntersuchung.

Erreicht eine Zyste eine gewisse Größe, übt sie Druck auf die Nachbarorgane aus. Das kann sich in folgenden Symptomen äußern:

Wenn eine Eierstockzyste platzt, macht sich das häufig durch heftige Schmerzen bemerkbar. Meist ist eine solche sogenannte Ruptur ungefährlich. Doch in einzelnen Fällen können dabei Gefäße Schaden nehmen. Dadurch hervorgerufene Blutungen in den Bauchraum muss der Arzt operativ beseitigen.

Starke Schmerzen im Unterbauch und andere Symptome wie Durchfall und Übelkeit können allerdings auch darauf hindeuten, dass sich die Zyste um die eigene Achse gedreht hat. Diese sogenannte Stieldrehung kann dazu führen, dass die Blutzufuhr zum Eierstock unterbrochen wird. In diesem Fall ebenfalls eine Operation notwendig.

Eierstockzyste (Ovarialzyste): Wie stellt der Arzt sie fest?

Bei der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung tastet der Arzt die Gebärmutter, den Eileiter und die Eierstöcke der Patientin ab. Mit dieser sogenannten Tastuntersuchung kann er große Zysten feststellen. Kleine Zysten fallen meist im Rahmen der Ultraschalluntersuchungen auf, die ebenfalls Bestandteil der Vorsorgeuntersuchung sind.

Hat der Arzt eine Zyste entdeckt, wird er zunächst versuchen, die Ursache zu ermitteln. Manchmal geben bereits die Ultraschallaufnahmen einen Hinweis darauf, welcher Zystentyp vorliegt.

Wenn nicht, sind weitere Untersuchungen notwendig. Der Arzt kann etwa:

  • das Blut des Patienten untersuchen, um bestimmte Tumormarker sowie Entzündungs- und Hormonwerte zu prüfen, und/oder
  • eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) durchführen.

Bei einer Bauchspiegelung kann der Arzt zudem Gewebeproben aus der Eierstockzyste entnehmen und diese unter dem Mikroskop untersuchen. Auf diese Weise kann er beispielsweise eine Endometriosezyste von einem bösartigen Tumor abgrenzen.

Ergeben sich aus dem Ultraschallbild Hinweise auf eine Dermoidzyste, prüft der Arzt in einer anschließenden Operation, ob es sich tatsächlich um diese Form der Eierstockzyste handelt.

Zyklisch auftretende Schmerzen und Blutungsstörungen bei jüngeren Frauen weisen in erster Linie auf eine funktionelle Zyste hin. Hier ist eine Operation meist nicht notwendig, da sie sich für gewöhnlich spontan zurückbilden. Bei Kontrolluntersuchungen sind sie oft nicht mehr nachweisbar.

Eierstockzyste (Ovarialzyste): Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich nach der Art und Größe der Zyste.

Funktionelle Zysten erfordern meist keine Therapie, da sie sich oft spontan zurückbilden und erst ab einer gewissen Größe Beschwerden verursachen. Es ist jedoch sinnvoll, die Zyste regelmäßig vom Arzt kontrollieren zu lassen, um bösartige Veränderungen auszuschließen. Besonders wichtig ist dies bei Patientinnen nach der Menopause.

Wenn eine Zyste über mehrere Monatsblutungen hinweg bestehen bleibt, ihre Größe nicht ändert, wächst und/oder Beschwerden verursacht, kann der Arzt sie im Rahmen einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) entfernen.

Auch Endometriosezysten kann der Arzt im Rahmen einer Bauchspiegelung beseitigen. Allerdings entwickeln viele Frauen nach einigen Jahren neue Zysten. Bei Patientinnen mit stark ausgeprägten Beschwerden besteht dann die Möglichkeit, die Eierstöcke komplett zu entfernen, damit diese keine Geschlechtshormone mehr produzieren. Ohne diese Hormone können die Endometriosezysten und andere Endometriose-Herde im Körper nicht weiter wachsen. Allerdings ist dieser Eingriff mit starken Nebenwirkungen verbunden, da der plötzliche Wegfall dieser Hormone häufig starke Beschwerden hervorruft.

Verträglicher ist die Therapie mit hormonellen Wirkstoffen, die die körpereigene Hormonproduktion in den Eierstöcken hemmen. Dazu zählen etwa Verhütungsmittel wie die Antibabypille. (Für Patientinnen mit Kinderwunsch ist diese natürlich ungeeignet.)

Auch Patientinnen mit PCO kann die Antibabypille helfen. Bei ihnen wirkt das hormonelle Verhütungsmittel dem Überschuss männlicher Hormone entgegen. Dadurch lassen sich häufig die für PCO typischen Beschwerden wie Akne und übermäßige Körperbehaarung lindern. Wünscht sich die Betroffene ein Kind, kann eine Therapie mit Clomifen helfen, einen Eisprung herbeizuführen und eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Eierstockzyste (Ovarialzyste): Verlauf

Funktionelle Zysten bleiben in der Regel nur einige Wochen bestehen und bilden sich dann von selbst zurück.

Schwerwiegende Komplikationen sind selten. Die Zyste kann zerplatzen, was zu starken Schmerzen führen kann. Diese sogenannte Ruptur ist aber in der Regel harmlos. In einzelnen Fällen können jedoch durch das Zerreißen von Gefäßen Blutungen in den Bauchraum auftreten, die der Arzt mittels einer Operation stoppen muss.

Manchmal kommt es – zum Beispiel als Folge ruckartiger Bewegungen – vor, dass sich eine Zyste um ihre eigene Achse dreht. Eine solche sogenannte Stieldrehung kann die Blutversorgung des Eierstocks beeinträchtigen. In diesem Fall kann der Arzt die Zyste operativ entfernen, um die Blutzufuhr zum Eierstockgewebe wiederherzustellen und dieses vor dem Absterben zu schützen.

Kann man Eierstockzysten vorbeugen?

Funktionelle Eierstockzysten bilden sich durch den Einfluss von Geschlechtshormonen. Theoretisch ließe sich die Produktion dieser Hormone mit Medikamenten hemmen. Allerdings ist das normalerweise weder sinnvoll noch notwendig: Viele funktionelle Ovarialzysten bilden sich spontan zurück und treten nicht wieder neu auf. Zudem geht eine Hemmung körpereigener Geschlechtshormone mit Nebenwirkungen einher und eignet sich nicht für Frauen mit Kinderwunsch.

Anders verhält es sich beim polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO): Dieser Erkrankung lässt sich möglicherweise vorbeugen. Zwar ist die Ursache von PCO noch nicht geklärt. Jedoch gehen Mediziner davon aus, dass Übergewicht und eine Vorstufe von Diabetes (das sogenannte Insulinresistenzsyndrom) die Entwicklung von PCO begünstigen. Mit einer gesunden Ernährung und ausreichend Sport lassen sich diese Risikofaktoren minimieren.

Da man die Ursache der Endometriose noch nicht genau kennt, lässt sich dieser Erkrankung nicht vorbeugen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Eierstockzyste (Ovarialzyste)":


Quellen:

Eierstockzysten. Online-Informationen des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein: www.uksh.de (Abrufdatum: 19.12.2017)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Haag, P. et al.: Gynäkologie und Urologie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014

Stauber, M.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Aktualisiert am: 18. Dezember 2017

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