Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Belastende Pigmentstörung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (19. Dezember 2017)

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Bei Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) bilden sich weiße Flecken auf der Haut. Die Pigmentstörung ist zwar ungefährlich, psychisch jedoch oft sehr belastend.

Was ist Vitiligo?

Vitiligo (auch: Weißfleckenkrankheit) ist eine nicht ansteckende Pigmentstörung der Haut. Dabei gehen die sogenannten Melanozyten zugrunde. Melanozyten sind Pigmentzellen, die der Haut ihre Färbung geben. Durch den Mangel an Pigmentzellen bilden sich an unterschiedlichen Stellen weiße, scharf begrenzte Flecken, die sich in der Regel im Laufe der Zeit vergrößern.

In den meisten Fällen verläuft die Weißfleckenkrankheit chronisch und schreitet fort, da immer mehr Pigmentzellen absterben.

Wie häufig ist Vitiligo?

Vitiligo zählt zu den häufigsten Störungen des Pigmentsystems. Etwa 1 von 100 Personen erkrankt  im Laufe ihres Lebens daran. Vitiligo kann in jedem Lebensalter ausbrechen. In etwa der Hälfte der Fälle beginnt die Erkrankung vor dem 20. Lebensjahr. In manchen Familien tritt die Weißfleckenkrankheit gehäuft auf.

Ausdehnung der Vitiligo

Je nachdem, wie groß der pigmentlose Anteil der Hautoberfläche ist und wie die Flecken auf dem Körper verteilt sind, unterscheiden Mediziner:

  • lokale Vitiligo: Bei der lokalen Vitiligo sind nur vereinzelt weiße Flecken vorhanden.
  • generalisierte Vitiligo:
    •    Vitiligo vulgaris: Es erscheinen größere Flecken an mehreren Körperbereichen. Meist sind hierbei die Areale auf beiden Körperseiten betroffen (symmetrische Anordnung). Diese Vitiligo vulgaris ist die häufigste Form der Weißfleckenkrankheit
    • Vitiligo acrofacialis: Bei dieser Form treten die Flecken insbesondere im Gesicht sowie an Händen und Füßen auf.
    • universelle Vitiligo: Über 80 Prozent der Körperoberfläche sind depigmentiert (= weiß).

    Treten die Flecken nur in einer Körperhälfte auf, sprechen Ärzte von einer segmentalen Vitiligo.

    Beine mit Vitiligo © Jupiterimages/iStockphoto

    Vitiligo am rechten Schienbein. Aufgrund der charakteristischen Symptome bezeichnet man Vitiligo auch als Weißfleckenkrankheit.

    Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Ursachen

    Die Ursachen von Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) sind noch nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler konnten im Blut erkrankter Personen bestimmte Antikörper nachweisen. Diese richten sich gegen die, die bei Vitiligo zugrunde gehen: gegen die Melanozyten. Daher vermutet man, dass das Immunsystem die körpereigenen Pigmente angreift. Warum dies passiert, ist bisher unklar.

    Einige Patienten entwickeln zusätzlich Antikörper gegen andere Gewebe oder leiden zugleich an bestimmten Autoimmunerkrankungen. Das unterstützt die Annahme, dass es sich bei Vitiligo um eine Immunreaktion gegen den eigenen Körper handelt.

    Die Vererbung scheint bei der Entstehung der Weißfleckenkrankheit eine Rolle zu spielen: Etwa drei von zehn Betroffenen haben ein Familienmitglied, das ebenfalls Vitiligo hat.

    Schwere SonnenbrändeStress oder lokale Hautschädigungen, etwa im Rahmen einer Schuppenflechte, begünstigen die Entstehung der Vitiligo.

    Füße mit Vitiligo © Jupiterimages/iStockphoto

    Bei Vitiligo sind zu wenig Pigmentzellen vorhanden, die für die Hautfärbung zuständig sind.

    Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Symptome

    Charakteristisch für Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) sind weiße (depigmentierte), scharf begrenzte Hautflecken. Meist sind diese Flecken auf beiden Körperseiten symmetrisch angeordnet (also z.B. beide Kniekehlen, beide Handrücken). Sie können aber auch nicht-symmetrisch verteilt sein. Die Flecken können in ihrer Größe variieren und ineinander übergehen.

    Die weißen Flecken können sich an allen Körperstellen zeigen, so zum Beispiel

    • im Gesicht, etwa um die Augen, auf den Augenlidern oder um den Mund herum,
    • an Finger- und Handgelenken,
    • an den Ellenbogen,
    • an den Knien
    • an den Armen,
    • in der Gesäßfalte und der Genitalregion,
    • an Schleimhäuten oder
    • auf den Unterarmen.

