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Anis

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Zuletzt bearbeitet von Astrid Clasen • Medizinredakteurin

Der Anis (botanische Bezeichnung: Pimpinella anisum) ist – wie beispielsweise auch Kümmel und Fenchel – eine Heil- und Gewürzpflanze aus der Familie Doldenblütler (Apiaceae). In Europa hat die Verwendung von Anis als Heilpflanze eine lange Tradition. Zum Einsatz kommen dabei nur die Früchte des Anis (sog. Anissamen).

Allgemeines

Anis – auch als kleiner Anis oder süßer Kümmel bekannt – ist eine etwa 50 cm hohe krautige Pflanze. Die weißen Blüten des Anis sind in 7- bis 15-strahligen Dolden angeordnet, die unteren Blätter sind ungeteilt, die mittleren dreilappig und die oberen zwei- bis dreifach gefiedert. Ursprünglich stammt Anis vermutlich aus dem Nahen Osten; sein Anbau geschieht heute auch in vielen anderen wärmeren Gegenden der Erdkugel.

In der Pflanzenheilkunde finden die getrockneten Anisfrüchte (zerrieben oder zerdrückt) oder das aus den Früchten gewonnene ätherische Öl Verwendung. Ansonsten macht man sich Anis als Geschmacksträger bei der Herstellung von Lebensmitteln und Getränken zunutze: Bekannte anishaltige Getränke sind etwa der griechische Anisschnaps Ouzo und der französische Anislikör Pernod.

Achtung: Anis und Sternanis sind zwei verschiedene Pflanzen! Der Sternanis (auch als chinesischer Sternanis bezeichnet) heißt botanisch Illicium verum. Allerdings sind Anisfrüchte leicht mit den Früchten von Sternanis zu verwechseln: Beide sind nicht nur im Hinblick auf die Inhaltsstoffe vergleichbar, sondern haben auch weitere ähnliche Merkmale – beispielsweise den Geruch. Im Geschmack unterscheiden sich beide jedoch deutlicher: Während Anis süßlich und aromatisch schmeckt, hinterlässt Sternanis einen brennend würzigen Geschmack. Da Anisöl sehr teuer ist und auch nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, ersetzen Lebensmittel- oder Getränkehersteller es häufig durch das Sternanisöl.

Da der am Markt angebotene Anis heutzutage überwiegend aus gezieltem Anbau stammt, sind Verwechslungen und Verunreinigungen mit den ähnlich aussehenden, giftigen Schierlingsfrüchten äußerst selten.

Wirkung und Inhaltsstoffe

Die dem Anis in der traditionellen Pflanzenheilkunde zugeschriebene Wirkung geht auf bestimmte Inhaltsstoffe zurück: Zu den Hauptbestandteilen von Anis gehört ätherisches Öl, das bis zu 95 Prozent Anethol enthält, welches als Geschmacks- und Geruchsträger gilt. Des Weiteren enthält Anis unter anderem fettes Öl, Phenolcarbonsäuren und Flavonoide.

Dabei verleiht vor allem das ätherische Öl dem Anis seine medizinische Wirkung: Der traditionelle Einsatz von Anis als Heilpflanze beruht weitgehend auf seinen krampflösenden, schleimlösenden und antibakteriellen Eigenschaften. So kann Anis beispielsweise das Wachstum verschiedener Bakterien und Pilze hemmen, die als Krankheitserreger des Menschen bekannt sind. Daneben können wässrige Auszüge bronchienerweiternd wirken. Entsprechend findet Anis traditionell als Mittel gegen leichte, krampfartige Magen-Darm-Beschwerden (einschließlich Blähungen) und Infektionen der oberen Atemwege Verwendung.

Anwendungsgebiete

Anis kommt für verschiedene traditionelle Anwendungsgebiete als pflanzliches Arzneimittel zum Einsatz. In erster Linie macht man sich Anis in der Pflanzenheilkunde zunutze, um leichte, krampfartige Magen-Darm-Beschwerden einschließlich Blähungen zu behandeln. Daneben kommt Anis häufig als Schleimlöser gegen erkältungsbedingten Husten helfen. Diese Verwendungen beruhen auf langer traditioneller Erfahrung.

Dosierung und Anwendung

Für Anis gilt folgende Dosierung zur oralen Anwendung (d.h. über den Mund) als empfehlenswert:
Für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene: . . Anis ist nicht für Kinder unter 12 zu empfehlen, weil keine hinreichenden Daten vorliegen, um die Sicherheit ausreichend zu bewerten.

Für Kinder unter 12 Jahren ist die Anwendung von Anis nicht zu empfehlen, weil keine hinreichenden wissenschaftlichen Daten vorliegen, um die Sicherheit ausreichend zu bewerten.

Hinweise

Bevor Anis als Arzneimittel zum Einsatz kommt, sind verschiedene Hinweise zu beachten: So ist Anis für Kinder unter 12 nicht zu empfehlen. Auch während der Schwangerschaft und Stillzeit ist von einer Behandlung mit Anis abzuraten.

Des Weiteren können Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Anis oder Anethol (einem Bestandteil seines ätherischen Öls) allergische Reaktionen der Haut und der Atemwege oder des Magen- Darm-Bereichs entwickeln, wenn sie Anis oder Zubereitungen daraus einnehmen. Gleiches gilt bei einer Allergie gegenüber anderen Doldenblütlern (wie Fenchel, Kümmel, Sellerie, Koriander oder Dill). Auch wer schon einmal auf überempfindlich auf Korbblütler (wie Arnika, Kamille, Ringelblume) reagiert hat, sollte auf den Gebrauch von Anis verzichten, weil es dann zu Kreuzreaktionen kommen kann.

Grundsätzlich gilt: Wenn akute Beschwerden trotz Behandlung mit Anis bestehen bleiben, ist es ratsam, zum Arzt zu gehen!

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de (Abrufdatum: 28.5.2014)

Bühring, U.: Praxis-Lehrbuch der modernen Heilpflanzenkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Schmiedel, V., Augustin, M. (Hrsg.): Leitfaden Naturheilkunde. Urban & Fischer, München 2012

Online-Informationen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency): www.ema.europa.eu (Stand: 2007)

Kraft, K.: Checkliste Phytotherapie. Thieme, Stuttgart 2000

Wenigmann, M.: Phytotherapie. Urban & Fischer, München 1999

Letzte inhaltliche Prüfung: 28.05.2014
Letzte Änderung: 04.04.2018