Bild einer Bettwanze.
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Bettwanzen: Unliebsame Mitbewohner

Das Bett ist ein intimer Ort. Ein sauberer Ort. Bettwanzen wünscht sich niemand herbei, vor allem nicht, da sie stechen und für mehrere Minuten Blut aus ihren Opfern saugen. Doch in den letzten Jahrzehnten nimmt der Befall mit Bettwanzen zu – und zwar unabhängig von den hygienischen Bedingungen im Schlafgemach.

Allgemeines

Bettwanzen kommen weltweit vor und sind das ganze Jahr über aktiv. Einziges Nahrungsmittel dieser flügellosen Insekten: Blut, meist das von Menschen. Ferner finden Bettwanzen auch Fledermäuse, Vögel und manche Haustiere als Blutquelle attraktiv.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Bettwanze ist schon seit langer Zeit schwer belastet: Es gibt Hinweise, dass Anwohner von Dörfern nahe der ägyptischen Pyramiden bereits vor viertausend Jahren über Wanzen geklagt haben.

Bettwanzen leben tagsüber in Verstecken. Nachts schreiten sie zur Tat und suchen sich ihren "Blutspender". Sie rücken aber nicht täglich aus, um nach Nahrung zu suchen – vielmehr können Bettwanzen bis zu einem halben Jahr hungern. Allerdings können sie während dieser Zeit keine Eier produzieren, sich also nicht vermehren.

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Eine gute Nachricht: Bettwanzen übertragen keine Krankheiten. An der Haut führen ihre Bisse aber zu Quaddeln oder störendem Ausschlag und teils starkem Juckreiz. In seltenen Fällen reagieren Personen schwer allergisch auf die Stiche.

Viele vermuten Bettwanzen nur in Unterkünften wie etwa Obdachlosenheimen, Strafvollzugsanstalten, Kasernen. Weit gefehlt! Auch wenn dies für lange Zeit die klassischen Orte waren, die von Bettwanzen befallen wurden, stellt sich das Problem heute anders dar. Denn auch in Hotels, Hostels, Wohnheimen, Bussen, Bahnen, Flugzeugen und Schiffen findet man die blutsaugenden Parasiten.

Video: Bettwanzen erkennen und loswerden

Eine für viele unangenehme Tatsache: Auch in Privathaushalten machen sich Bettwanzen seit Ende der 1990er Jahre vermehrt breit. Die hygienischen und sozialen Bedingungen spielen dabei keine bedeutende Rolle! Wie gelangen Bettwanzen von einem Ort zum anderen? Meist werden sie über Gegenstände eingeschleppt, die bereits mit Bettwanzen befallen sind. Häufig handelt es sich dabei um Matratzen, Bilder, Koffer, CDs oder Möbel.

Experten sehen vor allem vier Gründe für die "Renaissance" der Bettwanzen in Privathaushalten:

  • die Globalisierung (internationaler Handel mit Gebrauchtwaren, auch über das Internet)
  • verstärkte Reisetätigkeit und Migration der Menschen
  • schlechtere Verfügbarkeit und seltenerer Gebrauch von Insektenschutzmitteln
  • Resistenzen unter den Bettwanzen gegenüber gängigen Wirkstoffen

Die gemeine Bettwanze heißt fachlich Cimex lectularis.

Bettwanzenbisse, Bettwanzenstiche

In den meisten Fällen sind es Bettwanzenbisse (auch: "Bettwanzenstiche"), die den Menschen überhaupt auf die ungebetenen Gäste aufmerksam machen. Ob es sich dabei aber um Läuse, Flöhe oder andere blutsaugende Insekten handelt, bleibt oft lange Zeit oder gänzlich unklar.

Bettwanzenbisse sind lästig und mitunter schmerzhaft – bisher ließ sich nicht nachweisen, dass sie Krankheiten auf den Menschen übertragen. Dennoch geht eine gewisse gesundheitliche Gefahr von Bettwanzenstichen aus:

  • Obwohl Bettwanzenbisse meist nur zu kleinen oder größeren, mehr oder minder juckenden Quaddeln führen,
  • kann es zu stärkeren Hautreaktionen kommen, die bis zu juckenden Knötchen oder einem blasigen Hautausschlag reichen.

Der Speichel der Bettwanzen enthält einen Stoff, der die Blutgerinnung hemmt. Dies führt zu den Reaktionen an der Haut um die Bissstelle herum.

Typisch für Bettwanzenstiche ist eine charakteristische Reihe von Stichen. Dies liegt daran, dass Bettwanzen ihren Stechrüssel meist mehrmals einstechen und wieder herausziehen – an unterschiedlicher Stelle.

Wer kratzt, riskiert, dass sich die Wunde mit anderen Erregern infiziert, etwa Hautbakterien. Dies verzögert die Heilung. Sehr seltene, aber schwere Folge der Bettwanzenbisse: allergische Überreaktionen wie der sogenannte anaphylaktische Schock.

Bettwanzen erkennen

Bettwanzen zu erkennen, ist nicht einfach. Voraussetzung dafür ist zum einen, dass der Finder weiß, wie eine Bettwanze in etwa aussieht. Zum anderen muss er sie von anderem Ungeziefer unterscheiden.

Woran können Sie Bettwanzen erkennen? Ausgewachsene Tiere sind

  • rotbraun gefärbt,
  • sehr flach (daher der umgangssprachliche Name "Tapetenflunder") und
  • zwischen 4 und 6 Millimeter (mm) lang, vollgesogen bis 9 mm

Bettwanzen-Weibchen legen im Laufe ihres Lebens – das sind etwa sechs bis achtzehn Monate – zwischen 100 und 500 Eier. Die Eier sind circa 1 mm lang, milchig-weiß und finden sich im Versteck der Wanzen oder der näheren Umgebung.