    Haare, die auf depigmentierten Hautstellen wachsen, können weiß sein, während sie an anderen Körperstellen normal gefärbt sind (sog. Poliosis circumscripta). Depigmentierungen der Schleimhäute, besonders der Lippen und Mundschleimhaut, können ebenfalls vorkommen; sie fallen bei dunklen Hauttypen optisch besonders auf. Selten sind auch die Augen oder das Innenohr von der Erkrankung betroffen. Einige der Erkrankten verspüren Juckreiz, wenn ein neuer Fleck entsteht.

    Hand mit Vitiligo © Jupiterimages/iStockphoto

    Vitiligo an der Hand

    Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Diagnose

    Bei Verdacht auf Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) wird sich der Arzt im Gespräch zunächst nach der Krankengeschichte und möglichen Auslösern erkundigen. So wird er zum Beispiel wissen wollen,

    • wo die Flecken auftreten,
    • seit wann die Flecken schon bestehen,
    • ob und in welchem Zeitraum sich die Flecken vergrößert haben,
    • ob sein Patient weitere Beschwerden hat, z.B. Hautirritationen oder -entzündungen,
    • ob und welche Medikamente sein Patient einnimmt,
    • ob der Patient unter bestimmten Erkrankungen leidet, die häufig im Zusammenhang mit Vitiligo auftreten (z.B. Diabetes mellitus),
    • ob weitere Familienmitglieder an Vitiligo erkrankt sind oder
    • ob den Flecken emotionaler Stress, Sonnenbrand oder eine körperliche Erkrankung vorausgegangen ist.

    Im Rahmen der körperlichen Untersuchung betrachtet der Hautarzt die betroffenen Stellen genau. Dabei ermittelt er, wie viel Prozent der Körperoberfläche von Vitiligo befallen sind. Unter UV-Licht (Wood-Licht) kann der Arzt die depigmentierten Bereiche besonders gut betrachten. Auch die Schleimhäute zieht er bei der Dokumentation mit ein (Mundschleimhaut, Genitalbereich). Sind die Haare auf den betroffenen Hautpartien weiß, ist das ein Anzeichen dafür, dass die Erkrankung weit fortgeschritten ist. Gegebenenfalls kann auch ein Gang zum Augenarzt Aufschluss bringen, denn viele Vitiligo-Patienten weisen Pigmentveränderungen an der Netzhaut auf.

    Vitiligo kommt bei bestimmten Krankheiten häufiger vor, so zum Beispiel im Rahmen von Diabetes oder bei Schilddrüsenerkrankungen. Mithilfe einer Blutuntersuchung wird der Arzt die Laborwerte bestimmen. Unter anderem wird er prüfen, ob die Funktion der Schilddrüse gestört ist und ob es Hinweise auf Diabetes mellitus gibt. Sollten die Laborwerte oder die Befragung weitere Hinweise auf Vitiligo ergeben, wird er zusätzliche Untersuchungen veranlassen.

    Zudem muss der Arzt ausschließen, dass eine andere Erkrankung vorliegt, die ähnliche Symptome wie Vitiligo verursacht, so zum Beispiel:

    • Naevus depigmentosus (angeborene Depigmentierung der Haut, meist am Stamm)
    • Naevus anaemicus (heller Fleck auf der Haut, häufig am Stamm und den Extremitäten, bedingt durch Verengungen der Blutgefäße in diesem Hautareal)
    • Piebaldismus (eine Art des Albinismus)
    • Hypomelanosis guttata: Es tritt eine Vielzahl weißer, bis linsengroßer Flecken auf, vor allem an den Streckseiten der Beine bei Frauenab dem dritten Lebensjahrzehnt; mögliche Ursachen: nach Hautverletzungen (Rasur), nach UV-Lichtschäden
    • mit schwarzem Hautkrebs (Melanom)einhergehende Minderpigmentierung
    • Pityriasis versicolor alba (Hefepilz-Infektion, die die Hautfarbe verändert)

    Behandlung der Vitiligo

    Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) ist bislang nicht heilbar und schreitet in den meisten Fällen weiter fort. Ob eine Therapie sinnvoll ist und welche Behandlung infrage kommt, hängt unter anderem davon ab, 

    • wie stark die Erkrankung ausgeprägt ist und 
    • wie sehr der Betroffene darunter leidet.

    Bei der Phototherapie werden die betroffenen Hautareale mit UV-Licht bestrahlt. Bei der Vitiligo können unterschiedliche Formen der Phototherapie helfen, so zum Beispiel die UVB-Schmalspektrum-Therapie, bei der die Haut energiereicher UVB-Strahlung (Wellenlänge 311 Nanometer) ausgesetzt wird. Eine Alternative ist der sogenannte Xenonchlorid-Excimerlaser (Wellenlänge 308 Nanometer).

    Eine stärkere Wirkung hat die PUVA-Therapie. Allerdings ist auch das Risiko für Nebenwirkungen höher. PUVA ist die Abkürzung für Psoralen und UVA. Das bedeutet: Bei der Therapie kombiniert man den Lichtsensibilisator Psoralen mit einer anschließenden Bestrahlung mit UVA-Licht. Das Psoralen wird zum Beispiel als Creme, Bad oder Dusche auf die Haut aufgetragen. Es bewirkt, dass die Haut empfindlicher auf UV-Strahlen reagiert, sodass nur eine geringe Bestrahlung mit UVA-Licht nötig ist.

