Schädel-Hirn-Trauma (SHT): Häufige Unfallfolge

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (18. März 2015)

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Ein Sturz, ein Schlag auf den Kopf oder ein Verkehrsunfall – eine Verletzung am Kopf kann schnell passieren. Nicht selten erleiden die Betroffenen dabei ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT). Jedes zweite Schädel-Hirn-Trauma ist Folge eines Sturzes, sei es beim Skifahren oder Fahrradfahren, im Haushalt oder bei der Arbeit. 

Medizinisch gesehen handelt es sich bei einem "Trauma" um eine körperliche Verletzung. Wie der Name schon sagt, bezeichnet ein Schädel-Hirn-Trauma also grundsätzlich eine Verletzung des Schädels und des Gehirns. Die Schwere der Verletzung kann dabei ganz unterschiedlich ausfallen – angefangen von kurzen Bewusstseinstörungen bis hin zu schweren Schädigungen des Hirngewebes. 

Ein Schädel-Hirn-Trauma lässt sich in drei Schweregrade einteilen.

  • leichtes Schädel-Hirn-Trauma (SHT 1. Grades): Unmittelbar nach dem Unfall tritt eine Bewusstseinsstörung auf, die lediglich kurz (Sekunden bis Minuten) anhält. In einigen Fällen kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu.
  • mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT 2. Grades): Die Bewusstseinsstörungen dauern länger an (bis zu einer Stunde) und die Betroffenen leiden häufig unter sogenannten zerebralen Herdsymptomen – zum Beispiel Sprachstörungen, Sehstörungen oder Lähmungen.
  • schweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT 3. Grades): Der Betroffene ist nach dem Trauma mehrere Tage bis Wochen bewusstlos. Häufig weist das Gehirn schwere Verletzungen auf, wodurch die Patienten langfristige neurologische Störungen davontragen können. 

Viele Menschen sprechen in diesem Zusammenhang auch von "Gehirnerschütterung", "Gehirnprellung" und "Gehirnquetschung", wobei es sich dabei eher um umgangssprachliche Begriffe handelt. 

Ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma kommt relativ häufig vor – etwa bei 80 von 100 Menschen, die ein Schädel-Hirn-Trauma erleiden, handelt es sich um ein SHT 1. Grades. Nur in jeweilis 10 Prozent der Fälle liegt ein mittelschweres oder ein schweres Schädel-Hirn-Trauma vor.  Ein schweres Schädel-Hirn-Trauma (SHT Grad 3) geht immer mit einer zumindest stundenlangen Bewusstlosigkeit einher und ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

Eine wichtige Untersuchung bei Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma ist die Computertomographie des Kopfes  (Schädel-CT). Damit kann der Arzt feststellen, wie schwer das Gehirn verletzt worden ist. © iStock

Eine wichtige Untersuchung bei Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma ist die Computertomographie des Kopfes (Schädel-CT). Damit kann der Arzt feststellen, wie schwer das Gehirn verletzt worden ist.

Pro Jahr rechnet man in Deutschland mit über 250.000 Schädel-Hirn-Verletzten aller Schweregrade. Verlässliche Angaben zur Häufigkeit sind dabei allerdings nicht möglich. Der Grund: Viele Patienten mit einem leichten Schädel-Hirn-Trauma fühlen sich unmittelbar nach der Verletzung nicht beträchtigt und verzichten daher auf den Besuch beim Arzt. 

Verletzt sich eine Person am Kopf, kann der Arzt recht schnell einschätzen, wie schwer das Schädel-Hirn-Trauma ist. Mediziner prüfen,

  • ob der Betroffene wach oder erweckbar ist und die Augen öffnet,
  • ob er sich bewegen kann ("Körpermotorik") und
  • ob er sprechen kann ("verbale Reaktion").

Die Ergebnisse der Untersuchungen kann er auf der sogenannten Glasgow-Coma-Scale (GCS) mit Punktwerten abgleichen und anhand der Summe, die sich ergibt, den Schweregrad des SHT ermitteln.

Eine Person ohne medizinisch bedeutsames Schädel-Hirn-Trauma öffnet die Augen spontan, bewegt sich auf Aufforderung hin, ist orientiert und antwortet angemessen auf Fragen. Dieser Zustand entspricht auf der Glasgow-Coma-Scale 15 Punkten, dem Maximalwert. 

Außerdem versuchen die Ärzte, sich einen schnellen Überblick über die Funktion der Hirnnerven zu machen, was einen Rückschluss auf etwaige Hirn-Verletzungen und den Druck im Schädelinneren erlaubt. Sie achten darauf, wie und ob die Pupillen auf einfallendes Licht reagieren, wie die Augen stehen und sich bewegen und ob der Betroffene auf die Stimulation bestimmter Punkte im Gesicht durch einen Schmerzreiz reagiert.

Wichtig ist zudem, den Kopf vorsichtig auf Wunden hin zu untersuchen, die durch die Haare mitunter verdeckt werden. Außerdem schauen die Mediziner, ob aus der Nase oder den Ohren Flüssigkeit (Nervenwasser, Blut) austritt, was auf Verletzungen der Schädelbasis hinweisen kann.

Es kommt vor, dass eine Person unmittelbar nach dem Unfall vorerst noch wach ist, dann aber eintrübt, sein Bewusstsein also schwindet, und schließlich bewusstlos wird. Die Bewusstlosigkeit kann bis zum Koma reichen, der schwersten Form der Bewusstseinsstörung, aus der der Betroffene zumindest für eine bestimmte Zeit nicht erweckbar ist.

Häufige Ursachen eines Schädel-Hirn-Traumas:

  • Stumpfe Gewalt führt in der Regel zu einem sog. geschlossenen Schädel-Hirn-Trauma, bei dem der Schädel nicht eröffnet ist und die äußerste Hirnhaut, die Dura mater, unverletzt bleibt. Hierzu zählen etwa
    • Unfälle mit Sturz auf den Kopf,
    • Gewalteinwirkung auf den Kopf etwa durch einen Schlag oder
    • der Anprall des Kopfes bei einem Verkehrsunfall.
  • Im Gegensatz dazu führen Pfählungs- und Schussverletzungen sowie manchmal ein extrem starker Aufprall zu einem sog. offenen SHT, bei dem Schädelknochen und die Dura mitverletzt werden und somit eine direkte Verbindung zwischen dem Schädelinneren und der Außenwelt besteht.

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