In manchen Fällen kann man Bettwanzen riechen. Werden sie gestört, sondern sie einen Duftstoff aus ihren Stinkdrüsen ab. Der süßliche Geruch (nach Bittermandel) warnt andere Wanzen. Die Folge: Die Bettwanzen suchen sich ein neues Versteck. Dort, wo viele Bettwanzen sind, lässt sich mitunter ein unangenehmer Wanzenduft wahrnehmen.

Um Bettwanzen zu erkennen, müssen Sie wissen, wo sie sich typischerweise verstecken. Zu den charakteristischen Unterschlüpfen zählen:

  • Bücher
  • Steckdosen
  • Bettgestelle
  • andere Möbel
  • Tapeten und Wandverkleidungen
  • Fußleisten
  • Bilder
  • CD-Hüllen
  • Elektrogeräte

Weiterhin können Sie Bettwanzen daran erkennen, dass sie in befallenen Ritzen Kotspuren hinterlassen, die Sie als kleine schwarze Flecken sehen können.

Bettwanzen bekämpfen

Es ist ein schwieriges, oft langwieriges und teures Unterfangen, Bettwanzen erfolgreich zu bekämpfen. Der Grund: Bettwanzen sind sehr widerstandsfähig und reagieren zudem auf viele Insektizide nicht mehr – sie sind resistent.

Nachvollziehbar, aber nicht empfehlenswert: Wer sich wegen der Bettwanzen schämt, selbst aktiv wird und auf professionelle Hilfe verzichtet, verschlimmert das Problem meist. Die Bettwanzen überleben und richten weiterhin Schaden an.

Rufen Sie unbedingt Fachleute, um die Bettwanzen bekämpfen zu lassen. Nur Kammerjäger verfügen über die richtigen Gerätschaften und Mittel, um die Parasiten zu vernichten (sog. Entwesung). Privatleute können Bettwanzen aus folgenden Gründen kaum ohne Hilfe von Profis bekämpfen:

  • Bettwanzen tolerieren Temperaturen von 5 bis 40 Grad Celsius, sie sind sehr anpassungsfähig.
  • Bettwanzen überleben monatelange "Dürrephasen", in denen sie kein Blut bekommen.

Um Bettwanzen zu bekämpfen, setzen Fachleute meist auf die sogenannte integrierte Schädlingsbekämpfung: Sie kombiniert physikalische, chemische und biologische Methoden. Ziel ist es, sowohl den Menschen als auch Tiere und die Umwelt so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

Wer Bettwanzen bekämpfen möchte, muss ihr Versteck beziehungsweise ihre Verstecke ausfindig machen. Die Wanzen selbst, ihre abgestreifte Haut und die Eier lassen sich mit dem Auge erkennen. Schädlingsbekämpfer sichten die befallenen Räumlichkeiten und schlagen eine Methode vor, mit der sich die Bettwanzen erfolgreich vernichten lassen.

In vielen Fällen gehen sie wie folgt vor:

  • Sie sprühen Verstecke der Bettwanzen mit Insektiziden ein, etwa Ritzen und Spalten.
  • Anschließend tragen sie das Insektenschutzmittel auf Wände und Böden auf, die befallene Gegenstände umgeben, und behandeln Türrahmen.
  • Solche Insektizidbarrieren sollen die Bettwanzen daran hindern, von einem befallenen in ein nicht befallenes Areal laufen zu können, ohne mit dem Insektizid in Berührung zu kommen.

Gegen Bettwanzen helfen zudem Kälte oder Hitze: Kleinere Gegenstände wie Bilderrahmen oder Bücher lassen sich in der Gefriertruhe "bearbeiten". Sie sollten zwei bis drei Tage einer Temperatur von -18 Grad ausgesetzt werden. Dies tötet auch Wanzeneier zuverlässig. Die Alternative ist Hitze: Um Bettwanzen erfolgreich zu bekämpfen, muss eine Temperatur über 45 Grad Celsius herrschen, und das für mindestens 30 Minuten! Mittels spezieller Öfen lassen sich ganze Räume von Bettwanzen befreien.

Weitere Tipps:

  • Gegenstände, die nicht in die Waschmaschine passen, etwa Matratzen, lassen sich mit einem Dampfreiniger reinigen.
  • Einige Hotels nutzen spezielle Bettwanzenbezüge, die sie über die Matratzen ziehen. Kommt es zu einem Befall mit Bettwanzen, reicht es, diese Bezüge auszutauschen.

Profis bekämpfen die Tiere vor allem mit den sogenannten Pyrethroiden, einer Wirkstoffgruppe der Insektizide. Da viele Insektizide nichts gegen die Eier der Parasiten ausrichten können, sondern nur bereits geschlüpfte Tiere bekämfen, müssen sie über lange Zeit wirken, mindestens über sechs Wochen (sog. Residualwirkung). Dies stellt sicher, dass nachschlüpfende Tiere unmittelbar getötet werden, wenn sie mit der behandelten Oberfläche in Kontakt kommen.

In den letzten Jahren berichten immer mehr Schädlingsbekämpfer von Bettwanzenstämmen, die nicht mehr empfindlich auf Pyrethroide reagieren – sie sind resistent.

Besonders wichtig: Um eine ganze Wanzenpopulation zu vernichten, sollte der Erfolg der Maßnahmen wöchentlich kontrolliert werden. Zudem empfehlen Experten, die Behandlung zu wiederholen, die Bettwanzen also mehrmals zu bekämpfen.