    Die Phototherapie kann mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden, die auf die Haut aufgetragen werden. Dazu zählen unter anderem kortisonhaltige Präparate. Allerdings sollten diese nicht über einen längeren Zeitraum verwendet werden, da die Haut dadurch dünner werden kann.

    Zu weiteren mögliche Behandlungsmöglichkeiten zählen unter anderem:

    • Kosmetika: Mithilfe kosmetischer Produkte wie z.B. Camouflage lassen sich die Flecken überschminken. Auch Selbstbräuner können geeignet sein.
    • Sonnenschutz: Die Haut von Vitiligo-Patienten gilt als empfindlicherund sollte durch einen entsprechend hohen Lichtschutzfaktor geschützt werden. Ein Sonnenschutz trägt auch dazu bei, dass sich die gesunden Hautstellen optisch nicht allzu sehr von den weißen Stellen absetzen, wie das bei starker Sonnenbräune der Fall wäre.
    • Bleichen: Bei stark ausgeprägter Vitiligo ist es möglich, Bleichmittel einzusetzen, um die noch verbliebenen dunkleren Hautareale aufzuhellen. Bleichen ist das letzte Mittel bei einer stark ausgebildeten (universellen) Vitiligo. Der Prozess lässt sich nicht rückgängig machen. Wer sich mit dem Thema Bleichen auseinandersetzt, sollte diese Punkte bei seiner Entscheidung berücksichtigen. Als Nebenwirkung können unregelmäßige Bleicheffekte entstehen.
    • Transplantation: In bestimmten Fällen kann die sog. Melanozytentransplantation hilfreich sein. In einer kleinen Operation entnimmt der Arzt körpereigene Farbpigmente (Melanozyten), züchtet sie und verpflanzt sie auf die betroffenen Bereiche.
    • Ginkgo: Auch Pflanzenkraft kann als begleitende Maßnahme eine Option sein. Studien haben ergeben, dass Extrakte mit Ginkgo biloba bei manchen Patienten zu einer Repigmentierung führen.

    Viele Erkrankte fühlen sich durch die Vitiligo in ihrer Lebensqualität erheblich eingeschränkt. In einigen Fällen kann eine begleitende psychologische Behandlung sinnvoll sein.

    Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Verlauf

    Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) schreitet häufig langsam fort: Die Flecken vermehren sich und werden größer. Oft gehen sie in einzelne Herde über. Bestimmte Einflüsse wie zum Beispiel Sonnenlicht oder psychische Belastungen können das Voranschreiten von Vitiligo beschleunigen.

    Bei einigen Patienten kann Vitiligo eine vollständige Depigmentierung zur Folge haben. In anderen Fällen bilden sich die weißen Flecken aber auch spontan wieder zurück (sog. Repigmentierung).

    Eine frühzeitige Therapie kann den Verlauf der Vitiligo unter Umständen verlangsamen. Daher lohnt es sich, zeitnah den Hautarzt aufzusuchen, wenn Sie den Verdacht haben, an der Weißfleckenkrankheit zu leiden.

    Gut vor der Sonne schützen

    Die weißen Flecken sind sehr lichtempfindlich. Dies erhöht die Gefahr für einen Sonnenbrand. Daher sollten Sie stets auf einen guten Sonnenschutz achten und auch die Sonnenbank meiden. Sonnenbrände, Entzündungen oder Verletzungen können zudem dazu führen, dass sich bestehende Flecken vergrößern oder weitere hinzukommen.

    Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Weitere Informationen

    ICD-10-Diagnoseschlüssel:

    Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Vitiligo (Weißflecken­krankheit)":

    Onmeda-Lesetipps:

    Linktipps:

    Deutscher Vitiligo Verein e.V. Informationen zum Thema Vitiligo

    Deutscher Vitiligo-Bund e.V. Kontakte, Hilfe und Informationen für Betroffene und Selbsthilfegruppen

    Quellen:

    Vitiligo. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 17.7.2017)

    Bae, J., et al.: Phototherapy for Vitiligo: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Dermatology, Vol. 153, Iss. 7, pp.666-674 (Juli 2017)

    Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2016

    Schuster, N.: Vitiligo. Stigmatisierende Pigmentstörung. pta forum online, Ausgabe 15/2016

    Whitton, ME., et al.: Interventions for vitiligo. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 2. Art. No.: CD003263

    Sterry, W., Worm, M., Burgdorf, W.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2014

    Plewig, G., Landthaler, M., Burgdorf, W., Hertl, M.: Braun Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Berlin, Heidelberg 2012

    Aktualisiert am: 19. Dezember 2017

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